Handelsstreit: Neue US-Zölle für Kanada treten nach Scheitern von Verhandlungen in Kraft
Im Februar hat der Supreme Court Trumps Zölle für unrechtmässig erklärt. Doch der amerikanische Präsident verursacht mit seinen umstrittenen Zöllen weiter weltweit Turbulenzen. Die neuesten Entwicklungen.
Die neuesten Entwicklungen:
- Kanada und die USA haben im Streit um neue Zusatzzölle keine Einigung erzielen können. Kanadas Premierminister Mark Carney teilte am Freitag (21. 8.) mit, die Verhandlungen mit den USA seien ausgesetzt. Damit erheben die USA künftig einen Zoll von 50 Prozent auf einige kanadische Waren wie Wein, Hockeyschläger, Möbel sowie Milchprodukte. Kanada werde diese Zölle zum Schutz seiner Beschäftigten und Unternehmen in gleicher Höhe erwidern, schrieb Carney. Kanada habe es abgelehnt, das Abkommen zu den vereinbarten Bedingungen abzuschliessen, zitierte die Plattform «Politico» den US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer.
- US-Präsident Donald Trump hat am Mittwoch (18. 8.) angekündigt, die Zölle für Waren aus Kanada zu senken. Die USA wollten sie auf ein ähnliches Niveau wie für andere Länder anpassen, liess Trump sich zitieren. Davor hatten Medien unter Berufung auf eine gut unterrichtete Quelle auch konkrete Zahlen genannt. Demnach sei zu erwarten, dass die Höchstzölle für Autos und Lastwagen aus Kanada von 25 auf 15 Prozenten gesenkt werden. Diejenigen für kanadischen Stahl und Aluminium sollen von 50 auf 25 Prozent halbiert werden. Die Senkung der Stahlzölle soll zudem mit einer Mengenkontingentregelung einhergehen. Die Verhandlungen werden voraussichtlich bis am Samstag fortgesetzt. Trump hatte am Mittwoch kurz vor der Einführung von Zöllen in der Höhe von 50 Prozent auf zahlreiche kanadische Importe die Pläne auf Eis gelegt. Die Erhebung der Importgebühren solle um drei Tage ausgesetzt werden, damit beide Seiten einen Deal für das Öl-Pipeline-Projekt Keystone XL abschliessen könnten
- Die USA verhängen neue Zölle in Höhe von bis zu 100 Prozent des Warenwerts auf Drohnen aus dem Ausland. Die Einfuhrabgabe dürfte vor allem chinesische Hersteller treffen, die den amerikanischen Markt dominieren. Der Zoll von 100 Prozent gilt laut einer Mitteilung des Weissen Hauses vom Donnerstag (13. 8.) unter anderem für Drohnen mit einem maximalen Startgewicht von mehr als 25 Kilogramm und für Modelle mit Wärmebildkameras. Für mehrere amerikanische Verbündete gelten unter bestimmten Voraussetzungen niedrigere Höchstsätze.
- Die Trump-Regierung wird am Donnerstag einen Zollsatz von 15 Prozent sowie eine Reihe von Mindestpreisen für Produkte aus Polysilizium ankündigen, dem wichtigsten Rohstoff für Solarmodule und Halbleiter. Das bestätigten vier mit der Angelegenheit vertraute Quellen. Der Schritt zielt darauf ab, US-Polysilizium-Fabriken vor der wachsenden chinesischen Konkurrenz in der Chip-Lieferkette zu schützen. Die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump wird voraussichtlich Mindestimportpreise für Polysilizium, Wafer, Zellen und Solarmodule sowie einen Zoll von 15 Prozent auf Polysilizium-Derivate beinhalten, so die vier Quellen.
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Der Supreme Court erklärt Trumps Zölle für unrechtmässig – was bedeutet das?
