Handelsstreit: Kanada bestätigt Gegenzölle auf US-Importe ab Dienstag
Diesen Februar hat der Supreme Court Trumps Zölle für unrechtmässig erklärt. Doch der amerikanische Präsident verursacht mit seinen umstrittenen Zöllen weiter weltweit Turbulenzen. Die neuesten Entwicklungen.
Die neuesten Entwicklungen:
- Das kanadische Finanzministerium bestätigt, dass ab Dienstag (8. 9.) Gegenzölle in Kraft treten. Die Zölle sollen bei bis zu 50 Prozent auf Importe aus den Vereinigten Staaten im Wert von 27,6 Milliarden Dollar liegen. Bereits Ende August hatte Kanada Vergeltungszölle angedroht. Sie würden vor allem auf Produkte aus den Bereichen Stahl und Aluminium, Haushaltsgeräte, landwirtschaftliche Ausrüstung, Zellstoff und Papier sowie Elektronik angewendet, hatte der kanadische Finanzminister François-Philippe Champagne damals angekündigt. Zudem hatte der kanadische Premierminister Mark Carney Hilfsprogramme für Unternehmen in Aussicht gestellt, die unter dem eskalierenden Handelskrieg leiden. Die USA belegen kanadische Waren, darunter etwa Hockeyschläger, Möbel, Honig und Wein, momentan mit Zöllen in Höhe von 50 Prozent.
- Der amerikanische Präsident Donald Trump erklärte am Donnerstag (27. 8.), er wolle den Ontariosee an der Grenze zwischen den USA und Kanada in «Lake America» umbenennen. Die Reaktion des kanadischen Premierministers Mark Carney kam noch am selben Tag: Die Realität sei, dass der See «Lake Ontario» heisse – «früher, jetzt und für immer», schrieb er auf der Plattform X. «Der Name ist über 400 Jahre alt und älter als sowohl die Konföderation Kanadas als auch die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika.»
- Nach den 50-Prozent-Zöllen auf alle möglichen Produkte aus Kanada kündigt Donald Trump auch noch neue Zölle auf Autos, Lastwagen, Autoteile und Stahl an. Diese Zölle von 50 Prozent sollen am 1. Januar 2027 in Kraft treten, wie Trump am Montag (24. 8.) auf seiner Plattform Truth Social schreibt. Trump begründete seine Drohung erneut damit, dass Kanada die USA «ausbeute» und behauptete weiter, dass sein Land nicht auf den Handel mit dem Nachbarn angewiesen sei.
- US-Präsident Donald Trump hat am Mittwoch (18. 8.) angekündigt, die Zölle für Waren aus Kanada zu senken. Die USA wollten sie auf ein ähnliches Niveau wie für andere Länder anpassen, liess Trump sich zitieren. Davor hatten Medien unter Berufung auf eine gut unterrichtete Quelle auch konkrete Zahlen genannt. Demnach sei zu erwarten, dass die Höchstzölle für Autos und Lastwagen aus Kanada von 25 auf 15 Prozenten gesenkt werden. Diejenigen für kanadischen Stahl und Aluminium sollen von 50 auf 25 Prozent halbiert werden. Die Senkung der Stahlzölle soll zudem mit einer Mengenkontingentregelung einhergehen. Die Verhandlungen werden voraussichtlich bis am Samstag fortgesetzt. Trump hatte am Mittwoch kurz vor der Einführung von Zöllen in der Höhe von 50 Prozent auf zahlreiche kanadische Importe die Pläne auf Eis gelegt. Die Erhebung der Importgebühren solle um drei Tage ausgesetzt werden, damit beide Seiten einen Deal für das Öl-Pipeline-Projekt Keystone XL abschliessen könnten
- Die USA verhängen neue Zölle in Höhe von bis zu 100 Prozent des Warenwerts auf Drohnen aus dem Ausland. Die Einfuhrabgabe dürfte vor allem chinesische Hersteller treffen, die den amerikanischen Markt dominieren. Der Zoll von 100 Prozent gilt laut einer Mitteilung des Weissen Hauses vom Donnerstag (13. 8.) unter anderem für Drohnen mit einem maximalen Startgewicht von mehr als 25 Kilogramm und für Modelle mit Wärmebildkameras. Für mehrere amerikanische Verbündete gelten unter bestimmten Voraussetzungen niedrigere Höchstsätze.
