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Die Lage am Abend Die EU glaubt, es hackt
Die drei Fragezeichen heute:
Hackerangriffe – wieso bestellt das Auswärtige Amt Russlands Botschafter ein?
Volkswagen – wie viele Stellen sind in Gefahr?
Flugsicherheit – warum sind Akkus und Powerbanks im Flugzeug ein Risiko?
1. Die EU schickt eine Warnung
Auswärtiges Amt in Berlin
Foto: Katharina Kausche / dpaDiplomatie sei ein Schachspiel, hat der Schriftsteller Karl Kraus behauptet und das keineswegs freundlich gemeint. Heute hat das Auswärtige Amt den russischen Botschafter in Berlin einbestellt und damit ein starkes Mittel diplomatischen Protests genutzt. Die Bundesregierung macht Russland für Cyberangriffe auf Deutschland, die EU-Partner und die Ukraine verantwortlich. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte, die Kompromittierung deutscher Stellen durch russische Akteure konnte nachgewiesen werden (hier mehr dazu). Die Einbestellung des Botschafters in Berlin war offenbar mit Frankreich koordiniert: Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot hatte bereits am Morgen mitgeteilt, dass Paris den russischen Botschafter in den kommenden Tagen einbestellen werde.
»Hintergrund sind Hackerangriffe gegen Ziele in europäischen Ländern, für die die EU und auch die Bundesregierung den russischen Inlandsgeheimdienst FSB verantwortlich machen«, sagt mein Kollege Paul-Anton Krüger. Der FSB kontrolliere und steuere Gruppen, die Cyberattacken verüben. In Deutschland sind sie nach Behördenangaben in die Netzwerke staatlicher Einrichtungen eingedrungen, in Polen sabotierten sie Kraftwerke. »Die EU verhängt nun gemeinsam mit Großbritannien neue Sanktionen. Es steht nicht zu erwarten, dass sich Russland dadurch von neuen Attacken abschrecken lässt«.
Allerdings sendeten das Auswärtige Amt und die EU eine Reihe von Botschaften. »Die Attacken bleiben nicht unentdeckt, die europäischen Geheimdienste sind auch in der Lage, Hinterleute und Strukturen zu identifizieren«, so Paul-Anton. »Zudem liegt in den Sanktionen auch eine Warnung – vor der deutlichen Ausweitung der hybriden Kriegsführung des Kreml gegen europäische Staaten, die der Ukraine bei der Abwehr des russischen Angriffskriegs zur Seite stehen.«
Lesen Sie hier mehr: Auswärtiges Amt bestellt russischen Botschafter ein
2. VW-Chef äußert sich zum geplanten Stellenabbau
Wolfsburger VW-Stammwerk
Foto: Tobias Schwarz / AFPDie Sprache von Managerinnen und Managern ist oft eine Übung in der Kunst der Schönfärberei. Der Volkswagen-Chef Oliver Blume zum Beispiel spricht häufig von »Anpassungen«, wenn es um die Streichung von Jobs in seinem Konzern geht. Blume will die Kosten bei VW senken, lange ließ er die Beschäftigten über seinen Plan für den massiven Stellenabbau zu diesem Zweck im Dunkeln. In einem internen Interview im VW-Intranet, so berichtet mein Kollege Alexander Demling heute, hat der Konzernchef nun erstmals eine Größenordnung genannt, die auf rund 50.000 Stellen weltweit hinauslaufen könnte (lesen Sie hier mehr dazu ).
Immerhin deutete Blume auch an, die Zahl der abzubauenden Stellen werde geringer ausfallen, wenn die Arbeitskosten pro beschäftigte Person auf andere Weise sänken. »Die 50.000 Stellen kämen zusätzlich zu den 50.000, die bei VW, Audi und anderen Marken des Konzerns bis 2030 bereits vereinbart sind«, so mein Kollege. »Binnen weniger Jahre würde Volkswagen also 100.000 Stellen abbauen, einen großen Teil davon in Deutschland.«
Zum ersten Mal äußert sich Blume auch zu den vier bedrohten Autowerken des Konzerns in Deutschland, den VW-Fabriken in Zwickau, Emden und Hannover sowie dem Audi-Werk in Neckarsulm. Er könne für die genannten Werke »noch keine wettbewerbsgerechte Belegung bestätigen«, so der Konzernchef.
»Am vergangenen Donnerstag hatte Blume dem Aufsichtsrat bereits seinen Zukunftsplan für das Jahr 2030 vorgestellt, mit dem er Kosten senken und das Produktionsnetz neu ordnen will. Er war damit am Widerstand der Arbeitnehmer und des Landes Niedersachsen gescheitert«, schreibt mein Kollege Alexander. »Über den Sommer werden Verhandlungen zwischen den Parteien erwartet.«
Lesen Sie hier mehr: VW-Chef Blume droht erstmals mit dem Abbau von 50.000 Stellen
3. Powerbanks sind im Flieger ein Risiko
Ausgebranntes Wrack in Südkorea
Foto: Yonhap News / IMAGODer legendäre Quizmaster Robert Lembke hat mal gesagt, an Bord eines Flugzeugs, das in Not geraten ist, gebe es keine Atheisten. Falls Sie vorhaben, in diesem Sommer mit dem Flugzeug in die Ferien zu reisen, können Sie, statt Stoßgebete zu proben, sich damit beruhigen, dass Fliegen eine vergleichsweise sichere Art des Reisens ist. Das größte Risiko für die Sicherheit der Passagiere sind heutzutage nicht etwa mögliche technische Mängel am Fluggerät, so berichtet mein Kollege Marco Evers, sondern von den Passagieren mitgebrachte Powerbanks und Akkus – weil die darin enthaltenen Lithium-Ionen-Batterien eine Feuergefahr darstellen (hier mehr dazu ).
