Die Lage am Abend Ein Mann von Geld
Die drei Fragezeichen heute:
Tod von Klaus-Michael Kühne – wie groß war die Macht des Unternehmers?
Wahlkampf um Macron-Nachfolge – warum zieht sich Léa Salamé als Moderatorin der französischen 20-Uhr-Nachrichten zurück?
Trinkgeld per Karte – weshalb kritisieren Verbraucherschützer die Prozentvorgaben der Bezahl-Apps?
1. Der Milliardär Klaus-Michael Kühne ist gestorben
Kühne auf Mallorca (2022): Am wenigsten ertrug er Stillstand
Foto:Emanuel Herm / DER SPIEGEL
Im berühmten Theaterstück »Jedermann«, das alle Jahre wieder bei den Salzburger Festspielen zu sehen ist, sagt der superreiche Titelheld: »Und was da steht auf diesem Platz, / das ist mein Geld, das ist mein Schatz / Durch den ich jederzeit mit Macht / Hab alles spielend vor mich bracht«. In der Nacht von Sonntag auf Montag ist der unter anderem als Salzburger-Festspiele-Sponsor aufgetretene Unternehmer Klaus-Michael Kühne gestorben, im Alter von 89 Jahren. Er hat aus der mittelständischen Spedition seines Vaters einen Weltkonzern geformt und wurde damit zu einem der reichsten Deutschen. Zuletzt betrug sein Vermögen geschätzt rund 38 Milliarden Euro (hier mehr dazu ).
»Kühne, das Arbeitstier, unterschied nicht zwischen Mühe und Vergnügen«, schreibt mein Kollege Alexander Kühn in seinem Nachruf auf den Unternehmer. »Sein größtes Hobby war sein Imperium, zu dem neben dem Logistikdienstleister Kühne+Nagel auch Anteile an der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd und an der Lufthansa gehörten, das Luxushotel auf Mallorca sowie ein weiteres an der Hamburger Außenalster. Schwer zu sagen, wem er dabei mehr abverlangte: seinen Geschäftspartnern, seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oder sich selbst.«
Gemeinsam mit seinem Vater hatte Kühne 1975 den Sitz von Kühne+Nagel in die Schweiz verlegt. Damit entgingen sie nicht nur den deutschen Mitbestimmungsgesetzen, sondern auch dem deutschen Fiskus mit seinen höheren Steuern.
Immer wieder meldete sich Kühne, während er mal die Hamburger Elbphilharmonie mitfinanzierte und mal Millionen Euro in den Fußballverein HSV pumpte, von seinem Wohnsitz in Schindellegi im Kanton Schwyz aus öffentlich zu Wort. »Bisweilen tat er es in einem Ton«, so Alexander, »der einen glauben ließ, der mächtigste Mann der Hansestadt wäre Kühne, nicht etwa der Erste Bürgermeister.«
Lesen Sie hier den Nachruf: Knausriger Wohltäter
2. Raphaël Glucksmann will französischer Präsident werden – und seine Partnerin zieht sich vorläufig von ihrem TV-Job zurück
Raphaël Glucksmann
Foto: Julie Sebadelha / AFPIn Frankreich wird im April 2027 eine neue Präsidentin oder ein neuer Präsident gewählt. Der Amtsinhaber Emmanuel Macron kann nach zwei Amtszeiten nicht erneut kandidieren. Unter anderem plant Marine Le Pen, für den rechtspopulistischen Rassemblement National (RN) anzutreten. Am Sonntagabend hat nun der sozialdemokratische EU-Abgeordnete Raphaël Glucksmann angekündigt, dass er für das Präsidentenamt kandidieren will.
Ob Glucksmann als gemeinsamer Kandidat des sozialdemokratischen Lagers ins Rennen geht, soll im Oktober entschieden werden. Der 46-Jährige verkündete seine Kandidatur am Sonntagabend im französischen Fernsehsender TF1. Sein Ziel sei es, »Frankreich wieder aufzurichten«, sagte Glucksmann. Mein Kollege René Pfister hat gerade über den »letzten Sommer des Sonnenkönigs« Macron geschrieben, der in seinen letzten Amtsmonaten zwischen Trotz und Nostalgie zu schwanken scheint – auch weil seine mögliche Nachfolgerin Le Pen alles zertrümmern könnte, was ihm lieb und teuer ist (lesen Sie hier mehr ).