Inhaltsverzeichnis
Der Supreme Court erklärt Trumps Zölle für unrechtmässig – was bedeutet das?
Mit seinen Zollankündigungen hat Donald Trump seine Befugnisse überschritten. Das hat der Supreme Court, das Oberste Gericht der USA, im Februar 2026 entschieden. Trump hatte sich bei seinen Zöllen auf ein Notstandsgesetz berufen. Es besagt, dass ein Präsident im Krisenfall Dekrete erlassen kann, ohne den Kongress anrufen zu müssen.
Mit dem Entscheid fällt die gesetzliche Grundlage für die Zölle – bis wann Trump diese aufheben muss, legt das Urteil allerdings nicht fest. Die praktische Umsetzung, etwa die Anpassung des Zolltarifs oder mögliche Rückerstattungen, liegt bei den zuständigen Behörden.
Donald Trump hat prompt auf das Urteil reagiert. Er werde Alternativen nutzen, mit denen er mehr Geld einnehmen werde, sagte Trump kurz nach dem Entscheid. Einen Tag später verhängte er einen weltweiten Zollsatz von 10 Prozent, den er kurz darauf auf 15 Prozent erhöhte. Trump stützt sich dafür auf Section 301 eines Handelsgesetzes aus dem Jahr 1974. Dieses erlaubt es, bis zu 150 Tage lang Zölle auf Importe zu erheben, wenn andere Länder gewisse unfaire Handelspraktiken anwenden. Für einen längeren Zeitraum brauchte Trump die Zustimmung des Parlaments.
Anfang Juni drohte Trump neue Zölle an, die ebenfalls auf Section 301 beruhen. Diesmal belegte er 60 Handelspartner mit neuen Zöllen. Die Schweiz erhielt 12,5 Prozent, die EU 10 Prozent. Trump begründet die Zölle damit, dass die betroffenen Staaten zu wenig gegen den Import von Gütern täten, die mit Zwangsarbeit hergestellt worden seien. Die angekündigten Zölle von 12,5 (Schweiz) beziehungsweise 10 Prozent (EU) sind am 24. Juli in Kraft getreten.
Wann hat Trumps Zollkrieg begonnen?
Donald Trump hatte Anfang April 2025, am sogenannten «Liberation Day», erstmals bekanntgegeben, ein System wechselseitiger Zölle «für Länder in der ganzen Welt» einführen zu wollen. Staaten, die hohe Einfuhrabgaben auf amerikanische Produkte erheben, wurden mit hohen Gegenzöllen bestraft.
Trump hatte bereits vor seiner Amtseinführung im Januar 2025 mit Zöllen gedroht. Er will mit dem Instrument eine Reihe von Zielen erreichen: Zölle sollen die amerikanische Industrieproduktion ankurbeln, neue Arbeitsplätze schaffen, das Handelsbilanzdefizit verringern und die Steuereinnahmen erhöhen. Gleichzeitig beabsichtigt der US-Präsident, Zolldrohungen wie in seiner ersten Amtszeit als Druckmittel in Verhandlungen einzusetzen.
Nach der Ankündigung hatte Trump die Zölle mehrfach ausgesetzt oder verschoben, um den betroffenen Ländern Zeit für Verhandlungen zu geben. Anfang August traten schliesslich Zölle für Importe in die USA aus siebzig Staaten in Kraft. Zahlreiche Länder hatten gehofft, bis dahin mit der Trump-Administration eine bilaterale Lösung zu finden. Zu einer Handelsvereinbarung kam es allerdings nur in einigen Fällen. Grossbritannien, Japan, aber auch die EU konnten sich mit der Trump-Regierung einigen. Andere Handelspartner wurden abgestraft.
Einige Staaten, darunter Indien, Südkorea und auch die Schweiz, schafften es in den Monaten danach, ein Abkommen mit den USA zu verhandeln und eine Senkung der Zölle zu erwirken.
