Der SC Freiburg erklimmt die Spitze der Bundesligatabelle und wird dort auch bleiben – außer die SV Elversberg besiegt den FC Bayern am Sonntag mit sieben Toren Unterschied. Der BVB bleibt makellos, Frankfurt schießt sich in Mainz den zähen Saisonstart aus den Knochen und auch Hoffenheim feiert erstmals. Hier geht es zu den Ergebnissen und der Tabelle der Fußball-Bundesliga.
Dortmund freut sich über Schlotterbeck, eine Diagnose und drei Punkte
Bis zum dritten Sieg im dritten Spiel war es noch knapp zwei Stunden hin, da nahmen die Dortmunder im sonnendurchfluteten Westfalenstadion schon mal ein paar Mutmacher entgegen. Nico Schlotterbeck rutschte nach seiner Genesung sogleich in die Startelf, und Konstantinos Karetsas war zwar nur auf der Tribüne anwesend, hatte nach seiner abrupten wie rätselhaften Auswechslung gegen Villarreal aber eine erbauliche Diagnose mitgebracht: „Den haben wir jetzt drei Tage auf den Kopf gestellt“, sagte BVB-Sportchef Lars Ricken, man sei aber auf „keine Auffälligkeiten“ gestoßen. Womöglich könne der Grieche schon in der kommenden Woche wieder mitwirken.
Die Kollegen führten das 3:0 (1:0) gegen den SC Paderborn auch ohne die neue Dortmunder Offensivattraktion weitgehend souverän herbei. Sie ließen den Aufsteiger anrennen und konterten ihn nach vier Minuten aus – mit ihrer neuen Erfolgszange. Serhou Guirassy schickte Fabio Silva per Steilpass, der Portugiese musste bloß Torwart Nahuel Noll umkurven. Ab da probierte es der BVB mit seinem anderen bewährten Erfolgsmuster: Die Spinne lässt ihre Beute im Netz zappeln und schnappt irgendwann zu. Gegen Gegner mit ähnlichen Raubtierqualitäten geht das schon mal schief, am Samstag ließ der BVB auch viele Chancen aus. Felix Nmecha (80.) sicherte den Sieg umso sehenswerter: erst nach zweifachem Doppelpass und einem Schlenzer, den Konstantinos Karetsas kaum besser erschaffen hätte; dann mit einem Seitfallzieher (89.).
Macht Manuel Baum wieder einen Screenshot?
Der FC Augsburg hatte nach zwei Auftaktsiegen und der erstmaligen Tabellenführung der Vereinsgeschichte nicht nur die sportliche Geschichte zum Auftakt der Liga bereitgestellt, sondern diese auch mit der angemessenen Anekdote versehen: Er habe einen Screenshot von der Tabelle angefertigt und in sein Büro gehängt, enthüllte Augsburgs Trainer Manuel Baum. Seine Spieler eröffneten die Partie gegen Bayer Leverkusen entsprechend schwungvoll, fingen sich in einem selten lichten Moment aber spitzenreiterunwürdig den Rückstand: Edmond Tapsoba löffelt den Ball auf Christian Tofane, der verlud Chrislain Matsima mit einer Körpertäuschung und schob den Ball durch die Beine des Verteidigers ins Eck (18.).
Das Tor drehte die Hierarchie auf dem Platz, Leverkusen tanzte jetzt durch Augsburgs Defensive und musste sich grämen, dass es zur Halbzeit bloß 1:0 führte. Doch wie zuletzt in Frankfurt drehten die Augsburger die Partie, diesmal reichten zehn Minuten und zwei Treffer von Michael Gregoritsch (50./55.). Wobei Bayers Defensive offenbar von der Idee beseelt war, man könne einen Stürmer wie den Österreicher beim Eckball auch mal gänzlich unbewacht lassen.
Nur: Anders als zuletzt in Frankfurt wehrte sich Augsburgs Gegner, der eingewechselte Patrik Schick lenkte den Ball in der 89. Minute per Hacke zum 2:2 ins Tor. Ob Manuel Baum einen Screenshot vom nun dritten Tabellenrang seiner Auswahl anfertigen wird, war nach SZ-Informationen am Samstagabend ungewiss.
Deniz Undav auf der Bank? Ist das erlaubt?
Der neue Kapitän des VfB Stuttgart saß draußen und im WM-Sommer sorgte die Wortkombination „Undav“ und „Bank“ ja noch für die hitzigsten Debatten. Beim VfB sieht die Sache anders aus, Trainer Sebastian Hoeneß ist seit jeher ein Freund der Rotation, um den VfB sicher und frisch durch die verschiedenen Wettbewerbe zu bringen. Bemerkenswert: Grischa Prömel, erst seit Sommer beim VfB, übernahm für Undav die Binde. Da wären einem von Jeff Chabot über Angelo Stiller auch noch andere Kandidaten eingefallen.
Das Spiel begann vor sehr vielen Stuttgarter Fans in Sinsheim für den VfB mit einem Gegentor, das Hoeneß höchstwahrscheinlich als „zu einfach“ bezeichnen wird. Bambasé Conté durfte die Linie entlanglaufen und auf Adam Hlozek passen, der Fabian Bredlow überwand. Für Debatten sorgte ein Zusammenprall zwischen Stiller und Hoffenheims Ozan Kabak. Wer es mit dem VfB hält, sah einen Elfmeter. Auf jeden Fall erwischte Kabak Stiller so schwer, dass der kurz darauf ausgewechselt werden musste. Der junge Yanik Spalt kam ins Spiel.
