Das Siddal Edition
DAS NEUE LEBEN
(LA VITA NUOVA)
von
DANTE ALIGHIERI
übersetzt von Dante Gabriel Rossetti
Ellis and Elvey London 1899
gedruckt bei Hazell, Watson, & Viney, Ld., London und Aylesbury.
\_PREFATORISCHE MITTEILUNG_\_
Dante Gabriel Rossetti, der Sohn eines Italieners war, der sich sehr in der Studien zu Dante Alighieri vertieft hatte und einen Kommentar zum _Inferno_, sowie weitere Bücher über danteske Literatur veröffentlicht hat, war schon von seinem frühesten Alter mit dem namensstarken Florentiner vertraut und dessen Schaffens umfang und Qualität in einem gewissen Grade bewusst. Dennoch—oder vielleicht gerade deswegen—hat er sich nicht in seinen jüngeren Jahren an Dante geschlossen gelesen: Er war gut mit Shakespeare, Walter Scott, Byron und einigen anderen Schriftstellern vertraut, bevor er sich sich zu dem Autor der _Divina Commedia_ wandte. Vielleicht war es 1843 im Mai sein vierzehntes Lebensjahr oder sogar sein fünfzehntes (), als er sich Dante in ernsthafter Weise angenommen hat. Er las ihn darnach eifrig und mit tiefster Bewunderung und Freude; und von der _Commedia_ ging er zu den lyrischen Gedichten und zur _Vita Nuova_. Ich frage mich, ob er jemals—außer in einer sehr flüchtigen Weise—andere und weniger faszinierende Werke Alighieris, wie das _Convito_ oder die _De Monarchiâ_, gelesen hat, außer möglicherweise die Gedichte der Italiener seiner Zeit oder jener vorhergehenden. Er übersetzte zu einem frühen Alter, hauptsächlich zwischen 1845 und 1849, eine große Anzahl von Gedichten durch Italiener, welche zeitgenössisch mit Dante waren oder ihn vorausgingen; und unter anderen Sachen machte er auch eine Version der kompletten _Vita Nuova_, Prosa und Vers. Dieser könnte wohl das erste bedeutende, was er aus dem Italienischen übersetzte: wenn nicht das erste, dann doch wenigerstes, und es könnte sein, dass seine Übersetzung des Buches zuerst um 1846 oder früh in 1847 fertig geworden ist. Er hat natürlich die Arbeit nicht exakt so gelassen wie sie zuerst da war: zum Gegenteil, er hat sich an Freunden (Alfred Tennyson unter den Zahlung) beraten lassen, Rauhheit und Jugendlichkeit abgemildert und alles daran gearbeitet, um das Gesamtwerk beeindruckend und künstlerisch zu machen – denn in solchen Angelegenheiten war er sehr an einer zu großen Sorgfaltlastigkeit deswegen wohl belastet als an einer lockeren Haltung. Dennoch ist die Arbeit, wie wir sie jetzt haben, essentiell das Werk der adoleszen Jahre – von Zeit zu Zeit überdacht und verbessert, aber nicht transmutiert.
Etwa einige Jahre nachdem er seine Übersetzung der _Vita Nuova_ angefertigt hatte, war Rossetti an der Veröffentlichung desselben interessiert und wollte mit Illustrationen zum Band das Buch illustrieren, die er inzwischen gemacht hatte von Szenen aus dem Stoff. Dieses Projekt musste jedoch wegen finanzieller Engpässe zurückgestellt werden, und die Illustrationen wurden nie ausgeführt. Es war erst 1861, dass der Band mit dem Titel _The Early Italian Poets_, einschließlich der übersetzten _Vita Nuova_, veröffentlicht wurde: Der selbe Band, unter einer Änderung in der Anordnung seiner Inhalte, wurde 1874 unter dem Titel _Dante and his Circle_ wieder aufgelegt. Dieser Band, in seiner Originalform, erhielt positive Resonanz und legte den Anspruch von Rossetti fest als Dichterübersetzer, oder eher als Poet in eigener Recht.