Heute hat Glucksmanns Partnerin Léa Salamé, eine prominente TV-Journalistin, gesagt, dass sie die Moderation der 20-Uhr-Nachrichten beim Sender France 2 abgeben will (hier mehr). »Dazu hatte ich mich zuvor verpflichtet, und daran halte ich mich«, schrieb die gleichfalls 46-Jährige auf Instagram. Die Entscheidung sei »unumgänglich und schwierig« gewesen. Glucksmann und Salamé sind seit 2015 liiert.
3. Die Trinkgeldzahlung per Karte soll klarer geregelt werden
Kartenlesegerät im Café: Trinkgeld ist freiwillig
Foto: Jens Kalaene / dpa»Zwei Millionen Dollar Trinkgeld« ist der Titel einer schlichten, aber charmanten Filmkomödie aus den Neunzigerjahren mit Bridget Fonda, die von einem geteilten Lotteriegewinn handelt. In der Realität geht es beim Trinkgeld um kleinere Beträge, mit denen die Kundin oder der Gast sich großzügig zeigt. 10, 15 oder 20 Prozent – oder doch gar nichts? Viele fühlen sich inzwischen gedrängt, Trinkgeld zu geben, wenn sie in Restaurants, im Café oder in der Bäckerei per Karte bezahlen. Verbraucherschützer wollen nun durchsetzen, dass auf den Displays von digitalen Kartenlesegeräten auf den ersten Blick erkennbar sein muss, wie Gäste und Kunden Trinkgeld ablehnen oder die Höhe selbst festlegen können (hier mehr dazu).
Die Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Ramona Pop, sagte heute, dass ihr Verband sich für ein Verbot von »manipulativen Designtricks« auf europäischer Ebene einsetze. Tatsächlich ist die Option, kein Trinkgeld zu geben, auf den Displays vieler Bezahl-Apps versteckt oder schlechter sichtbar als die Felder mit voreingestellten Vorschlägen für etwa 7, 10 oder 20 Prozent Trinkgeld.
In mehreren Umfragen haben sich viele Deutsche skeptisch gegenüber den voreingestellten Optionen gezeigt. Unter anderem wurde die Befürchtung geäußert, vorgeschlagene Beträge führten dazu, dass man mehr Trinkgeld gebe als ursprünglich geplant. Nun will auch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) durch mehr Transparenz eine »freiwillige Entscheidung der Gäste« ermöglichen, so der Vorsitzende Guido Zeitler.
Mein Kollege Andreas Bernard hat vor einiger Zeit kritisch über die aktuellen Trinkgeldprozentvorgaben beim Bezahlen in der Bäckerei oder im Café geschrieben (lesen Sie hier ).
Die Bedenken der Verbraucherschützer und mögliche Veränderungen der App-Displays dürften an Andreas’ grundsätzlichem Einwand gegen die digitale Praxis nichts ändern: »Die Bezahl-Apps«, sagt er, »verwandeln die elegante soziale Geste des Trinkgeldgebens in einen bloßen Knopfdruck.«
Lesen Sie hier mehr: Verbraucherschützer monieren Tricks bei Trinkgeld per Karte
Was heute sonst noch wichtig ist
Britischer Premierminister Burnham übergibt Marschflugkörper-Baupläne an Ukraine: Neue Hilfen für die Ukraine: Der britische Premier Burnham will Kyjiw bei der Produktion von Langstreckenwaffen unterstützen. Die EU gibt derweil weitere 6,1 Milliarden Euro für das angegriffene Land frei.
Niederländischer Sender will nicht zum ESC zurückkehren: Die Niederlande gehörten zu den fünf Ländern, die 2026 den Eurovision Song Contest boykottiert haben. Jüngste Regeländerungen haben die TV-Anstalt Avrotros nicht überzeugt: Sie hält den Wettbewerb für »nicht mehr neutral«.