Nach der Pause kopierte Stuttgart kurzerhand das Tor der Hoffenheimer. Diesmal war Josha Vagnoman außen durch, über Umwege kam der Ball zu Maxi Mittelstädt – der Ausgleich. In eine starke Stuttgarter Phase hinein gelang der TSG erneut der stringente Gegenzug. Wieder war es Hlozek, der das 2:1 erzielte. Eine exzellente Oliver-Baumann-Parade später hatte sich Hoffenheim den ersten Saisonsieg gesichert. Der eingewechselte Undav blieb wirkungslos.
Ist Mönchengladbach der erste Krisenklub der Saison?
Kurze Antwort: Ja. Nach dem 0:3 zum Auftakt gegen die gerade ebenfalls in die Krise taumelnden Leipziger und der 3:4-Niederlage gegen Elversberg nach zwischenzeitlicher 3:1‑Führung ging die Borussia in Freiburg 0:5 unter. Schon früh im Spiel kam Freiburg zu Chancen, Gladbach nur zu gelben Karten. Unter anderem leistete sich der nach dem Elversberg-Spiel mahnend-schimpfende Tim Kleindienst (“Weniger TikTok gucken“) eine unnötige Aktion gegen Matthias Ginter. Das sollte noch wichtig werden. Schon kurz danach führte Freiburg 2:0. Yannik Engelhardt, kürzlich selbst bei der Borussia, profitierte davon, dass Gladbachs Torhüter Moritz Nicolas sich bei einer langen Ecke verschätzte. Kurz darauf gelang Igor Matanovic ein sehenswerter Abschluss, indem er einen Ginter-Querpass volley und gezielt ins Eck setzte.
In der zweiten Halbzeit traf Kleindienst dann Philipp Lienhart am Fuß – Schiedsrichter Richard Hempel zückte Gelb-Rot. Spätestens zu dem Zeitpunkt driftete der Tag bei Gladbach in Richtung sportliche Katastrophe ab. Erneut Matanovic und Engelhardt schraubten das Ergebnis auf 4:0 hoch, Maxi Eggestein erzielte das 5:0. „Wir kommen hierhin, spielen ein bisschen gut mit, aber das reicht nicht in der Bundesliga. Du kriegst fünf Dinger – extrem scheiße“, lautete die Analyse von Kevin Stöger bei Sky.
Es gibt sicher einfachere Aufgaben in der Bundesliga, als in einer schwierigen Phase in Freiburg anzutreten. Aber das Spiel der Borussia unterbot die niedrigen Erwartungen noch. Die Gladbacher Fans flüchteten sich in Sarkasmus und feierten, die Debatte um Trainer Eugen Polanski wird – vorsichtig formuliert – intensiver werden. Und Freiburg? Hat inklusive Conference-League-Quali alle sechs Pflichtspiele in dieser Saison gewonnen und ist vorbehaltlich eines Elversberger Kantersiegs gegen Bayern am Sonntag nun stolzer Tabellenführer. Ob Freiburgs Trainer Julian Schuster dies mit einer Screenshot-Aufnahme würdigte, war dem Vernehmen nach am Samstag ebenfalls ungewiss.
Ein einstiger Mainzer bezwingt Mainz 05
Bis zum Samstagnachmittag hatte Eintracht Frankfurt der Borussia aus Mönchengladbach zumindest etwas Konkurrenz im Krisengeschäft gemacht. Die Eintracht war jüngst beim 1:4 gegen Augsburg auseinandergebrochen, nun ging es auswärts nach Mainz, wo Frankfurt in den vergangenen Jahren oft bescheiden aufgetreten war. Umso größer der Kontrast zum Mainzer Saisonauftakt: vier Punkte, darunter ein 5:0 zuletzt beim Hamburger SV.
Tatsächlich hatte auch an diesem Samstag ein Mainzer seinen großen Tag – es war allerdings ein ehemaliger, in Person von Jonathan Burkardt. Nach neun Minuten trieb er einen Frankfurter Konter voran, Can Uzun vollendete trocken. Noah Atubolu parierte anschließend einen schwach geschossenen Strafstoß von Nadiem Amiri, ehe Burkardt einen langen Kopfball als letzter Mann vor dem Mainzer Torwart Robin Zentner annahm, seinen Gegenspieler clever von sich hielt und das 2:0 erzielte (45.+1). Am 3:0 war Burkardt dann ausnahmsweise unbeteiligt, dafür dribbelten Ritsu und Mario Götze sehenswert durch den Mainzer Strafraum, ehe wieder Uzun traf (60.). 3:0, dieser Vorsprung reichte diesmal sogar der Eintracht. Phillip Tietz traf erst in Minute 89 zum 3:1-Endstand.
Füllkrug und Werder – das passt
Nach seinem Treffer beim 3:1 der Bremer gegen Leipzig hat der ehemalige Nationalstürmer Niclas Füllkrug erneut für den SV Werder getroffen. Beim 1:1 in Köln erzielte der vor der Saison von West Ham ausgeliehene Rückkehrer in der 69. Minute den Ausgleich. Linton Maina hatte Köln nach elf Minuten in Führung geschossen, zuvor hatte Thijs Dallinga einen Elfmeter vergeben. Werders Torhüter Karl Hein parierte. Mit dem Ergebnis können beide Teams gut leben, beide starten mit vier Punkten in die neue Bundesligasaison. Niclas Füllkrug kann mit seinem Start bei seinem alten Klub sogar sehr gut leben – er hat jetzt schon mehr Treffer erzielt als vergangenes Halbjahr, als er zur AC Milan verliehen war.