Wie ergeht es der Schweiz?
Die Schweiz musste lange auf eine Entscheidung aus den USA warten, dann kam es knüppeldick: Trump ordnete Ende Juli 2025 Strafzölle in Höhe von 39 Prozent für die Schweiz an. Die neuen Zölle fielen also noch höher aus als von Trump im April 2025 angekündigt: Damals hiess es, Schweizer Exporte in die USA sollten mit zusätzlichen Zöllen von 31 Prozent belegt werden – diese Zölle wurden damals aber, wie alle anderen «reziproken» Zölle, für 90 Tage ausgesetzt. Trotz intensiven Verhandlungen wurde die Schweiz vorerst mit einem der höchsten Zollsätze abgestraft.
Die Zölle in Höhe von 39 Prozent trafen einige Schweizer Exportbranchen empfindlich. Betroffen waren etwa die Maschinenbauer, die Uhrenhersteller oder auch der Nahrungsmittelriese Nestlé, der Nespresso-Kaffeekapseln aus der Schweiz in die USA ausführt. Einzig die Importe von pharmazeutischen Produkten waren von den Strafzöllen ausgenommen.
Erst im November 2025 konnten der Bundesrat und die amerikanische Regierung eine Einigung finden. Die USA stellten in Aussicht, die Strafzölle von 39 auf 15 Prozent zu senken. Die Schweiz stellte im Gegenzug unter anderem milliardenschwere Investitionen von Schweizer Firmen in den USA sowie Zollreduktionen für gewisse Produkte aus den USA in Aussicht. Bei dem Deal handelt es sich um eine unverbindliche Absichtserklärung, ein verbindlicher Vertrag soll folgen. Auch nach dem Supreme Court Urteil von Februar teilte der Bundesrat mit, weiter mit den USA zu verhandeln.
Worauf haben sich die EU und die USA geeinigt?
Die EU verhandelte wochenlang mit Verantwortlichen der amerikanischen Regierung, um die angedrohten Zölle in Höhe von 30 Prozent abzuwenden. Ende Juli vereinbarte die EU-Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen in Schottland mit Donald Trump einen Basiszollsatz in Höhe von 15 Prozent.
Der Zollsatz soll für die meisten Produkte gelten, laut von der Leyen auch für Autos. Umgekehrt sollen Autos aus den USA aber zollfrei in die EU importiert werden können. Trump verkündete auch Zölle auf Importe von Lastwagen und Bussen in die USA. Bei Lastwagen und Bauteilen dafür liegt der Zoll bei 25 Prozent. Bei Bussen wurde der Zoll auf 10 Prozent festgelegt. Hersteller können bis 2030 für in den USA gebaute Fahrzeuge 3,75 Prozent des Verkaufspreises zurückbekommen. Das gilt auch für Autos. Mit der Verlängerung der Vergünstigungen geht Trump auf Sorgen amerikanischer Hersteller wie Ford und General Motors ein.
Die Abgaben auf Stahl und Aluminium bleiben bei 50 Prozent. Zudem sicherte die EU laut Trump zu, Energie im Wert von 750 Milliarden Dollar zu kaufen und zusätzlich Investitionen in Höhe von 600 Milliarden Dollar in den USA zu tätigen. Auch Rüstungsgeschäfte wurden vereinbart.
Am 20. Mai 2026 stimmte die EU der definitiven Umsetzung des Zollabkommens zu – trotz Supreme-Court-Urteil.
Was gilt für China, die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt?
China war im Frühjahr 2025 als einziges Land explizit von der 90-tägigen Zollpause ausgenommen. Vorübergehend galten Zölle von über 145 Prozent auf chinesische Produkte. Die Regierung in Peking hat mit Gegenzöllen auf amerikanische Importe reagiert.
Nach weiterem Hin und Her einem Treffen der beiden Staatschefs Donald Trump und Xi Jinping in Südkorea teilte die amerikanische Regierung jedoch mit, die zusätzlichen Zölle bis mindestens zum 10. November 2026 auszusetzen. Die USA verlangen nun auf Importe aus China 10 Prozent, die chinesische Regierung verlangt dasselbe für Importe aus den USA.
Die Zölle, die Trump Anfang Juni basierend auf Section 301 erhob, gelten allerdings auch für China. Geht es um Zwangsarbeit, steht China seit Jahren im Mittelpunkt von Vorwürfen ausländischer Regierungen und NGO's. Mehr dazu:
Facts Only
* Canada implements counter-tariffs of up to 50% on US imports totaling $27.6 billion starting September 8.
* Targeted Canadian counter-tariffs affect steel, aluminum, household appliances, agricultural equipment, pulp, paper, and electronics.
* The US imposes 50% tariffs on Canadian hockey sticks, furniture, honey, and wine.
* Donald Trump announced 50% tariffs on Canadian autos, trucks, auto parts, and steel to take effect January 1, 2027.
* US tariffs on foreign drones, specifically those over 25kg or with thermal cameras, are up to 100%.
* The US Supreme Court ruled in February 2026 that certain tariffs based on emergency laws were unlawful.
* Following the ruling, the US implemented a global tariff of 10-15% using Section 301 of the 1974 Trade Act.
* Switzerland faced 39% tariffs in July 2025, later reduced to 15% in November 2025 following an agreement.
* The EU agreed to a 15% base tariff and specific rates for trucks (25%) and buses (10%), while providing energy and investment concessions.
* China faced tariffs over 145% in early 2025, currently suspended until November 10, 2026, with a mutual 10% rate.
Executive Summary
Global trade is currently characterized by a systemic shift toward reciprocal tariffs and bilateral negotiations led by the United States. While the US Supreme Court ruled in February 2026 that initial emergency-based tariffs were unlawful, the US administration transitioned to using Section 301 of the 1974 Trade Act to maintain import duties, citing unfair trade practices and forced labor. This has resulted in a volatile environment where tariffs are frequently announced, paused, or adjusted as leverage for broader political and economic deals.
Canada and the US are currently in a state of escalation, with Canada deploying significant counter-tariffs in response to US duties on a wide range of goods. Simultaneously, other major economies have adopted varying strategies: the EU secured a stabilized base rate through substantial investment and energy commitments, while Switzerland negotiated a reduction from punitive levels. China remains a primary target, though recent diplomatic meetings have led to a temporary suspension of the most extreme duties. The overall landscape remains unpredictable, with tariffs being used as primary tools for diplomatic pressure.
Full Take
The strongest version of this narrative describes a transition from multilateral trade norms to a "transactional" global economy. In this model, tariffs are not merely economic tools to protect domestic industry but are utilized as primary diplomatic instruments to force bilateral concessions on issues ranging from energy purchases to infrastructure projects like the Keystone XL pipeline.
The narrative relies on a pattern of high-stakes volatility—alternating between extreme threats (145% tariffs) and sudden concessions. This creates a psychological environment where trading partners are incentivized to make preemptive concessions to avoid the "worst-case" scenario. The framing emphasizes a world of winners and losers based on the ability to negotiate directly with the US executive, bypassing traditional international trade frameworks.
Patterns detected: none
The underlying paradigm is the rejection of institutional stability in favor of personalized power dynamics. The unstated assumption is that economic pain is the only effective catalyst for geopolitical alignment. This echoes historical "mercantilist" approaches where trade is viewed as a zero-sum game rather than a mutually beneficial exchange. For human agency, this means corporate and national strategies are no longer based on long-term market efficiency, but on the immediate whims and rhetoric of a single political leader.
If this were a coordinated influence campaign, the playbook would involve "Shock and Awe" tactics: announcing extreme measures to trigger panic, followed by "benevolent" reductions to create a sense of gratitude and dependency. The actual content reflects the events of a trade war but does not structurally align with a manufactured influence operation; it reports on the volatility as it occurs.
Bridge Questions:
1. How does the shift from emergency laws to Section 301 change the legal accountability of executive trade decisions?
2. What are the long-term effects on global supply chains when "predictability" is replaced by "transactionalism"?
3. Who benefits more from this volatility: large conglomerates with negotiating power or small-to-medium enterprises?