Achtjährige stirbt an Infektion mit »hirnfressender« Amöbe: Die Amöbe Naegleria Fowleri kommt häufig vor, doch nur sehr selten stecken sich Menschen damit an. Für die Betroffenen endet das allerdings fast immer tödlich – auch, weil der Erreger so aggressiv ist.
Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen
US-Flagge vor der New Yorker Börse: Die Investoren werden nervös
Foto: John Angelillo / UPI Photo / IMAGO40 Billionen Dollar – warum Trumps Schuldenrausch jetzt für Amerika zum Problem wird: Kurz vor den Midtermwahlen bekommt Trump mit dem neuen Schuldenrekord die Rechnung für seine Politik. Mit dem Kauf von Staatsanleihen will er den Schaden begrenzen. Doch das dürfte kaum funktionieren .
Was heute weniger wichtig ist
Schauspielerin Halle Berry
Foto: Julie Edwards / Future Image / IMAGOLob der kleinen Freuden: Die Hollywoodschauspielerin Halle Berry, 60, hat ihren runden Geburtstag offenbar in Mexiko ausgiebig gefeiert und für philosophische Überlegungen genutzt. Auf Instagram berichtete sie von einer »long ass celebration«, also wirklich ausgedehnten Feierlichkeiten, und appellierte an ihre Fans: »Ich möchte uns alle dazu ermutigen, jeden Tag nach den kleinen Freuden zu suchen, frei genug zu sein, um unser wahres Ich zu leben, und das Leben in vollen Zügen zu genießen.«
Mini-Hohlspiegel
Von der Website des Rundfunks Berlin-Brandenburg, rbb24.de: »Für den Abend warnt der DWD vor Unwetter mit Starkregen und organartigen Böen.«
Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.
Cartoon des Tages
Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.
Klaus Stuttmann
Und heute Abend?
Szene aus »Back to the 90s«: Tyrannische Markenkohärenz
Foto:Mark Cassar / Prime
Könnten Sie sich auf Prime Video den Film »Back to the 90s« ansehen und Ihre Kenntnisse über ein paar zeitgenössische Social-Media-Stars erweitern. Die fünf Hauptdarsteller, die in dem Film in die Vergangenheit des Jahres 1995 reisen, sind als Elevator Boys auf TikTok berühmt geworden. Mit kurzen (Musik-?)Videos, »in denen sie vor allem eines sehr überzeugend taten: gut aussehen in Aufzügen«, berichtet meine Kollegin Anja Rützel . Der Film bedient sich großzügig beim Kinoklassiker »Zurück in die Zukunft«, trotzdem urteilt Anja mit eher gebremster Begeisterung. »Ein klassisches Elevator-Boys-TikTok dauert ungefähr so lange, wie ein halbwegs entschlossener Mensch braucht, um vom Erdgeschoss in den dritten Stock zu fahren. ›Back to the 90s‹ ist anderthalb Stunden lang. Das sind, auch fahrstuhltechnisch betrachtet, sehr viele Stockwerke.«
Einen schönen Abend. Herzlich
Ihr Wolfgang Höbel, Autor im Kulturressort
Anmerkung der Redaktion: in einer früheren Version hieß es, Léa Salamé moderiere die Hauptnachrichten im Sender TF1. Tatsächlich moderiert sie die 20-Uhr-Nachrichten im Sender France 2. Wir haben den Fehler korrigiert.
Facts Only
* Klaus-Michael Kühne died in 2022 at the age of 89.
* Kühne formed a global concern from his father's logistics company and gained wealth through investments in companies like Hapag-Lloyd and Lufthansa.
* Kühne+Nagel was moved to Switzerland in 1975 for tax and labor reasons.
* Raphaël Glucksmann announced his intention to run for the French presidency.
* Léa Salamé decided to step down from moderating the 20 o'clock news on France 2.
* Consumer protection groups advocate for clearer display of tipping options on payment apps, aiming to prevent manipulative design tricks.
* The German association NGG calls for greater transparency in tipping arrangements.
Executive Summary
Full Take
Sentinel — Human
The text exhibits the structure and content patterns of feature journalism, characterized by human narrative flow and specific, context-dependent details, rather than machine generation.