Mit seinen Zollankündigungen hat Donald Trump seine Befugnisse überschritten. Das hat der Supreme Court, das Oberste Gericht der USA, im Februar 2026 entschieden. Trump hatte sich bei seinen Zöllen auf ein Notstandsgesetz berufen. Es besagt, dass ein Präsident im Krisenfall Dekrete erlassen kann, ohne den Kongress anrufen zu müssen.
Mit dem Entscheid fällt die gesetzliche Grundlage für die Zölle – bis wann Trump diese aufheben muss, legt das Urteil allerdings nicht fest. Die praktische Umsetzung, etwa die Anpassung des Zolltarifs oder mögliche Rückerstattungen, liegt bei den zuständigen Behörden.
Donald Trump hat prompt auf das Urteil reagiert. Er werde Alternativen nutzen, mit denen er mehr Geld einnehmen werde, sagte Trump kurz nach dem Entscheid. Einen Tag später verhängte er einen weltweiten Zollsatz von 10 Prozent, den er kurz darauf auf 15 Prozent erhöhte. Trump stützt sich dafür auf Section 301 eines Handelsgesetzes aus dem Jahr 1974. Dieses erlaubt es, bis zu 150 Tage lang Zölle auf Importe zu erheben, wenn andere Länder gewisse unfaire Handelspraktiken anwenden. Für einen längeren Zeitraum brauchte Trump die Zustimmung des Parlaments.
Anfang Juni drohte Trump neue Zölle an, die ebenfalls auf Section 301 beruhen. Diesmal belegte er 60 Handelspartner mit neuen Zöllen. Die Schweiz erhielt 12,5 Prozent, die EU 10 Prozent. Trump begründet die Zölle damit, dass die betroffenen Staaten zu wenig gegen den Import von Gütern täten, die mit Zwangsarbeit hergestellt worden seien. Die angekündigten Zölle von 12,5 (Schweiz) beziehungsweise 10 Prozent (EU) sind am 24. Juli in Kraft getreten.
Wann hat Trumps Zollkrieg begonnen?
Donald Trump hatte Anfang April 2025, am sogenannten «Liberation Day», erstmals bekanntgegeben, ein System wechselseitiger Zölle «für Länder in der ganzen Welt» einführen zu wollen. Staaten, die hohe Einfuhrabgaben auf amerikanische Produkte erheben, wurden mit hohen Gegenzöllen bestraft.
Trump hatte bereits vor seiner Amtseinführung im Januar 2025 mit Zöllen gedroht. Er will mit dem Instrument eine Reihe von Zielen erreichen: Zölle sollen die amerikanische Industrieproduktion ankurbeln, neue Arbeitsplätze schaffen, das Handelsbilanzdefizit verringern und die Steuereinnahmen erhöhen. Gleichzeitig beabsichtigt der US-Präsident, Zolldrohungen wie in seiner ersten Amtszeit als Druckmittel in Verhandlungen einzusetzen.
Nach der Ankündigung hatte Trump die Zölle mehrfach ausgesetzt oder verschoben, um den betroffenen Ländern Zeit für Verhandlungen zu geben. Anfang August traten schliesslich Zölle für Importe in die USA aus siebzig Staaten in Kraft. Zahlreiche Länder hatten gehofft, bis dahin mit der Trump-Administration eine bilaterale Lösung zu finden. Zu einer Handelsvereinbarung kam es allerdings nur in einigen Fällen. Grossbritannien, Japan, aber auch die EU konnten sich mit der Trump-Regierung einigen. Andere Handelspartner wurden abgestraft.
Einige Staaten, darunter Indien, Südkorea und auch die Schweiz, schafften es in den Monaten danach, ein Abkommen mit den USA zu verhandeln und eine Senkung der Zölle zu erwirken.
Wie ergeht es der Schweiz?
Die Schweiz musste lange auf eine Entscheidung aus den USA warten, dann kam es knüppeldick: Trump ordnete Ende Juli 2025 Strafzölle in Höhe von 39 Prozent für die Schweiz an. Die neuen Zölle fielen also noch höher aus als von Trump im April 2025 angekündigt: Damals hiess es, Schweizer Exporte in die USA sollten mit zusätzlichen Zöllen von 31 Prozent belegt werden – diese Zölle wurden damals aber, wie alle anderen «reziproken» Zölle, für 90 Tage ausgesetzt. Trotz intensiven Verhandlungen wurde die Schweiz vorerst mit einem der höchsten Zollsätze abgestraft.