»Insbesondere manche Powerbanks sind vom Dauereinsatz ramponiert, manche wurden zu oft fallen gelassen und beschädigt«, so Marco. »Wann immer in diesen Batterien mit besonders hoher Energiedichte etwas schiefgeht, können sie schlagartig in Brand geraten.«
Der Transport von Akkus im aufgegebenen Gepäck ist bereits seit 2016 strikt verboten. Für in die Kabine mitgebrachte Geräte hat die Internationale Zivilluftfahrtorganisation ICAO im März die Regeln für Passagiere weltweit verschärft, auch in Deutschland.
Die Sorge vieler Flugsicherheitsexperten ist offenbar groß. Immerhin: Die meisten Airlines trainieren ihre Kabinenbesatzungen für den Fall eines Batteriebrands, die Flugbegleiter werden darin geschult, Flammen mit Feuerlöschern zu ersticken und die weiter schmorenden Geräte mit Flüssigkeiten zu kühlen. »Dieses Notfallverfahren war bislang immer erfolgreich«, berichtet Marco. »Noch ist kein Verkehrsflugzeug wegen durchgegangener Akkus abgestürzt.«
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Ihre Powerbank ist das »Sicherheitsrisiko Nummer eins« beim Fliegen
Was heute sonst noch wichtig ist
Fast 12 Euro für eine Packung Zigaretten – Regierung will Tabaksteuer wohl deutlich stärker erhöhen: Bisher plante die Bundesregierung eine Verteuerung des Zigarettenpreises auf 8,77 Euro pro Packung. Ein internes Dokument stellt nun eine noch stärkere Erhöhung in Aussicht.
CDU-Abgeordneter Thomas Bareiß bei Autounfall schwer verletzt: Der Bundestagsabgeordnete Thomas Bareiß ist bei einer Autofahrt in seiner Heimatregion verunglückt. In einer Stellungnahme dankt er nun den Einsatzkräften. Aus seiner Partei kommen Genesungswünsche.
Jesidische Mädchen versklavt – Ex-Ehepaar in München zu Freiheitsstrafen verurteilt: Im Völkermordprozess in München ist ein Urteil gefallen. Das Oberlandesgericht hat gegen Twana H. lebenslange Haft verhängt. Seine ehemalige Frau, Asia R., erhielt eine Jugendstrafe von neuneinhalb Jahren.
Meine Lieblingsgeschichte heute: Warum ist Eis in der Eisdiele cremiger als im Gefrierschrank daheim?
Nils Fliegner
Die Erklärung von »Rätseln des Alltags« durch meine Kolleginnen und Kollegen von DEIN SPIEGEL ist immer lehrreich und vergnüglich. Die Antwort auf die Eis-Frage hat mich besonders interessiert. In der Eisdiele lässt sich das Eis fast immer leicht zu Kugeln formen und schmilzt ganz langsam, zu Hause muss das Eis erst mehrere Minuten antauen, bevor es portioniert werden kann. Wieso ist das so? »Ein Gefrierschrank daheim ist etwa minus 18 Grad kalt, damit Lebensmittel lange haltbar bleiben. In Eistheken ist es wärmer, dort liegt die Temperatur bei ungefähr minus 11 Grad«, beginnt die Erklärung. So bleibe das Eis weich. Neben der Temperatur sei auch der Zucker entscheidend für die Konsistenz des Speiseeises. »Zucker senkt den Gefrierpunkt der in der Eiscreme enthaltenen Flüssigkeit und verhindert so die Bildung großer Eiskristalle.« Es folgen noch ein paar weitere Erläuterungen und das Fazit: »Das Geheimnis von extracremigem Eis ist also vor allem Physik: Es muss perfekt temperiert sein und darf nur kleine Eiskristalle haben.«
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Warum ist Eis in der Eisdiele cremiger als im Gefrierschrank daheim?
Was heute weniger wichtig ist
Sacha Baron Cohen als Ali G in Wimbledon
Foto: Sacha Baron Cohen / InstagramWimbledons Hofnarr: Der britische Komiker Sacha Baron Cohen, 54, hat seine Kunstfigur Ali G wiederbelebt und zeigte sich beim Herrenfinale auf dem Center Court in Wimbledon mit Goldkette, gelbgetönter Sonnenbrille und krassem Ost-Londoner Dialekt. In der Rolle der Kunstfigur hatte Cohen Ende der Neunzigerjahre prominente und nicht prominente Leute von Noam Chomsky bis Donald Trump auf prollig-satirische Art interviewt, nun filmte sich der Ali-G-Darsteller selbst auf der Zuschauertribüne und spottete über Tennis, »was eine miese Version von Tischtennis ist«.
Mini-Hohlspiegel
Schilderkombination in Kagel (Brandenb.)
Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.
Cartoon des Tages
Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.
Klaus Stuttmann
Und heute Abend?
Sängerin Abrams: »Ich kenne diese völlige Überforderung, auf die dann wieder Freude und Liebe folgen«
Foto:Jordan Strauss / Invision / AP
Könnten Sie sich mit zeitgenössischer Popmusik beschäftigen und sich ein paar Lieder von Gracie Abrams anhören. Zum Beispiel den Song »Hit the Wall« vom neuen Album der Sängerin, die in Kalifornien als Tochter des ziemlich berühmten Hollywoodproduzentenpaars Katie McGrath und J. J. Abrams aufgewachsen ist.
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In dem Lied singt die 26-jährige Abrams über Unruhe und frühes Leid, so hat sie meiner Kollegin Annina Metz im Interview erzählt: »Ich kenne diese völlige Überforderung, auf die dann wieder Freude und Liebe folgen. Meine Zwanziger schwankten immer zwischen dem Gefühl, unglaublich einsam zu sein, aber auch, mich so angekommen zu fühlen wie noch nie zuvor. Das Pendel schlägt manchmal heftig und schnell in beide Richtungen aus.«
Einen schönen Abend. Herzlich
Ihr Wolfgang Höbel, Autor im Kulturressort

Facts Only

* The German Foreign Office summoned the Russian Ambassador to Berlin.
* The action was linked to cyberattacks against Germany, EU partners, and Ukraine, attributed by the government to the Russian FSB.
* The EU and the UK implemented new sanctions.
* Volkswagen plans to reduce jobs potentially to 50,000 worldwide by 2030, with an additional estimated 50,000 cuts for VW, Audi, and other brands by 2030, resulting in approximately 100,000 job reductions in Germany within a few years.
* Volkswagen management stated they cannot yet confirm the occupancy of four German automotive plants.
* A safety risk in flights involves lithium-ion batteries and power banks due to fire hazards from lithium-ion-battery overheating.
* Transport of batteries in checked baggage is banned since 2016.
* The International Civil Aviation Organization (ICAO) updated rules for passengers regarding devices onboard.

Executive Summary

The European Union and the German government have initiated a diplomatic action by summoning the Russian Ambassador to Berlin, citing concerns over cyberattacks against European nations and related incidents involving state entities like the FSB in Russia. This action was coordinated with France's Foreign Minister, reflecting a shared concern about hybrid warfare against European states. The EU and the UK have implemented new sanctions, but the statement indicates that these measures are not expected to deter further attacks from Russia. Furthermore, the German Volkswagen company is planning significant job reductions, potentially affecting around 50,000 jobs across the group by 2030, with some of these cuts potentially occurring in Germany and impacting four specific automotive plants. Separately, there is a safety concern regarding lithium-ion batteries and power banks on aircraft due to fire risks, despite existing safety procedures for crew training.

Full Take

The juxtaposition of high-level geopolitical maneuvering—involving direct diplomatic pressure and accusations of state-sponsored cyber warfare—with internal economic instability signaled by mass layoffs creates a framework where external threats are immediately internalized as domestic cost management imperatives. The narrative surrounding the Russian threat leverages established mechanisms of fear (cyberattacks) to justify coercive international policy (sanctions), simultaneously providing an externalizing agent (the FSB) for accountability. This dynamic suggests a pattern where perceived, abstract global security risks are translated into concrete, immediate economic and operational decisions within the affected nations.
The safety concern regarding air travel shifts focus from mechanical failure risk to material hazard risk embedded in personal technology, which highlights how modern anxieties reconfigure established safety protocols. The contrast between state-level control over information (cyber intelligence) and the localized complexity of physical systems (battery thermal management) reveals a fragmented security landscape where threats operate on multiple, often disconnected planes. The underlying implication is that cognitive sovereignty is challenged when external actors successfully force internal policy adjustments based on narratives designed to manage fear, whether geopolitical or material.
Bridge Questions: If state-level cyber attribution remains opaque, how can international norms be built without verifiable proof of attribution? How does the simultaneous focus on large-scale macro-economic restructuring and micro-level passenger safety influence public trust in government competence? What structural shifts are required to treat hybrid warfare not as a threat requiring reactive sanctions, but as a systemic feature demanding preventative infrastructural resilience?

News des Tages: Einbestellung des russischen Botschafters, Volkswagen, Powerbanks in Flugzeugen — Arc Codex