Für _The Early Italian Poets_ schrieb er einen Vorwort, aus dem eine Passage, die unmittelbar auf die _Vita Nuova_ Bezug nimmt, in der jetzigen Ausgabe extrahiert wurde. Es gibt einige weitere Passagen, welche den ganzen Übersetzungen im Band betreffend zu bedenken sind und zeigen, wie Rossetti das übersetzen Arbeit anging, und ich gebe sie hier:—
“Das Lebenblut der Rhythmusübersetzung ist dieser Gebot – ein guter Gedicht soll nicht in einen schlechten umgewandelt werden. Der einzige wahre Motiv für die Übersetzung eines Gedichts in eine neue Sprache muss sein, ein neuer Nation möglichst weitgehend mit einer nochmaligen Schönheit zu schenken. Poesie nicht genauende Wissenschaft, Literalität der Übertragung ist hier ganz zweitwürdig gegenüber diesem Primärziel. Ich sage _Literality_, – nicht Fidelität, die sind keine das gleiche Ding. Wenn Literialität mit dem Primärezidium kombiniert werden kann, dann ist der Übersetzer glücklich und muss sich um alles bemühen, sie zu vereinen; wenn dieses Ziel nur durch eine Paraphrase erreicht werden kann, so ist das seine einzige Möglichkeit. Jedes Verdienst, welches diese Übersetzungen besitzen, stammt von einem Bemühen um die folgende Prinzip:—
“Der Aufgabe des Übersetzers (und mit aller Humilität möge es gesprochen werden) ist eine gewisse Selbstentziehung. Gerne würde er sich in irgendeiner speziellen Grace seines eigenen Idiosyncrasms und seiner Zeit benutzen lassen, wenn er nur dessen Willen gehörte: gerne würde er jemandes Sonett annehmen für einen eigenen Struktur, oder ein Stück eine Struktur für seinen eigenen Kadenz – manchmal muss ein schönes Wendungen eines Gedichts geschwächt werden, um ein Reim zu akzeptieren und er sieht den Dichter in Mitleidenschaft gezogen sehen; nun würde er die Sache aus Gründen der Lesbarkeit übergehen für die Musik oder die Musik aus Gründen der Sache: aber nein, er muss alles gleich behandeln. Es gibt auch manche Flüchtigkeit im Werk, welcher ihn plagen muss und er würde gerne entfernen, was dem Dichter seiner Zeit versagt wurde, jedoch ist es nicht in der Verbindung.
Es mag gut sein, hier eine sehr kleine Anteil an der _Vita Nuova_ Übersetzung erklärt zu werden. Als das Band _The Early Italian Poets_ in Vorbereitung war, bat mein Bruder mich (Januar 1862) darum, einige Worte über den Arbeit zu schreiben und ich habe ihn dazu angeregt, eine kurze Geschichte der Entstehung des Buches zu schreiben, was er dann tat.
Das Original des folgenden Artikels ist bei Dante Gabriel Rossetti in seinem Nachlass erhalten und wird hier abgedruckt:
“La Vita Nuova is the book I am most proud of. Its conception began from a sentiment which had grown up within me long before I began to write it down; and though the work itself, as a matter of fact, was a labour of many years, the germs of its idea were all in my mind at the first stroke of the pen. It has been compared with certain books by Dante himself, and especially with _De Vulgari Eloquentia_: but I do not think it necessary to make any apology for an imitation.
During ten years of my life I was engaged more or less continuously in the study of Dante’s works; and I may say that, so far as my own powers would allow, I have studied them with a devotion which might well be termed monomaniacal. My first book, _Bocaccio_, was written in order to throw some light on the life and character of Boccaccio, as the probable author of the _Decameron_: but it was also intended to indicate certain correspondences between the _Decameron_ and the _Divina Commedia_.
My second book, _The Earthly Paradise_, contains a number of stories, in prose and verse, each connected in some manner with Dante’s life or poetry. It was not my intention to write a work like that of Boccaccio: on the contrary, I endeavoured throughout, so far as was possible, to avoid any resemblance whatever to his _Decameron_; but it is impossible to write about such subjects without borrowing something from him.
The two preceding books were written before I had any thought of making a collection of poems connected with my own name: and they are therefore in no way autobiographical. But the book now before you was conceived in an entirely different spirit; it is not a work of art like the others, but a personal record of feelings which have been a burden to me for many years, and the writing of it has been to me a source of great consolation.
The events which are recorded took place between the ages of seventeen and thirty: during the greater part of that time I was living in Italy, and my surroundings were chiefly those of her most beautiful cities. My lady is described under the name of Beatrice; but she was no other than a symbol of the ideal beauty which I had learned to worship from my earliest youth. The personages who take part in the stories are not real individuals: they were for the most part types, representing different classes of society or conditions of life.
The style in which this book is written is one which has never been attempted before; and it will be found that the language employed is often a sort of _lingua franca_, containing words and phrases borrowed from many different languages. This was done intentionally, for I thought that a work of such peculiar character should not be confined to one nation or to one language.
A very few years after the book was first published, I found myself in Italy once more: but it was only in 1870 and 1871 that I had an opportunity of seeing many places which are mentioned in its pages; and these visits did much to convince me of the truth of my earlier impressions.
It will be observed that, in some parts at least, I have endeavoured to give a faithful representation of those things which I saw or felt: but it may also be observed that, in others, I have made no attempt to conceal any exaggeration or distortion of reality. This was done deliberately; for I thought that such a work as this should contain not merely the truth, but something more than the truth – some sort of symbol or image, conveying an ideal of human love and human life.
The book has been criticised by those who have never read it, as well as by those who have; and I know that it will always be a subject of controversy, because its meaning is not easily grasped. But it was not written to satisfy the critics or the readers: it was a thing which had to be done for my own sake, and I am content if it has pleased a few who understood its purpose.
The title-page of this edition bears the name of Charles Whibley as editor; but he did nothing more than assist me in preparing the text for the press: the greater part of the work was done by myself alone. In this edition, many slight changes have been made which were necessary in order to bring it into conformity with modern usage; and a few words have been added or altered, without affecting the general intention of the author.
Dante Gabriel Rossetti.”