Die Zölle in Höhe von 39 Prozent trafen einige Schweizer Exportbranchen empfindlich. Betroffen waren etwa die Maschinenbauer, die Uhrenhersteller oder auch der Nahrungsmittelriese Nestlé, der Nespresso-Kaffeekapseln aus der Schweiz in die USA ausführt. Einzig die Importe von pharmazeutischen Produkten waren von den Strafzöllen ausgenommen.
Erst im November 2025 konnten der Bundesrat und die amerikanische Regierung eine Einigung finden. Die USA stellten in Aussicht, die Strafzölle von 39 auf 15 Prozent zu senken. Die Schweiz stellte im Gegenzug unter anderem milliardenschwere Investitionen von Schweizer Firmen in den USA sowie Zollreduktionen für gewisse Produkte aus den USA in Aussicht. Bei dem Deal handelt es sich um eine unverbindliche Absichtserklärung, ein verbindlicher Vertrag soll folgen. Auch nach dem Supreme Court Urteil von Februar teilte der Bundesrat mit, weiter mit den USA zu verhandeln.
Worauf haben sich die EU und die USA geeinigt?
Die EU verhandelte wochenlang mit Verantwortlichen der amerikanischen Regierung, um die angedrohten Zölle in Höhe von 30 Prozent abzuwenden. Ende Juli vereinbarte die EU-Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen in Schottland mit Donald Trump einen Basiszollsatz in Höhe von 15 Prozent.
Der Zollsatz soll für die meisten Produkte gelten, laut von der Leyen auch für Autos. Umgekehrt sollen Autos aus den USA aber zollfrei in die EU importiert werden können. Trump verkündete auch Zölle auf Importe von Lastwagen und Bussen in die USA. Bei Lastwagen und Bauteilen dafür liegt der Zoll bei 25 Prozent. Bei Bussen wurde der Zoll auf 10 Prozent festgelegt. Hersteller können bis 2030 für in den USA gebaute Fahrzeuge 3,75 Prozent des Verkaufspreises zurückbekommen. Das gilt auch für Autos. Mit der Verlängerung der Vergünstigungen geht Trump auf Sorgen amerikanischer Hersteller wie Ford und General Motors ein.
Die Abgaben auf Stahl und Aluminium bleiben bei 50 Prozent. Zudem sicherte die EU laut Trump zu, Energie im Wert von 750 Milliarden Dollar zu kaufen und zusätzlich Investitionen in Höhe von 600 Milliarden Dollar in den USA zu tätigen. Auch Rüstungsgeschäfte wurden vereinbart.
Am 20. Mai 2026 stimmte die EU der definitiven Umsetzung des Zollabkommens zu – trotz Supreme-Court-Urteil.
Was gilt für China, die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt?
China war im Frühjahr 2025 als einziges Land explizit von der 90-tägigen Zollpause ausgenommen. Vorübergehend galten Zölle von über 145 Prozent auf chinesische Produkte. Die Regierung in Peking hat mit Gegenzöllen auf amerikanische Importe reagiert.
Nach weiterem Hin und Her einem Treffen der beiden Staatschefs Donald Trump und Xi Jinping in Südkorea teilte die amerikanische Regierung jedoch mit, die zusätzlichen Zölle bis mindestens zum 10. November 2026 auszusetzen. Die USA verlangen nun auf Importe aus China 10 Prozent, die chinesische Regierung verlangt dasselbe für Importe aus den USA.
Die Zölle, die Trump Anfang Juni basierend auf Section 301 erhob, gelten allerdings auch für China. Geht es um Zwangsarbeit, steht China seit Jahren im Mittelpunkt von Vorwürfen ausländischer Regierungen und NGO's. Mehr dazu:
