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DIE METALLE
BEI DEN NATURVÖLKERN
MIT BERÜCKSICHTIGUNG
PRÄHISTORISCHER VERHÄLTNISSE
VON
RICHARD ANDREE.
MIT 57 ABBILDUNGEN IM TEXT.
[Illustration: Dekoration]
LEIPZIG,
VERLAG VON VEIT & COMP.
1884.
Das Recht der Herausgabe von Übersetzungen vorbehalten.
Druck von ~Metzger~ & ~Wittig~ in Leipzig.
Vorwort und Einleitung.
Die Darstellung und Benutzung der Metalle bei den sogenannten
Naturvölkern ist noch nicht im Zusammenhange und mit Rücksicht
auf den Vergleich behandelt worden. Und doch bietet dieses Thema
nicht allein vom ethnographischen und allgemein kulturhistorischen
Standpunkte aus ein hohes Interesse; auch bei der Beurteilung
prähistorischer Fragen ist es von Wichtigkeit zu wissen, wie
die primitiven Völker zur Kenntnis der Metalle gelangen, wie
sie dieselben erschmelzen und benutzen, denn hier eröffnet sich
die Aussicht, auf dem Wege der Analogie wertvolle Ergebnisse zu
gewinnen.
Wie bei so vielen ethnographischen Dingen, ist es auch auf diesem
Gebiete die höchste Zeit, zu sammeln und zu retten, was noch
vorhanden ist. Europäische und amerikanische Metalle dringen
bei erleichtertem Verkehr bis in die fernsten Erdenwinkel und
vernichten altheimische Industrien der Naturvölker. Schon erlegt
der centralafrikanische Schwarze den Elefanten mit dem Hinterlader
und die weltberühmten Damaszenerklingen von Schiras und Meschhed
in Persien werden nur noch aus russischem Eisen geschmiedet. Die
einheimische Metallindustrie der meisten Naturvölker ist auf
den Aussterbestand gesetzt, sie ist den billigeren und besseren
europäischen Erzeugnissen gegenüber nicht mehr konkurrenzfähig, die
letzte Stunde naht für sie und noch, so fürchten wir, ist manche
wichtige Thatsache nicht eingeheimst, die uns Aufschluß zu geben
vermöchte über das ursprüngliche Verfahren in diesem oder jenem
Zweige der Metalltechnik. Von den Reisenden, auf deren Berichte
wir zum großen Teile angewiesen sind, ist im allgemeinen wenig
Aufmerksamkeit dem uns hier interessierenden Gegenstande zugewendet
worden, einmal, weil die hüttenmännische Einsicht den meisten
mangelt und dann, weil die Wichtigkeit der Sache für prähistorische
Fragen erst neuerdings erkannt wurde, zumal seit CHRISTIAN HOSTMANN
in seiner vernichtenden Kritik der Dreiperiodenteilung mit Erfolg
auf die Bedeutung der Metallurgie bei den Naturvölkern hinwies.
Wenige Ausnahmen abgerechnet, unter denen einer der genialsten
Reisenden der Gegenwart, GEORG SCHWEINFURTH, hervorragt, sind
wir meist auf dürftige Berichte angewiesen, die uns das Bild der
Darstellung und Benutzung der Metalle bei den Naturvölkern liefern
müssen. Wünschenswerte Ergänzungen bringen die in unseren Museen
aufgestapelten Schätze.
Sehr wohl ist der Verfasser sich bewußt gewesen, daß bei der
Behandlung der so weitschichtigen und in die verschiedensten
Wissensgebiete eingreifenden Aufgabe eigentlich nur mit vereinten
Kräften etwas vollständiges zu erreichen ist und daß ein einzelner
hier nicht zum Abschluß gelangen kann. Geognosie und Geographie,
Ethnographie, Hüttenkunde, Chemie, Prähistorie und Linguistik
-- alle diese Wissenschaften verlangen Berücksichtigung bei der
Bearbeitung unseres Themas, und wo wäre der Mann, der von sich
sagen dürfte, er beherrsche sie gleichmäßig? Da wird jeder nach
seinem Wissensstandpunkte auf Lücken stoßen. Aber doch mußte der
Anfang gemacht und das Gebäude wenigstens aus dem Rohen heraus
gestaltet werden. So gebe ich denn, was ich fand, als Beiträge,
Stoff und Grundlage für den weiteren Ausbau.
Der europäische und der semitische Kulturkreis sind in der
vorliegenden Arbeit ausgeschlossen. Was die Metalle innerhalb
derselben betrifft, so haben so zahlreiche Gelehrte sich damit
beschäftigt und die interessierenden Fragen der Lösung nahe
gebracht, daß auch nicht einmal von einer Rekapitulation die Rede
sein konnte; auch wird sich im Verlaufe der Darstellung zeigen, daß
die Einwirkung jener wichtigsten Kulturkreise unserer Erde auf die
Metallindustrie der Naturvölker eine kaum nennenswerte war, ja,
daß die letzteren, bis auf die neue, umgestaltende Zeit, fast ganz
unberührt von jenen blieben. Dagegen war es des Vergleiches wegen
geboten, die ostasiatischen und amerikanischen Kulturvölker in die
Betrachtung einzubeziehen und zu fragen, ob sie von Einfluß auf die
Metallurgie benachbarter Naturvölker waren: aber auch jene zeigen
in bezug auf die Metalle abgeschlossene Reiche mit geringen oder
gar keinen Ausstrahlungen auf die Nachbarn.
Die Metalle, welche wesentlich ins Auge zu fassen waren, sind
Eisen, Kupfer, Zinn und die Legierung aus den beiden letzteren,
die Bronze. Um diese drehen sich wichtige wissenschaftliche
Streitfragen, sie sind es, die in kultureller Beziehung vor
allen anderen in Betracht kommen, während die edlen Metalle eine
geringere Rolle spielen, auch bei ihnen sich noch kein Streit
um »Entlehnung der Kenntnis« erhoben hat, ihr Vorkommen im
augenfälligen gediegenen Zustande einen solchen auch unnötig machte.
Geographisch vorschreitend, beginne ich den Rundgang mit den
alten Ägyptern, denen neben der Bronze in den ältesten Zeiten
zweifellos das Eisen bekannt war. Daß von ihnen die Eisenkenntnis
zu den benachbarten Nigritiern gelangte, läßt sich keineswegs
mit Bestimmtheit behaupten, eher neige ich der Ansicht zu,
daß die Eisenbearbeitung ein durchaus ursprüngliches Gewerbe
der Neger ist, die ein »Eisenreich« für sich bilden, von so
ausgeprägter Entwickelung, daß neuerdings ein durch wenig Kritik
ausgezeichneter Kopf alle Eisenindustrie von den Schwarzen
abzuleiten versucht.[1] In Afrika folgte das Eisen direkt auf den
Stein und zwar entwickelte sich die Eisendarstellung im Nordosten
oder in Centralafrika, von wo sie erst spät nach dem Süden
gelangte. Kupfer, wiewohl es auch von den Negern erschmolzen wird,
ist nur auf wenige Gebiete beschränkt, von denen aus es auf dem
Handelswege verbreitet wird. Es ist höchstens gleichalterig mit dem
Eisen bei den Nigritiern, und von einer dem Eisen vorangehenden
»Kupferperiode«, geschweige denn von einer »Bronzeperiode« kann in
Afrika keine Rede sein.
Vorderindien bietet ein abgeschlossenes Reich für sich. Auch hier
ist eine Steinzeit nachweisbar und eine Einführung der Metalle
von außen her nicht zu erkennen. Daß Vorderindien das Stammland
aller Bronze gewesen sein soll (WORSAAE), erweist sich als eine
willkürliche Annahme. Alte Bronzen gehören dort zu den größten
Seltenheiten; sie sind von ganz anderer Zusammensetzung als
unsere Bronzen und kommen zusammen mit Eisen vor. Vorderindien
war in alter Zeit kein »Bronzeland«, es bezog selbst im Altertum
sein Zinn aus dem fernen Abendlande, denn die reichen und näher
liegenden hinterindischen Zinnvorkommnisse waren damals wohl noch
kaum erschlossen. Dagegen deuten häufige alte Kupferfunde auf das
hohe Alter dieses Metalles in Indien, das heute dort, ebenso wie
das Eisen, noch nach uralter Art erschmolzen wird nach Methoden,
die in mancher Beziehung an jene der Nigritier erinnern, ohne daß
dabei an Entlehnung gedacht zu werden braucht. Ob Eisen, ob Kupfer
das ältere Metall in Vorderindien war -- wer vermag das heute mit
Sicherheit zu entscheiden? Zwar spricht sich die vergleichende
Sprachforschung zu Gunsten des Kupfers aus, aber die Sicherheit
ihrer Entscheidung läßt manches zu wünschen übrig. Als ein Ausfluß
der indischen Metallarbeit ragen in unser europäisches Kulturleben
die konservativen Zigeunerschmiede hinein mit uralten Methoden
und Instrumenten; ihnen ist eine besondere Betrachtung gewidmet,
welche allerdings von des sonst verdienten BATAILLARD's Phantasien,
daß nämlich die Zigeuner die Verbreiter der alten Bronzekultur in
Europa waren, nichts wissen mag.
Abermals ein selbständiges metallurgisches Reich bilden die
malayischen Völker. Ihr wohlcharakterisiertes, seit uralter Zeit
bei ihnen heimisches Verfahren der Eisenbereitung reicht von
Madagaskar bis Neuguinea und im Norden bis zu den Philippinen.
Eisen ist ihr ältestes Metall. Kupfer, das sie gleichfalls, aber
weniger darstellen, erscheint später und ebenso die Bronze.
Hinterindien, von wo die uns angehenden Nachrichten spärlich
fließen und wo das Studium der Metalle bei den hochinteressanten
Aboriginern des Innern eine dankbare Aufgabe bilden würde,
tritt uns mit prähistorischen Zeugen der jüngeren Steinzeit
in Gesellschaft von Bronzen entgegen und deutet durch die
Verschiedenartigkeit der Methoden, nach denen seine Urvölker (in
Kambodja und Birma) das Eisen gewinnen, auf eine selbständige
und ursprüngliche Darstellung desselben, ohne erkennbare fremde
Einflüsse.
Für das in seiner Kultur völlig isoliert dastehende China wird
bereits vor 3500 Jahren eine hochentwickelte Bronzeindustrie
bezeugt und Sinologen sind geneigt, der Bronze dort die Priorität
vor dem Eisen zuzuerkennen -- ob aber nicht unter dem Einflusse
skandinavischer Anschauungen? Eisen ist in der älteren chinesischen
Litteratur neben Zinn und Kupfer gleichfalls ein durchaus bekanntes
Metall und die chinesische Eisendarstellung erscheint uns noch
jetzt als eine ganz eigentümliche, von der aller übrigen Völker
völlig geschiedene und selbständige. Daß aber die Chinesen, die in
so vielen Dingen die Lehrmeister der Japaner gewesen, letzteren
auch die Eisenkenntnis übermittelt haben sollten, läßt sich kaum
annehmen: denn Japan zeigt in dieser Richtung ein ganz anderes
Verfahren als China, nämlich die Eisenschmelzung in Öfen, während
China bis zum heutigen Tage nur in kleinen Schmelztiegeln sein
Eisen gewinnt. Für China sind die prähistorischen Verhältnisse
noch wenig oder gar nicht studiert, wiewohl wir wissen, daß auch
dieses Land seine Steinzeit hatte; in Japan aber, wo Europäer
einflußreich wirken und Gelegenheit zu Studien haben, erkannte man
die große Ähnlichkeit der dortigen vorgeschichtlichen Funde mit
jenen Europas, die Übereinstimmung der zugehauenen und polierten
Steingeräte, gesellt mit Bronzen, welche letztere man auch in Japan
für älter als das Eisen anspricht.
Licht beginnt sich zu verbreiten über den Norden Asiens in
prähistorischer Zeit. Nicht alle sibirischen Völkerschaften
befanden sich, als die russischen Entdecker in das Land kamen,
im Zustande der Steinzeit; einzelne Stämme verstanden es
bereits, das Eisen zu reduzieren und zu schmieden, wohl als ein
Erbteil türkischer Völker, die, aus Centralasien kommend und als
Eroberer eindringend, die Eisenkunde mitbrachten. Aber lange
vor den eisenkundigen Türkvölkern hatten vom Ural bis zum Altai
finnische Stämme, die in der Tradition als »Tschuden« fortleben,
eifrig Bergbau und Metallschmelzerei betrieben. Kupfer war ihr
Hauptmetall, das sie zu schmelzen und gießen verstanden. Neben dem
Kupfer der Tschuden und dem Eisen der Türken erhielt sich aber im
fernen Osten der alten Welt, da, wo diese sich Amerika nähert,
die Steinzeit, welche erst den erobernden Russen wich und bei den
Tschuktschen in ihren letzten Ausläufern heute vor unseren Augen
dahinsiecht.
Nicht geleugnet kann werden die Einheit des Menschen in der alten
und neuen Welt. Aber die Differenzierung beider liegt so weit
zurück, daß von einer gemeinsamen Quelle ihrer beiderseitigen
Metallkenntnisse keine Rede sein kann. Oder, wenn man grundlos
diese Kenntnis von der alten nach der neuen Welt gelangen ließ,
warum dreht man, mit gleich gutem Grunde, die Sache nicht einmal
um und läßt die Inkaperuaner die Bronzelehrmeister der Asiaten
werden? Das gäbe doch Abwechselung. Auch in der neuen Welt zeigen
sich die »Metallreiche« unabhängig von einander. Eisen kannte
man im vorkolumbischen Amerika nicht, wenigstens kein künstlich
dargestelltes; aber Meteoreisen wurde wiederholt, so namentlich
von den Eskimos, benutzt und auf ähnlicher Stufe stand auch die
Anwendung des gediegenen Kupfers in Nordamerika. Es wird von
den Indianern wie weicher Stein verarbeitet und kennzeichnet
höchstens die Grenze zwischen Stein- und Metallzeit. Der große
Kulturfortschritt, die Erze mit Kohlen zu reduzieren und die
Metalle im Feuer zu behandeln, ist dreimal in Amerika gemacht
worden: in Mexiko, in Cundinamarca und in Peru, stets aber
selbständig und unabhängig von einander. In Mexiko war Kupfer
das Hauptmetall, seltener war Bronze und beide wurden noch
neben dem Stein benutzt, im ganzen auch, wie die spärlichen
Funde beweisen, nicht häufig. Weiter war man in bezug auf die
Bronze in Peru, wo umgekehrt die Kupfergeräte seltener sind.
Alle metallurgischen Arbeiten dieser amerikanischen Kulturvölker
wurden ohne Gebläse ausgeführt. Die Analysen der Bronzen
ergeben eine große Verschiedenheit in der Zusammensetzung und
keinerlei Übereinstimmung zwischen mexikanischen und peruanischen
Erzeugnissen.
In alle die hier aufgezählten Länder, den größeren Teil unserer
Erde, brauchten die Europäer nicht erst die Metalle zu bringen,
weil sie selbständig dort entdeckt und verarbeitet worden waren.
Das Eisen freilich haben sie in Amerika eingeführt; der Nordwesten
erhielt es ziemlich spät durch die Russen, in die übrigen Gebiete
hatten sich Spanier, Portugiesen und Briten geteilt. Den Peruanern
und Mexikanern war dasselbe nur »schwarzes Kupfer«. Metalllos war
die Südsee, deren zahlreiche Inselfluren sich über ein Gebiet von
hundert Längengraden erstrecken und wo zunächst die Spanier mit
der Verbreitung des Eisens begannen. Aber volle drei Jahrhunderte
hat hier der Prozeß der Metallverbreitung in Anspruch genommen,
denn erst das achte Jahrzehnt unseres Säkulums sah den Abschluß auf
Neuguinea, dessen Bewohner die letzten unseres Erdballes waren,
welche in die Metallkenntnis eingeführt wurden.
Überblicken wir alle Gebiete, die wir mit Rücksicht auf die
Metalle durchwandert haben, so vermögen wir wohl eine große
Abwechselung, nirgends aber die »gesetzmäßige Reihenfolge« von
Stein, Bronze, Eisen zu entdecken. Bei den Naturvölkern, die
wir jetzt in ihrem Verhalten zur Metalldarstellung zu übersehen
vermögen, ist kein Grund für die Anlegung einer solchen Zwangsjacke
vorhanden. Die thatsächlichen Verhältnisse lassen da nichts
Schablonenhaftes erkennen. Hat es doch schon an und für sich
wenig Wahrscheinlichkeit, daß alle Völker in den verschiedensten
Ländern und ganz unabhängig, ohne Verkehr mit einander, zu
derselben Reihenfolge in der Erfindung der Metalle gelangt sein
sollen: Kupfer, Zinn, Bronze, Eisen. Wir werden im Verlaufe der
Darstellung sehen, daß gediegenes Kupfer, wo es vorhanden, von
Naturvölkern im kalten Zustande zu Waffen und Geräten gehämmert
wird; auch metallisches Zinn ist durch zufälliges Ausschmelzen
bekannt geworden. Doch zur Mischung der beiden räumlich getrennten
und nur durch den Verkehr zusammengeführten Metalle, zu ihrem
kunstreichen Formen und Gießen gehört mehr, als im Durchschnitt
bei Naturvölkern verlangt werden kann. Die Bronzedarstellung ist
nicht so einfach und leicht, wie jene des Eisens, welches die
primitivsten Völker zu erschmelzen wissen, während Bronze stets mit
einem höheren Kulturgrad verknüpft ist. Daraus mag man sich die
Parallele für unsere europäischen Vorfahren ziehen, die in ihrem
primitiven Zustande sicher eher auf die Eisendarstellung, als auf
das Komponieren und Formen der Bronze verfielen.
Eine zweite Lehre, die wir aus dem Verhalten der Naturvölker
gegenüber den Metallen zu ziehen vermögen, betrifft die so
beliebten Entlehnungstheorien. Wieviel Mühe und Gelehrsamkeit
ist nicht aufgewendet worden, um die Metallkenntnis von einem
Mittelpunkt gleichsam konzentrisch ausgehen, sie durch ein Volk
zum anderen verbreiten zu lassen! Man braucht nur einmal die
verschiedenen nach und nach aufgestellten »Ursprungsquellen«
und »Lehrmeister« zusammenzustellen und man wird da auf eine
beträchtliche Anzahl Konkurrenten und auf die wunderlichsten
Widersprüche stoßen. Ich glaube, daß auf die Entlehnung und
das Übergehen der Metallkenntnis von einem Volke auf das
andere noch zuviel Gewicht gelegt wird und daß dadurch weit
schwierigere Verhältnisse künstlich geschaffen werden, als in der
That vorliegen. Ohne für viele Fälle das Entlehnen und Lernen
auszuschließen -- sie liegen zu häufig offenkundig zu Tage --,
meine ich doch, daß uns ein gesunder Polygenismus weiter bringt,
der die Metalle auch da erfunden sein läßt, wo sie in selbständiger
Weise uns entgegentreten.
~Leipzig~, im Februar 1884.
=Dr. R. Andree.=
Fußnoten:
[1] _Le fer, comme emploi industriel, est originaire d'Afrique.
En effet, c'est en Afrique seulement (!!) que nous rencontrons
des peuples sauvages, connaissant l'emploi du fer, sachant le
produire et travailler._ Dieser Satz des Herrn GABRIEL DE MORTILLET
(Bulletins de la soc. d'Anthropol. 1883. 562) zeigt wiederum die
große Oberflächlichkeit des bei uns noch ernst genommenen Mannes.
Inhalt.
Seite
~Vorwort und Einleitung.~
~Das Eisen bei den Nigritiern~ 1
Eisen den Altägyptern bekannt 1. -- Älteste ägyptische
Eisenfunde 1. -- Das Eisen in den Inschriften 2. --
Meteoreisen führt nicht zur Kenntnis des künstlichen
Eisens 2. -- Ausbreitung der Eisenkenntnis in Afrika von
Nord nach Süd 3. -- Kulturbeziehungen zwischen Negern und
Altägyptern 3. -- Altägyptische Blasebälge 4. -- Die Steinzeit
Afrikas 4. -- Historische Nachrichten über dieselbe 5. --
Traditionen aus derselben 6. -- Funde aus der Steinzeit 6.
-- Späte Eisenkenntnis in Südafrika 7. und auf Fernando Po
8. -- Eisenindustrie im Nilgebiete bei den Bari 8. -- Bei
den Djur 10. -- Schmelzöfen der Djur 11. -- Eisen bei den
Bongo 12. -- Eisenindustrie in Centralafrika 15. -- Bei den
Monbuttu 15. -- In Uganda 16. -- Am Kongo 16. -- Manjema,
das centralafrikanische Eisenland 17. -- Die Metalle in
Lunda 19. -- Bei den Ganguellas 19. -- Eisenindustrie in
Ostafrika 20. -- Die Raseneisenerze 20. -- Rohe Art der
Verhüttung in Ostafrika 21. -- Kunstfertige Schmiede und
Drahtziehen am Kilimandscharo 21. -- Eisengewinnung der
Waitumba 23. -- Eisenindustrie am Njassasee 24. -- Steinhämmer
25. -- Eisenmangel bei den Masai 25. -- Eisenindustrie
im äquatorialen Westafrika 26. -- Bei den Fan 26. --
Eisenindustrie in Nordwestafrika 27. -- Fremde Einflüsse in
diesem Teile des Kontinentes 27. -- Eisen als Geld 27. --
Eisen in Tibesti 28. -- In Bornu und Sokoto 29. -- In Futa
Djallon 29. -- Bei den Mandingo 30. -- Goldarbeiter der
Mandingo 32. -- Eisenindustrie in Südafrika 33. -- Mangelnde
Kenntnis bei den Buschmännern 33. -- Eisengewinnung der
Hottentotten 33. -- Eisenindustrie der Kaffern 34. -- Der
Marutse 35. -- Gesamtbild der afrikanischen Eisenindustrie 35.
-- Uralte bodenständige Industrie 36. -- Das Rohmaterial, der
Laterit 37. -- Rösten der Erze, Zuschläge, Köhlerei 37. --
Arten des Ausbringens 38. -- Die Gebläse 38. -- Das Produkt
39. -- Die Schmiedearbeit 39. -- Fremde Einflüsse 40. --
Die Stellung der Schmiede in Afrika 40. -- Zauberkraft des
Eisens 41. -- Die europäische Parallele 43. -- Reste der alten
Eisendarstellung in Europa 44.
~Das Kupfer bei den Nigritiern~ 45
Vorkommen und Darstellung 45. -- Hofrat e Nahhas und seine
Kupferhütten 46. -- Das Katangakupfer 47. -- Weite Verbreitung
desselben 48. -- Kupfer am Binué, in Angola, Namaqualand und
Transvaal 48. -- Verbreitung des Kupfers auf dem Handelswege
49. -- Kupferlegierungen in Afrika 50. -- Die Bronze der
Ägypter 50. -- Alter derselben 50. -- Zinndarstellung bei den
Negern 51. -- Einfuhr von Messing 51. -- Bronzedarstellung bei
den Kaffern 52. -- Drahtziehen der Neger 53. -- Goldarbeiten
an der Goldküste 53. -- Formen und Gießen in Guinea 54. --
Priorität des Eisens 55. -- Kupferhandel 56. -- Gegenseitige
Wertstellung des Eisens und Kupfers 56.
~Das Kupfer in Vorderindien~ 58
Die Steinzeit in Vorderindien 58. -- Das Alter indischer
Bronzen 58. -- Die Quellen des Zinnhandels 59. -- Nur eine
Fundstätte von Zinn in Vorderindien 59. -- Vorderindien
bezog sein Zinn aus dem Abendlande 59. -- Zinn in Drangiana,
Chorassan 60. -- Seltenheit alter indischer Bronzen 61. --
Alte Kupfergeräte in Vorderindien 62. -- Bergbau auf Kupfer in
Indien 63. -- Die Kupferhütten von Chetri 64.
~Das Eisen in Vorderindien~ 66
Alte Eisenfunde in Vorderindien 66. -- Eisen aus den
megalithischen Denkmälern in Malabar 66. -- Die Tumuli von
Oapur 67. -- Ausgrabungen in den Barrows der Centralprovinzen
67. -- Gegenwärtige Eisenproduktion in Indien 69. -- Vorkommen
der Eisenerze 69. -- Verschiedene Schmelzmethoden 69. -- Der
Eisenhüttenbetrieb in Orissa 70. -- In Katak 72. -- In Alwar
72. -- In Firospur 73. -- In Kamaon 73. -- Eisenschmelzen der
Khasias 74. -- Eisendarstellung auf Ceylon 75. -- Priorität
des Kupfers oder Eisens in Indien 76. -- Sprachliche Gründe
für das höhere Alter des Kupfers 77. -- Der indische Stahl
(Wootz) 78. -- Alte Nachrichten über das Eisen 78. --
Eisenbenutzung auf den Andamanen 79.
~Die Zigeuner als Metallarbeiter~ 79
Indische Schmiede 79. -- Zigeunerschmiede 80. -- Schmelzöfen
der schottischen Zigeuner 81. -- Die Calderari 81. -- Die
Malkotsch 81. -- Bataillard's Ansichten über die Bronze 82. --
Die Zlotari oder Gelbgießer in Galizien 82. -- Ihre Bälge 83.
~Die Metallurgie der Malayen~ 84
Alter der Metallkenntnis bei den Malayen 84. -- Stellung
der Schmiede 85. -- Die malayischen Gebläse auf Sumatra 86.
-- Eisenschmelzen der Dajaks 87. -- Die Gebläse auf den
Philippinen und in Pegu 88. -- Schmiede der Igorroten 89. --
Schmiede auf Neuguinea 89. -- Malayisches Schmelzverfahren
und Gebläse auf Madagaskar 90. -- Kupfer bei den Malayen 91.
-- Kupferindustrie der Igorroten 92. -- Zinn bei den Malayen
95. -- Vorkommen der Zinnerze in Hinterindien 95. -- Alter der
Zinnkenntnis in Hinterindien 96. -- Zinngruben von Malakka 96.
-- Von Bangka 97.
~Die Metalle in Hinterindien~ 98
Die jüngere Steinzeit in Kambodja 98. -- Alte Bronzen in
Kambodja 98. -- Die Eisengewinnung der Cuois in Hinterindien
99. -- Eisenschmelzen in Birma 101.
~Die Metalle in China und Japan~ 103
Steinzeit in China 103. -- Alte Bronzen in China 104. --
Ting-Urnen 104. -- Shang-Vasen 105. -- Zusammensetzung der
chinesischen Bronzen 106. -- Alter der Bronze und des Eisens
in China 106. -- Die eiserne Pagode von Tai-ngan-fu 107. --
Gegenwärtige Eisenindustrie Chinas 107. -- Die Eisenschmelzen
von Schansi 108. -- Prähistorisches aus Japan 110. -- Die
Muschelhaufen von Omori 110. -- Japanische Steingeräte 111. --
Heutiger Bergbau der Japaner 111. -- Aufbereiten der Erze 112.
-- Eisenschmelzöfen in Japan 113. -- Verhältnis von Kupfer und
Eisen in Japan 114.
~Die Metalle im Norden Asiens~ 114
Die Ostjaken als Eisenschmelzer 114. -- Jakutische
Eisenindustrie 115. -- Steinzeit Sibiriens 116. -- Steinzeit
in Kamtschatka 117. -- Einführung des Eisens durch die Russen
117. -- Steinzeit und Eisen bei den Tschuktschen 118. -- Die
alten Tschudenbergbaue im Ural 119. -- Dergleichen im Altai
120. -- Wer waren die Tschuden? 121. -- Kurgane und alte
Gräber in Sibirien 122. -- Bronzefunde von Krasnojarsk 122.
-- Die Kurgane am oberen Jenisei 123. -- Jüngere und ältere
Gräber 124. -- Die Türkstämme führten das Eisen ein 126. --
Sprachliche Gründe dafür 127.
~Das Bekanntwerden der Amerikaner mit dem Eisen~ 128
Eisen im vorkolumbischen Amerika unbekannt 128. -- Verwendung
von Meteoreisen bei den Eskimos 129.-- Meteoreisen in den
Mounds 132. -- Einführung des europäischen Eisens in Grönland
132. -- Nordwestamerika erhielt das Eisen von Asien 133.
-- Japanische Dschonken vom Kuro Siwo verschlagen 133. --
Der Tabak in Nordwestamerika durch die Russen eingeführt
134. -- Eiseneinführung in Unalaschka, am Nutkasunde,
in Britisch Kolumbia 134. -- Europäisches Eisen in
kalifornischen Indianergräbern 135. -- In Gräbern in Yukatan
136. -- Die Patagonier als Eisenarbeiter 136. -- Schmiede
in Nordwestamerika 137. -- Tradition der Tinné 137. --
Sprachliche Bezeichnungen für Eisen bei den Amerikanern 137.
~Das Kupfer bei den Nordamerikanern~ 139
Kupfergerät der Eskimos 139. -- Der Kupferminenfluß 139. --
Kupfergeräte der Tinné 140. -- Der Athna oder Kupferfluß 140.
-- Die alten Kupferbergwerke am Oberen See 140. -- Verfall
derselben 141. -- Verbreitung der Kupfergeräte vom Oberen See
142. -- Funde in den Mounds 142. -- Beschaffenheit der alten
Kupfergeräte 144.
~Kupfer und Bronze in Mexiko~ 145
Die Bronzegebiete Amerikas 146. -- Kultur der Mexikaner 147.
-- Kupfergeräte der Mexikaner 148. -- Die Zinngruben von Tasco
150. -- Bronze der Mexikaner 150. -- Die Metalltechnik in
Mexiko 151. -- Bergbau in Mexiko 152. -- Kupfer in Nikaragua
153.
~Die Metalle bei den Chibchas~ 153
Isolierte Kultur der Chibchas 153. -- Gold- und Bronzeobjekte
der Chibchas 154. -- Goldarbeiten von Antioquia 154.
~Kupfer und Bronze in Peru~ 155
Metallgeräte der Inkaperuaner 156. -- Kupfer 156. --
Kupfergeräte in Chile 156. -- Analysen peruanischer
Bronzesachen 157. -- Die Bronzen von Chimu 158.
~Die Verbreitung des Eisens auf den Südseeinseln~ 160
Bekanntwerden der Insulaner mit dem Eisen 160. --
Wertschätzung desselben 160. -- Eisen auf Neuguinea 162.
-- Abschluß der Eisenverbreitung über den Globus 162.
-- Archaistische Formung der neuen Eisengeräte bei den
Naturvölkern 163 -- und in prähistorischer Zeit 164. --
Sprachliche Anpassung 164. -- Wirkungen des Eisens auf die
Ozeanier 165.
Verzeichnis der Abbildungen.
Seite
Fig. 1. Altägyptische Blasebälge. Nach WILKINSON 4
Fig. 2. Schmiede im Barilande. Nach V. HARNIER 9
Fig. 3. Tundsch, Schmelzofen der Djur. Nach SCHWEINFURTH 11
Fig. 4. Durchschnitt desselben 11
Fig. 5. Grundriß desselben 11
Fig. 6. Berr, Schmelzofen der Bongo. Nach SCHWEINFURTH 12
Fig. 7. Grundriß desselben 12
Fig. 8. Borro, Blasebalg der Bongo. Nach SCHWEINFURTH 13
Fig. 9. Zange der Bongo. Nach SCHWEINFURTH 14
Fig. 10. Bongolanzen. Nach SCHWEINFURTH 14
Fig. 11. Hammerstein der Mangandscha. Nach LIVINGSTONE 25
Fig. 12. Schmelzofen in Futa Djallon. Nach LAMBERT 30
Fig. 13. Blasebalg der Marutse. Nach HOLUB 35
Fig. 14. Zange der Marutse. Nach HOLUB 35
Fig. 15. Handakupferbarre. Nach CAMERON 47
Fig. 16. Kupferschmelze in Chetri. Nach BROOKE 64
Fig. 17. Eisenofen in Orissa. Durchschnitt. Nach BLANFORD 70
Fig. 18. Seitenansicht desselben 70
Fig. 19. Obere Ansicht desselben 71
Fig. 20. Aufgeblasener Balg in Orissa. Nach BLANFORD 71
Fig. 21. Ausgepreßter Balg in Orissa. Nach demselben 71
Fig. 22. Eisengewinnung in den Khasiabergen. Nach HOOKER 73
Fig. 23. Blasebalg der Zlotars. Nach KOPERNICKI 83
Fig. 24. Eisenschmelze der Dajaks. Nach TEMMINCK 87
Fig. 25. Malayisches Gebläse. Sammlung RIEBECK 88
Fig. 26. Eisenschmelze auf Madagaskar. Nach ELLIS 91
Fig. 27. Eisenschmelze der Cuois. Nach MOURA 100
Fig. 28. 29. Eisenschmelzofen aus Birma. Nach BLANFORD 102
Fig. 30. Chinesische Ting-Urne aus der Shang-Dynastie.
Nach V. RICHTHOFEN 104
Fig. 30a. Chinesisches Gefäß aus der Tschóu-Dynastie.
Nach V. RICHTHOFEN 105
Fig. 31. Eskimomesser mit Meteoreisen. Nach SABINE 130
Fig. 32. Europäisches Eisen von Indianern nach Art der
Feuersteinspitzen in Holz gefaßt. Nach U. S.
Geogr. Surveys, west of 100th meridian 135
Fig. 33-43. Nordamerikanische gehämmerte Kupfergeräte.
Nach SHORTT 143
Fig. 44. Kupfergerät von Zocho-Xocotlan. Nach DUPAIX 148
Fig. 45. Kupferaxt von Venis Meicis. Nach PUTNAM 149
Fig. 46. Kupferaxt von Tlacolula. Nach PUTNAM 149
Fig. 47. Kupfergerät von Teotitlan del Valle. Nach PUTNAM 149
Fig. 48. Bronzefigur der Chibchas. Nach LEEMANNS 154
Fig. 49. Gegossener Kupferhammer aus Chile. Nach EWBANK 156
Fig. 50-53. Peruanische Ackergeräte. Nach SQUIER 159
Fig. 54. Peruanische Maurerkelle. Nach demselben 159
Fig. 55-56. Peruanische Bronzemesser. Nach demselben 159
Fig. 57. Peruanischer Morgenstern. Nach demselben 159
Das Eisen bei den Nigritiern.
~Eisen den Altägyptern bekannt.~ Wenn auch neuerdings Zweifel
geäußert worden sind, ob die alten Ägypter das Eisen gekannt
hätten[2], so sind doch solche Zweifel hinfällig gegenüber den
thatsächlichen Funden von altem Eisen in den Monumenten jenes
Volkes. Eisen existierte bereits vor 5000 Jahren, zur Zeit als die
große Pyramide gebaut wurde; ja, es war damals, wie LEPSIUS sagt,
»im gewöhnlichen Gebrauche«. Ein Stück davon, das beim Bau jener
Pyramide verwendet wurde, ist 1835 aufgefunden worden, eine 14 cm
lange und 5 cm breite Schabklinge, welche, luftdicht verschlossen,
sich bis auf unsere Tage erhalten hat.[3] Schon WILKINSON hat
darauf hingewiesen[4], daß in den Gräbern von Theben Fleischer
dargestellt sind, die ihre Messer an einem runden Metallstabe
schärfen, der an ihrer Schürze hängt; die blaue Farbe der Klingen
und die Unterscheidung von Bronze- und Stahlwaffen im Grabe RAMSES'
III., die einen rot, die anderen blau gemalt, lassen wenig Zweifel
darüber, daß die Ägypter der frühen pharaonischen Zeit mit dem
Gebrauche des Eisens vertraut waren, eine Beobachtung, welche in
bezug auf die polychrome Behandlung der die Metalle darstellenden
Hieroglyphen (rot = Kupfer, grün = Bronze, blau = Eisen) von
EBERS[5] und LEPSIUS bestätigt wird.
Die Inschriften belehren uns vollkommen über das Vorkommen und
den Gebrauch des Eisens in der ältesten Zeit in Ägypten. Die
Reihenfolge der Metalle und einiger Mineralien, die auf den
Denkmälern befolgt wird, ist dort: Gold, Silber, Lasurstein,
Malachit, Kupfer und Men. Dieses Men nun ist, wie Lepsius gezeigt
hat[6], die älteste Bezeichnung für Eisen. Es werden daraus Geräte
gefertigt, Helme und Panzer wenigstens teilweise, auch Waffen.
In der späteren Zeit wird das Eisen dann _tehset_ genannt und zu
Thürschlössern, Beschlägen und ähnlichen Geräten verwendet. Man
erhielt es aus Persien, von einer Insel Mas und einem Orte Bektot.
Trotzdem meint LEPSIUS, daß die Entdeckung der Eisengewinnung sehr
wohl von Ägypten ausgegangen sein könne, da das Material dazu
genügend vorkomme und auch eine alte Eisenerzmine nachgewiesen
worden sei.[7]
Eisen war ja außerordentlich früh auch bei den Nachbarvölkern der
Ägypter im Gebrauch und »es ist klar, daß auch die Ägypter es noch
viel früher, als bei jenen nachzuweisen ist, gekannt und allgemein
angewandt haben werden«. LEPSIUS sieht auch im gehärteten Eisen den
Stoff, mit welchem die Ägypter den Granit bearbeiteten, »doch ist
es sehr bemerkenswert, daß in allen Darstellungen des alten Reiches
blau gemalte Instrumente kaum nachzuweisen sein dürften«. Daraus
geht, nach ihm, wenigstens hervor, daß das Eisen im alten Reiche
sehr viel weniger im Gebrauche war und überall, wo es nicht wegen
seiner Härte unentbehrlich war, durch das Erz ersetzt wurde.[8]
Über die Prioritätsfrage zwischen Eisen und Kupfer, resp. Bronze
in Ägypten läßt sich LEPSIUS nicht näher aus, wiewohl er geneigt
scheint, das Kupfer für älter anzusehen, was auch dadurch
Bestätigung erhält, daß das Wort für Eisen durch das Zeichen für
Kupfer, einen Schmelztiegel, determiniert wird.
Die alten Ägypter kannten also das Eisen, wiewohl die meisten
Dinge des täglichen Gebrauches, die sich massenhaft in unseren
Museen befinden, von ihnen aus Bronze dargestellt wurden. Von
LAUTH ist die Ansicht aufgestellt worden, daß das erste Eisen,
welches die Ägypter zu Geräten verarbeiteten, ~meteorischen~
Ursprungs gewesen sei. Mit Anlehnung an das koptische _benipe_
(_ferrum_), in dem der erste Bestandteil das altägyptische _ba_
ist, sucht er nachzuweisen, daß letzteres Eisen bedeutet. Er
fand es mit dem Zusätze _ne-pe_, des Himmels, somit Metall des
Himmels, meteorisches Eisen.[9] So verführerisch dieses aber auch
klingt, so läßt sich hiergegen doch manches einwenden, wie denn
andere Völker, die das Meteoreisen zu Messern etc. verwendeten
(z. B. die Eskimo) dadurch auch nicht zur Gewinnung desselben
geführt wurden. Was an sonstigen Gründen gegen die Ansicht, der
Mensch sei durch die Benutzung des Meteoreisens zur Fabrikation
des künstlichen Eisens gelangt, gesagt werden kann, hat L. BECK
zusammengestellt[10] und mag hier einfach darauf verwiesen werden.
~Ausbreitung der Eisenkenntnis in Afrika von Nord nach Süd.~
Es liegt nahe die Frage aufzuwerfen: Haben die Neger von den
Altägyptern die Darstellung des Eisens erlernt? Wir wollen dieselbe
nicht absolut bejahen, da es uns ganz denkbar erscheint, daß die
schwarzen Afrikaner selbständig auf diese Entdeckung gekommen sind,
wofür die große Verbreitung und Bodenständigkeit dieses Zweiges
der Metallurgie bei ihnen spricht; aber es sind trotzdem Anzeichen
vorhanden, welche einen uralten Einfluß der ägyptischen Kultur
und damit der Eisenkenntnis auf die südlicher wohnenden Nigritier
glaubhaft machen. Wer die Abbildungen in SCHWEINFURTHs Reisewerk
und in dessen Artes africanae aufmerksam betrachtet, wird betroffen
werden über die Übereinstimmung mancher Geräte und Waffen der
Neger mit jenen der Altägypter. Da finden wir die Nugaratrommeln
bei den Dinka genau so wie auf den Monumenten; Haarnadeln und
Löffel der Bongo und der Altägypter sind fast identisch und
wie diese ehemals die Schalen der Anodontamuschel als Löffel
benutzten, so jene noch heute. Im hohen Grade auffallend ist die
Übereinstimmung eines Kundih genannten Saiteninstrumentes bei den
Niam-Niam mit einem ganz gleichen Instrumente, einem Mittelding
zwischen Harfe und Laute, bei den Ägyptern. Der guitarreartige
Resonanzboden, die harfenartig gespannten Saiten, die Wirbel, alles
ist hier wie da.[11] Harfen und Lauten stimmen ja in ihrer Form
bei verschiedenen Völkern und in verschiedenen Zeiten recht gut
miteinander überein -- das merkwürdige ist aber hier die identische
Wiederholung eines alten zwitterhaften ägyptischen Instrumentes
bei den menschenfressenden Niam-Niam von heute und es wird schwer,
hier von dem Gedanken einer Entlehnung in alter Zeit abzusehen.
Demgegenüber muß aber auch nachdrücklich hervorgehoben werden, daß
eine Menge Kultureinrichtungen, die den Negern bei den Altägyptern
zu Gebote standen, nicht adoptiert wurden; ich erinnere nur an
die Drehscheibe, die in Ägypten bekannt, bei den Negern fehlt, wie
wohl letztere aus freier Hand Thongefäße von schönster Symmetrie
bilden. Dagegen deuten wieder auf eine Anlehnung an Ägypten die
altägyptischen ~Blasebälge~, die in ähnlicher Form noch heute
über ganz Afrika verbreitet sind. Solche Blasebälge aus der
Zeit des PHARAO THUTMES III. haben sich in Abbildungen (Fig. 1)
erhalten[12]; sie wurden paarweise abwechselnd mit den Füßen
getreten und dann mit den Händen wieder aufgezogen und waren auch
bei den Hebräern im Gebrauche.[13] Die Pfeifen und Düsen daran,
sowie die einfache Herstellung aus Lederschläuchen entsprechen
ganz den weiter unten noch häufig zu erwähnenden Negerblasebälgen.
Auch bei den Schmieden im heutigen Ägypten sind sie noch im
Gebrauche.[14]
[Illustration: Fig. 1. Altägyptische Blasebälge. Nach WILKINSON.]
~Die Steinzeit Afrikas.~ Will man für die Nigritier annehmen,
daß sie nicht selbständig die Kunst, das Eisen herzustellen,
erfunden, so lassen sich für eine Einführung dieser Kunst noch die
Phönizier als Lehrherren oder später die Alexandriner annehmen,
welche die Ostküste und die Häfen am Roten Meere beschifften.
Wie wir aus dem Periplus des Erythräischen Meeres ersehen[15],
wurden im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung (in welche der
Periplus gesetzt wird) in Adulis und anderen Küstenplätzen neben
anderen Waren eingeführt Messing (+oreichalkos+), das man zum
Schmuck und zerschnitten statt Münze gebrauchte, Kupferbarren,
»sowohl zum weiteren Schmelzen, als auch zum Zerschneiden für
Arm- und Schenkelbänder für manche Frauen« und Eisen, das zu
Lanzen gegen die Elefanten und andere wilde Tiere, wie gegen
die Feinde verwendet wird. Ebenso importierte man kleine Beile,
Holzäxte, Dolche etc., wofür dann im Tausch Elfenbein, Schildkrot
und Rhinozeroshorn gegeben wurden. Daraus ergiebt sich, daß
zu jener Periode die Metallindustrie bei den nordöstlichen
Afrikanern, den heutigen Nubiern und Abessiniern, noch nicht so
vorgeschritten sein konnte, daß sie den einheimischen Bedarf an
Metallgegenständen deckte. Daß in jenen früheren Perioden aber noch
Steingeräte bei den Afrikanern im Gebrauch waren, läßt sich aus
historischen Quellen nur spärlich belegen. DIODOROS SICULUS[16]
(erstes Jahrhundert vor Chr.) spricht von Schleudersteinen der
Libyer. Ob die Lanzen, welche dieser Schriftsteller an der
genannten Stelle erwähnt, eiserne oder steinerne Spitzen hatten,
ist nicht ersichtlich. Dagegen findet sich beim AGATHARCHIDES eine
Stelle[17], in welcher Pfeile mit steinernen Spitzen sehr genau
geschildert sind. Sie lautet: »Es bedienen sich in Kriegsgefahren
die Athioper großer Bogen, aber kurzer Pfeile; an der Spitze
des Rohrstabes ist anstatt des Eisens ein seiner Gestalt nach
länglicher Stein befestigt, der durch Sehnen festgebunden ist,
übermäßig spitz und in tödliches Gift getaucht.« STRABO erzählt
von den Sumpfbewohnern am Weißen Nil, daß sie sich »angesengter
Pfeile« bedienen, worunter wohl solche von Holz zu verstehen, die
durch Ankohlen der Spitze gehärtet sind, und von den »plattnasigen
Äthiopiern« sagt er, daß sie die Antilopenhörner als Waffen
gebrauchen.[18]
Die Steinzeit der Afrikaner läßt sich, abgesehen von diesen
historischen Nachrichten, noch auf zweierlei Art beweisen: erstens
durch die Überlebsel aus derselben, zweitens durch die Funde von
alten Steingeräten.
Zu den Überlebseln rechne ich die Kornreibsteine, die noch überall
im Gebrauche sind, die Verwendung von Steinen zu Hammer und Ambos
beim Schmieden, die Verwendung von Knochen zu Pfeilspitzen bei
den Buschmännern, die Benutzung knöcherner Schaufeln (aus dem
Schulterblatte des Elefanten) zum Ackerbau bei den Jangbara im
Westen von Gondokoro[19], die Pfeilspitzen aus hartem Holze neben
solchen aus Eisen im Reiche des Muata Jamwo.[20]
Auch Traditionen aus der Steinzeit sind noch vorhanden. In einem
Hereromärchen, das unserem deutschen »Was geschenkt ist, bleibt
geschenkt« entspricht, hat das kleine Mädchen vom Vater ein Beil
geschenkt erhalten. Damit geht es aus und trifft Burschen, die
damit beschäftigt sind, Honig auszunehmen, »und um dieses thun zu
können, mußten sie ~die Bäume mit Steinen fällen~. Und es sprach
zu ihnen: Ihr Söhne unseres Hauses, warum gebraucht ihr doch
Steine, um den Honig herauszunehmen? Weshalb sagt ihr denn nicht,
unsere Erstgeborene, gieb uns das Beil?«[21] Eine Geschichte, die
sicherlich eine Erinnerung an die Steinzeit der Herero bewahrt.
Was zweitens die Funde aus der Steinzeit selbst betrifft, so
habe ich ein reichliches Material zusammengestellt[22], welches
deren einstige Verbreitung über den ganzen Kontinent darthut. Die
Steinzeit läßt sich auch für Ägypten nicht mehr leugnen. Der ganze
Norden von der Oase Kufra im Osten bis zu der großen von Marokko
nach Timbuktu führenden Karawanenstraße im Westen weist Funde von
Steinwaffen und Geräten auf. Algerien, Marokko sind reich daran.
Sie sind aus Oberguinea, sehr reichlich aus Südafrika, aus dem
Somalland und Centralafrika bekannt, wiewohl die Berichte aus dem
letzteren noch spärlich lauten, selbstverständlich aus Mangel an
Beobachtung.[23]
Wie bei uns in Europa zeigen die Funde der Steinzeit Afrikas auch
Entstehung in verschiedenen Epochen; alte Geräte vom Typus der
Driftfunde und neuere, polierte aus anscheinend späterer Zeit
mit verschiedenen Übergängen sind vertreten. Wunderbar ist die
Übereinstimmung nach Material und Form der afrikanischen mit
den europäischen Geräten und Waffen; dieselben Äxte, Schaber,
Meißel, Speer- und Pfeilspitzen, die Sägen, Späne und Nuclei
werden gefunden; auch »Ateliers« sind vorhanden und vom Material
wird, wie anderwärts, der Feuerstein bevorzugt wegen seiner Härte
und leichten Bruchfähigkeit. Daneben sind Basalte, Grünstein,
kieselreiche Sandsteine u. s. w. benutzt.
Am allerreichlichsten sind die Steinobjekte aber in Südafrika
vertreten; hier haben wir auch die lebendige Tradition aus der
Steinzeit gefunden, hier benutzt der Buschmann noch Steingeräte
beim Ackerbau; nach allem zu schließen, hat gerade in Südafrika
die Steinzeit am längsten gedauert, ist hier am spätesten die
Kunst, das Eisen zu schmelzen, zur Ausübung gekommen. Zwar meint
O. SCHRADER[24]: »Jedenfalls muß das Eisen im südlichen Afrika am
ersten bekannt gewesen sein«, allein er weiß dafür keinen anderen
Beweis anzuführen, als daß die Bachapin, ein Kaffernstamm, alle
Metalle vom Standpunkte des Eisens _tsipi_ aus benennen, nämlich
Gold _tsipi e tseka_ gelbes Eisen, Silber _tsipi e shu_ weißes
Eisen, Kupfer _tsipi e kubila_ rotes Eisen. Dieses zeigt jedoch
nur, daß ihnen unter den Metallen das Eisen am frühesten bekannt
war, beweist aber nichts dafür, daß zuerst Südafrika das Eisen
kannte.
Gerade das Gegenteil war der Fall, wofür außer den in Südafrika
am lebendigsten vorhandenen Traditionen aus der Steinzeit und
den reichsten Funden aus derselben noch die Berichte der ersten
europäischen Händler sprechen. Die am Kap und überhaupt im Süden
wohnenden Stämme warfen sich nämlich mit Begierde auf das ihnen
zugeführte europäische Eisen, was nicht der Fall gewesen wäre, wenn
die heimische Eisenindustrie irgendwie entwickelt gewesen wäre.
An der Westküste, nördlich vom Kap, traf 1598 JOHN DAVIS (an der
Saldanha Bai) auf viehzüchtende Hottentotten. Für ein Stück von
einer alten eisernen Schaufel erhielt er ein fettes Schaf oder
einen Ochsen; doch bereits sechs Jahre später, 1604, klagt NICHOLAS
DAUNTON, Kapitän des Schiffes »Pepper Corne«, daß dieser schöne
Zustand der Dinge, der Verkauf eines _beife for a piece of an iron
hoope of fourteen inches long and a sheepe for a lesser piece_ zu
Ende sei, da die Holländer _by their ouer much liberalitie_ den
Markt verdorben hätten.[25]
Das deutet doch alles auf eine späte Einführung der
Eisenschmelzkunst im Süden. Dazu nehme man die lebendige Tradition,
in der selbst von Messern aus der Rinde des Zuckerrohres die Rede
ist, welche ähnlich wie Bambussplitter benutzt wurden.[26]
Auch auf der Insel Fernando Po ist das Eisen erst durch die
Europäer (entdeckt 1471 durch FERNAO DO PO) bekannt geworden.
»Mir wurde mitgeteilt,« erzählt Konsul HUTCHINSON, »daß an einem
Orte mit Namen Bassakatu, bei Ballilipa, der König noch Steinäxte
aufbewahre. Mit diesen Geräten spaltete man Holz oder hieb die
Palmnußbündel von den Bäumen ab, ehe man dort das Eisen kannte.
Dieses Metall lernten sie zuerst im Austausch von Früchten und
Vieh gegen unsere Schaufeln kennen bei den frühesten Besuchen
europäischer Händler auf ihrer Insel. Jetzt sind sie zur Kultur
der Birminghamäxte, Messer und Beile vorgeschritten, welche sie im
Tauschhandel gegen Yams und Palmöl erhalten.«[27] Dabei hat aber
der Kontinent seit langem das Eisen gekannt.
Aus allem diesem scheint mir soviel hervorzugehen, daß die Kenntnis
der Eisengewinnung in Afrika von Nordosten nach Süden und Westen
vorrückte und ohne irgend eine Zwischenperiode der Steinzeit
folgte. In der That treffen wir auch bei den Völkern im Gebiet
des Nil und bei den benachbarten Stämmen die Eisenindustrie am
höchsten entwickelt, weil dort wohl am ältesten. Ich will es nun
versuchen, einen Überblick über den Stand und die Ausbreitung
der Eisenfabrikation in ganz Afrika zu geben, wobei ich in
geographischer Reihenfolge verfahre. Wiederholungen lassen sich
dabei nicht vermeiden, aber es liegt mir daran, das Material
zusammenzubringen, um damit auch anderen zu einem möglichst
genauen Einblick zu verhelfen. Vorausgeschickt werde mögen, daß
Eisenerze, die bei niedriger Temperatur geschmolzen werden, kein
Gußeisen liefern, sondern ein unreines Schmiedeeisen. In unseren
europäischen Hochöfen, wo eine große Hitze erzeugt wird, sickert
das ausgeschmolzene gekohlte Eisen im dünnflüssigen Zustande in
den Herd des Ofens und wird hier »abgestochen«, d. h. es läuft,
nachdem das Öffnungsloch des Herdes frei gelegt ist, in einem
Strome heraus. Das so gewonnene und in Sandformen abgekühlte Eisen
ist sprödes, nicht schmiedebares Gußeisen (Roheisen). Anders bei
dem ursprünglichen und von den Naturvölkern angewendeten Verfahren,
wo nicht so große Hitze erzeugt wird und eine andere Art Eisen
entsteht, ein nur weiches, nicht flüssiges Schmiedeeisen, das am
Grunde des Ofens mit Schlacke und Kohle vermischt als »Stück«,
»Luppe« oder »Wolf« sich absetzt und das dort herausgenommen werden
muß.
~Eisenindustrie im Gebiete des Nil.~ Den Schmied bei der Arbeit
am blauen Nil in Sennar hat MARNO abgebildet[28], doch lassen die
Zange und die Form des Hammers, beide europäischer Gestalt, hier
bereits auf fremden Einfluß schließen, da der Afrikaner sonst
erstere durch ein Stück gespaltenes Holz ersetzt und an Stelle
des Hammers einen Stein oder ein konisches Stück Eisen ohne Stiel
anwendet. Nach der von MARNO gegebenen Abbildung schließen die
Blasebälge hinten mit einer Klappe.
[Illustration: Fig. 2. Schmiede im Barilande. Nach V. HARNIER.]
Bei den Bari unter 5° nördl. Br. am Weißen Nil sind die
Wanderschmiede eine verachtete Pariakaste, dennoch aber den
Schwarzen unentbehrlich. »Aus eisenhaltigem Kies, der vielfach
in diesen Ländern oberflächlich zu finden ist, wird das Roheisen
auf höchst einfache Art gewonnen; sehr primitiver Art sind auch
die Blasebälge, deren sich die Schmiede bedienen. Zwei thönerne
Gefäße, ähnlich einem Trichter, dessen sich verengernder Hals
seitwärts gebogen ist, werden auf dem Boden so aufgestellt, daß
die beiden Mündungen gegen die Feuerstelle gerichtet sind; ihre
obere breite Öffnung wird mit einem Stück durch Anfeuchten dehnbar
gemachter Tierhaut, in der Mitte mit einer Handhabe versehen, fest
zugebunden. Durch rasches Auf- und Niederbewegen dieser Haut und
das dadurch entstellende Ein- und Ausströmen der Luft durch die
Mündung am Feuer wird ein doppeltes Gebläse und die nötige Hitze
bewirkt. Das von Natur äußerst weiche, so glühend gemachte Eisen
wird von dem Schmiede auf einem als Ambos dienenden Stein mit
einem den Hammer ersetzenden zweiten Stein geschmiedet, indem er
es mit einer leichten Zange handhabt (Fig. 2). Das Stählen und
Schweißen des Eisens ist nicht bekannt.«[29] Genau so sind die
Schmiedevorrichtungen weiter östlich bei der Latuka.[30]
Hochentwickelt ist die Eisenindustrie im Bar-el-Ghasalgebiete
an den westlichen Zuflüssen des Weißen Nil, zwischen 3° und 8°
nördl. Br. und 26° und 30° östl. L. v. Gr., wo wir auf fast
durchweg eisenhaltigem Boden uns befinden. Hier läßt sich mit
einigen geringen Abwechselungen bei bald größerer, bald geringerer
Geschicklichkeit eine vorgeschrittene und im ganzen sich gleich
bleibende Weise der Eisengewinnung nach Art der alten Rennarbeit
nachweisen.
Zwischen 7° und 8° nördl. Br. und 28° und 29° östl. L. v. Gr.
wohnt das Volk der Djur. Ihr Land ist die unterste Terrasse des
eisenhaltigen ostafrikanischen Felsbodens; auf Hunderte von Meilen
ist dort der Raseneisenstein verbreitet, doch nur an einzelnen
Stellen sind die Brauneisensteinaggregate genügend zur Verhüttung
vorhanden. An der Hauptseriba Kurschuk Alis sah SCHWEINFURTH bei
einer solchen ausgiebigen Stelle ausgedehnte Gruben von drei
Meter Tiefe angelegt, aus welchen die Djur ein Material zu tage
förderten, welches der bei uns Rogenstein genannten Varietät am
meisten gleicht. Große Mengen von Eisenocker finden sich dazwischen
überall eingesprengt; diesen werfen die Djur weg, da sie ihn bei
ihrer Behandlungsmanier nicht zu verwerten wissen. Im März, kurz
vor Beginn der Aussaat, verlassen die Djur ihre Hütten, um teils
zum Fischfang an die Ufer der Flüsse zu ziehen, teils um sich
mit Erzschmelzen im Walde zu beschäftigen. Inmitten eines recht
holzreichen Platzes formt man die Schmelzöfen aus reiner Thonerde
und gruppiert sie nach der Zahl der sich beteiligenden Arbeiter bis
zu einem Dutzend hintereinander an schattigen, von Strauchhecken
und Dornumfriedigungen umgebenen Stellen. Das Ausschmelzen des
Erzes erfolgt mit Holzkohlen. Allein auf Kohlenbrennen verstehen
sich die Djur ebensowenig als die Bongo, weder wissen sie den Brand
unter Abschluß der Luft in Gruben, noch in regelrechten Meilern zu
bewerkstelligen; ihr ganzes Verfahren besteht darin, kleingehauene
Holzstücke schnell in Brand zu stecken und in vollen Flammen
auseinanderzuwerfen, bis das Feuer erstickt, oder sie dämpfen
das Feuer nur durch Aufgießen von Wasser; das werden dann die
Kohlen. »Mir ist nicht bekannt,« sagt SCHWEINFURTH, dem wir obige
Nachrichten über die Eisengewinnung der Djur verdanken, »ob andere
Negervölker hinter die Geheimnisse der Kohlenbrennerei gelangt
sind. Sollte das von den Djur gesagte für ganz Afrika gelten, so
könnte man hierin leicht eine Erklärung finden für die merkwürdige
Erscheinung, daß das Eisen trotz seiner ungeheuren Massenhaftigkeit
in Afrika bisher noch von keinem Volke daselbst im großen gewonnen
wurde. Allerdings fehlt es an Kalk, um steinerne Bauten aufführen
zu können.«[31] Wir werden jedoch weiter unten sehen, daß
regelrechte Meiler bei den Negern vorkommen.
[Illustration: Fig. 3. Tundsch, Schmelzofen der Djur. Nach
SCHWEINFURTH.]
[Illustration: Fig. 4. Durchschnitt desselben. Nach SCHWEINFURTH.]
[Illustration: Fig. 5. Grundriß desselben. Nach SCHWEINFURTH.]
Fig. 5 zeigt den Grundriß des Schmelzofens der Djur mit vier
Zuglöchern zur Einfügung der Düsen, durch welche ein starker
Luftzug dem Boden des Ofens zugeführt wird. Vor der einen
Öffnung befindet sich die zur Ansammlung der Schlacken dienende
Grube. Fig. 4 zeigt den Ofen im Längsdurchschnitt mit der
becherförmigen Erweiterung am oberen Ende, welche zur Aufnahme des
feinzerstückelten Brauneisensteins dient, wie er in diesem Lande
massenhaft aller Orten zu tage gefördert zu werden vermag. Der
Schacht wird bis zur erweiterten Stelle mit Holzkohlen aufgefüllt
und von unten auf in Brand gesetzt. Zuletzt ist der Brand so
vollständig, daß man die Flamme hoch zur oberen Öffnung durch
die Erzmasse hindurch emporzüngeln sieht. Nach Verlauf von 40
Stunden beginnen die Eisenpartikelchen in tropfbarer Form durch
die glühende Kohlenmasse hindurchzusickern, um sich in der Grube
auf dem Boden des Gestelles zu sammeln. Die Masse wird aus einer
der Düsenöffnungen hervorgeholt und später durch wiederholtes
Hämmern mit Steinen und wiederholtes Erhitzen im Feuer im
Schmiedeofen in dem Grade von jeder Mineralbeimengung gereinigt,
bis alle Eisentropfen zu einer homogenen Masse zusammengeschweißt
erscheinen, woraus ein vorzügliches Schmiedeeisen erzielt werden
kann. Dieser thönerne Schmelzofen ist 1,3 m hoch und heißt Tundsch
(Fig. 3). Die einzelne Düse wird Atschu genannt.[32] PETHERICK,
der den Prozeß in gleicher Weise schildert, fügt hinzu, daß die
Schlacken noch gepocht und durch Waschen daraus die kleinen
Eisenkügelchen gewonnen werden. In einem Schmelztiegel werden sie
dann im Schmiedefeuer zusammengeschmolzen.[33]
Südliche Nachbarn der Djur sind die Bongo oder Dor, bei denen die
Eisenindustrie noch höher als bei jenen entwickelt ist. Ihre ganze
Kunstfertigkeit konzentriert sich auf die Gewinnung und Bearbeitung
dieses wichtigen Metalles, dessen Besitz ihnen eine gewisse
Überlegenheit über die nicht Eisen erzeugenden Dinka erteilt zu
haben scheint. Wenn die Feldgeschäfte beendigt sind, betreiben die
Bongo Eisenindustrie. Erzreicher Boden findet sich im ganzen Lande;
die Eisenarbeiter suchen vornehmlich diejenigen losen Eisenthone
auf, welche durch Hochwasser etwas gereinigt und in muldenartigen
Vertiefungen mit Humus und Thon angeschwemmt vorkommen. Diese haben
auch die zweckdienlichste Form, da es meist Körner von Eigröße bis
zu der einer Bohne sind.[34] Die Öfen der Bongo, welche sie zur
Ausbringung der Eisenerze benutzen, sind von zweierlei Art; die
eine schildert uns SCHWEINFURTH, die andere TH. V. HEUGLIN.
[Illustration: Fig. 6. Berr, Schmelzofen der Bongo. Nach
SCHWEINFURTH.]
[Illustration: Fig. 7. Grundriß desselben.]
SCHWEINFURTH schreibt: »Bei den Bongo heißt der thönerne, zur
Gewinnung des Eisens dienende Schmelzofen Berr; er ist nur 1,5
bis 1,7 m hoch und ganz aus Thon; denn zu mauern verstehen diese
Völker nicht, auch gebricht es ihnen hierzu an Kalk. Fig. 6
zeigt einen Längsdurchschnitt durch den in Gestalt einer Glocke
aufgeführten Schmelzofen. Im Innern desselben nimmt man drei
Abteilungen wahr, von denen die mittelste zur Aufnahme von
Eisenmineral und Holzkohle in abwechselnder Schichtung bestimmt
ist, die obere und die untere Abteilung dagegen mit reiner Kohle
gefüllt werden. Von der untersten, das Gestell darstellenden
Zelle ist die mittlere durch eine ringartige Verdickung an der
Innenwandung des Ofens abgegrenzt, letztere dient als Rast. Die
oberste kugelrunde Zelle steht mit der mittleren nur durch eine
zur Vermehrung des Luftzuges sehr verengte Öffnung in Verbindung.
Am Fuße des Ofens sind vier Öffnungen angebracht, durch welche die
Düsen eingeführt werden; eine fünfte ist nach Belieben mit Thon
zu verschmieren, um durch sie die in der Bodengrube angesammelten
Schlacken herauszuschaffen.« Fig. 7 zeigt den Ofen im Grundriß;
die vier eingesetzten Düsenrohre werden mit ebenso vielen
Blasebälgen in Verbindung gesetzt, um einen sehr starken, den
Verbrennungsprozeß beschleunigenden Luftdurchzug durch den Ofen zu
treiben. Das Gebläse, Borro, Fig. 8, besteht aus zwei mit Häuten
überspannten Thongefäßen. Die in den nebeneinander gestellten
Gefäßen befindliche Luft wird durch das Niederdrücken der über
ihre obere Öffnung gespannten Häute hinausgestoßen und in dem
röhrenförmigen Gefäße zu einem Strom vereinigt. Die Vereinigung der
beiden alternierenden Luftströme soll dem Mangel einer Ventilklappe
abhelfen, welche Einrichtung den Negervölkern unbekannt geblieben
ist.
[Illustration: Fig. 8. Borro, Blasebalg der Bongo. Nach
SCHWEINFURTH.]
Gewöhnlich bedienen sich die Bongoschmiede als Ambos sowohl als
auch als Hammer eines glatten Gneis-Steines oder Kiesels. Zuweilen
dient statt deren ein viereckiger 0,2 m langer Eisenblock. In
jedem Falle ist die sehnige Hand des Negers der einzige Stiel
dieses plumpen Werkzeuges. Als Zange dient, wie Fig. 9 zeigt,
ein gespaltenes Stück grünen Holzes, das durch einen Ring
zusammengehalten wird. Dasselbe ermöglicht das Hervorholen der
rotglühenden Masse aus dem Schmiedefeuer und das Festhalten
derselben während des Hämmerns. Abgesehen von kleinen Meißeln,
zur Hervorbringung feinerer Stacheln und Widerhaken, fehlen den
Bongoschmieden andere Werkzeuge. Ihre mit zahlreichen Stacheln
und Widerhaken versehenen Lanzen (Fig. 10) erregten SCHWEINFURTHs
höchste Bewunderung. »Kein anderes Erzeugnis centralafrikanischer
Eisenarbeit kann diesen Meisterwerken an die Seite gestellt
werden.«[35]
[Illustration: Fig. 9. Zange der Bongo. Nach SCHWEINFURTH.]
[Illustration: Fig. 10. Bongolanzen. Nach SCHWEINFURTH.]
HEUGLIN[36] schildert einen einfacheren Ofen, welcher mehr jenem
der Djur entspricht, aber ohne die kelchartige obere Ausbauchung
derselben. Man gräbt in die Erde ein Loch von 2/3 bis 1 m Tiefe
und 2/3 m Durchmesser, kleidet es mit Thon aus und läßt diesen
vollkommen trocknen. Dann füllt der Schmied die Grube mit Kohle
aus hartem Holz, welche er auch in Thongruben gebrannt hat,
und giebt obenauf einen Satz gut gereinigtes Erz ohne weiteren
Zuschlag von Kalk oder Quarz, welche Gesteine hier überhaupt gar
nicht vorkommen. Über den Herd, wenn man die Grube so nennen kann,
stellt man eine trichterförmige 1-2 m hohe Esse, gleichfalls von
gebranntem Thon. In den Herd führen überdies vier bis sechs schräg
angebrachte Öffnungen, in welche ebenso viele thönerne Röhren oder
Düsen eingeführt werden. Ist die Esse gehörig auf den Herd gepaßt,
sind die Fugen mit Thon verstrichen und letzterer abgetrocknet, so
giebt man von unten Feuer. Auf jedem Düsenrohr ist ein lederner
Sack befestigt, welcher als Blasebalg dient und beständig mit
der Hand oder mittels eines kleinen Stockes aufgezogen und
zusammengedrückt wird. Der Satz geht binnen weniger als einer
Stunde nieder und auf dem Grund des Ofens bleibt ein durch
Schlacken etwas verunreinigtes, stahlartiges Schmiedeeisen, welches
dann auf einem steinernen oder eisernen Ambos ausgehämmert und zu
runden Platten (Melót) oder zu Lanzen verarbeitet wird. Häufig ist
dieses Produkt aber noch nicht gar und rein genug und enthält noch
zu viel Kohlenstoff. In diesem Falle und überhaupt, wenn etwas
feinere Ware dargestellt werden soll, muß ersteres noch eine Art
Frischprozeß durchmachen. Dieses geschieht wieder in einer Grube,
die jedoch kleiner und flacher ist, als die, in welcher geschmolzen
wurde, auch fehlt hier die Esse. In diesen Frischherd münden zwei
sich gegenüberliegende Doppeldüsen, welche auch etwas Steigung
nach der Mitte des Herdes haben. Das zu reinigende Eisen liegt, in
Kohlen eingehüllt, im Herd und nun wird wieder gefeuert und mit
Handblasebälgen beständig Wind gegeben, bis die nötige Entkohlung
stattfindet und das Eisen zu schweißen beginnt. Die Eisenmenge,
welche durch einen Satz gewonnen wird, beträgt nicht über einige
Pfund, das Erz dürfte kaum 15-18% Metall enthalten. Das Erzeugnis
selbst ist gerne rotbrüchig, die Arbeit trotzdem jedoch sauber.
~Eisenindustrie in Centralafrika.~ Noch südlicher, zwischen
3° und 4° nördl. Br., wohnen die Monbuttu, das kunstfertigste
centralafrikanische Volk. Da sie Bewohner derselben roten Eisenerde
sind, welche sich vom Gazellenflusse aus über einen großen Teil von
Centralafrika zu erstrecken scheint, so nimmt das Schmiedehandwerk
unter ihren Kunstfertigkeiten eine hervorragende Stellung ein und
sie übertreffen darin alle übrigen Völker des von SCHWEINFURTH
bereisten Gebietes. Die Gewinnung des Materiales, die ventillosen
Blasebälge sind so, wie sie eben bei Djur und Bongo geschildert
wurden. Statt der Häute aber, welche die Thongefäße der Blasebälge
zum Luftpumpen abschließen, bedecken sie dieselben mit abgebrühtem
Bananenlaub, welches durch derartige Behandlung mit heißem Wasser
eine seidenartige Geschmeidigkeit annimmt. Kneifzange, Feilen und
Hämmer fehlen auch bei ihnen, doch haben sie statt des steinernen
einen eisernen Ambos. Um die geschmiedeten Waffen zu wetzen und zu
schärfen, bedienen sie sich eines feinkörnigen Sandsteines oder
einer Gneisplatte. Faustgroße Eisenklumpen bilden das Rohmaterial,
aus welchem der Künstler seine Waffen formt. »Ihre Geschicklichkeit
ist bewundernswürdig und ihre Gewandtheit, in kürzester Frist aus
solchen Klumpen Spaten und Lanzen zu formen, ohne Beispiel. Das
Meisterstück des Monbuttuschmiedes sind die feinen Eisenketten, die
als Schmuck getragen werden und welche, was Formvollendung und
Feinheit anbelangt, mit unseren besten Stahlketten konkurrieren
können. Der Prozeß des Stählens ist ihnen natürlich unbekannt und
die Härtung wird durch fortgesetztes Hämmern erzielt.«[37]
Im äquatorialen Centralafrika wiederholt sich der Eisenreichtum
und die kunstfertige Verarbeitung dieses nützlichen Metalles in
gleicher Weise, wie bei den oben in Betracht gezogenen Völkern. In
Uganda, dem Reich des Königs Mtesa, ist die Eisengewinnung samt den
nötigen Apparaten dieselbe, wie bei den eben erwähnten Nilvölkern,
doch sind von Sansibar aus hier bereits eiserne Hämmer, Zangen und
Feilen (durch die Araber) in das Land gebracht worden.[38] Schnell
greifen in Uganda, das zuerst vor 20 Jahren durch SPEKE bekannt
wurde, europäische Methoden um sich und die Waganda verstehen es
jetzt schon, Flintschloß- in Perkussionsgewehre zu verändern und
Patronenhülsen aus Messing zu gießen.[39] In der Rüstkammer des
Königs Rumanika von Karagwé, im Westen des Victoriasees, fand
STANLEY »eiserne Streitäxte von wirklich bewundernswerter Arbeit,
Speere mit doppelten Klingen, mehrere gewaltig große Klingen
mit außerordentlich scharfer Schneide, 19 cm querüber und 42 cm
lang, vorzüglich gute Speere, einige mit Klingen und Schäften
von zusammengeschmiedetem Eisen, andere mit einem kettenförmigen
Schaft und andere mit Massen kleiner starrer und scharfer Ringe,
die unten an der Klinge und am Ende des Stabes kugelähnlich
zusammengeballt sind. Es waren ferner aufgestellt: große in Eisen
gefaßte Fliegenwedel, deren Griffe bewundernswerte Probestücke
einheimischer Kunst waren, massive Messer, den Hackemessern der
Fleischer ähnlich, mit polierten Klingen«.[40]
Im Lande Uregga am Kongo, unter dem Äquator, fand derselbe Reisende
eine hochentwickelte Eisenindustrie mitten im Urwalde. Ein
Schmelzofen war errichtet und dabei eine Schmiede, in welcher etwa
ein Dutzend Leute arbeiteten. Das Eisenerz ist sehr rein. »Hier
sah ich die Speere von Süd-Uregga mit breiter Klinge und ebenfalls
breite Messer von allen Größen, vom kleinen, drei Centimeter langen
Taschenmesser an bis zum schweren, einem altrömischen Schwerte
ähnlichen Hackmesser.« Der Schmelzofen aus Lehm, die Blasebälge,
deren »Brausen man fast eine halbe englische Meile weit hört«,
die thönernen Düsen, das alles ist ungefähr so, wie auch weiter
oben geschildert. Dicht neben dem Schmelzofen standen aus Matten
verfertigte Säcke mit Holzkohle aufgeschichtet und dabei ein paar
Knaben, welche das Feuerungsmaterial herbeitrugen; ungefähr 2 m
weiterhin war eine kleine Schmiede hergerichtet, wo das Eisen
zu Hämmern, Beilen, Streitäxten, Spießen, Messern, Schwertern,
Draht, eisernen Kugeln mit Spitzen, Bein- und Armbändern, eisernen
Knöpfchen, Perlen etc. geformt wurde. »Die Kunst dieser Schmiede
steht in diesen Wäldern, wenn man die Abgeschiedenheit der Bewohner
in Betracht zieht, auf einer hohen Stufe der Ausbildung. Die Leute
zeigen viel durch Überlieferung fortgepflanzte Fertigkeit.«[41] Und
so ähnlich den Kongo weiter abwärts, wie aus verschiedenen Stellen
bei STANLEY ersichtlich.
In den südlich vom Kongo gelegenen Landschaften und an den
Zuflüssen dieses Riesenstromes finden wir gleichfalls eine rege
Eisengewinnung und Verarbeitung. Von Manjema sagt der Reisende
CAMERON: »_In fact this country may be called >the black country<
of Africa. I have seen foundries 50 feet long by 30 feet wide. As
many as twenty bellows are worked at one time and 150 to 200 pounds
of metal are frequently obtained in one smelting._«[42]
Das Erz wird in diesen Gegenden aus tiefen Gruben gewonnen und
ist »eine Art Hämatit«. Zerstörte alte Schmelzwerke trifft man
vielfach.[43]
Was die Einrichtung der Hütten, die Gebläse und die Schmiedearbeit
in Manjema betrifft, so gebe ich hier CAMERON's Bericht vollständig
wieder: »Jedes dieser Dörfer,« sagt er, »besaß zwei oder drei
Schmelzhütten bis zu 9 m lang und 6 m breit, mit niedrigen Mauern
und sehr hohem Dache, in der Mitte mit einer Grube von 1,5 m
Breite, 1 m Tiefe und 5,5 m Länge, an dem einen Ende etwas flacher
als am anderen und mit einem quer über letzterem, etwa 2 m von
dem flachen Ende stehenden thönernen Ofen von 1 m im Durchmesser.
Die kleinere von den beiden Abteilungen der Grube diente als
Feuerstatt, die andere als Reservoir, in welches das Erz und die
Schlacken abflossen, während kleine Abteilungen um den Rand herum
Holzkohlen und Eisenerze enthielten. Um Luftzug hervorzubringen,
wird oft ein Dutzend Paar Blasebälge gleichzeitig in Thätigkeit
gesetzt; sie bestehen aus zwei vertikal nebeneinander laufenden
Holzcylindern mit Ventilen, die alle in ein einziges, vor der
Einwirkung des Feuers durch einen Lehmüberzug geschütztes Blaserohr
münden. Die Cylinder sind mit Zeug umwickelt und mit einer in der
Mitte befestigten 80 cm langen Stange versehen; ihre Thätigkeit
wird dadurch bewirkt, daß man, mit jeder Hand eine der beiden
Stangen erfassend, diese abwechselnd so schnell als möglich auf
und ab bewegt. Auf diese Weise erzeugt man einen ausreichenden und
beständigen Luftstrom.«[44]
Da ich das CAMERONsche Originalwerk nicht besitze, vermag ich
die Übersetzung an dieser Stelle nicht zu controllieren. Höchst
auffallend ist die Erwähnung von »Ventilen«, die sonst in ganz
Afrika nicht vorkommen und die durch Entlehnung wohl schwerlich
nach dem so abgelegenen, erst neuerdings von Europäern entdeckten
und besuchten Lande (LIVINGSTONE 1871, CAMERON 1874, STANLEY 1876,
WISSMANN und POGGE 1881) gelangt sein können. Ich bin geneigt,
hier ein Versehen anzunehmen. Wenn es ferner bei CAMERON heißt:
»Die Cylinder sind mit Zeug umwickelt«, so müssen darunter die
elastischen Häute verstanden werden, mit welchen, wie anderwärts,
die Cylinder oben geschlossen sind.
Was das Schmiedeverfahren in Manjema betrifft, so wird das
erschmolzene Eisen in etwa 1 Kilo schwere Stücken gehämmert, welche
die Form von zwei, an ihrer Basis mit einander verbundenen Kugeln
haben und an deren beiden Enden ein Stift vom Umfang einer dicken
Stricknadel hervorragt. In solcher Gestalt kommt das Metall in den
Handel. Als Schmiedewerkstätten dienen offene kleine Schuppen. Die
Ambosse und die schweren Hämmer sind von Stein, die leichteren
Hämmer von Eisen; an jene ist ein Strick mit zwei Schlingen
befestigt, durch welche sie gehandhabt werden; die eisernen Hämmer
aber haben gar keinen Stiel, sondern werden einfach mit der Hand
gepackt.[45]
Weiter im südlichen Kongobecken ist Urua ein Eisenland, wo
CAMERON häufig »rauchende Kohlenmeiler« und bei einigen Dörfern
Eisenschmelzen sah, die er nicht näher schildert. Das Erz wurde aus
5-9 m tiefen Gruben gefördert.[46]
Südwestlich von Urua ist Lovale, ein anderes centralafrikanisches
Eisenland, zwischen 11° und 12° südl. Br. und 20° und 21° östl. L.
v. Gr. CAMERON sah dort »einen Schmelzofen von merkwürdiger Form«,
die er leider nicht näher schildert. Das Erz findet sich in großen
Klumpen auf dem Grunde der Flüsse, von wo man es gegen Ende der
trockenen Jahreszeit mit Schleppnetzen herausholt.[47]
Von Lunda, dem angrenzenden Reiche des Muata Jamwo, erzählt uns
POGGE, daß das Eisen dort vielfach aus Kioko (weiter westlich
gelegen) eingeführt, aber auch im Lande selbst gewonnen wird. Außer
Eisen, Kupfer und dem von der Westküste kommenden Messingdraht sind
keine Metalle im Lande bekannt. Das Schmiedehandwerk in Mussumba,
der Hauptstadt Muata Jamwos, befindet sich vielfach in den Händen
eingewanderter Kiokoschmiede.[48] OTTO SCHÜTT ist bei den berühmten
Eisenerzgruben der Kioko vorbeigekommen; sie liegen am Bache
Cavemba, einem Nebengewässer des Kuilu, etwa unter 20° 25´ östl. L.
und 10° südl. Br. v. Gr., also westlich von Kimbundo. Ein dem Dorfe
Camba Humbo gegenüber befindlicher Riß enthält die Grube. Die Neger
gewinnen die aus dem Boden ragenden Blöcke oder die fast zu tage
tretenden Stücke, also auch hier wohl Raseneisensteine. Die Hütte
soll ein mehr als primitiver Frischofen sein.[49]
Daß auch in den Kimbundaländern Eisen nicht fehlt, sehen wir aus
der Notiz bei LADISLAUS MAGYAR, daß bei Kibala und Ganda dasselbe
in guter Qualität vorkommt.[50]
Im östlichen Teile des portugiesischen Westafrika und in den
Landschaften am oberen Sambesistrome nebst dessen Zuflüssen haben
wir die Nachrichten SERPA PINTOs, welche uns beweisen, daß auch
dort eine ausgedehnte heimische Eisenindustrie angesessen ist. Die
Hüttenleute der Ganguellas (Gonzellos), südlich von Bihé, wandern
in den »kalten« Monaten Juni und Juli nach den Eisenminen und
schlagen dort ausgedehnte Lager auf. Um das Erz zu gewinnen, graben
sie Schachte von 3-3,5 m Durchmesser, nie aber tiefer als 1,5-2 m,
»höchstwahrscheinlich, weil sie kein Mittel besitzen, das Erz höher
zu heben«. Sobald sie genügend Erz zu tage gefördert haben, um für
die Arbeit des ganzen Jahres genug zu haben, beginnen sie das Eisen
auszuschmelzen. Dieses geschieht in nicht sehr tiefen Löchern,
in denen das Erz mit Holzkohle vermischt und die Temperatur
vermittels ihres primitiven Blasebalges erhöht wird, der aus zwei
30 cm breiten und 9 cm tief ausgehöhlten Holzcylindern besteht,
über welchen je ein Stück gegerbtes Ziegenfell angebracht und an
denen je ein 50 cm langer und 1 cm dicker Handgriff befestigt ist.
Der Luftstrom wird durch zwei Holzröhren in eine thönerne Düse
geleitet. Das gewonnene Eisen wird in Schaufeln, Kriegsbeile,
Pfeilspitzen, Assagais, Nägel, Messer und Kugeln für Feuerwaffen
umgewandelt, »ja sie fertigen gelegentlich selbst Feuerwaffen an,
wobei sie das Eisen mit Ochsenfett und Salz weich machen«. Sobald
das Metall in Handelsartikel umgewandelt ist, kehren die Arbeiter
mit diesen Gegenständen beladen wieder nach Hause zurück.[51]
So ist es auch bei den Luchazes zwischen 12° und 13° südl. Br. und
unter 18° östl. L. v. Gr. und bei den Luinas am oberen Zambesi.[52]
~Eisenindustrie in Ostafrika.~ Durch Ostafrika, zwischen den großen
Seen und dem Indischen Ozean, ist das Eisen in gleicher Menge wie
im Gazellenflußgebiete verbreitet, doch steht die Industrie hier
keineswegs auf der hohen Stufe wie dort. THOMSON giebt an, daß
das Erz in Ostafrika, welches verarbeitet wird, nicht in Lagern,
Adern oder Gruben vorkommt; er fand es nur in einzelnen Klumpen im
Boden oder kleine Mengen Raseneisenerz. Reichlich war letzteres
namentlich bei Muluchuchu, zwischen dem Nyassa- und Tanganjikasee,
vorhanden. »Alles im östlichen Centralafrika von den Schwarzen
erschmolzene Eisen stammt aus solcher Sumpferzquelle.«[53] Nach R.
BURTON ist auf der Route Sansibar-Tanganjikasee das Eisenerz unter
dem Namen Utundwe oder Gangue bekannt; es wird an den Flanken der
niedrigen Sandsteinhügel in Klumpen und Knollen aus metertiefen
Löchern ergraben.[54]
Anders liegen die Verhältnisse im Ugonogebirge südlich vom
Kilimandscharo, der Heimat eines vortrefflichen Eisens, welches
durch einen großen Teil von Ostafrika verbreitet ist und »höher
geschätzt wird, als das beste schwedische«. Gewonnen wird es
namentlich in dem Landstriche Usanga und zwar aus Eisensand,
der magnetischer Natur zu sein scheint. Man wäscht ihn aus den
Bächen und V. D. DECKEN glaubt, daß er aus der Zersetzung eines
eisenglimmerhaltigen Gneises entstanden sei.[55]
Die Verhüttung ist in diesem Teile Ostafrikas eine weit rohere als
im Gazellenstromgebiet. Nach BURTON ist der Schmelzofen ein Loch
in der Erde, das mit brennender Holzkohle gefüllt wird, auf welche
man das Erz legt, dann wieder eine Schicht Kohle und so fort. Das
Gebläse wird durch die bekannten Blasebälge (Mafukutu) erzeugt,
deren Düsen aus Thon sind. Zuweilen werden fünf Paar derselben
angewendet, um eine tüchtige Hitze zu erzeugen.[56] Im Eisenlande
Usanga schichtet man den Eisensand in tiefen Gruben gar nur mit
Holz, zündet den Brand an und unterhält das Feuer fünf Tage lang.
Nach dem Erkalten der Glut findet das zusammengefrittete und mit
Schlacken gemengte Eisen sich auf der Sohle des Herdes, dieses
rohe Eisen wird im Schmiedefeuer zu kleinen Hacken verarbeitet, in
welcher Gestalt es auch in den Handel kommt.[57] Auf so niedrigem
Standpunkte nun auch hier die Gewinnung des Rohmaterials steht,
um so höher ist die Schmiedekunst im Gebiete des Kilimandscharo
entwickelt, worüber wir eine sehr genaue Schilderung des Geologen
THORNTON, Begleiter V. D. DECKEN's, besitzen. Er schreibt: »Wir
trafen den Meister innerhalb eines länglichrunden, von hoher,
lebendiger Hecke umschlossenen Hofes bei seiner Arbeit. Er zeigte
uns der Reihe nach alle seine Künste. Zuerst führte er uns zu
der außerhalb des Zaunes gelegenen Schmiede, welche in ihrer
Einrichtung wesentlich mit den Suaheliwerkstätten Sansibars
übereinstimmt. Seine Hämmer sahen aus, als ob sie von Europa
her eingeführt wären, doch versicherte uns der Mann, daß er sie
selbst gefertigt habe. Als Amboß dienten einige harte, glatte
Steine. Das Gebläse ist doppelt wirkend und besteht aus zwei
gegerbten, in Form von Säcken hergerichteten Fellen, deren jedes
an seinem unteren Ende an der Gabel eines ausgehöhlten, mit
einem Steine beschwerten Baumastes festgebunden ist, während das
obere Ende einen langen Schlitz zeigt, längs dessen zwei flache
Stöcke befestigt sind; indem man die Bälge mit der Hand öffnet
und emporhebt, schließt und niederdrückt, erzeugt man einen
Luftstrom, welcher durch die Gabelröhre vereinigt und in einen
Herd einfachster Art geleitet wird. Der Meister trug ein wenig
Feuer zum Ofen, legte Holzkohlen darauf und fachte die Glut kräftig
an. Dann erhitzte er mehrere Stücke altes Eisen und schweißte sie
mit Zuhilfenahme eines Schweißmittels, bestehend aus den Brocken
einer großen Muschel, zusammen. Ebenso vereinigte er mehrere alte
Messer in kleine Barren und hämmerte diese zu längeren Stücken von
vierkantigem Querschnitte aus. Zwei solche Stäbchen, an einem Ende
zusammengeschweißt, am anderen etwas auseinander gebogen und mit
einem darübergleitenden Ringe versehen, bilden eine sehr wirksame
Zange, welche zum Drahtziehen benutzt wird, wie wir sogleich sehen
sollten.«
»Der Schmied erhitzte eine Rolle dicken Draht in einem leichten
Feuer von Blättern und Stroh zu dunkler Rotglut. Während dieses
langsam brannte, richtete er sein Zieheisen her, eine weiche
Eisenplatte, deren Löcher je nach Bedürfnis durch Hammerschläge
verengt oder durch Eintreiben eines glatten Domes erweitert wurden.
Dann hämmerte er den Draht am Ende dünner, fettete ihn gehörig ein,
steckte ihn in das Zieheisen, spannte das durchgekommene Stück in
die Zange, setzte sich auf den Boden, legte die Ziehplatte zwischen
seine Füße, zog einen langen Lederstreifen durch die Zange, faßte
diesen mit der Hand an und beugte sich schnell rückwärts, so daß
der Draht ein kleines Stück verlängert ward. Als durch mehrmaliges
Wiederholen derselben Arbeit etwa eine Fußlänge des Drahtes
verdünnt worden, stand unser geschickter Freund auf, ging an eine
zwischen Pfählen befestigte, mit zahlreichen Löchern durchbohrte
Pfoste, legte das Zieheisen in eine Kerbe hinter dieser, steckte
den Draht durch das Loch, befestigte die Zange wieder am spitzen
Ende und zog nun ein größeres Stück aus. Begreiflicherweise
erweiterte sich das Loch in der ungehärteten Ziehplatte ziemlich
schnell, und der letzte Teil des Drahtes ging mit Leichtigkeit
hindurch; es gehört also nicht wenig Mühe dazu, um eine ganze Rolle
gleichmäßig zu ziemlicher Feinheit auszustrecken.«
»Darauf sahen wir uns den feinen, auf diese Weise gewonnenen Draht
an, aus welchem die hier so beliebten Schmuckkettchen bereitet
werden. Der gefällige Künstler befriedigte unsere Neugierde, indem
er auch noch an einer solchen Kette zu arbeiten begann. Er wickelte
den feineren Draht um ein dickeres, stricknadelförmiges Eisen und
schnitt längs desselben hin die ganze Schneckenwindung mit einem
scharfen Meißel in kleinere Ringe, von denen jeder ein Gliedchen
bildet -- ganz in derselben Art, wie dies auch unsere Handwerker
thun.«
»Wir blieben wohl anderthalb Stunden bei dem geschickten Manne. Der
Baron bestellte beim Weggehen einige Kettchen, ein Schwert, ein
Paar Messer und Lanzenklingen; der Schmied nahm jedoch nur ersteren
Auftrag an und weigerte sich entschieden, Waffen zu fertigen oder
zu verkaufen.«[58]
Hier treffen wir also auf das Schweißen, das sonst wenig bei den
Negern bekannt ist; auch die Art des Drahtziehens erregt unsere
Aufmerksamkeit. Die Zange, im Prinzip dieselbe wie die Holzzange
der Bongo (Fig. 9), zeigt einen Fortschritt, indem sie aus Eisen
hergestellt ist. Was aber stark abweicht, sind die Blasebälge,
denen der trichterförmige untere Fortsatz aus Thon fehlt und die
nur aus Lederschläuchen bestehen, welche mit flachen Holzstäben,
die aneinanderpassen, am Schlitz versehen, beim Einlassen der Luft
geöffnet, beim Ausdrücken derselben geschlossen werden. Es ist
dieses eine Variation des afrikanischen Blasebalges, die nicht
vereinzelt dasteht, da MARNO aus Sennâr[59] und LIVINGSTONE[60]
aus den Hochlanden am südlichen Njassasee dieselbe abbilden. Die
Übereinstimmung mit indischen Bälgen werden wir kennen lernen.
Eine ziemlich eingehende Schilderung der lebhaften Eisenindustrie
des Volkes der Waitumba besitzen wir durch J. T. LAST.[61] Sie
wohnen in den Humbabergen zwischen 6° und 7° südl. Breite und 36°
und 37° östl. L. v. Gr. Das Ausgraben der Eisenerze und Waschen
derselben wird von Weibern besorgt, die an den Abhängen der Berge
etwa 60 cm tiefe Löcher graben, um auf einen roten thonigen Sand
zu stoßen, in welchem das Eisenerz in kleinen Stücken verteilt
liegt; es macht etwa fünf Prozent des Sandes aus. Dieser Sand
wird zu einem kleinen Bache gebracht, der über terrassenförmig
angelegte große Löcher geführt wird, die er eines nach dem anderen
durchläuft. In diese Löcher wird der erzhaltige Sand geschüttet,
um von seinen feineren Teilen durch successives Auswaschen in
denselben befreit zu werden. Es bleiben nur grober Kies und die
Erzstücke zurück, die, nachdem sie in der Sonne getrocknet sind,
mit einer Worfelschaufel (_ungo_) von einander getrennt werden.
Das so erhaltene Eisenerz (_mudapu_) wird in Säcken aus Palmfaser
an die Schmelzer verkauft. Die Stelle, wo das Erz vorkommt, ist
Eigentum des Distriktshäuptlings, der sie durch seine Leute
ausbeuten läßt. Bezahlt wird das Erz durch ein gleiches Volumen
Korn.
Die Schmelzer schlagen nun zunächst Holz, spalten dasselbe in
1,3-1,6 m lange Scheiter und häufen dieselben zu einer 1,6 m hohen,
etwa 2,7 m im Gevierte haltenden Pyramide auf, die in Brand gesetzt
und zu Kohlen gebrannt wird. Von einer meilerartigen Bedeckung
mit Erde berichtet LAST nichts. Die abgekühlten Kohlen werden
mit Binsen zu Bündeln zusammengeschnürt und so zum Schmelzplatze
gebracht. Nachdem Erz und Holzkohle (_makala_) bereit, werden die
Luftröhren (_kelwa_) und Bälge (_nuvukuto_) fabriziert; erstere
werden aus Thon über Bambus modelliert; sie sind 1,4 m lang, haben
einen Durchmesser von 6 cm und am Ende eine verstärkte Schnauze.
Der Blasebalg besteht aus einem Holzcylinder mit Röhre aus dem
gleichen Material; er ist oben mit einem Stück Leder geschlossen,
aus dem ein Stock als Handhabe hervorragt. Nun wird Feuer in einer
Grube entzündet und wenn dieses lustig brennt, wird eine doppelte
Handvoll Erz, gefolgt von Holzkohle, hineingeworfen, und so fort
unter gleichzeitigem Blasen von drei Paar Bälgen, die je von
einem Mann und Burschen abwechselnd bedient werden. Gegen Ende
des Schmelzganges wird das Erz vermindert und Kohle in größerem
Maßstabe gegeben; ist alles durchgeschmolzen, so bleibt die Masse
eine halbe Stunde ruhig stehen und alsdann werden drei Töpfe voll
Wasser über dieselbe ausgegossen. Der Prozeß ist jetzt beendigt
und der erhaltene Eisenklumpen wird mit einem dicken Seile von
Kongigras aus der Grube herausgezogen, um gänzlich abzukühlen. Der
Klumpen hat gewöhnlich 35-40 cm Durchmesser bei 50-70 cm Länge. Man
bereitet sich einen Vorrat solcher Klumpen, zerschlägt sie dann
mit einem eisernen Hammer in wallnußgroße Schirbeln und schmilzt
diese abermals mit Holzkohle, jedoch nur unter Anwendung von ~ein~
paar Blasebälgen, in einer Grube um. Die so erhaltene Luppe wird
mit einer Zange aus dem Loche gezogen und mit schweren Hämmern
auf einem Amboß aus Stein zu einer soliden viereckigen Masse
zusammengehämmert. Doch ist diese immer noch sehr porös, so daß dem
Schmiede, der dieses Eisen zu Hacken formt, noch viel Arbeit übrig
bleibt.
Auch am Njassasee, der noch in diese ostafrikanische Region gehört,
hat sich eine sehr ausgebreitete Eisenindustrie entwickelt.
Westlich von demselben »muß das Eisengewerbe schon sehr lange
betrieben worden sein, denn man kann nicht eine Viertelstunde
weit gehen, ohne auf Schlacken und zerbrochene Töpfe, oxydierte
Röhren und Reste der Schmelzöfen zu stoßen, die durch das Feuer in
Ziegelsteine verwandelt sind.«[62] Das Erz -- wahrscheinlich das
schwarze Oxyd, schreibt LIVINGSTONE -- sah wie Sand aus und wurde
durch die Öffnung in der Spitze des Schmelzofens hineingeschüttet,
vermischt mit Holzkohle. In den südlichen Hochlanden am Njassa
wird das Eisenerz »aus den Bergen« gegraben. Jedes Dorf hat dort
sein Schmelzfeuer, seine Holzkohlenbrenner, seine Schmiede. Die
Äxte, Speere, Nadeln, Pfeilspitzen, Arm- und Beinringe sind in
Betracht der einfachen Werkzeuge, welche dabei angewendet werden,
recht gut und sehr billig. Eine Hacke im Gewicht von 1 kg wird
für Kaliko im Werte von vier Pence verkauft.[63] Über die Art
des Schmiedens bei den hier wohnenden Mangandscha berichtet
LIVINGSTONE[64] ferner: »Der Hammer ist ein großer Stein, umschnürt
mit starken Bastseilen, woran Öhsen gelassen sind, welche Handhaben
bilden (Fig. 11). Zwei Stücke Rinde bilden die Zange und ein großer
in den Boden eingelassener Stein den Ambos. Der offene Blasebalg
besteht aus zwei Ziegenfellen, mit Stöcken an den Enden, welche
sich bei jedem Luftstrome öffnen und schließen.«
[Illustration: Fig. 11. Hammerstein der Mangandscha. Nach
LIVINGSTONE.]
Geographisch anschließend sind hier die Marawi zu erwähnen, deren
Land 1830 Monteiro und Gamitto durchzogen. Sie sammeln das Eisenerz
an der Oberfläche. »Man thut das Eisenerz in ein Thonrohr von 7 m
(40 Palmos) Höhe und 20 cm Breite, dessen untere weitere Basis
mit Kohlen angefüllt ist.« Hier liegt entschieden ein Fehler vor,
denn eine 7 m lange und nur 20 cm breite Thonröhre von Negern
hergestellt und zur Eisengewinnung dienend, wäre ein Wunder. Es
wird hier wohl ein thönerner Schmelzofen gemeint sein, wie wir
ihn schon mehrfach kennen lernten. Über dem Fußboden sind Löcher
angebracht, in welche die einfachen Fellblasebälge ihren Windstrom
ergießen. Beim Ausschmieden dienen Steine als Ambos und Hammer,
zwei Stücken Holz als Zange.[65]
Ein ostafrikanisches Volk, welches das Eisen kennt und reichlich
benutzt, aber nicht selbst darstellt, sind die Masai. T. T. LAST
berichtet von ihnen: »_There is no iron in the country, nor do the
Masai know how to work it. I have been told that formerly the Masai
used wooden swords and spears made from hard wood, but when they
came to Ugogo they laid aside their wooden arms and took those of
the Wagogo._«[66]
~Eisenindustrie im äquatorialen Westafrika.~ Aus dem Innern Afrikas
sind bis an die Westküste unter dem Äquator die kannibalischen
Gewohnheiten ergebenen Fan vorgedrungen. Sie werden wegen
vieler Übereinstimmungen in Sitten und Gebräuchen mit den durch
SCHWEINFURTH geschilderten Monbuttu in Zusammenhang gebracht. Geht
man auf ihre Eisenindustrie ein, so läßt sich diese Übereinstimmung
jedoch nur teilweise konstatieren.
Die in der Nähe der Küste ansässigen Fan haben die Eisenproduktion
jetzt schon aufgegeben, da sie das Eisen aus den europäischen
Faktoreien erhalten. Die weiter im Innern wohnenden aber wissen
dasselbe aus einem überall massenhaft vorkommenden thonigen
Brauneisenstein herzustellen. Sie graben nicht nach demselben,
sondern suchen denselben an der Oberfläche zusammen. Der Prozeß
ist ein äußerst roher und wird ohne jede Art von Ofen betrieben.
Man stapelt einfach einen großen Holzstoß auf und schüttet darauf
eine Menge des zerkleinerten Erzes; darunter legt man abermals Holz
und dann zündet man den Haufen an. Brennt der Stoß nieder, so wird
neues Holz zugeführt, bis man den Reduktionsprozeß beendigt glaubt.
Die Ausschmiedung des so erhaltenen Rohproduktes ist natürlich
eine höchst langwierige Operation. Doch die Fan sind weit
bessere Schmiede als Hüttenleute. Die Blasebälge sind nach dem
allgemein afrikanischen Prinzipe geformt, nur werden zum unteren
Teil Holzcylinder statt der Thongefäße angewendet. Die Cylinder
sind oben mit genau passenden Häuten geschlossen, an denen sich
Handhaben befinden, welche der die zwei Blasebälge Bedienende sehr
schnell auf- und abzieht. Die Luft wird durch enge Holzröhren
mit eisernen Düsen dem Schmiedefeuer zugeführt. Der Ambos der
Fanschmiede ist ein solides, in den Boden eingelassenes Eisenstück.
Statt eines Hammers, den die Fan nicht kennen, bedienen sie sich
eines 1-1/2 bis 3 Kilo schweren konischen Eisenstückes, wie die
Bongo etc. Das durch wiederholtes Durchschmieden erhaltene Eisen
ist von vorzüglicher Güte und wird von ihnen dem europäischen
vorgezogen. Die Schwerter, Messer, Lanzen- und Pfeilspitzen der
Fan zeugen von vorzüglicher Arbeit. Worin aber die Fan noch
hervorragen, das ist die Bereitung der Holzkohlen zum Schmieden in
Meilern, die mit Erde bedeckt sind, so daß darin das Holz langsam
verkohlt.[67]
Auch die Osaka weiter aufwärts am Ogowé sind gute Eisenarbeiter,
kennen die Meiler, die eisernen Amboße und die doppelten Blasebälge
genau wie die Fan. Die Schmelzöfen sind auch ihnen unbekannt. Das
Eisen gewinnen sie aus den roten thonigen Eisensteinkonkretionen,
die überall in der alles überziehenden Lehmdecke stecken.[68]
~Eisenindustrie in Nordwestafrika.~ Dieses hat verhältnismäßig
am intensivsten und längsten unter fremdem Einflüsse gestanden.
Von Norden her drang der Islam vor und er ist nun fast an der
Guineaküste angelangt; seit dem Anfange des 16. Jahrhunderts reihte
sich eine Faktorei der Europäer nach der anderen vom Senegal bis
zur Goldküste aneinander und damit wurden fremde Handelsprodukte
in das Land der Schwarzen gebracht. Der uralte Karawanenverkehr
vom Mittelmeer nach dem Sudan hat wohl frühzeitig auch Eisenwaren
und Waffen bis zum Niger und Tsadsee gebracht, so daß seit langem
schon in dieser Region die heimische Eisenindustrie der fremden
Konkurrenz weichen mußte. Das europäische Eisen in Stabform wurde
Wertmesser in den Senegalländern. »In ihrem früheren Handel mit
den Europäern,« sagt MUNGO PARK von den Einwohnern derselben, »war
Eisen die von ihnen am meisten geachtete Ware. Durch dessen Nutzen,
da es die Werkzeuge des Krieges und Ackerbaues giebt, wurde ihm
vor allem anderen der Vorzug erteilt. Eisen wurde daher bald der
Maßstab, nach dem sich der Wert aller anderen Waren bestimmt.«[69]
Eisenstücke sind südlich von Wandala (11° nördl. Br.) als Münze im
Verkehr und in Bagirmi sah NACHTIGAL, wie Wurfeisen gegen Getreide
eingetauscht wurden; dieses war nämlich die einzige Münzsorte,
welche die Eingeborenen für Getreide annahmen.[70] Eisengeld, das
in Korórofa am Binué gilt, lernte FLEGEL in Danzufa kennen. Er
schildert dasselbe als eine eiserne Erdhacke ohne Stiel.[71] Es ist
gerade so, wie in dem Gebiete der westlichen Nilzuflüsse, wo bei
den Djur Lanzenspitzen, bei den Bongo tellergroße Eisenplatten die
Rolle gemünzten Geldes spielen.[72] In Boni an der Nigermündung
dient ein hufeisenförmiges Eisenstück, Igbi oder Manilla genannt,
als Münze[73]; daß dieses hufeisenförmige Eisengeld bis zum Gabon
reicht und dort bei den Mpongwe in Bündeln von acht bis zehn Stück
umläuft, wissen wir durch WILSON, der hinzufügt, es sei nicht bloß
Tauschmittel, sondern _real currency_.[74]
Wie sehr Afrika von Norden her mit europäischen Eisenwaren
überschwemmt wird, ersehen wir z. B. aus den Schilderungen des
Marktes in Kano, wo Schwertklingen aus Solingen und Rasiermesser
aus Steiermark einen bedeutenden Handelsartikel ausmachen. Mit den
Solinger Klingen werden die Tuareg der Wüste, die Haussaua, die
Fulbe, Nyffaua und Bornuaner von Kano aus versorgt. BARTH schätzt
ihre Einfuhr auf jährlich 50000 Stück, und ähnlich verhält es sich
mit den ordinären steirischen Rasiermessern.[75]
Es ist begreiflich, daß unter solchen Umständen die einheimische
Eisenindustrie leiden und allmählich verkümmern mußte. Der
Neger vermochte nicht mit der billigen ausländischen Ware zu
konkurrieren, die er mit seinen Naturprodukten ohnedies leicht
bezahlen konnte. So finden wir denn auch in Nordwestafrika
gegenüber den centralafrikanischen Ländern eine weit weniger
ausgedehnte heimische Eisenindustrie, deren Produkte sich auch
nicht in bezug auf Güte und Kunstfertigkeit mit jenen der
centralafrikanischen Neger messen können. Immerhin ist aber die
heimische Eisenindustrie in Nordwestafrika noch ausgebreitet
genug, um zu zeigen, daß sie hier so selbständig wie in anderen
Negerländern von Anfang an war. Selbst in dem mitten in der
Wüste gelegenen Lande Tibesti oder Tu wird Eisen, wenn auch in
unzureichender Menge, gewonnen und die Einwohner (Tibbu oder Teda)
verfertigen sich ihre Waffen wenigstens teilweise selbst, doch
werden die Lanzen meist aus den umliegenden Ländern eingeführt.[76]
Bornu ist seiner geologischen Beschaffenheit nach kein Land der
Eisenerzeugung; doch arbeiten dort die Schmiede ganz so wie bei
den übrigen Afrikanern und ihre primitiven Blasebälge sind aus
einem Ziegen- oder Schaffell hergestellt, dessen hintere Enden
sich beim Drucke durch Klappen schließen.[77] Dagegen ist
Mandara oder Wandala südlich von Bornu ein Hauptsitz vorzüglicher
Eisenindustrie, von wo schöne Sachen in den Handel kommen,
ebenso Gurgara im südlichen Bagirmi.[78] Im Reiche Sokoto finden
sich Eisenminen bei Schiri, eine Tagereise nördlich von Garo N
Bautschi, bei Fagam, zwei Tagereisen nordwestlich von der eben
genannten Stadt, bei Kirfi am rechten Ufer des Gombe, bei Bele und
Fali, sechs bis acht Stunden östlich von Kirfi; andere Orte der
Eisenerzeugung sind noch Baura, Gulda, Muta, Kagalám, Mia Biri,
Kaatana[79], doch fehlen alle näheren Angaben über die Art der
Gewinnung etc.
Nordwestafrika, zumal in den Gebieten am Senegal, dem Casamance
und Rio Grande, ist nach den Berichten der verschiedenen Reisenden
reich an Eisenerzen und an Gold. Allein die Eisenerze bilden
hier (wie anderwärts in Afrika) keine fortlaufenden Lagerstätten
in unserem Sinne, sondern sind in der eisenführenden Formation,
die sich weit über das Land erstreckt, verteilt. Die meisten
Erze gehören zum Laterit. Oft finden sich darin kleinere oder
größere Parteien, in denen das Erz, Brauneisen oder auch Roteisen
konzentriert ist und die bis 60% Eisenoxyd enthalten. Alle Erze
finden sich auf sekundärer oberflächlicher Lagerstätte, weshalb
auch von einem eigentlichen Bergbau hier schon deshalb nicht
die Rede sein kann, weil es keinen Sinn hätte, in die tieferen
Schichten zu gehen. Alles von den Eingeborenen gesammelte Erz
stammt von der Oberfläche.[80]
Die westlichen Fulbe sind gute Eisenarbeiter. LAMBERT, welcher 1860
bis Timbo in Futa Djallon vordrang, bildet aus diesem Lande einen
_Fonte du minerai de fer_ ab (Fig. 12), welcher die Form eines
kleinen Hochofens hat, giebt aber keine Beschreibung. Die Schmiede
arbeiten dort mit den Blasebälgen aus Fellen.[81]
Von den aus Serracoletts bestehenden Einwohnern des Dorfes
Langebane in Futa Djallon bemerkt MOLLIEN, daß sie alle Besitzer
von Eisenschmelzöfen seien. Er schildert aber die Öfen und
den Prozeß der Gewinnung nicht, sondern sagt nur, daß man, um
das fertige Metall zu hämmern, sich eines rundlich geformten
Granitblockes bediene. Diesen umfassen die Schmiede mit einem
Streifen Leder und an diesem Streifen sind wieder lederne Riemen
befestigt, welche der Arbeiter in die Hand nimmt; so hebt er nun
den Stein in die Höhe und läßt ihn auf das Eisen, welches auf einem
niedrigen, in der Erde stehenden Amboß liegt, herabfallen.[82]
[Illustration: Fig. 12. Schmelzofen in Futa Djallon. Nach LAMBERT.]
Über das Schmelzverfahren der Mandingo sind wir durch MUNGO PARK
unterrichtet worden.[83] »Während meiner Anwesenheit zu Kamalia,«
schreibt er, »war ein Schmelzofen in geringer Entfernung von der
Hütte, wo ich wohnte, und der Eigentümer sowohl als seine Arbeiter
machten kein Geheimnis aus der Art ihres Verfahrens und erlaubten
mir recht gern, den Ofen zu untersuchen und ihnen zu helfen, den
Eisenstein zu zerstoßen. Der Schmelzofen war ein zirkelförmiger
Turm von Lehm, 3 m hoch und 1 m im Durchmesser. Er war an zwei
Orten mit einem Geflechte eingefaßt, um den Lehm zu verhindern
durch die Hitze des Feuers zu bersten und auseinander zu fallen.
Rund um den unteren Teil, mit dem Boden gleich, aber nicht so
tief als der Boden des Ofens, der ein wenig höher war, hatte man
sieben Öffnungen angebracht, in deren jede man drei Röhren von
Lehm gesteckt und die Öffnungen wieder so verklebt hatte, daß
keine Luft in den Ofen als nur durch diese Röhren dringen konnte,
durch deren Öffnung und Zuschließung sie das Feuer leiteten. Diese
Röhren wurden gemacht, indem man ein Gemisch von Lehm und Gras
um ein glattes Rollholz klebte, welches, sobald der Lehm hart
wurde, herausgezogen und die Röhre in der Sonne getrocknet wurde.
Der Eisenstein, den ich sah, war sehr schwer und von einer matten
roten Farbe mit grauen Flecken. Er wurde in Stücken ungefähr von
der Größe eines Hühnereies zerbrochen. Ein Bündel Holz, welches
sehr trocken war, wurde zuerst in den Ofen gelegt und mit vielen
Holzkohlen bedeckt, die man fertig gebrannt aus dem Walde brachte.
Hierüber wurde wieder eine Schicht Eisenstein gelegt und dann
wieder eine andere von Holzkohlen und so fort, bis der Ofen ganz
voll war. Das Feuer wurde durch eine der Röhren entzündet und
während einiger Zeit mit Blasebälgen, die man aus Ziegenhaut
gemacht hatte, angefacht. Die Operation ging vorerst sehr langsam
fort und es vergingen einige Stunden, ehe die Flamme über den Ofen
hinausschlug. Nach diesem aber brannte es mit großer Heftigkeit
während der ganzen ersten Nacht; und die dabei stehenden Leute
warfen von Zeit zu Zeit mehr Holzkohlen hinein.
»Am folgenden Tage war das Feuer nicht so wild, und in der zweiten
Nacht wurden einige Röhren herausgezogen und mehr Luft in den Ofen
gelassen. Die Hitze war indessen noch immer sehr gewaltig, und eine
blaue Flamme schlug einen halben Meter über die Spitze des Ofens
hinaus.
»Am dritten Tage vom Anfang der Operation wurden alle Röhren
herausgenommen, da dann die Enden mehrerer derselben zu Glas durch
die Hitze gebrannt worden; das Metall wurde aber nicht eher, als
einige Tage nachher gerührt, als das Ganze vollkommen abgekühlt
war. Ein Teil des Ofens wurde dann niedergerissen und das Eisen
lag da in Form einer großen unregelmäßigen Masse mit Stücken
Holzkohlen, welche daran festklebten. Es war klingend, und wenn
irgend ein Teil davon abgebrochen war, so sah es bei dem Bruche
körnig aus wie zerbrochener Stahl. Der Eigentümer sagte mir,
daß viele Teile dieses Kuchens nichts taugten, daß aber dennoch
hinlänglich gutes Eisen übrig war, um ihn für seine Mühe zu
entschädigen.
»Dieses Eisen oder vielmehr Stahl wird zu mannigfachen Werkzeugen
verarbeitet, indem man es wiederholt in einer Schmiede heiß
macht, deren Hitze durch ein paar doppelte Blasebälge, von sehr
einfacher Zusammensetzung unterhalten wird. Sie werden aus zwei
Ziegenhäuten gemacht, deren Röhren zusammenstoßen, ehe sie in
die Schmiede kommen und ein unaufhörliches und sehr regelmäßiges
Blasen unterhalten. Hammer, Zange und Amboß sind alle sehr einfach
und die Arbeit -- sonderlich in der Verfertigung von Messern und
Speeren -- ist nicht ohne alles Verdienst. Das Eisen ist in der
That hart und bröcklich und erfordert viel Arbeit, ehe man es
soweit tauglich machen kann, daß es dem Endzwecke entspricht.
»Die meisten afrikanischen Eisenschmiede sind auch mit der Art zu
schmelzen bekannt, in welchem Prozeß sie von einem alkalischen
Salze Gebrauch machen, welches man von der Lauge verbrannter
Maisstengel erhält, die man bis zum Trocknen hat verdunsten lassen.«
Nach dieser Schilderung ist der Ofen ähnlich dem von LAMBERT
abgebildeten. Interessant ist der von MUNGO PARK erwähnte
alkalische Zuschlag aus Maisasche, welcher dazu dient, das Eisenerz
leichtflüssiger beim Schmelzen zu machen; es ist dieses das einzige
mir bekannt gewordene Beispiel dieser Art in Afrika.
Die Mandingo gelten für die vorzüglichsten Metallarbeiter in
Nordwestafrika. Häufig lassen sie sich als Schmiede unter anderen
Völkern nieder und bei den Fullahs werden Metallarbeiten meist
durch Mandingosklaven verrichtet. Sie sind auch gute Goldschmiede.
»Das Schmelzen des Goldes oder Silbers geschieht gewöhnlich in
einem thönernen Tiegel, welcher nach dem Hineinlegen des Goldsandes
ganz mit Kohlen bedeckt wird. Die Schmelze wird dann in ein anderes
irdenes Gefäß oder in ein Loch in der Erde gegossen und erst später
durch neuerliches Erhitzen geformt. Manche dieser Goldgegenstände
bestehen aus reinem natürlichen Gold, während bei anderen etwas
Bronze beigegeben wird. Die Goldsorten haben eine etwas blasse
Farbe, ungefähr so, wie die der englischen Münzen ist. Die Form der
Gold- und Silberringe ist in den meisten Fällen die spiralförmig
gewundene, wie die der Armbänder, seltener sind flache Ringe
mit eingravirten Verzierungen.«[84] Woher »die Bronze«, welche
als Zusatz verwendet wird, stamme, sagt unsere Quelle nicht.
Ist es wirkliche Bronze, kein Messing, so wird sie wohl auf dem
Handelswege von der Küste zu den Mandingos gelangt sein.
Von den Aschanti wissen wir, daß sie vortreffliche Schmiede und
Gießer sind, aber das Eisen nicht aus den Erzen zu erschmelzen
verstehen.[85]
~Eisenindustrie in Südafrika.~ Betrachten wir zum Schluß die
Eisengewinnung bei den Südafrikanern. Es sind drei verschiedene
Völker oder Stämme, mit denen wir uns hier zu beschäftigen haben:
die Buschmänner, die Hottentotten und die Kaffern nebst Verwandten.
Die Buschmänner, am tiefsten auf der Skala der Afrikaner stehend,
kennen die Bearbeitung der Metalle in der Glühhitze nicht,
geschweige denn die Darstellung des Eisens. Das Rohmaterial zu
ihren eisernen Pfeilspitzen erhalten sie von auswärts und es
ist dabei charakteristisch, daß sie die Spitzen ihrer Pfeile
»mit unendlicher Mühe fast nur mittels einiger geeigneter Steine
herstellen«.[86] Sie behandeln also das Metall selbst als Stein.
Den Hottentotten ist dagegen die Bearbeitung des Eisens bekannt,
wiewohl es gerade bei ihnen (siehe oben S. 7) am spätesten
selbst dargestellt wurde und beim Auftreten der Europäer noch
verhältnismäßig selten war. Europäisches Eisen tauschten sie gern
ein, doch stellten sie, wie wir durch KOLBEN u. a. wissen, auch
solches selbst dar; unter allen Handwerkern giebt der Hottentott
den Schmieden den Vorzug. »Ich kann versichern,« sagt KOLBEN,
»daß ihre Arbeit, so wie sie selbige verfertigen, keine geringe
Geschicklichkeit erfordert. Man muß das Eisenerz suchen, schmelzen,
bearbeiten und das alles mit Steinen, statt alles Werkzeuges. Es
wird jedermann gestehen, daß die Sache nicht einmal leicht zu
begreifen ist. Wollen sie das Erz schmelzen, so graben sie ein
großes Loch in die Erde, worin man eine große Menge schütten kann.
Dieses Loch erhitzen sie, indem sie viel Holz darin verbrennen.
Hernach werfen sie das Erz hinein, viel Holz darüber her und
zünden dieses an. Aus diesem Loche geht ein unterirdischer Gang
oder Röhre in ein anderes niedrigeres Loch, worin das geschmolzene
Eisen läuft(?). Wenn es erkaltet, schlagen sie es mit Steinen zu
Stücken und schmieden hernach ebenfalls mit Steinen ihr Gewehr
daraus, ihre Pfeilspitzen, Assagaien und Angeln.«[87] So kurz und
roh die Beschreibung, läßt sich doch ungefähr der Prozeß verfolgen,
aber von einem »Laufen« des geschmolzenen Eisens kann keine Rede
sein, hier muß sich KOLBEN geirrt haben, auch werden wohl den
Hottentotten damals schon die Blasebälge nicht gefehlt haben.
Was die eigentlichen Kaffern, also die südlichsten der Abantu,
betrifft, so giebt FRITSCH an, daß sie das rohe Eisen aus dem
Innern, also zivilisierteren Gegenden, bezogen und daß wohl nur
ein sehr kleiner Teil bei ihnen selbst gewonnen wurde[88], was
wieder dafür sprechen dürfte, daß die Kenntnis des Eisenschmelzens
von Nord nach Süd vorrückte. Dagegen sind die Kaffern geschickte
Schmiede, deren Blasebälge nach der Beschreibung, die FRITSCH
giebt, mit jenen der weiter unten zu erwähnenden Barotse
übereinstimmen. Das Schmieden geschieht mit entsprechend geformten
Steinen, die einfach in der rechten Hand gehalten werden, auf
einem flachen Stein als Amboß, was natürlich eine unendlich
mühsame Arbeit ist. Die geschmiedeten Produkte sind sehr weich
und geschmeidig, so daß man eine dünne Assagaiklinge aufrollen
kann, ohne daß sie bricht. Das Geheimnis der geringen Neigung
zum Rosten im Vergleich mit europäischem Metall beruht einfach
darin, daß das Kafferneisen anhaltend gehämmert und dabei
angelassen ist, wodurch ein sehr widerstandsfähiges Häutchen von
einer niedrigen Oxydationsstufe auf demselben entsteht, während
europäisches Material stark erhitzt, mäßig gehämmert, dann mit der
Feile bearbeitet und vielleicht auch noch poliert wird, so daß es
eines ähnlichen Schutzes entbehrt. Die afrikanischen Waffen sind
demgemäß auch nicht blank, sondern von einer bräunlich grauen
Färbung.[89] Von den benachbarten Zulu berichtet KRANZ, daß sie
allerdings das rohe Eisen aus den Erzen darstellen, wobei sie
Blasebälge von der gewöhnlichen Form und beim Ausschmieden Steine
benutzen[90] und so auch bei den Betschuanen, die ihr Rohmaterial
aus Raseneisenstein erhalten. »Sie bauen einen Meiler(!) von Kohlen
auf ebener Erde oder in einer Vertiefung, von wo thönerne Röhren in
radiärer Richtung nach außen führen, um von allen Seiten mittels
Blasebälgen einen starken Luftstrom hineintreiben zu können. Wenige
zerkleinerte Erzstücke, welche in der Mitte aufgehäuft sind, kommen
so durch andauerndes Erhitzen allmählich zum Schmelzen und werden
in ein unreines Roheisen(!) verwandelt, welches nachher durch
Hämmern und wiederholtes Erhitzen weiter gereinigt wird.«[91]
Die Speerspitzen der Betschuanen zeigen dieselben feinen und
künstlichen Widerhaken und Ansätze, wie die der Monbuttu und
Bongo. Am höchsten stehen aber, nach HOLUB's Urteile, unter den
Südafrikanern in der Eisenbearbeitung die Völker des Marutsereiches
am mittleren Sambesi. HOLUB, der uns allerdings nicht sagt, ob
sie das rohe Material aus den Erzen erschmelzen, beobachtete bei
ihnen Blasebälge, drei Arten von Hämmern, Werkzeuge um Löcher ins
Eisen zu schlagen, Bohrer für Metall und Holz, Zangen, Amboße,
Meißel.[92] Die Form der Hämmer gleicht der europäischen; da aber
die südlicheren Völker, welche weit mehr dem europäischen Einflusse
ausgesetzt waren, solche Geräte nicht kennen und das Land am
mittleren Sambesi überhaupt erst durch LIVINGSTONE erschlossen
wurde, so würde hier kaum auf Entlehnung zu schließen sein, wenn
nicht HOLUB ausdrücklich berichtete, daß die Barotse unsere
Kugelzieher und Schrauben bereits nachahmten. Die Zange (Fig. 14)
ist dagegen wieder echt afrikanisch, wiewohl auch einen Fortschritt
aufweisend: ihr zu Grunde liegt das gespaltene durch einen
laufenden Ring weit und eng stellbare Stück Holz, doch ist sie
aus Eisen. Die Blasebälge (Fig. 13) sind zwei hölzerne Schüsseln,
oben mit Leder überzogen, von denen zwei Holzröhren ausgehen,
die zunächst in zwei Hornröhren, aus den Hörnern der Säbel- oder
Gemsbockantilope, führen und dann in eine thönerne Düse münden. Das
ganze Instrument ist 1-1-1/4 m lang.
[Illustration: Fig. 13. Blasebalg der Marutse. Nach HOLUB.]
[Illustration: Fig. 14. Zange der Marutse. Nach HOLUB.]
~Gesamtbild der afrikanischen Eisenindustrie.~ Versuchen wir es,
nach den mitgeteilten Einzelheiten ein Gesamtbild der afrikanischen
Eisenindustrie zu entwerfen, so müssen wir zunächst die Verbreitung
derselben über den ganzen Kontinent hervorheben. Der Norden kommt
für uns nicht in Betracht; hier wirkten von den Tagen des Altertums
an die Kulturvölker am Mittelmeer auf die Libyer und wurden später
mohamedanische Einflüsse geltend. Von den Ägyptern haben wir
gesehen, daß sie früh, bei ihrem Eintreten in die Geschichte, mit
dem Eisen vertraut waren, wiewohl Bronze bei ihnen das herrschende
Metall war; auch ist es nicht unmöglich, daß von ihnen die Kenntnis
der Eisenbereitung zu den Schwarzen überging, wofür oben einige
Gründe hervorgehoben wurden, auf die wir indessen nicht allzugroßen
Wert legen, da wir den Neger für vollkommen fähig halten, selbst
auf die Eisenreduktion zu verfallen, zumal sein Land weit und
breit dazu ein gutes, leichtflüssiges Material in den weichen
Raseneisensteinen liefert. Die Annahme, daß ein Fortschreiten der
afrikanischen Eisenkenntnis von Nordosten nach Süden zu stattfand,
wird gestützt durch die hohe Entwickelung des Eisenhüttenwesens bei
den Völkern am Bahr el Ghazal und die lange Zeitdauer der Steinzeit
im Süden, wo selbst noch die europäischen Entdecker begierige
Abnehmer ihres Eisens fanden und einzelne Stämme, wie z. B. die
auf der tiefsten Stufe der afrikanischen Völkerskala stehenden
Buschmänner, überhaupt die Eisenbereitung und die Schmiedekunst
noch heute nicht kennen. Im allgemeinen sind aber alle Afrikaner
wenigstens mit der letzteren vertraut und in manchen Ländern hat
sich die Eisenindustrie vergleichsweise großartig entwickelt, so
daß sie weit über den heimischen Bedarf arbeitet und im reichlichen
Maßstabe exportiert, wie in Manjema, das von CAMERON _the black
country of Africa_ genannt wird. Deutlich läßt sich in Afrika
verfolgen, wie mit der Kenntnis und der Darstellung des Eisens
das Bedürfnis nach Arbeitsteilung erwacht und verknüpft ist. Hier
entwickelt sich ein wirkliches, fast zünftiges Schmiedegewerbe,
mit großer Fertigkeit meist von besonderen Klassen oder Familien
ausgeübt, während die Töpferei, die Weberei etc. von allen
Stammesgliedern betrieben werden. Der Schmied stellt aber überall
eine besondere Klasse vor.[93]
Wenn es nun auch scheint, daß eine ungeheuere Menge Eisen in Afrika
produziert wird, so darf man doch nicht vergessen, daß dieselbe
fast nur zu Waffen und Geräten verwendet wird und »daß ein Stamm
von mehreren tausend Menschen im Laufe des Jahres noch nicht eine
Tonne Eisen verbraucht«.[94] Überall aber erkennen wir, daß diese
Industrie uralt und bodenständig, daß sie die Metallindustrie der
Afrikaner _par excellence_ ist und jedes andere Metall neben dem
Eisen zurücktritt.
Das Rohmaterial zur Eisenerzeugung ist im größten Teile des
Kontinentes leicht zur Hand. »Die rote Eisenerde«, welche in den
Berichten vieler Reisenden eine Rolle spielt, ist über ungeheuere
Strecken Afrikas verbreitet. SCHWEINFURTH schildert sie aus
dem Gebiete des weißen Nil; am Ogowé wird der »Laterit« von
LENZ erwähnt, der die weite Verbreitung dieser Gesteinsart in
Westafrika auf seiner geologischen Karte[95] darstellt. M. BUCHNER
fand diese ziegelrote, die Oberfläche der Hochplateaus bildende
Erde im Innern ganz Südwestafrikas, an den südlichen Zuflüssen des
Kongo. Nach ihm ist sie wahrscheinlich ein Verwitterungsprodukt
_in situ_, aus älteren krystallinischen Gesteinen entstanden.
Der Eisengehalt, der dem Laterit die Färbung erteilt, rührt von
Eisenglanz her. Die Zusammensetzung dieses Laterits ist 80,5
Kieselsäure, 11,0 Thonerde und 4,0 Eisenoxyd.[96] DOELTER, der den
Laterit am Rio Grande studierte, giebt an, er sei Detritusmaterial,
aber ~nicht~ _in situ_ gebildet. Er hat nachgewiesen, daß unter
diesem Namen sehr verschiedene Gesteinsarten verstanden werden und
identifiziert den nordwestafrikanischen teilweise mit dem indischen
Laterit als eine braune, sehr eisenreiche, dichte, an der Luft
vollkommen harte Masse, mit eingestreuten Quarzkörnchen, welche
abgerollt sind, und eingeschlossener weißer, lehmiger Substanz.[97]
Die im Laterit eingebetteten leichtflüssigen Brauneisensteine
bilden das gewöhnliche Material. Man liest sie meist an der
Oberfläche, in Flüssen und Regenschluchten auf oder schürft nur
leicht nach ihnen. Doch sind auch Gruben bekannt, die ohne jede
bergmännische Geschicklichkeit angelegt werden und in Urua bis
10 m tief sein sollen. In Usanga am Kilimandscharo verarbeitet man
magnetischen Eisensand.
Ein Rösten dieser Erze vor dem Reduktionsprozeß ist nirgends
erwähnt und im allgemeinen sind Zuschläge zur Beschickung, wie
Kalk etc., unbekannt; nur bei den Mandingo wird ein Zuschlag von
Alkali, aus Pflanzenasche gewonnen, erwähnt. Der Neger reduziert
seine leichtflüssigen Erze einfach durch Kohlen oder gar Holz (wie
in Usanga). Die Köhlerei ist verschieden entwickelt. Bei Bongo und
Djur, die sonst sehr hoch in der Eisenindustrie dastehen, findet
eine sehr unvollkommene Verkohlung des Holzes statt. Klein gehackte
Holzstücke werden schnell in Brand gesteckt, in vollen Flammen
auseinandergeworfen und dann gelöscht. Dagegen sah CAMERON in
Urua »rauchende Kohlenmeiler« und LENZ war erstaunt, bei den Fan
und Osaka im äquatorialen Westafrika gut hergestellte, mit Erde
gedeckte Meiler zu finden, wiewohl sie die erzeugten Kohlen auch
nicht zum Ausschmelzen der Erze, sondern nur zum Schmiedefeuer
benutzen. Die Betschuanen in Südafrika brennen aber die
Holzkohlen, die sie zum Eisenschmelzen gebrauchen, in förmlichen
Meilern.[98]
Dieselben Fan, welche regelrechte Meiler bauen, reduzieren das
Eisen nach der allerrohesten, primitivsten Weise, indem sie das
Erz in immer erneuten flammenden Holzstößen ausschmelzen, wobei
ein Produkt erhalten wird, bei dem die nachfolgende Schmiedearbeit
das beste noch thun muß. Eine Stufe höher steht das Verfahren
der Ganguellas und Ostafrikaner (nach BURTON), bei denen das
Erz in Gruben, mit Kohlen und Holz gemischt, einem Gebläsestrom
ausgesetzt ist. Zu regelrechten Schmelzöfen aus Thon -- gemauerte
Öfen kommen nirgends vor -- haben sich endlich manche Völker
emporgeschwungen, Schmelzöfen mit Rasten und Herd, von 1-1/2 m,
ja bei den Serrakoletts bis 4 m Höhe. Die Reduktion geht überall,
wie die Schilderungen ergeben, sehr leicht und verhältnismäßig
schnell vor sich; das Eisenerz formt sich unter dem Einflüsse der
reduzierenden Holzkohle und der Gebläseluft zu einem weichen, wenn
auch nicht flüssigen, zusammengeschweißten Klumpen. Das Eisen ist
nicht flüssig und kann nicht »abgestochen« werden, wie das Roheisen
unserer Hochöfen.
Die Gebläse sind allerdings sehr einfacher Natur, aber doch
stark genug, um, wenn wir STANLEY glauben sollen, ein Brausen
hervorzubringen, das eine halbe englische Meile weit hörbar ist.
Ganz Afrika kennt die Blasebälge und sie werden beim Ausschmelzen
des Eisens wie beim Schmieden von derselben fast überall gleichen,
nur wenig abweichenden Form angewendet, die ähnlich schon auf den
altägyptischen Monumenten erscheint. Die verbreitetste Form, die
vom Weißen Nil bis zu den Betschuanen im Süden reicht, besteht aus
zwei thönernen oder hölzernen cylinder- oder trichterförmigen, nach
unten zu verjüngten Gefäßen, welche in zwei Luftröhren auslaufen,
vor welche noch eine thönerne, seltener hörnerne oder eiserne
Düse gelegt ist. Überzogen sind diese Gefäße an ihrem oberen Ende
mit elastischen Häuten (oder selbst Bananenblättern), welche
abwechselnd auf- und abgezogen werden, um einen alternierenden
Luftstrom zu erzeugen. Ventile, wie bei unseren Blasebälgen,
sind in ganz Afrika unbekannt und ich lege der ganz isolierten
oberflächlichen Erwähnung derselben bei CAMERON nicht den
geringsten Wert bei. Blasebälge einer etwas anderen Art werden aus
Bornu und vom Njassasee, sowie vom Kilimandscharo erwähnt. Die
Ledersäcke derselben zeigen am oberen, mit den Händen gefaßten
Teile einen Schlitz, längs dessen zwei flache Stöcke befestigt
sind; indem man die Bälge mit der Hand öffnet und emporhebt, dann
schließt und niederdrückt, erzeugt man den gewünschten Luftstrom.
Solche Bälge kommen auch in Indien vor.
Das erschmolzene, weiche Eisen ist fast überall dasselbe und wird
gewöhnlich gleich von den Schmieden durch fortgesetztes Hämmern
weiter verarbeitet und gereinigt. Die Bongo unterwerfen das
kohlenstoffreiche Produkt noch einer Art von Frischprozeß und die
Luchazes im Gebiete des oberen Cubango sollen es sogar verstehen,
Stahl herzustellen. Um Feuer zu machen, verwendet merkwürdigerweise
dieser Stamm Stahl, Zunder und Feuerstein. Letzteren beziehen die
Luchazes durch die Kioko auf dem Handelswege, »während sie den
Stahl selbst aus Schmiedeeisen herstellen, das in rotglühendem
Zustande in kaltes Wasser geworfen und dadurch gehärtet wird«.[99]
Es fehlt auch nicht an einer gewissen Ökonomie beim Eisenschmelzen
der Schwarzen, wie denn von den Djur bekannt ist, daß sie durch
Pochen und Waschen der Schlacken die noch darin enthaltenen
Eisenteilchen zu gewinnen trachten.
Der Schmied, oft noch der Wanderschmied, der durch eifriges
Hämmern das unrein erhaltene Produkt dieses primitiven Prozesses
weiter verarbeitet, bedient sich gleichfalls nur höchst einfacher
Werkzeuge. Aber gerade dadurch erregt er unsere Bewunderung, da die
von ihm hergestellten Erzeugnisse im umgekehrten Verhältnisse zu
seinen elenden Werkzeugen stehen. Die Lanzenspitzen der Bongo und
Monbuttu sind von solcher Feinheit, daß sie mit jeder europäischen
Schmiedearbeit den Wettbewerb aushalten. Den Blasebalg kennen
wir schon; er ist beim Schmiede derselbe wie beim Hüttenmann.
Der Amboß ist meist noch ein Stein, seltener ein Stück in den
Boden gelassenes Eisen; ebenso der Hammer.[100] Wir können den
letzteren in drei Stadien der Entwickelung verfolgen. Er tritt
zunächst auf als einfacher, länglicher Stein, der mit der sehnigen
Faust erfaßt wird; ein Fortschritt ist es schon, wenn er durch ein
konisches Eisenstück ersetzt und gleichfalls mit der Hand bewegt
wird. Zum Hammerstiel hat der Neger sich nirgends aus eigenem
Triebe emporgeschwungen, wohl aber lernen wir bei ihm einen nicht
uninteressanten Übergang kennen, indem der schwere Schlag- oder
Hammerstein mit einem Lederriemen umfaßt wird, an welchem wieder
Schlingen für die Hand befestigt sind (bei Serracolletts etc.) oder
mit Bastseilen, wie bei den Mangandscha. Zum Schneiden, Formen,
Spalten und Modellieren feiner Teile des rotglühenden Metalles
benutzt man einen einfachen Meißel oder in Ermangelung eines
solchen eine Lanzenspitze. Die Zange besteht im primitivsten Falle
aus ein paar Rindenstücken oder sie ist ein gespaltenes Stück
frisches Holz mit einem laufenden Ringe darüber zum Enger- oder
Weiterstellen dieser Klammer. Einen Fortschritt deutet es an, wenn
dieselbe (wie bei den Barotse) aus Eisen hergestellt wird, doch
noch genau nach dem Modell der hölzernen Zange. Das Drahtziehen
ist bei vielen Negerstämmen bekannt und hier und da wird auch das
Schweißen erwähnt.
Heute noch steht die afrikanische Eisenindustrie in ihrer alten
urtümlichen Form vor uns, doch dürften ihre Tage gezählt sein,
je mehr der schwarze Kontinent erschlossen und dem weißen
Händler zugängig gemacht wird. Sobald Berührungen mit Europäern
stattfinden, beginnen sich europäische Einwirkungen auf die
Eisenindustrie der Schwarzen einzustellen, so daß man, will
man letztere in ihrer Ursprünglichkeit kennen lernen, sich an
unberührte Stämme halten muß. Die Schmiede in Sennar haben
bereits europäische Hämmer und Zangen angenommen, und die Barotse
am mittleren Zambesi, in einer Gegend, die erst vor dreißig
Jahren bekannt wurde, kennen schon unsere Bohrer, Kugelzieher,
Feilen und Hämmer. Geht so die Ursprünglichkeit im Gewerbe durch
Fremderlerntes zu Grunde, so ist die afrikanische Eisenindustrie
an sich selbst in Frage gestellt durch das Einströmen billiger
europäischer Produkte, mit denen die heimischen Erzeugnisse nicht
zu konkurrieren vermögen.
~Die Stellung der Schmiede in Afrika.~ Wo das Eisen im Volksmunde
auftritt und Traditionen von seinem Ursprunge erzählen, sind häufig
sonderbare Vorstellungen mit demselben verknüpft: dem Schmiede
haftet etwas geheimnisvolles an. Das neue Metall, welches bestimmt
war, den Stein zu ersetzen, ist den alten Geistern, den Elfen
und Nixen, die dem Steinalter entstammen, verhaßt und wird ihnen
gefährlich, daher man denn auch zum Schutze gegen jene Hufeisen
an die Stallthüren nagelt, was in England »noch bei der Hälfte
der Stallthüren« der Fall ist.[101] Ein Messer in den Wirbelwind
geworfen, ist in Deutschland ein Mittel, den in der Windsbraut
einherfahrenden Dämon zu verwunden.[102] Nach dem Glauben der
ägyptischen Fellahs haben die Dschinnen großen Respekt vor dem
Eisen. Sehen sie eine Sandhose kommen, so rufen sie dem darin
sitzenden Geiste zu: _Chadid ya maschun_, Eisen, o Unseliger!
und glauben sich dadurch geschützt.[103] Umgekehrt wird es in
hieratischen Dingen damit gehalten: der steinerne Altar wird aus
unbehauenen Steinen errichtet, denn das Eisen entweiht ihn.[104]
Und so ähnlich noch vielfach.
Einheimische Traditionen, welche auf den Ursprung des Eisens in
Afrika hinweisen, sind bisher wenig bekannt geworden, doch dürften
dieselben gewiß nicht fehlen. Während, namentlich in Südafrika,
sich in Sagen und Märchen noch Erinnerungen an die Steinzeit
erhalten haben[105], ist mir nur eine Stelle aufgestoßen, die vom
Ursprunge des Eisens redet. »Die Leute (im Westen des Njassasees)
sagen, die Kunst, das Eisen zu schmelzen, sei ihnen von Chisumpi
gelehrt worden, welches der Name von Mulungu (Gott) ist.«[106] Hier
weist also die Tradition auf einen höheren, göttlichen Ursprung
des nützlichen Metalles hin, wie dieses auch bei anderen Völkern
der Fall ist. Damit wird zugleich die afrikanische Eisenkenntnis
in ein hohes Alter hinaufgerückt, wofür auch andererseits die
besondere Stellung, welche die Schmiede einnehmen, spricht.
Es ist dieses jedoch nicht etwa eine spezifisch afrikanische
Erscheinung, sondern bei allen Völkern, wo es Schmiede giebt,
tritt derselbe Fall ein.[107] Die afrikanischen Schmiede sind,
unabhängig von geographischer oder ethnographischer Gruppierung,
bald verachtet, bald hochgeehrt und stets klebt ihrer Beschäftigung
etwas geheimnisvolles an, so sehr, daß sie auch, wo sie eine
Pariastellung einnehmen, mit einer gewissen Scheu betrachtet
werden. Die Erklärung, daß die Schmiede, als eine besondere Kaste
bildend, von anderer Abstammung als die übrigen Mitbewohner
eines Landes seien, wird hier nicht immer ausreichen, wennschon
dieselbe sehr oft zutrifft. Wenn ein eroberndes Volk, welches
das Schmiedehandwerk nicht kennt, in dem von ihm besetzten
Lande bereits Schmiede vorfand, welche das Metall zu bearbeiten
verstanden, so mußte es natürlich die ihm fremde, geheimnisvolle
Kunst bewundern, aber auch fürchten. Wegen der augenscheinlichen
Nützlichkeit ließ es aber die Unterjochten bei ihrem Gewerbe, zog
daraus die nötigen Vorteile, verachtete aber die Träger der ihm
ursprünglich fremden Kunst und betrachtete sie gleichsam mit Scheu
als Zauberer und Träger überirdischer Kräfte. Andererseits aber,
wenn die nützliche Kunst ein tiefer stehendes Volk von einem höher
stehenden erlernt hatte, so blieb sie und diejenigen, welche sie
erlernt, in besonderer Gunst und Verehrung; die Schmiede wurden der
bevorzugte Stand.[108]
Hoch in Ehren steht der afrikanische Schmied in Congo, wo er
königlicher Abkunft sein soll. Bei den Fan ist der Schmied
zugleich Priester und Medizinmann, und die kleinen, kein Eisen
produzierenden Völker am Ogowé verehren die Blasebälge der Fan in
ihren Fetischhäusern.[109] In den Kimbundaländern ist der Schmied
(Kangula) der vornehmste Handwerker; der Schmiedeobermeister
oder »Fürst der Eisenarbeiter« hat bei Hofe in Bautschi eine
der höchsten Stellen. Dagegen tritt uns die entgegengesetzte
Anschauung, welche einer Pariastellung der Schmiede gleichkommt,
bei mindestens ebensoviel afrikanischen Völkern entgegen. Der
Eisenschmied ist bei den Bari am Weißen Nil verachtet. Ausgestoßen
und verachtet sind die Schmiede (Adschwôn) bei den Dinka; diese
Verachtung ist bei den Dscholofs so groß, daß nicht einmal ein
Sklave in eine Schmiedefamilie hineinheiratet. Ausgeschlossen
aus der Gesellschaft sind die Schmiede bei den Tibbu. Jemanden
dort einen Schmied nennen ist eine Beleidigung, die nur mit
Blut abgewaschen werden kann. Das Handwerk erbt dort innerhalb
der streng geschiedenen Kaste vom Vater auf den Sohn. Der Grund
dieser Pariastellung ist hier um so schwerer zu ergründen, als,
wie NACHTIGAL ausdrücklich hervorhebt, die Schmiede mit ihren
übrigen Landsleuten desselben Ursprunges sind. Auch in Wadai nimmt
der Schmied diese Stellung ein, trotzdem ist ihr »Sultan« ein
höchst angesehener Mann, der Zutritt zum Harem des Herrschers hat
und bei dessen Thronbesteigung dessen Verwandten verschneidet.
Unter den Somal ist es die Pariakaste der Tumalod, welche das
Schmiedehandwerk betreibt.[110]
~Die europäische Parallele.~ Man mag die sogenannte Bronzeperiode
so hoch in die Zeit zurückschieben, wie man will, so wird sie doch
bei den indogermanischen Völkern Europas nicht bis in eine Periode
hineinragen, welche unsere Völker oder deren damaliges Äquivalent
auf einer niedrigeren Kulturstufe antrifft, als die Afrikaner von
heute zeigen. In vielen Stücken, das beweist die vergleichende
Sprachwissenschaft, standen sie entschieden höher als die
gegenwärtigen Neger und es liegt kein innerlicher Grund vor, daß
bei ihnen, wo Feuer und Kohle bekannt und Raseneisenerz vorhanden
war, nicht jener allereinfachste Verhüttungsprozeß stattgefunden
hat, der bis ins vorige Jahrhundert noch in Deutschland ausgeübt
wurde und in Catalonien erst vor nicht langer Zeit verschwand. Die
alte Luppenfrischerei und Stückofenarbeit ist die echte Parallele
zu dem Eisenhüttenwesen der Naturvölker.
Wenn auch bei HOMER das Eisen als mühsam dargestellt --
+poluchmêtos sidêros+ -- bezeichnet wird und nicht gediegen, wie
Gold, Silber, Kupfer, vorkommt, so ist doch seine Erschmelzung
keine mit besonderer Schwierigkeit verknüpfte Arbeit, wie die
afrikanische Eisenindustrie uns bewiesen hat. Während die Bronze,
eine Legierung aus zwei Metallen, die in den seltensten Fällen
nebeneinander vorkommen, eine weit höhere metallurgische Kunst und
die Kenntnis des Gießens und Formens erfordert, ergeben weiche
Brauneisensteine in heftigem Kohlenfeuer behandelt schon ein
schmiedbares Eisen. Zu dieser Entdeckung kann der Zufall geführt
haben, was bei der Bronze kaum denkbar ist.
Bei unseren europäischen Vorfahren müssen wir uns die älteste
Darstellung des Eisens gerade so vorstellen, wie wir dieselbe bei
den Negern kennen gelernt haben, und dieses älteste Verfahren
reichte bis in die Neuzeit unverändert herein. Die Geschichte
unseres Eisenhüttenwesens beginnt mit den Luppenfeuern, dem
Schmelzprozeß in Gruben und geht über zu den bis ins vorige
Jahrhundert gebräuchlichen Wolfs- oder Stücköfen, die von
entwickelteren afrikanischen Öfen nicht sehr verschieden waren und
gleich diesen kein flüssiges Roheisen, sondern ein ungeschmolzenes,
stahlartiges Eisen lieferten.
Die Überreste des alten Eisenhüttenbetriebes in Deutschland sind
gar nicht so selten; sie werden mehr und mehr aufgefunden, seit
man seine Aufmerksamkeit darauf wendet. Am Hüttenberger Erzberge
in Steiermark deuten alte Halden und Schmelzgruben auf derartige
Eisenindustrie. Erst wenige Jahrhunderte sind darüber verflossen,
daß in der dortigen Gegend noch jeder einzelne Grundbesitzer
und Höfler bei seinem Hause am Erzberge kleine 2-3 m hohe Öfen
besaß, in denen mit Kohlen die den alten Erzgängen geraubten
Erze verhüttet wurden. Noch sind die alten Ofenruinen zahlreich
vorhanden. Älter als diese sind die gleichfalls vorhandenen
Gruben, die einfach in den ebenen Thalboden gegraben, mit Lehm
ausgeschlagen sind und keinen Luftkanal an der unteren Bodenfläche
zeigen. Graf WURMBRAND fand in solchen wenig reduzierten
Eisenstein, Schlacken und rohe Topfscherben.[111] Auch ganz
ähnlich gestaltete römische Schmelzgruben hat Graf WURMBRAND in
der dortigen Gegend nachgewiesen und schließlich hat derselbe
Forscher das alte Schmelzverfahren in Gruben unter Zuhilfenahme
eines einfachen Blasebalges nachgeahmt, wobei Holzkohle und
geröstetes Erz schichtenweise gelagert wurde. In 48 Stunden
reduzierte er 12,5 kg Eisen, das nach seiner Abkühlung sich gleich
zu Lanzenspitzen verarbeiten ließ.[112]
Über alte Eisenschmelzen im Posenschen, wo in der primitivsten
Weise Raseneisensteine ausgeschmolzen wurden, berichtet W.
SCHWARTZ[113], über ganz ähnliche in der Lausitz und Westfalen
Bergrat VIEDENZ[114]; ungeheuere Schlackenhaufen, Reste
prähistorischer Eisenwerke bei Ramsen in der Pfalz, fand C.
MEHLIS[115], sehr große alte Schlackenhalden, die Reste eines etwas
komplizierteren Schmelzverfahrens (mit Tiegeln), entdeckte H.
WANKEL nördlich von Brünn bei Ruditz und Habruwka.[116] MEHLIS hat
endlich auch die altrömischen Eisenwerke von Rufiana (Eisenberg) in
der Pfalz mit ihren Öfen, Düsen und Luppen wieder an das Tageslicht
gezogen.[117]
Überall war zu jenen Zeiten die Eisendarstellung in Europa nur ein
Handwerk, wie es bei den Negern betrieben wurde, keineswegs eine
Fabrikation. Die ganzen notwendigen mechanischen Leistungen, wie
die Windgebung und das Aushämmern der mit Schlacken verunreinigten,
im primitiven Schmelzofen erhaltenen Eisenluppen, wurden durch der
Hände Arbeit besorgt; von irgend welchen Maschinen ist bei unseren
Vorfahren so wenig wie bei den Negern die Rede gewesen.
Fußnoten:
[2] SOLDI in Bull. soc. d'Anthropol. 1881. 34 ff.
[3] LEPSIUS in Verhandl. Berliner Anthropol. Ges. 1873. 63. 64.
[4] Manners and Customs of the ancient Egyptians. III. 247.
[5] Zeitschrift f. ägyptische Sprache 1871. 19.
[6] Die Metalle in den ägyptischen Inschriften. 102. Abhandlungen
der Berl. Akad. der Wissenschaften 1871.
[7] WILKINSON, Manners and Customs. III. 246. It lies in the
eastern desert, between the Nile and the Red Sea, at a place called
Hammámi, and was discovered by my friend Mr. Burton, who visited it
in 1822 and found the metal to be in the form of specular and red
iron ore.
[8] LEPSIUS a. a. O. 107. 112.
[9] »Altes Eisen.« Allgemeine Zeitung, 12. Januar 1868.
[10] Das Meteoreisen in technischer und kulturhistorischer
Beziehung. Arch. f. Anthropol. XII. 297 (1880).
[11] SCHWEINFURTH, Artes africanae Taf. XIV. Fig. 5-7 und
WILKINSON, Ancient Egyptians II. 287.
[12] WILKINSON a. a. O. III. 339.
[13] Jeremias 6, 20.
[14] KLUNZINGER, Bilder aus Oberägypten. Stuttg. 1877. 13.
[15] Editio FABRICIUS. Leipzig 1883. 42.
[16] III. 49, 4.
[17] II. 19 in KARL MÜLLER's Geographi graeci minores. Par. 1855.
[18] STRABO 771. 772. ed. CASAUB.
[19] MORLANG, in PETERMANN's Mittheil. Ergänzungsband II. (122).
[20] POGGE, Muata Jamwo. Berlin 1880. 238.
[21] BLEEK, Reinecke Fuchs in Afrika. Weimar 1870. 71.
[22] Die Steinzeit Afrikas. Globus XLI. 169 ff.
[23] Durchbohrte Steine vom Tanganjikasee beschreibt HORE in
Proc. Roy. geogr. Soc., 1882. 7. Durchbohrte Porphyrsteine, die
Zauberkraft besitzen sollen und deren ursprüngliche Verwendung den
Leuten bereits unbekannt war, LIVINGSTONE in Centralafrika. (Letzte
Reise, deutsche Ausgabe I. 271.)
[24] Sprachvergleichung und Urgeschichte. Jena 1883. 218 Anm.
[25] PURCHAS, Pilgrims I. 118. 133. 275. 417.
[26] SANDERSON im Journ. Anthropol. Instit. VIII. 17 (1879).
[27] HUTCHINSON, Western Africa. London 1858. 192.
[28] Reise im Gebiete des Blauen und Weißen Nil. Wien 1874. 33,
Taf. 2.
[29] WILHELM V. HARNIER's Reise am oberen Nil. Darmstadt 1866. Taf.
XIX.
[30] S. W. BAKER, Der Albert Nyanza. Jena 1867. I. 182.
[31] SCHWEINFURTH, Im Herzen von Afrika. I. 224. 227.
[32] SCHWEINFURTH, Artes africanae. Leipzig 1875. Taf. II.
[33] JOHN PETHERICK, Egypt, the Soudan and Central-Africa. Edinburg
1861. 396.
[34] TH. V. HEUGLIN, Reise in das Gebiet des Weißen Nil. Leipzig
und Heidelberg 1869. 196.
[35] Artes africanae taf. V.
[36] A. a. O. 197.
[37] SCHWEINFURTH, Im Herzen von Afrika. II. 116.
[38] WILSON und FELKIN, Uganda, deutsch. Stuttgart 1883. I. 73.
[39] A. a. O. I. 89.
[40] STANLEY, Durch den dunklen Weltteil. I. 514.
[41] STANLEY a. a. O. II. 156.
[42] Journal Anthropol. Instit. VI. 170. LIVINGSTONE (Letzte Reise
II. 174) kam in dieser Gegend an 30 Schmelzhütten vorüber.
[43] CAMERON, Quer durch Afrika. I. 291. 293.
[44] CAMERON a. a. O. I. 319.
[45] CAMERON a. a. O. I. 320.
[46] CAMERON a. a. O. II. 44.
[47] CAMERON a. a. O. II. 157.
[48] POGGE, Im Reiche des Muata Jamwo. Berlin 1880. 238.
[49] O. SCHÜTT, Reisen im südwestlichen Becken des Kongo. Berlin
1881. 128.
[50] Reisen in Südafrika. Pest und Leipzig 1859. 384. 376.
[51] SERPA PINTO's Wanderung quer durch Afrika. Leipzig 1881. I.
118.
[52] SERPA PINTO I. 236. II. 31.
[53] JOS. THOMSON, Expedition nach den Seen von Centralafrika. Jena
1882. II. 209. I. 227.
[54] BURTON, Lake Regions of Central Africa. London 1860. II. 312.
[55] V. D. DECKENs Reisen II. 17. 19.
[56] BURTON a. a. O. II. 312.
[57] V. D. DECKEN a. a. O. II. 19.
[58] V. D. DECKEN II. 19.
[59] Blauer und Weißer Nil. Taf. II.
[60] Expedition to the Zambezi. 113.
[61] Proceedings R. Geogr. Soc. 1883. 586.
[62] DAVID LIVINGSTONE's Letzte Reise, deutsch. Hamburg 1875. I.
183.
[63] LIVINGSTONE, Expedition to the Zambezi. London 1865. 113.
[64] Letzte Reise I. 180.
[65] MONTEIRO, Der Muata Cazembe. Deutsch von W. PETERS in
Zeitschr. f. allgem. Erdkunde. VI. 268. Berlin 1856.
[66] Proceed. R. Geogr. Soc. 1883. 531.
[67] DU CHAILLU, Equatorial Africa. London 1861. 90. -- O. LENZ,
Skizzen aus Westafrika. Berlin 1878. 85.
[68] LENZ a. a. O. 274.
[69] MUNGO PARK's Reise in das Innere von Afrika. Deutsch. Hamburg
1799. 32.
[70] ROHLFS, Quer durch Afrika. II. 62. -- NACHTIGAL im Globus
XXIV. 231.
[71] Mitt. Hamburg. Geogr. Ges. 1878-79. 316. Tafel 8, Fig. 9.
[72] SCHWEINFURTH, Im Herzen von Afrika. I. 224. 306.
[73] BASTIAN, Geogr. und ethnolog. Bilder. Jena 1873. 171.
[74] L. WILSON, Western Africa. London 1856. 304.
[75] H. BARTH, Reisen. II. 154. 157. 158.
[76] NACHTIGAL, Sahara und Sudan. I. 457. 451.
[77] NACHTIGAL a. a. O. I. 680. Der Blasebalg wird in Bornu durch
ein Onomatopoeon: _bubutu_ bezeichnet (BARTH, Reisen II. 458).
[78] BARTH a. a. O. II. 645. III. 400.
[79] ROHLFS, Quer durch Afrika. II. 207.
[80] DOELTER, Über die Capverden nach dem Rio Grande. Leipzig 1884.
224.
[81] Tour du Monde. III. 388 (1861).
[82] MOLLIEN, Reise in das Innere von Afrika. Weimar 1820. 226.
[83] MUNGO PARK's Reise in das Innere von Afrika. Hamburg 1799. 332.
[84] DOELTER, Über die Capverden nach dem Rio Grande. Leipzig 1884.
178.
[85] BOWDICH, Mission nach Ashantee. Weimar 1820. S. 417.
[86] FRITSCH, Eingeborene Südafrikas. 434.
[87] PETER KOLBEN's Beschreibung des Vorgebirges der guten
Hoffnung. Frankfurt und Leipzig 1745. 177.
[88] FRITSCH a. a. O. 72.
[89] FRITSCH a. a. O. 71. 72.
[90] KRANZ, Natur- und Kulturleben der Zulus. Wiesbaden 1880. 66.
[91] FRITSCH a. a. O. 172.
[92] HOLUB in den Mitt. der Wiener geograph. Ges. 1879. 321. 322.
[93] Nur noch die Gerberei wird bei den Mandingo von den von Stadt
zu Stadt reisenden Karrankea oder Gaungay zünftig betrieben,
während die übrigen Einwohner sich nicht damit abgeben (MUNGO
PARK's Reise in das Innere von Afrika. Hamburg 1799. 330).
[94] THOMSON, Expedition nach den Seen von Centralafrika. II. 209.
[95] PETERMANN's Geographische Mitteilungen. 1882. Taf. 1.
[96] Ausland. 1883. S. 850.
[97] DOELTER, Über die Capverden nach dem Rio Grande. Leipzig 1884.
220 ff.
[98] LICHTENSTEIN, Reise im südlichen Afrika. Berlin 1812. 523.
[99] SERPA PINTO a. a. O. I. 236. Diese Art des Härtens war schon
zur Homerischen Zeit bekannt, wie aus der Stelle hervorgeht, wo
Odysseus den Polyphem blendet, Odyssee IX. 393-395:
So wie der Erzarbeiter die Holzaxt oder das Schlichtbeil
In abkühlendes Wasser mit mächtigem Zischen hinabtaucht,
Um es zu härten mit Kunst; das giebt ja dem Eisen die Stärke.
[100] Auch bei unseren indogermanischen Vorfahren bestanden die
ursprünglichen Schmiedewerkzeuge aus Stein; Beweis dafür die
Häufigkeit der Namen dieser Werkzeuge, welche aus dem Worte für
Stein (Sanskrit _áçman_ = Altslavisch _kamen_) hervorgehen. Hierher
gehören im Germanischen altnordisch _hamarr_ = althochdeutsch
_hamar_ und griechisch _+kaminos+_, Ofen. Im Sanskrit _áçman_
Hammer und Amboß.
[101] TYLOR, Anfänge der Kultur. I. 140.
[102] SCHÖNWERTH, Aus der Oberpfalz. II. 113.
[103] MANNHARDT, Baumkultus. Berlin 1875. 132.
[104] 2 Mos. 20, 25.
[105] Vergl. das Hereromärchen in BLEEK, Reinecke Fuchs in Afrika.
Weimar 1870. 71.
[106] D. LIVINGSTONE's Letzte Reise. Deutsch. Hamburg 1875. I. 183.
[107] R. ANDREE, Ethnographische Parallelen. Stuttgart 1878. 153.
»Der Schmied.«
[108] Es läßt sich historisch nachweisen, wie Schmiede und
Metallarbeiter von den Siegern in deren Land verpflanzt wurden,
wo sie, dem besiegten Stamme angehörig, nun eine Kaste bildeten.
Nebukadnezar führte die Schmiede aus Juda nach Babel (2 Kön. 24,
14) und der Inka Yupanqui brachte die Metallarbeiter des von ihm
eroberten Reiches Chimu nach seiner Hauptstadt Cuzco (SQUIER, Peru.
London 1877. 170).
[109] Es möge hierzu eine indische Parallele Platz finden. Bei
den Bhils, einem der wilden Urstämme Vorderindiens, steht das
Eisen in hoher Verehrung. Lanzenspitzen oder Pflugscharen werden
an Baumzweige gehängt und diesem Eisen widmet der Bhil die
Erstlingsfrüchte der Ernte oder Teile seiner Beute. Der Ursprung
dieses Brauches soll in die Zeit der Einführung des Eisens bei den
Bhils zurückreichen. L. ROUSSELET, Revue d'Anthropol. II. 61. 1873.
[110] BASTIAN, San Salvador. 161. -- LENZ, Skizzen aus Westafrika.
85. -- MAGYAR, Reisen in Südafrika. I. 338. -- ROHLFS, Quer durch
Afrika. II. 156. -- V. HARNIER in PETERMANN's Ergänzungsheft No.
10. 133. -- PRUYSSENAERE daselbst No. 50. 25. -- MOLLIEN, Reise in
das Innere von Afrika. 49. -- NACHTIGAL, Sahara und Sudan. I. 443.
-- Derselbe in Zeitschrift der Ges. f. Erdkunde zu Berlin. VI. 533
und XII. 43. -- HILDEBRANDT in Zeitschrift für Ethnologie. 1875. 4.
[111] Arch. f. Anthropologie. XI. 401.
[112] Korrespondenzblatt d. deutsch. Anthropol. Ges. 1877. 151.
[113] Verhandl. Berl. Anthropol. Ges. 1881. 88.
[114] Verhandl. Berl. Anthropol. Ges. 1881. 133.
[115] Korrespondenzblatt. 1878. 73.
[116] Mitt. d. Wiener Anthropol. Ges. VIII. 312.
[117] Korrespondenzblatt. 1883. 147.
Das Kupfer bei den Nigritiern.
~Vorkommen und Darstellung.~ Kupfer gehört in Afrika zu den nicht
selten vorkommenden, in der Ausbeute aber auf einige wenige
Lokalitäten beschränkten Metallen. Seit alter Zeit wird es im
Norden wie im Süden von den Eingeborenen erschmolzen und in den
Handel gebracht. Daß es als gediegenes Metall zur direkten kalten
Verarbeitung gelange, ist mir für Afrika nicht bekannt geworden.
Die Hauptvorkommnisse, von denen aus es auf Handelswegen weit und
breit über den Kontinent verbreitet wird, sind folgende:
Zunächst die vielfach genannte Hofrat e Nahhas im Süden von
Darfur. RUSSEGGER, der zuerst diese Kupferbergwerke erwähnt,
gab an, daß das Metall dort gediegen in Form feiner Gräupchen
vorkomme.[118] Indessen dieses beruht auf falschen Erkundigungen.
Nach den von V. HEUGLIN eingezogenen Nachrichten wird das Kupfer
dort metallurgisch gewonnen. »Die Kupfererze werden an Schluchten
gebrochen, gewaschen und in einer Vertiefung mit Kohle geschichtet.
Zwei bis drei Schafhäute dienen den Arbeitern als Blasebälge. Beim
Niedergehen des Satzes entwickelt sich eine giftige grüne Flamme.
Das Ausbringen eines Schmelzprozesses beträgt zwischen 12 bis 15
Rottel schönes Rotkupfer.«[119]
SCHWEINFURTH sah das Kupfer von Hofrat e Nahhas im Handel in der
Form geschmiedeter kantiger, sehr plumper Ringe von 2-1/2 bis 25 kg
Gewicht und in 1/2 oder 1 kg schweren, länglich ovalen Barren oder
Kuchen von ziemlich unreiner Gußmasse. Er zahlte für 40 kg 75
Mariatheresiathaler. Auch von dem kupferhaltigen Mineral erhielt
SCHWEINFURTH Proben; es bestand aus Kies- und Quarzstücken mit
Malachitbeschlag.[120] Wie weit dieses Kupfer von Hofrat in Afrika
durch den Handel verbreitet wird, erkennen wir aus der Angabe von
HEINRICH BARTH[121], daß es, über Wadai kommend, auf dem Markte von
Kano den hauptsächlichsten Vorrat ausmacht und hier in Konkurrenz
mit dem europäischen, über Tripolis importierten Kupfer tritt.
Hofrat e Nahhas ist zum ersten Male im Jahre 1876 von dem
Amerikaner PURDY besucht worden, dessen Bericht[122] ich
vollständig hier wiedergeben will. »Heufrah,« schreibt er,
»liegt auf dem rechten Ufer des Bahr-el-Fertit, einem Zuflusse
des Bahr-el-Arab. Das Dorf ist von dem Flusse eine halbe Meile
(_mille_) entfernt und die im Sudan so berühmten Kupferwerke
liegen einen Kilometer südwestlich vom Dorfe. Die Mineralader ist
schon in weiter Entfernung sichtbar; sie tritt etwa 50 cm über
die Oberfläche des Bodens hervor und verläuft von Nordwest nach
Südost. Man hat hier eine etwa 140 m lange, 14 m breite und 2-3 m
tiefe Ausgrabung gemacht. Aus dieser Aushöhlung ist eine große
Menge Mineral herausgefördert worden; etwas weiter westlich hat man
einen 8,5 m tiefen Schacht abgeteuft, der eine weißliche Thonmasse
durchsetzt. Die Arbeiter benutzen nicht das ganze Mineral, sondern
nur den kupferreichsten Teil desselben, ein fast reines Karbonat
oder Bikarbonat. Die Ausschmelzung erfolgt in einfachen Thonöfen.
Die gemachten Beobachtungen berechtigen zu dem Glauben, daß man
hier eine große Menge dieses guten Minerals finden kann. Die
Minen liegen etwa 28 m über dem Hochwasser des Bahr-el-Fertit. Die
oben erwähnte Erzader ist die einzige, welche heute bearbeitet
wird. Doch findet man in einem Umkreise von 500 m unzählige
alte Schächte. Heufrah liegt unter 9° 48´ 24´´ nördl. Br. und
24° 05´ 38´´ östl. L. v. Gr. Das Land ist ringsum durchaus eben und
der Horizont nirgends von Bergen begrenzt.«
Leider erfahren wir von diesem einzigen Augenzeugen gar nichts
näheres über den eigentlichen metallurgischen Prozeß. Es wäre aber
gerade sehr wünschenswert, daß über diese primitive Ausbringung
der Kupfererze uns Kunde würde, da das Kupfer denn doch nicht
so einfach wie das Eisen darzustellen ist, wenigstens nicht das
»gare«, für die Technik verwendbare Kupfer, welches erst eine
Raffinierung durchgemacht haben muß, wie dieselbe auch in Indien
ausgeführt wird.
[Illustration: Fig. 15. Handakupferbarre. Nach CAMERON.]
Ein zweites und für die Verbreitung des Kupfers in Afrika wichtiges
Vorkommen ist jenes von Katanga, welches nach CAMERON's Karte etwa
unter 10° südl. Br. und 26° östl. L. liegt. Es wird hier in großen
Mengen gewonnen und zu Stücken von 1-1/4 bis 1-1/2 kg Schwere
geformt, welche den Namen Handa führen. Sie haben die Gestalt
eines roh geformten Andreaskreuzes und messen in der Diagonale
33-35 cm, während die Arme etwa 4-1/2 cm breit und 1 cm dick
sind. Bei manchen läuft oben an den Armen ein erhabener Streifen
hin (Fig. 15). Diese Kupferminen sind noch von keinem Europäer
besucht worden, sondern nur durch Erkundigungen und durch das
Vorkommen ihres Produktes im Handel bekannt geworden. CAMERON traf
die kreuzförmigen Kupferstücke zuerst in Uguhha, westlich vom
Tanganjikasee. Je neun bis zehn Stücken davon werden übereinander
gelegt, zusammengebunden und an die beiden Enden einer Stange
gebunden, um so eine Traglast zu bilden. Während das Kupfer so
weit nach Osten geht, erreicht es umgekehrt die Westküste, wo es
nach Lux in 1-1/2-2 kg schweren Stücken in den Handel kommt. In
Kimbundu heißen diese kreuzförmigen Stücke »Uwanda«, offenbar
derselbe Name wie Handa.[123] LIVINGSTONE fand Katangakupfer
beim Cazembe. Es hatte die Form wie ein großes I; ein Barren wog
25-50 kg. In Uniamwesi (Tabora oder Kaseh, zwischen dem Tanganjika
und der Ostküste) sah derselbe Reisende das gleiche Kupfer; es hieß
dort Vigera. Daneben war aber auch das in Kreuzesform gegossene
zu finden und es wurde dort Handiplé Mahandi genannt.[124] Im
letzteren Worte haben wir das »Handa« CAMERON's wieder. Dieses
Katangakupfer ist dasjenige, welches am weitesten durch Afrika
verbreitet ist.
Von geringerer Bedeutung scheint das Kupfervorkommen und die
Kupfergewinnung im Gebiete des Binué, des großen östlichen
Zuflusses des Nigers, zu sein. ROBERT FLEGEL schreibt[125], daß
Kupfer in größeren Mengen vorkomme und verarbeitet werde in der
Gegend von Gazza, einer Stadt etwa drei Tagereisen südlich von
Ngaundere gelegen. »Ich habe selbst verschiedene Gegenstände, nach
Aussagen aus jenem Kupfer gefertigt, erworben und man erzählt, daß
zwei ganz aus Kupfer bestehende große menschliche Figuren dem Ardo
Isa, früheren Herrn von Ngaundere, als Kriegsbeute in die Hände
gefallen seien.«
Im portugiesischen Westafrika werden durch Europäer die großen
Kupferminen von Pembe in Angola ausgebeutet, die ausführlich von A.
BASTIAN geschildert sind.[126]
Großartig und seit altersher bekannt ist der Kupferreichtum von
Klein-Namaqualand, wo die Kupferminen sich über einen Flächenraum
von 8000-9000 englischen Quadratmeilen ausdehnen und wo das Erz
sich nicht nur in den Schichten der Erde, sondern reichlich an der
Oberfläche findet. Zahlreiche Aktiengesellschaften beuten dasselbe
aus.
In Transvaal findet sich häufig Buntkupfererz und Kupferlehm und
es ist von Wichtigkeit zu hören, daß hier alte Gruben in Menge
vorkommen, die früher von den Kaffern ausgebeutet wurden[127],
denn keineswegs ist die Kupferindustrie in Südafrika erst durch
die Europäer eingeführt worden. Selbst die Hottentotten stellten
dieses Metall (wie das Eisen) durch Ausschmelzen der Erze mit
Holz in Gruben dar. »Sie graben, schmelzen und polieren es mit
unglaublicher Kunst und bereiten die kleinen Zieraten davon, womit
sie sich schmücken,« sagt der alte Peter Kolben.[128]
~Verbreitung des Kupfers auf dem Handelswege.~ Dieses sind die
wichtigsten Vorkommnisse des Kupfers in Afrika, soweit bekannt,
und von hier hat dasselbe sich auf dem Handelswege zu den Völkern
verbreitet, die es nicht selbst erschmelzen, wohl aber, bei
der bekannten Schmiedegeschicklichkeit der Schwarzen, gut zu
verarbeiten verstanden. Die Monbuttu in Centralafrika kannten
das Kupfer bereits, ehe sie mit den von Norden vorrückenden
Mohamedanern in Berührung kamen und ihr König besaß große Massen
davon. Es stammte aus dem südwestlichen Afrika, ja vielleicht,
wie SCHWEINFURTH vermutet, aus Angola. Doch dürften die Minen von
Katanga wohl auch hierbei in Betracht zu ziehen sein. Bei diesem
Volke sind fast alle künstlichen Zieraten aus diesem Metalle
gearbeitet, welches (außer Eisen) das einzige ihnen bekannte ist.
Am häufigsten wird es in Gestalt klafterlanger, ausgezogener und
flach geschlagener Drähte angewendet, um die Handhaben an Säbeln
und Messern, die Lanzenschäfte, Bogen etc. zu umwickeln. Von
Kupfer und Eisen sind auch die agraffenartigen Klammern, welche
zur Zier an den Holzschilden angebracht sind. Lange Halsketten von
Kupfer sieht man häufig und Kupferbeschlag fehlt weder an den aus
Büffelhaut geschnittenen Ringen, noch an den dicken Gürtelriemen.
Jeder Schmuck, an dem sich Kupfer anbringen läßt, ist damit
versehen. Vornehme bestellen sich eigens aus Kupfer geschmiedete
Prunkwaffen.[129]
Und noch weit tiefer im Innern Afrikas, bei den Wavinzu am
mittleren Congo, fand STANLEY, der als der erste Weiße zu ihnen
kam, Kupfer im Überfluß. »Es war um die Speerschäfte gewunden und
umgab in Ringen ihre Beine und Arme, die Griffe ihrer Messer,
ihre Spazierstöcke und hing in Perlenform von ihren Hälsen herab,
während schrotförmige Kügelchen desselben an ihren Haaren befestigt
waren.«[130]
Wie massenhaft Kupfer- und Messingringe oft zu Zieraten verwendet
werden, erkennt man an dem Hauptweibe des Häuptlings Sescheke am
mittleren Sambesi. LIVINGSTONE schreibt: »Sie trug achtzehn massive
fingerdicke Messingringe an jedem Bein und drei Kupferringe unter
dem Knie; neunzehn Messingringe am linken und acht Messing- und
Kupferringe am rechten Arm. Das Gewicht derselben behinderte ihr
Gehen.«[131]
~Kupferlegierungen in Afrika.~ Bei den Altägyptern hieß das
Kupfer Chomt; es erscheint wie Silber und Blei in großen
aneinandergelehnten Platten abgebildet in der Schatzkammer Ramses
III. im Tempel zu Medinet Habu. Unter den Tributgaben, welche die
Völker Syriens und Assyriens, die Rotennu, Anaukasa, Asi u. a.
Thutmosis III. bringen, wird vorzüglich auch Kupfer in rohen
Klumpen, massiv, aber nicht raffiniert, erwähnt, welches nach Tob,
d. i. Ziegeln von ca. 2 kg, gemessen wurde.
Chomt bezeichnete aber nicht bloß das Kupfer, sondern auch
die verschiedenen Mischungen von Bronze, wie sie häufig bei
der Verarbeitung zu Gefäßen, Instrumenten und kleinen Statuen
angewendet wurden. In der That bestehen viele Gegenstände in
den europäischen Museen, die hierher gehören, nicht aus reinem
Kupfer, das sich namentlich für den Guß weniger eignet, sondern
aus mannigfaltigen Legierungen, an denen man ohne Zweifel auch die
helleren Farben schätzte. Einzelne Stücke des Berliner Museums sind
von VAUGUELIN analysiert worden. Ein Spiegel, den er untersuchte,
enthielt 85% Kupfer, 14% Zinn und 1% Eisen. Wenig verschieden
sind die Kompositionen anderer Spiegel und Instrumente; ein Dolch
enthielt »wenig Zinn«. Götter, heilige Tiere, Embleme wurden aus
Bronze dargestellt. Das Berliner Museum besitzt eine besonders
interessante Bronzestatuette des Königs Ramses II. in Osirisform
von feinster Arbeit, welche hohl gegossen ist, wohl das früheste
Beispiel von Hohlguß, da sie aus dem 14. Jahrhundert vor Christus
stammt. Außerdem finden sich in den Museen noch Instrumente
aller Art, wie Sistren, Schlüssel, Löffel, Nägel, chirurgische
Instrumente; Waffen, wie Dolche, Beile, Messer, Lanzenspitzen;
ferner Spiegel, Spangen, Gefäße, namentlich heilige Schöpfgefäße
mit ihren langstieligen Löffeln, Schalen, Näpfe und vieles
andere.[132]
Was das Alter der Bronze in Ägypten betrifft, so ist sie schon in
den frühesten Zeiten konstatiert worden. Es würde genügend sein,
sich auf die im britischen Museum noch vorhandene Zwinge des
szepterartigen Stabes Pepis, eines Königs der sechsten Dynastie
(3233 v. Chr.), zu berufen. Auch hat CHABAS bereits hervorgehoben,
daß man Gegenstände aus Bronze in Texten erwähnt findet, die man
in vor der Errichtung der großen Pyramiden liegende Zeiten setzen
darf. Sehr schöne Bronzestatuetten der POSNO'schen Sammlung werden
bis in die Zeit der sechsten Dynastie zurückversetzt; sie sind, bis
auf die angesetzten Arme, im Ganzen geformt, der Guß hohl und der
Sandkern steckt noch darinnen. Im Gießen von Bronzefiguren scheint
danach Ägypten die Priorität zu behaupten.[133]
So verhält es sich mit dem thatsächlichen Vorkommen. Dem gegenüber
aber muß hervorgehoben werden, daß in den alten Inschriften Kupfer
und Kupfergerät als aus Asien stammend, von asiatischen Völkern
gebracht, erwähnt wird, was wieder auf asiatischen Ursprung der
Bronze deuten könnte, eine Ansicht, die dadurch bestärkt wird, daß
Zinn auf den ägyptischen Denkmälern nicht nachzuweisen ist, wiewohl
es, als zur Bronze dienend, den Ägyptern bekannt sein mußte.[134]
An ~Zinn~, um Bronze darzustellen, fehlt es übrigens in Afrika
nicht und es wird sogar von den Schwarzen gewonnen. »Ein sehr
ergiebiges Zinnbergwerk ist bei Rirué (in Sokoto) im Betrieb,
von wo das geförderte Metall nach Wukari und Adamaua, sowie nach
Kano und Sokoto verführt wird.«[135] Legierungen von Kupfer
und einem anderen Metall sind erst spät von Norden her zu den
Völkern am Weißen Nil gelangt, durch die Baggara, welche das
Messing den Negern jener Gegenden zuführten, die es höher als das
selbstbereitete Kupfer schätzten. Zu SCHWEINFURTH's Zeit (1870)
war das Messing erst bis zu den Djur (zwischen 9° und 12° nördl.
Br.) vorgedrungen, bei den südlicher wohnenden Völkern aber noch
ziemlich unbekannt.[136] Nirgends aber findet sich in diesen
Gegenden eine Spur, daß ihre Bewohner die Bronze gekannt oder
dargestellt hätten. Wenn LIVINGSTONE[137] erwähnt, daß er von
einem Häuptling am Südende des Tanganjikasees »zum Andenken ein
Messer aus Bronze mit elfenbeinerner Scheide« erhalten habe, so
ist dieses eine isolierte, ohne jede Analogie dastehende Äußerung,
die auf einer Verwechselung beruhen kann, und der ich keinen Wert
beilegen möchte, wenigstens insoweit es sich um die Darstellung von
Bronze bei den Eingeborenen handelt. Die Ausnahme, welche ich oben
andeutete, ist aber folgende.
Als HEINRICH LICHTENSTEIN im Anfange unseres Jahrhunderts seine
südafrikanische Reise machte, kam er auch zu den südlichen
Bedschuanenstämmen, bei denen er Ringe aus Kupferdraht, wie er
sagt, fand, die durch langes Hämmern selbst hergestellt worden
waren, wie ihm halbfertige Stücke bewiesen. Das Metall dieser
Ringe aber bestand nach einer Analyse KLAPROTH's aus 93% Kupfer
und 7% Zinn. »Da nun bis jetzt,« fügt LICHTENSTEIN hinzu, »noch
kein zinnhaltiges Mineral im südlichen Afrika gefunden worden ist,
so ist es sehr wahrscheinlich, daß diese Ringe noch weiter von
Norden herstammen und vielleicht von den Kaffervölkern auf ihren
Wanderungen von Alters her aufbewahrt worden sind.«[138]
Nach unserer jetzigen Kenntnis der Verhältnisse ist es jedoch
nicht notwendig, das letztere anzunehmen, denn Zinn kommt in
Südafrika vor, MERENSKY kennt zwei Fundstellen in Transvaal[139],
doch ist über die Darstellung des Metalles durch die Eingeborenen
noch nichts bekannt geworden und es muß die Quelle des Zinns
zu jener Bronzedarstellung noch erforscht werden. Dieses von
LICHTENSTEIN mitgeteilte Beispiel des Vorkommens von Bronze bei den
Südafrikanern ist nicht das einzige, da dieselbe auch bei den Zulu
beobachtet worden ist.
Dr. KRANZ, auf den ich mich wegen der Thatsache beziehe[140], nennt
die Legierung »Messing«, jedenfalls eine falsche Bezeichnung, da
es sich um ein Gemenge von Zinn und Kupfer handelt. Das Kupfer,
sagt er, verstehen die Zulu selbst aus den Erzen zu reduzieren
-- woher aber das Zinn stammt, darüber berichtet er kein Wort
und doch wäre dieses von größter Wichtigkeit zu erfahren. Wäre
dasselbe europäischen Ursprunges, dann würde diese Bronzebereitung
der Zulu auch keinesfalls als autochthone Kunst aufzufassen sein.
Den Prozeß selbst stellt unser Gewährsmann folgendermaßen dar:
»In einem zerbrochenen irdenen Topf als Schmelztiegel wird ein
wenig Kupfer und Zinn mitten in einem Holzkohlenfeuer geschmolzen.
Vorher werden nach Art spielender Kinder Haufen oder Häufchen von
feinem Sand gemacht und mit einem dünnen Stock Löcher in schiefer
Richtung hineingebohrt, wohinein das geschmolzene Metall nachher
gegossen wird. Die so entstandenen dünnen Messingstöcke (sic!)
werden dann mit einem kleinen Hammer auf einem Stein gehämmert und
zwischendurch wieder im Feuer erweicht, bis dieselben beinahe 3 mm
dick sind. Das eine Ende wird dann durch Reiben auf einem Steine
zugespitzt und durch die auch in Europa bekannte eiserne Platte
gezogen und immer dünner, bis der Messingdraht ungefähr wie dicker
Sattlerzwirn ist.« Genau so wird der Prozeß von dem bekannten
Missionar MOFFAT, LIVINGSTONE's Schwiegervater, geschildert. Die
Ziehplatten sind sehr roh geformt aus weichem Eisen, die Löcher
sind ungleich und so wird auch der Draht sehr unregelmäßig.[141]
~Drahtziehen und Gießen in Afrika.~ Auch südlich vom Tanganjikasee
verstehen es die Neger Kupferdraht zu ziehen, zu welchem das Kupfer
aus Katanga kommt, »indem sich die Drahtzieher zu einem Teil des
Herstellungsverfahrens eines siebenzölligen Kabels bedienen«,
was eine sehr unklare Beschreibung ist. »Sie machen sehr schönen
Draht und dieser wird hauptsächlich zu Knöchel- und Beinringen
verarbeitet.«[142]
Mit dem oben geschilderten Verfahren des Tiegelschmelzens und
Barrengießens der Zulu vor Augen, wird uns auch die nachstehende,
sonst wenig klare Schilderung LIVINGSTONE's verständlich, welche
sich auf eingewanderte, am Nordgestade des Bangweolosees wohnende
Wanjamwesi bezieht. Mit den gewöhnlichen afrikanischen Gebläsen
schmelzen sie »Stücke der großen Kupferstangen in einem Tiegel,
nahezu gefüllt mit Holzasche. Das Feuer ist angemacht inmitten
vieler Ameisenhügel, in welche Höhlungen gebrochen sind zur
Aufnahme des geschmolzenen Kupfers; beim Ausgießen des Metalls
wird der Tiegel in der Hand gehalten, die durch nasse Lumpen
geschützt ist«.[143] Letzteres, weil eine Zange in unserem Sinne
den Afrikanern unbekannt ist; was die Ameisenhügel betrifft,
so scheinen sie die Rolle zu spielen wie die oben erwähnten
Sandhäufchen der Zulu.
Zur Charakterisierung der Metallindustrie Afrikas mag hier
noch erwähnt werden, daß die Neger es im Formen und Gießen zu
einer vergleichsweisen hohen Stufe gebracht haben, wenn auch
nicht in Eisen (da sie kein Roheisen darstellen) und selten in
Kupfer, sondern in Gold. Von den Negern an der Goldküste sagt
CRUICKSHANK[144]: »Sie sind erfinderische Goldarbeiter und machen
Ringe, Ketten und Broschen, welche einem europäischen Künstler
nicht zur Unehre gereichen würden. Sie formen das Gold in jederlei
Gestalt, als Tiere, Vögel, kriechende Geschöpfe und schmücken ihre
Person mit solchen Zieraten.« Den Prozeß finden wir bei BOWDICH
geschildert, der sich auf die Bewohner von Dagwumba (Dagomba,
nördlich vom Rio Volta unter 0° L. und 9° nördl. Br.) bezieht. »Um
das Modell zu machen, streicht man Wachs über ein glattes Stück
Holz neben einem Feuer, worauf ein Topf mit Wasser steht; nun
taucht man einen hölzernen Leisten hinein und macht damit das Wachs
gehörig weich. Sie brauchen ungefähr eine Viertelstunde, um das
Modell zu einem Ringe zu machen. Ist dieses fertig, so umgiebt man
es mit einer Masse von nassem Thon und Kohle, welche man ringsherum
fest andrückt, um so die Form zu bekommen, trocknet es in der
Sonne und bringt eine Art von Trichter von derselben Masse an, der
mit dem Modell durch eine kleine Öffnung in Verbindung steht, um
das Gold hineinzugießen. Ist nun das Ganze fertig, und das Gold
sorgfältig in dem Trichter verwahrt, so wird es, der Trichter nach
unten, über ein Steinkohlen(?)feuer gehalten. Denkt man, daß das
Gold gehörig geschmolzen ist, so kehrt man das Ganze um, damit
das Gold an die Stelle des geschmolzenen Wachses hereinfließt und
bricht den Thon herunter, sobald es kühl geworden, wo dann mit dem
nicht gelungenen der ganze Prozeß noch einmal vorgenommen wird.
Um dem Golde seine eigentümliche Farbe zu geben, umgeben sie es
mit einer Lage von feingemahlenem Ocker, den sie _Inchuma_ nennen,
und tauchen es in siedendes Wasser, worin ebenfalls Ocker und
ein wenig Salz gethan wird; hierin siedet es eine halbe Stunde,
wird dann herausgenommen und sorgfältig von allem gereinigt, was
noch daran hängen könnte.«[145] Die Schilderung ist nicht ganz
klar, was an der unbeholfenen Übersetzung liegen mag. Sehr schöne
Exemplare solcher Goldgießereien aus Aschanti besitzt das Berliner
ethnographische Museum.
Gegossen scheinen auch die seltsamen Figuren gewesen zu sein,
die STANLEY in der Schatzkammer des Königs Rumanika von Karagwé
(westlich vom Victoria Nyanza) sah. Er berichtet darüber:
»Es befanden sich daselbst ungefähr sechzehn roh aus Messing
gearbeitete Figuren von Enten mit Kupferflügeln, zehn sonderbare
Dinge aus demselben Metall, welche Elenantilopen darstellen
sollten, und zehn Kühe von Kupfer ohne Kopf.«[146] Weiteres giebt
STANLEY nicht an; jedenfalls handelt es sich hier um einheimische
Arbeit, zu der das »Messing« wohl importiert sein dürfte. -- Von
den Mpongwe am Gabon sagt WILSON[147]: _They show a good deal of
mechanical ingenuity in casting copperrings._
~Verhältnis von Eisen und Kupfer. Prioritätserwägungen.~ Ist das
Kupfer in Afrika auch nicht gerade selten zu nennen, so ist seine
Darstellung im großen doch nur auf wenige Gegenden beschränkt,
von denen aus es auf dem Handelswege über den größten Teil des
Kontinentes verbreitet wird. Hofrat e Nahhas, Katanga, Angola,
Namaqualand sind diese Hauptcentren der Kupfergewinnung. Mag das
Kupfer auch im gediegenen Zustande in Afrika vorkommen, so haben
wir doch kein Zeugnis dafür, daß es in dieser Form direkt von den
Negern verarbeitet und wie bei den nordamerikanischen Indianern
als »weicher Stein« gehandhabt wird. Im Gegenteil, überall ist
die Gewinnung des Kupfers bei den Negern eine metallurgische,
durch Reduktion aus den Erzen mittels Kohlen bewirkte. Im
allgemeinen wird dieser Prozeß, soweit er uns bekannt wurde,
gerade wie derjenige der Eisengewinnung und mit den gleichen Öfen
und Instrumenten betrieben. Das Verfahren erscheint überall so
ursprünglich und in den fernsten Gegenden gleichartig, daß an eine
Entlehnung von auswärts nicht leicht gedacht werden kann.
Aus der ganz gleichen Behandlung der Kupfererze und der weichen
Brauneisensteine läßt sich eher auf eine gleichalterige Entstehung
der Kupfer- und der Eisengewinnung schließen als darauf, daß
das eine Metall vor dem anderen im Gebrauche gewesen sei. Es
deuten aber manche Umstände darauf hin, daß das Eisen in Afrika
doch früher und jedenfalls allgemeiner im Gebrauche als das
Kupfer war. Überall erscheint das Eisen durchaus urwüchsig und
Dutzende von afrikanischen Vokabularien, welche ich auf seine
Benennung durchging, zeigen echt heimische Namen. Die Geräte bei
der Darstellung sind meist ursprüngliche und in ihren primitiven
Formen auf eigene Erfindung deutend. Sind auch, wie wir gesehen
haben, »alte« Kupferwerke in Südafrika vorhanden, so fehlen doch
andererseits alte Kupfergeräte gänzlich; von Funden derselben ist
gar nichts bekannt geworden, wiewohl gerade sie -- gegenüber altem
Eisen -- sich vortrefflich erhalten. Alte Steingeräte sind aber
durch ganz Afrika nachgewiesen worden. Auf die Steinzeit dürfte
direkt die Metallzeit, eine Zeit gefolgt sein, in der ungefähr
gleichzeitig Eisen und Kupfer geschmolzen und verarbeitet wurde.
Eine besondere »Kupferperiode« vor der Eisenzeit erscheint schon
wegen der durchaus lokalen Verbreitung des Kupfers gegenüber der
ganz allgemeinen des Eisens nicht wahrscheinlich. Das Eisen wird
fast überall an Ort und Stelle gewonnen und ist in weit geringerem
Maße Handelsgegenstand als das Kupfer.
Das Kupfer dagegen findet in Afrika seine Verbreitung wesentlich
durch den Handel. Von den oben angeführten Mittelpunkten seiner
Gewinnung verbreitet es sich fast über den ganzen Kontinent,
meist aber im rohen Zustande, in Barrenform, indem die weitere
Ausarbeitung den allenthalben schmiedekundigen Völkern überlassen
bleibt, die es zu Draht ausziehen, zu den verschiedensten
Zieraten und Prunkwaffen verarbeiten, ja zu gießen verstehen,
wenn auch diese Kunst selten ist und sich zumeist auf die
Westküste beschränkt, wo sie jedoch (in Gold) anerkennenswertes
leistet. Das von Hofrat e Nahhas kommende Kupfer geht über Wadai
bis Kano, dasjenige von Katanga in Centralafrika bildet einen
höchst wichtigen Handelsartikel, der sowohl nach der Ost- als der
Westküste verführt wird. Zu LIVINGSTONE's Zeit hatten arabische
Händler in Lunda den Kupferhandel in der Hand. Ein gewisser Said
bin Habib hatte dort neben 150 Farsilahs (2625 kg) Elfenbein 300
Farsilahs (5250 kg) aus Katanga stammendes Kupfer zusammengebracht,
das weiter nach Udschidschi transportiert werden sollte. »Mit
hundert Trägern muß er vier Ablösungen haben zu einer Reise, sonst
aber die ganze Reise viermal machen.«[148] Dieses giebt eine Idee
von der verhältnismäßigen Großartigkeit des centralafrikanischen
Kupferhandels und seiner Ausdehnung.
Über die gegenseitige Wertstellung des Eisens und des Kupfers in
Afrika besitzen wir einige Andeutungen. SCHWEINFURTH[149] sagt:
»Im Verhältnis zu anderen Werten des täglichen Lebens beansprucht
das Eisen in Afrika überall einen Wert, der mindestens demjenigen
des Kupfers bei uns gleich zu achten wäre, das Kupfer daselbst
würde an Wert unserem Silber entsprechen.« LIVINGSTONE, als er in
Manjema in Centralafrika war, ließ sich durch seine Schmiede aus
Kupfer große kupferne Armbänder machen, »denn sie werden als sehr
wertvoll betrachtet und haben die eisernen Armbänder ganz aus der
Mode gebracht«.[150] In Uganda dürfen nur der König und die Großen
Speere mit Kupferspitzen tragen.[151] Und so ist es im ganzen
Kontinente ähnlich.[152]
Daß Kupfer das teurere, geschätztere Metall ist, liegt wesentlich
aber an seiner größeren Seltenheit und daran, daß es im größten
Teile des Kontinentes erst durch den Handel bezogen werden muß.
Eisen ist nur wegen seines massenhaften Vorkommens billiger in
Afrika, nicht wegen leichterer Arbeit. In dieser Beziehung mag
der Wert beider Metalle ursprünglich derselbe gewesen sein. Viel
Arbeit und wenig Produkt heißt es hier wie da. Es läßt sich hieraus
eine allgemeine Anschauung ableiten, die für unsere europäischen
Prioritätsfragen wohl nicht ohne Interesse ist. Das Eisen ist bei
uns überhaupt erst infolge der technischen Fortschritte in der
Neuzeit billig geworden, seit die kontinuierlich wirkenden Hochöfen
ein gießbares Roheisen liefern. Ursprünglich war es auch bei uns
so teuer wie Kupfer, vielleicht nicht viel billiger als Bronze.
Unter gleichen oder fast gleichen Preisverhältnissen wurde aber die
letztere, weil sie nicht rostete und eine schönere Farbe hatte, dem
Eisen vorgezogen. Dieses mag das häufigere Vorkommen von Bronze in
alten Funden, gegenüber den Eisensachen, teilweise mit erklären.
Wollte man die Darstellung des Kupfers und kupferner Geräte, das
Gießen und Formen, wie es in einzelnen Fällen für Afrika von uns
nachgewiesen wurde, für eine Art »Bronzezeit« dieses Kontinentes
im Sinne der skandinavischen Archäologen ansehen, so geben wir
zu bedenken, daß es bei dem primitiven Stande der afrikanischen
Kupferindustrie sich höchstens um einen ersten Akt, um die
Uranfänge einer solchen »Periode« handeln kann, abgesehen davon,
daß diese »Kupferzeit« höchst wahrscheinlich, ja fast sicher später
als die »Eisenzeit« auf afrikanischem Boden erscheint. Zur Annahme
einer »Bronzezeit«, repräsentiert durch die erwähnten Kupfergeräte,
können wir für Afrika aber auch darum nicht gelangen, weil jene
höhere Kultur und künstlerische Ausbildung bei den Negern fehlt,
die überall die entwickelte Bronzezeit -- sei es in Ägypten oder
China, in Mexiko oder Peru -- charakterisiert.
Fußnoten:
[118] HARTMANN, Skizze der Nilländer. Berlin 1865. 64.
[119] V. HEUGLIN im Ergänzungsheft No. 10 zu PETERMANN's
Mitteilungen. Gotha 1862. 107.
[120] SCHWEINFURTH, Im Herzen von Afrika. II. 389.
[121] Reisen in Nord- und Centralafrika. II. 159.
[122] Bulletin de la société Khédivale de Géographie No. 8. Mai
1880. 9 und 10.
[123] CAMERON, Quer durch Afrika. I. 275. II. 121. 128. -- Lux, Von
Loanda nach Kimbundu. Wien 1880. 123.
[124] DAVID LIVINGSTONE's Letzte Reise. I. 319. II. 216.
[125] Ausland. 1883. 955.
[126] San Salvador. Bremen 1859. 215.
[127] MERENSKY, Beiträge zur Kenntnis Südafrikas. Berlin 1875. 6.
[128] Beschreibung des Vorgebirges der Guten Hoffnung. Frankfurt
und Leipzig 1745. 178.
[129] SCHWEINFURTH, Im Herzen von Afrika. II. 117.
[130] STANLEY, Durch den dunklen Weltteil. II. 160.
[131] LIVINGSTONE, Exped. to the Zambesi. London 1865. 184.
[132] LEPSIUS, Die Metalle in den ägypt. Inschriften. Berlin 1871.
91-102.
[133] PERROT und CHIPIEZ, Gesch. d. Kunst im Altertum. Ägypten.
Deutsch von PIETSCHMANN. 590 ff.
[134] LEPSIUS a. a. O. 114.
[135] ROHLFS, Quer durch Afrika. II. 207.
[136] Artes africanae unter Djur.
[137] Letzte Reise. I. 237.
[138] LICHTENSTEIN, Reisen im südlichen Afrika. Berlin 1812. II.
537.
[139] Beiträge zur Kenntnis Südafrikas. Berlin 1875. 6.
[140] KRANZ, Natur- und Kulturleben der Zulus. Wiesbaden 1880. 67.
[141] WOOD, Natural History of Man. London 1868. Africa. 100.
[142] LIVINGSTONE, Letzte Reise. I. 241.
[143] LIVINGSTONE a. a. O. I. 381.
[144] Eighteen years on the Gold Coast. London 1853. II. 269.
[145] E. BOWDICH, Mission von Cape Coast Castle nach Ashantee.
Deutsch von LEIDENFROST. Weimar 1820. 415.
[146] Durch den dunklen Weltteil. I. 514.
[147] Western Africa. 304.
[148] LIVINGSTONE's Letzte Reise. I. 395.
[149] Im Herzen von Afrika. I. 228.
[150] D. LIVINGSTONE's Letzte Reise. II. 43.
[151] WILSON und FELKIN, Uganda. Deutsche Ausgabe. I. 101.
[152] LUX (Von Loanda nach Kimbundu. Wien 1880. 122) erzählt,
daß die Kalunda in Centralafrika dem Eisen unbedingt den Rang
vor dem Kupfer einräumen. Eiserne Armringe dürfe bloß der Muata
Jamwo (König) tragen, während der kupfernen sich jeder Eingeborene
bedienen dürfe. Daraus könnte man wohl schließen wollen, daß das
Eisen hier später als das Kupfer aufgetreten sei. Aber LUX war
nicht in Lunda und seine Bemerkung ist unrichtig. POGGE (Im Reiche
des Muata Jamwo. Berlin 1880. 145) sagt ausdrücklich, daß der Muata
Jamwo Kupfer- und Messingspangen trug, von Eisen ist keine Rede.
Eine Prinzessin (S. 140) trug Eisen- und Kupferringe.
Das Kupfer in Vorderindien.
~Die Steinzeit in Vorderindien.~ Auch Indien hatte seine Steinzeit.
Steinwerkzeuge, die mehr oder weniger unseren paläolithischen
Charakter tragen, sind von BRUCE FOOT beschrieben worden. Sie
sind in den Bezirken von Madras und Nord-Arcot gefunden, bestehen
aus Quarzit und wurden mehreremal in einer Tiefe von 1-3 m _in
situ_ angetroffen. Abbildungen veranschaulichen ihre ungemeine
Ähnlichkeit mit unseren europäischen. Auch bearbeitete Achate haben
sich in den Ablagerungen der Nerbada und in den Knochenlagern des
oberen Godavery gefunden, gleichalterig mit _Elephas insignis_,
_Hippopotamus palaeindicus_ etc.[153]
Deuten diese und andere ähnliche Funde auf ein hohes Alter des
Menschengeschlechtes in Vorderindien, so müssen die wörtlich zu
tausenden vorkommenden Cairns, Cromlechs, Kistvaens und verwandte
Steinbauten zum großen Teil in eine weit jüngere Periode gesetzt
werden. Die in ihnen beigesetzten Leichen sind teils in Skeletten
erhalten, teils verbrannt und in Urnen aufbewahrt. Grabbeigaben
kommen in beiden Fällen vor[154], und hier treffen wir sowohl auf
Eisen als auf Bronze, teils jedes Metall für sich, teils beide
vereinigt.
~Das Alter indischer Bronzen.~ Bei einem der Hauptvertreter
der Dreiperiodenteilung, bei WORSAAE, finden wir die Ansicht
ausgesprochen, daß Indien, das »an Kupfer und Zinn so reiche«, der
wahrscheinliche Ausgangspunkt der Bronzekultur überhaupt gewesen
sei. Bronze, ein künstlich geschaffenes Metall, mußte in einem an
Zinn und Kupfer reichen Lande wie Indien erfunden sein und von hier
aus läßt dann WORSAAE die Erfindung nach den übrigen asiatischen
Ländern und weiter nach Europa wandern. In Indien, so nimmt der
dänische Forscher an, seien zahlreiche durch Guß hergestellte
Geräte und Waffen aus Bronze von sehr primitiver Form gefunden
worden mit den Spuren einer an Ort und Stelle stattgehabten
Fabrikation.[155]
Allein die »zahlreichen« alten Bronzen, die in Indien gefunden
worden sein sollen, führt WORSAAE nicht an und wir möchten sehr
bezweifeln, daß sie überhaupt zahlreich vorhanden sind; auch
für die Wanderung der Bronzeerfindung von dem Centrum Indiens
über die halbe Welt (ja nach Neuguinea!!) giebt uns WORSAAE
keinerlei Beweise, und die zahlreichen »vielleicht«, »scheint« und
»möglicherweise« in seiner Auseinandersetzung bieten dafür keinen
Ersatz.
~Quellen des Zinnhandels.~ Zunächst ist hervorzuheben, daß
Vorderindien fast ganz entblößt von Zinn ist, ja, daß dieses
Metall seit den ältesten Zeiten dort importiert wird.[156] Es ist
nur eine Fundstätte von Zinnerzen in Ostindien bekannt, und zwar
in Mewar (Udaipur in Radschputana), zwischen der Parnassa und
ihrem Nordzuflusse Kotasari[157], und daß von dieser Stätte aus
frühzeitig ein Zinnexport stattgefunden, ja, daß die Zinnwerke
überhaupt dort früh betrieben worden seien, dafür liegt keinerlei
Anzeichen vor. Damit fällt eine der von WORSAAE angeführten
Bedingungen weg, daß gerade Indien das Mutterland der Bronze
gewesen sein soll. Was die hinterindische Halbinsel betrifft, so
ist diese allerdings eine der ergiebigsten Zinnquellen, doch erst,
wie wir sehen werden, in verhältnismäßig junger Zeit. Vorderindien
aber, das reiche Kulturland, bezog, wie historisch sich nachweisen
läßt, seinen Zinnbedarf aus dem Abendlande.
Der von einem Anonymus herrührende Periplus des erythräischen
Meeres -- höchst wahrscheinlich aus dem ersten Jahrhundert unserer
Zeitrechnung stammend -- führt an, daß zu Aualites am arabischen
Busen (Seïla an der Tadschurabai) +kassiteros oligos+ neben anderen
Waren eingeführt worden sei.[158] Dieses »wenig Zinn« soll nun,
so hat man vielfach angenommen, aus Indien gekommen sein. Schon
LASSEN[159] hatte das Zinn, welches frühzeitig im Abendlande
gebraucht wurde, aus Indien stammen lassen und dafür als Hauptgrund
angeführt, daß das homerische +kassiteros+ von dem Sanskritworte
_kastira_ stamme. Danach wären also schon zur homerischen Zeit
die Hellenen mit dem indischen Zinn vertraut gewesen. Allein
es scheint alles dafür zu sprechen, daß die Sache sich gerade
umgekehrt verhält und daß das griechische Wort mit der Sache nach
Vorderindien gewandert sei.[160] Das Zinn der Mittelmeerländer
und Vorderasiens stammte im Altertum nur aus dem phönizischen
Handel, der in den britischen und iberischen Zinnwerken seine
Quelle hatte. »Zinn aus Indien ist aber im vorderasiatischen
Handel nicht nur unerweislich, sondern es ist auch bekannt, daß
noch in jüngerer Zeit Indien kein Zinn produzierte und daß es
aus den Westländern dahin ausgeführt wurde.« MOVERS, der diesen
Ausspruch thut[161], beruft sich dabei auf PLINIUS[162], welcher,
nachdem er vom _plumbum album_ oder Zinn und vom _plumbum nigrum_
oder Blei gehandelt, schreibt: »_India neque aes neque plumbum
habet, gemmisque suis ac margaritis haec permutat._« Nun hatte
Indien allerdings Kupfer (_aes_), und wollte man danach die Stelle
bei PLINIUS anfechten und nicht gelten lassen, so liegen aus dem
bereits angeführten Periplus noch einige Stellen vor, die uns den
direkten Import von +kassiteros+ und zwar von Alexandrien, einmal
nach Kane in Arabien und zweimal nach der indischen Westküste
(Barygaza und Bakare), neben Kupfer (+chalkos+) anführen.[163] Als
phönizischer Monopolgegenstand hatte das Zinn einen hohen Wert
erreicht und wurde, wie PLINIUS uns erzählt, gegen Edelsteine und
Perlen in Vorderindien vertauscht. Dieses hätte aber nicht der Fall
sein können, wenn um jene Zeit bereits die reichen hinterindischen
Zinngruben im Betriebe gewesen wären.
Möglich, daß für Vorderasien noch eine andere Zinnquelle
von Bedeutung war, aus der vielleicht das Material zu den
altassyrischen Bronzen geflossen sein kann. STRABO erzählt von dem
am Paropamisus angesessenen Volke der Drangen, daß sie »Mangel an
Wein leiden, aber Zinn findet sich bei ihnen«.[164] Beglaubigung
erhält diese Nachricht durch das neuerdings bestätigte Vorkommen
von Zinn in Chorassan, das auf K. E. V. BAER's Anregung hin
dort von OGORODNIKOW erkundigt wurde. Zwanzig Farasangen (à 7
Werst) von der Stadt Utschan Mion Abot befinden sich reiche Lager
von Zinn, Eisen, Kupfer und sechs Farasangen von Meschhed ein
Zinnbergwerk, das sogenannte Rabotje Alokaband. Zinnerne Krüge und
Waschschüsseln, aus dem Zinn dieser Bergwerke verfertigt, sind in
Meschhed im Überfluß vorhanden.[165]
~Vorkommen indischer Bronzen.~ Wie steht es nun mit den Funden
alter indischer Bronzen? Zunächst ist hervorzuheben, daß die
typische Bronze, wie sie vom Kaukasus an und von Kleinasien bis
nach England und Skandinavien vorkommt, eine ganz bestimmte
Mischung ist, welche (kleine Schwankungen abgerechnet) durchgängig
9 Kupfer und 1 Zinn enthält, woraus auf einen gemeinsamen Ursprung
für diese abendländische Bronze geschlossen werden kann. Vielleicht
reicht diese bestimmte Bronze bis Persien[166], weiter nach Osten
ist sie aber nicht nachgewiesen, wie wir an den Analysen indischer
Bronzen sehen werden.
Alte Bronzen sind in Indien nicht häufig und es ist
charakteristisch für die wenigen Bronzefunde, daß sie mehr Schmuck-
und Luxusgegenstände, als solche zum täglichen Gebrauch, wie Messer
u. dgl., darstellen. »_Dans la péninsule indienne les instruments
en bronze sont des plus rares et l'on ne peut guére citer que la
découverte faite dans les environs de Jabalpur; les instruments
exhumés dans cette localité avaient comme composition suivant M.
Twean: cuivre 86,7; étain 13,3._«[167] Es ist dieses also eine von
unserer typischen Bronze abweichende Komposition.
Indessen liegen doch noch mehr alte Bronzefunde aus Vorderindien
vor. Im Nilgirigebirge und im Coimbatoredistrikt (Südindien)
sind Schalen und gerippte Armbänder ausgegraben worden, die
sich teilweise jetzt im königlichen Museum zu Berlin befinden
und die aus Steinkreisen jüngerer Zeit stammen. Die Armbänder
waren eine Zink-Kupferlegierung; der Zinn- und Kupfergehalt
der Schalen schwankte sehr beträchtlich (8,52; 9,45; 14,74 und
25,23% Zinn).[168] -- Bei der Stadt Hyderabad im Dominion Nizam's
befinden sich zahlreiche Gruppen von Cairns, in denen Ausgrabungen
unternommen wurden; es zeigten sich dabei zwei Glocken, die eine
aus Bronze, die andere aus Kupfer, zusammen mit Töpfergeschirr,
sowie Speer- und Pfeilspitzen.[169] Ob letztere von Eisen
oder Bronze waren, ist nicht gesagt, doch ist -- wie aus dem
nachfolgenden Funde hervorgeht -- wohl das erstere anzunehmen.
Diese Gegenstände befinden sich im Asiatic Society-Museum zu
Bombay. -- Im Jahre 1867 grub MEADOWS TAYLOR einen Cairn bei Hyat
Nugger, etwa zehn Miles südöstlich von Hyderabad, aus, dessen
Inhalt sich jetzt im Museum der Irischen Akademie befindet. Das
bemerkenswertheste Stück unter den Funden war ein Deckel, wie
es scheint zu einer Schüssel gehörig, oben mit der Figur eines
Schafes oder Hirsches geziert. Der Durchmesser betrug 25 cm und die
Wölbung erhob sich 8,5 cm über den Rand. Das Metall war gleichmäßig
25 mm stark, sorgfältig gegossen und poliert. »_This, with the
exception of a bell and a small drinking cup_ (der eben angeführte
Fall ist gemeint) _are the only bronze articles, which have been
found in the Hyderabad cairns and I found none in the cairns of
Sorapoor._« In dem gleichen Cairn wurden mehrere Exemplare von
_Turbinella pyrum_ und ein Halsband aus den gleichen Schnecken,
einiges rohe Töpfergeschirr und einige eiserne verrostete Speer-
und Pfeilspitzen gefunden.[170]
Bronze ist also selten in Indien zusammen mit Eisen und außerdem
in meist jüngeren Gräbern und von anderer Komposition als
unsere abendländische gefunden worden. Das in Indien noch jetzt
vielfach erzeugte ~Kupfer~ ist dagegen weit häufiger in alten
Grabstätten entdeckt worden. Beile, eine Lanzenspitze und Armbänder
aus diesem Metall sind bei Mainpur in den Nordwestprovinzen
ausgegraben worden; die Beile gleichen europäischen Formen und
die Lanzenspitzen zeigen Widerhaken. Ein größerer Fund von
404 Kupfergeräten und 102 Silberstücken wurde bei dem Dorfe
Gangaria im Distrikte Balaghat, Centralprovinzen, gemacht. Diese
Kupferinstrumente bestanden in langen Meißeln; die Silberstückchen
hatten als Schmuck gedient. Bei Pachumla im Distrikt Hazaribagh hat
man eine dicke Kupferaxt und in Sind einen 20 cm langen Kupfercelt
ausgegraben.[171]
Auch in früher historischer Zeit tritt uns eher Kupfer als Bronze
in Indien bei Gebrauchsgegenständen entgegen, wie denn NEARCHOS
berichtet, daß die Inder sich der Gefäße aus geschmolzenem,
nicht getriebenem Kupfer bedienten, und KLEITARCHOS, daß sie
aus demselben Metalle Tische, Sessel, Becher und Wassergefäße
verfertigten.[172]
Die Seltenheit der Bronze- und die Häufigkeit der alten
Kupfergeräte, zusammengenommen mit dem häufigen Vorkommen von
alten Eisenfunden, deuten keineswegs darauf, daß in Indien eine
Bronzezeit der Eisenzeit voranging.
~Gegenwärtige Kupfererzeugung in Indien.~ Eine zum Teil sehr
altertümliche und hochinteressante Kupferproduktion, welche in
ihrem ganzen Wesen einen primitiven Charakter trägt, hat sich
zu Chetri am Fuße der Arvaliberge in der Radschputana erhalten.
Glücklicherweise sind wir durch einen eingehenden Bericht des
Colonel J. C. BROOKE über dieselben genau unterrichtet[173], so daß
wir uns eine vollständige Vorstellung von dieser Industrie machen
können.
In den Ausläufern des Gebirges sind reiche Eisen-, Kupfer-, Alaun-
und Kobaltgruben und von den Einwohnern der 1000 bis 1500 Häuser
zählenden Stadt lebt ein großer Teil, namentlich die ärmere
Klasse, vom Bergbau und Hüttenwesen. Hindus sind in den Alaun- und
Kupfervitriolwerken thätig, während Mohamedaner in den Gruben und
Schmelzhütten arbeiten.
Die Bergwerke liegen etwa 80 m über der Ebene und die Schächte
führen in einem Winkel von 60 Grad im Zickzack, doch sehr
unregelmäßig und oft abzweigend, in die Tiefe. Manchmal sind die
Gänge so niedrig, daß ein Mann nur liegend durch dieselben gelangen
kann, oft erweitern sie sich zu Kammern, aus denen durch Raubbau
das Kupfererz gewonnen wird. Je tiefer, desto reicher sind die
Erze, doch ist denselben wegen des Wassers nicht beizukommen, denn
die Bewältigung der Wässer ist eine außerordentlich primitive. Die
Leute bilden eine Kette vom Mundloche bis zum Wasser und reichen
sich so von Hand zu Hand Thongefäße (Ghurrahs) mit dem geschöpften
Wasser oder taubem Gestein gefüllt -- ein kostspieliges und
langsames Verfahren. In einem Schachte des Kulhanwerkes fand BROOKE
27 Leute mit dieser Arbeit beschäftigt und da jeder derselben einen
Raum von etwa 2 m beherrschte, so ergiebt sich daraus die Tiefe der
Mine mit 54 m.
Diese Kupferbergwerke werden teils von den Eigentümern bearbeitet,
teils an Meistbietende versteigert. Die genannte Kulhanmine
hat sechs oder sieben Schachte, von denen jeder mit 50 bis 100
Rupien jährlich bezahlt wird; eine geringe Summe, wenn man den
großen Reichtum an oft 75% Metall haltenden Kupfererzen bedenkt.
Die Bergleute arbeiten in Abteilungen von je acht Mann. Die
Schicht dauert von früh acht Uhr bis zum Abend und in dieser Zeit
fördern sie etwa 2-1/2-3 Maunds Erz. Das Erz wird in kleinen
3 kg haltenden Körben emporgebracht und in der Stadt Chetri an
mohamedanische Borahs versteigert. Gutes schwarzes Schwefelkupfer
wird mit zehn Rupien, Pyrit mit 4-5 Rupien per Maund verkauft.
Der Borah mietet sich nun Arbeiter, die monatlich drei Rupien
erhalten und mit kleinen Hämmern das Erz zerschlagen und vom tauben
Gestein sondern. Dann wird das Erz zerstampft. Dieses geschieht
mit Ghuns, 16 kg schweren Hämmern von eigentümlicher Form, ähnlich
den Stampfen der Pflasterer. Es sind cylindrische Eisenstücke, an
welchen horizontal angebrachte Stäbe als Handhaben sitzen und die
mit beiden Händen gestoßen werden. Dabei schiebt der Arbeiter das
Erz mit den Füßen zusammen, indem er die Zehen wie Finger gebraucht.
[Illustration: Fig. 16. Kupferschmelze in Chetri. Nach BROOKE.]
Das mehremal so durchstampfte feine Erz wird nun mit Kuhmist
vermischt und in 2 cm lange Rollen geformt, die erst an der Sonne
getrocknet und dann in einem Feuer aus Kuhdünger an der offenen
Luft geröstet werden. Jetzt ist das Erz fertig zum Schmelzen. Um
den Ofen zu errichten, werden Kumhars oder Töpfer geholt. Der Ofen
ist 1 m hoch, hat 28 cm Durchmesser und besteht aus Schlacken, die
mit Thon verkittet werden. Die »Düsen« (Mündungen) der Blasebälge
werden gleich mit unten eingebaut. Diese Düsen sind irdene Röhren,
die nach dem Ofen zu dicker werden und hier ein Luftloch haben,
das mit einem nassen Lappen zugestopft ist, der von Zeit zu
Zeit herausgenommen wird, um die Düsen zu reinigen. Das andere
dünnere Ende der Düse ist mit dem Schlauchblasebalg verbunden. Die
Luftklappe der Schläuche ist durch zwei Stöcke am Ende derselben
gebildet, welche der Arbeiter öffnet, wenn der Schlauch für die
Zulassung der Luft emporgezogen wird und die er schließt, wenn
der Schlauch zur Auspressung der Luft niedergedrückt wird. Der
obere Teil des Ofens ist aus Ringen von feuerfestem Thon, etwa
25 cm hoch, gebildet. Im ganzen wendet man drei Blasebälge an; an
der vierten Seite des Ofens liegt die Öffnung desselben mit einer
Tümpelplatte aus feuerfestem Thon. Am Grunde derselben ist ein
Loch, um das geschmolzene Metall abzulassen. (Fig. 16).
Der Ofen wird täglich frisch beschickt; jede Schmelzung dauert
12-14 Stunden. Das geröstete Erz wird schichtweise mit Holzkohle in
den Ofen gethan, auch ein Zuschlag beigefügt, welcher _Rit_ genannt
wird. Letzterer besteht aus Abfall (_refuse_) von alten Eisenöfen,
der in ganzen Halden noch vorhanden ist, denn das Eisen wurde lange
vorher hier schon verarbeitet, ehe das Kupfererz entdeckt war.
Auf jede Beschickung des Ofens kommen fünf Maunds geröstetes Erz,
ebensoviel Zuschlag (_Rit_) und vier Maunds Holzkohle.
Da das erschmolzene Metall schwefelhaltig ist, muß es raffiniert
werden. Dieses geschieht dadurch, daß ein Strom erhitzter Luft
über das flüssige Metall getrieben und dieses fortwährend dabei
abgeschäumt wird. Der Luftstrom wird durch einen einzigen Blasebalg
erzeugt, welchen ein Mann aufzieht, während zwei andere ihn dann
wieder niedertreten.
So schildert BROOKE das Verfahren, aus dem wir deutlich die
beiden bei der Darstellung des Kupfers stattfindenden Prozesse
erkennen können: einmal die Niederschmelzung des rohen mit Schwefel
etc. verunreinigten Schwarzkupfers und dann dessen Raffinierung
(Garmachen), indem das letztere einem neuen Gebläsestrom ausgesetzt
wird. Dadurch erst wird das reine, gare, zur weiteren Verarbeitung
brauchbare Kupfer gewonnen. Es liegen also hier zwei Prozesse vor,
während bei der primitiven Eisengewinnung, wie wir sie bei den
Negern kennen lernten, nur ein Prozeß nöthig ist, was doch darauf
schließen läßt, daß zunächst dieses letztere Verfahren, nämlich die
Eisendarstellung bekannt sein mußte, ehe zu dem komplizierteren,
der Kupferreduktion und Raffination, Übergegangen werden konnte.
Fußnoten:
[153] LUBBOCK, Vorgeschichtliche Zeit. Jena 1874. II. 57.
[154] MEADOWS TAYLOR, On prehistoric Archaeology of India. Journ.
of the Ethnological Society. I. 157-181 (1869).
[155] WORSAAE, Vorgeschichte des Nordens. Hamburg 1878. 48 ff. und
Arch. f. Anthropol. XII. 518.
[156] CRAWFURD in Transact. Ethnolog. Soc. New Series. IV. 9.
[157] Zeitschrift für allgem. Erdkunde. I. 133.
[158] Editio FABRICIUS. Leipzig 1883. 44.
[159] Indische Altertumskunde. I. 239.
[160] Siehe die Beweise bei MOVERS, Phönizier. II. Bd. III. T. 63.
[161] A. a. O.
[162] Hist. nat. XXXIV. 48.
[163] Ed. FABRICIUS. 64. 90. 96.
[164] STRABO. 724 ed. CASAUB.
[165] V. BAER, Von wo das Zinn zu den ganz alten Bronzen gekommen
sein mag? Archiv für Anthropologie. IX. 265.
[166] VIRCHOW im Korrespondenzblatt 1883. 81.
[167] Revue d'Anthropologie. 1880. 299.
[168] JAGOR in Verhandl. Berlin. Anthropol. Ges. 1877. 206.
[169] Journ. Ethnolog. Soc. New Series. I. 169.
[170] Journ. Ethnolog. Soc. New Series. I. 176.
[171] Revue d'Anthropologie. 1880. 299 nach Proceed. Asiatic
Society of Bengal. 1870.
[172] LASSEN, Indische Altertumskunde. II. 726.
[173] The mines of Khetree in Rajpootana. Journ. Asiat. Soc.
Bengal. Calcutta 1864. 519-529. (New Series No. CXXIII).
Das Eisen in Vorderindien.
~Alte Eisenfunde in Vorderindien.~ Bei der leichten Zerstörbarkeit
des Eisens ist das häufige Vorkommen von prähistorischen
Eisenfunden in altindischen Gräbern und Steindenkmälern sehr
beachtenswert, wobei aber -- was schon bei der Bronze betont wurde
-- nicht zu übersehen ist, daß viele jener Steindenkmale jüngeren
Datums sind. Dagegen sollen die »_Korumba rings_« in Südindien aus
einer Zeit datieren, die noch vor der arischen Einwanderung in jene
Lande liegt; man hält sie für gleichalterig mit den megalithischen
Bauten Europas. Während nun letztere meist mit Bronzesachen
associiert sind, findet man bei und unter den indischen
Steindenkmälern vorzugsweise Eisengeräte. MADLICOT und BLANFORD
in ihrem Werke über die posttertiären Gebilde und das Alter des
Menschen auf der indischen Halbinsel (Kalkutta 1879) bemerken,
daß das Eisen höchstwahrscheinlich viel früher in Indien als in
Europa bearbeitet wurde[174], wofür denn auch die verhältnismäßig
zahlreichen »prähistorischen« Eisenfunde sprechen. Bereits im Jahre
1820 hat BABINGTON die pilz- oder schirmförmigen megalithischen
Denkmäler in Malabar, die man Topie-Kulls oder Pandu-Kulies
nennt, untersucht und außer Urnen darin eiserne Geräte und Waffen
verschiedener Art gefunden, darunter einen eisernen Dreifuß und
eine eiserne Lampe.[175] Ganz die gleichen eisernen Gegenstände:
Lanzenspitzen, Speerspitzen, Fragmente von Schwertern, Dreifuße und
Lampen entdeckte MEADOWS TAYLOR[176] in den alten Kistvaens von
Sorapur, zusammen mit glasierten und unglasierten Urnen. Dr. BELL,
welcher die Narkael-pulli-Cairns zwischen Hyderabad und Masulipatam
untersuchte, fand darin neben einem Skelett ein Stück Eisen.[177]
Die Tumuli in den Bergen von Oapur (Mysore bei Bangalore),
welche W. DENISON öffnete, zeigten im Innern Gräber, bedeckt mit
ungeheueren Gneisplatten (5,30 m lang, 3,50 m breit, 1,40 m dick
und 20 Tonnen wiegend!), deren Transport unerklärlich erscheint.
Sie deckten eine Steinkiste, welche im Innern irdene Tschattis
oder Töpfe enthielt, genau von der Form, wie sie jetzt noch in
jener Gegend im Gebrauch. Die Töpfe enthielten Asche und eiserne
Pfeilspitzen, in der Kiste selbst lagen die verrosteten Reste von
eisernen Schwertklingen.[178]
Noch andere Eisenfunde sind zahlreich in den Steinkreisen oder
Barrows der Centralprovinzen in der Umgegend von Nagpur gemacht
worden. »_The barrows in the Hingnah plains are countless: one
gazes on them in mute astonishment._« Die ersten dort von dem
Schotten HYSLOP und später von RIVETT-CARNAC gemachten Ausgrabungen
befinden sich im Museum zu Nagpur; es sind Bruchstücke von
Töpferwaren; kleine steinerne Wassertröge und verschiedene
Geräte aus Eisen und Stahl -- nichts von Knochen, Horn, Stein,
Feuerstein oder Bronze. Im Jahre 1867 unternahm Major G. G.
PEARSE die Ausgrabung eines dortigen Barrow, desjenigen von
Warrigaon, welcher von den Hindu mit einer mythischen Rasse von
Kuhhirten in Verbindung gebracht wird. Der Barrow hat 75 Yards
Umfang, ist eiförmig, enthält 9800 qm Erde und ist mit einem
stellenweise doppelten Kreise von 0,30-1,10 m hohen Steinen
versehen. Die Ausgrabung wurde im Centrum begonnen und hier stieß,
1,40 m unter der Oberfläche, PEARSE auf reihenweise gestellte
schwarze und braune irdene, mit der Drehscheibe hergestellte
Gefäße; die schwarzen zerfielen zu Staub, sie hatten kegelförmige
Deckel und breite Böden. Die braunen, wiewohl auch zerfallend,
waren aus dauerhafterem Material. Alle diese Gefäße hatten
eine durchaus verschiedene Form von den jetzt in jener Gegend
üblichen thönernen Ghurras. Bei dem ferneren Graben wurden gut
erhaltene, aber ebenholzschwarze Kokosnußschalen entdeckt; dann
kam in 1,60 m Tiefe und 30 cm unter den Thongefäßen das eiserne
verstählte Ende eines Pfluges zum Vorschein, ein noch jetzt bei
den Eingeborenen benutztes und unter dem Namen _Nangur ke oolie_
bekanntes Ackergerät. Noch etwas tiefer folgte das Skelett eines
starkknochigen, 1,68 m großen Menschen, von dem nur wenig erhalten
blieb. Auf der rechten Seite des Skeletts wurde eine verstählte
Pflugschar und ein anderes Stahlgerät, auf der linken verschiedene
Eisen- und Stahlgeräte gefunden, die nicht näher in unserer Quelle
beschrieben sind, sich aber im British-Museum befinden. Auf der
Brust lagen Kupfergefäße, die bei Berührung zerfielen. Auf dem
Deckel eines der 12 cm im Durchmesser haltenden Kupfergefäße
befanden sich in Hochrelief Figuren, welche Gänse, eine Schlange
und einen Vogel darstellten. Bei einem zweiten Skelette wurde eine
»Bratpfanne«, ähnlich den noch jetzt bei den dortigen Eingeborenen
gebrauchten und _Kurraie_ genannten, gefunden; ferner ein großer
goldener Ring, Löffel, Messer, Pflugenden, Spatel von Eisen und
Stahl. Auch dieses Skelett, welches gleichfalls zerfiel, hatte
ebenfalls zerbrechende Kupfergefäße auf der Brust liegen. Im Innern
eines der Kupfergefäße befand sich ein kleines Kupferornament,
geziert mit Gänsen[179]; es scheint ein Schalenhalter für eine
Öllampe gewesen zu sein, und wenn dieses der Fall, das Vorbild für
die großen Messinglampen mit Figuren aus Vögeln, die jetzt in den
Bazars der großen indischen Städte verkauft werden. PEARSE grub bis
zu 3,30 m Tiefe, ohne weitere Funde in dem Barrow zu machen.
Die Schlüsse, die PEARSE aus seiner Ausgrabung zieht, sind
folgende. Die Erbauer des Barrow waren weder Buddhisten noch
Hindu, denn sonst würden sie ihre Toten verbrannt haben. Es war
ein starkes, kräftiges Volk, welches vortrefflichen Stahl kannte,
Ackerbau trieb, Öl brannte, die Töpferscheibe kannte, Kupfer
schmolz, Tier- und andere Ornamente darstellte und wohl auch
Handel trieb, worauf die aus weiter Ferne stammenden Kokosschalen
hindeuten. Manche der aufgefundenen Geräte scheinen Vorläufer der
heute in Indien gebrauchten zu sein. Trotz der uralt erscheinenden
Bestattungsweise unter einem mit Steinen umkreisten Tumulus und der
Beigabe von Ackergeräten ist aber PEARSE wegen der Bratpfannen und
modern gestalteten Löffel doch abgeneigt, die Barrows von Nagpur
einer alten prähistorischen Rasse zuzuschreiben.[180] Und damit
thut er wohl recht, da der bis heute in Indien fortdauernde Brauch
der Errichtung von Steinpfeilern, die nicht selten vorkommende
Vereinigung uralter und sehr moderner Bräuche die größte Vorsicht
in der Altersbeurteilung derartiger Funde erheischen.
~Gegenwärtige einheimische Eisenproduktion Indiens.~ Die
systematische Durchforschung Vorderindiens, welche in der neuesten
Zeit von der Regierung angestellt wurde, hat reiche Kohlen- und
Eisenerzstätten ergeben. Das Wardhathal in den Centralprovinzen
wird als eine der reichsten Eisenerzstätten der Welt geschildert.
Ein nicht minder reicher Distrikt, Ranigunge, liegt in der Nähe
von Kalkutta; im Salemdistrikt tritt der Magneteisenstein in
meilenlangen Lagern von 15-30 m Mächtigkeit auf; ein zwei Miles
langer und eine halbe Mile breiter Berg in Lohara besteht ganz aus
Magneteisenstein und reinem Eisenglanz.
Vorderindien ist also reich an Eisenerzen, darunter ganz
vorzügliche Sorten Magneteisen und Hämatite, auch sind titanhaltige
Eisensande häufig. Auf der Weltausstellung zu London im Jahre
1862 waren indische Eisenerze und Hüttenprodukte reichlich
vertreten.[181]
In der einheimischen, uralt bodenständigen Eisenindustrie werden
Magneteisensteine, roter und brauner Glaskopf, Eisenglanz,
namentlich aber Brauneisenerze verwendet. Zur Holzkohle bedient
man sich des Teakholzes, der Akazie und besonders des Salbaumes
(_Shorea robusta_). Auch in Vorderindien ist der Schmelzprozeß die
alte Rennarbeit, die unmittelbare Gewinnung des schmiedbaren Eisens
aus dem Erze, mit niedrigen Öfen und einfachen Gebläsen betrieben,
wobei das schmiedbare Eisen, eine Mischung von Schmiedeeisen und
Stahl, als Frischstück oder Luppe erhalten wird.
Die in Indien angewandten Öfen, wiewohl einander nahe stehend,
zeigen doch lokale Verschiedenheiten und werden nach PERCY[182]
in drei verschiedene Arten eingeteilt. An der Westküste,
den westlichen Ghats, dann im Deccan und Carnatic ist die
roheste Form vorhanden, welche namentlich bei den halbwilden
Bergstämmen angewendet wird. Die anderen beiden Arten kommen in
Mittelindien und dem Nordwesten vor; es gleicht davon die eine den
catalonischen Feuern, die andere den Stücköfen Europas. Sie zeigen
gegenüber der ersten Form einen Fortschritt, namentlich was die
Produktionsfähigkeit betrifft.
In denjenigen Gegenden, wo die einfachste Methode betrieben wird,
ist an Arbeitsteilung nicht zu denken. Hier sammelt dieselbe
Familie das Erz, brennt die Holzkohle und macht das Eisen,
welches sie nachher auch in solche Artikel verarbeitet, wie
die Dorfbewohner verlangen. Oft ziehen die Schmelzer im Lande
umher und bauen da ihre Öfen, wo ein Begehr nach Eisen und Erz
und Holzkohle in genügender Menge vorhanden. Die in Orissa
gebräuchliche primitive Art ist von M. T. BLANFORD[183] mitgeteilt
worden; wir reproduzieren dieselbe hier auszugsweise. Die Form des
Ofens wird aus den Figg. 17 und 18 ersichtlich; sie ist typisch
für Niederbengalen. BLANFORD zeichnete sie im Dorfe Kunkerai,
dessen elende und schmutzige Bewohner Tamulen sind, also zu der
sogenannten Drawidarasse gehören. Die Leute ziehen von Ort zu Ort
und bleiben dort, so lange Erz und Holz vorhanden sind. Beginnen
diese zu fehlen oder ereignet sich ein böses Omen, so wandern sie
weiter und nur große Schlackenhalden zeugen von ihrer ehemaligen
Anwesenheit.
[Illustration: Fig. 17. Eisenofen in Orissa, Durchschnitt. Nach
BLANFORD.]
[Illustration: Fig. 18. Seitenansicht desselben.]
[Illustration: Fig. 19. Eisenofen in Orissa. Obere Ansicht.]
Die wesentlichen Teile des Ofens sind der cylindrische Schacht
und das Gebläse. An den oben offenen Schacht schließt sich ein
geneigter thönerner Trog (_c_ in Fig. 17-19), der zum Aufgeben
der Beschickung dient und von einem Holzgerüste getragen wird.
Dieser Trog findet sich nur in wenigen Dörfern. Der Ofen selbst
ist roh aus thonigem Sand cylindrisch oder kegelförmig mit 7 cm
dicken Wandungen, 85 cm hoch und im Durchmesser 28 cm haltend,
hergestellt. Am unteren Teil befinden sich zwei Öffnungen, eine
vorn zur Einsetzung der Form (für die Düse), aus der auch später
das schwammige Eisen herausgezogen wird und die während des Ganges
verschmiert ist; die zweite Öffnung (_b_ in Fig. 18. 19) im
rechten Winkel zur vorigen, unter der Oberfläche des Erdbodens,
mündet in einen geneigten kleinen Graben, in welchen die Schlacke
absickert; wenn letztere erstarrt ist, wird sie gelegentlich von
einem Arbeiter mit einer Zange entfernt. »Das in Orissa angewendete
Gebläse,« sagt BLANFORD, »ist sehr sinnreich und vielleicht
ökonomischer für menschliche Arbeit als irgend eine andere Form
von Handbalgen. Die Figuren 20 und 21 zeigen Durchschnitte davon,
ersterer, wie das Gefäß mit Luft gefüllt, letzterer, wie die Luft
ausgepreßt ist. Es besteht aus einem kreisförmigen Stück von hartem
Holz, meist Mangoholz, welches roh ausgehöhlt und mit einem Stück
Büffelhaut überzogen ist, in deren Mitte sich ein kleines Loch
befindet. Durch dieses Loch ist ein starker Strick gezogen, welcher
an der Innenseite des Balges mit einem Holzknebel versehen ist, um
sein Herausgleiten zu verhindern, während das andere Ende an eine
gebogene, fest im Boden neben dem Ofen befestigte Bambusstange
gebunden ist. Dies Bambusrohr wirkt als Feder und zieht den Strick
und folglich die Hautbedeckung des Balges so hoch als möglich,
während die Luft neben dem Stricke durch das Loch in den Hohlraum
tritt. Ist der Balg so gefüllt, so stellt der Arbeiter seinen
Fuß auf die Haut, schließt dabei mit der Ferse das Loch in deren
Mitte und preßt mit dem ganzen Gewichte seines Körpers die Haut
hinab und die Luft hinaus. Letztere nimmt ihren Weg durch das
Bambusrohr, welches den Balg mit der Form des Ofens in Verbindung
setzt. Zugleich zieht er den Bambusstock an derselben Seite mit
dem Arme nieder. Es sind nun zwei derartige Bälge nebeneinander
aufgestellt, welche, vermittels Bambusröhren mit derselben Form in
Verbindung gesetzt, die Luft beim Drucke des einen oder anderen
Fußes abwechselnd und ziemlich ununterbrochen in den Ofen liefern.«
[Illustration: Fig. 20. Aufgeblasener Balg in Orissa. Nach
BLANFORD.]
[Illustration: Fig. 21. Ausgepresster Balg in Orissa. Nach
demselben.]
Man wird aus dieser Schilderung BLANFORD's, sowie aus den
Abbildungen sofort die große Ähnlichkeit, ja Übereinstimmung dieses
Gebläses mit dem altägyptischen und vielen afrikanischen Gebläsen
erkennen. Die federnden Bambusstöcke sind jedoch speciell indische
Zuthat.
FORBES WATSON, der ganz ähnliche Schilderungen von dem
Eisenhüttenwesen in Katak und Dependenzen (Orissa) entwirft, giebt
an, daß namentlich die Gegend von Talchir, Dhenkanal, Pal Lahara,
Ungul und Sambhalpur reich an Eisen sei. Das rohe einheimische
Metall wird dort zu einem Anna per Seer verkauft, was etwa acht
Pfennigen per halbes Kilogramm entspricht. Nach Dr. SHORTT ist
das in jenen Gegenden verwendete Erz ein roter Oker, mit 46%
metallischem Eisen; die Holzkohle stellt man aus Sal (_Shorea
robusta_) her. Der erhaltene Eisenklumpen wird nach dem Aufbrechen
des unteren Ofenteils (bei der Form) noch glühend mit eisernen
Zangen hervorgezogen und auf einem Ambos aus Stein (seltener aus
Eisen) ausgehämmert.[184]
Eine höher entwickelte Eisenindustrie finden wir in Alwar in der
Radschputana, südwestlich von Dehli, wo jährlich über 500 Tons
gutes Eisen von den Eingeborenen dargestellt werden. Die Öfen
sind 1,10 m hoch und werden mit 13 Maunds (260 kg) Eisenerz und
elf Maunds (220 kg) Kohlen in abwechselnden Lagen beschickt. Zwei
von Kindern und Frauen bediente Blasebälge bilden das Gebläse.
Die Düse, durch welche die Luft zuströmt, ist von Thon und heißt
»Twyere«; ist sie bis auf 5 cm Länge abgeschmolzen, so ist
dieses ein Zeichen, daß das Eisen heruntergegangen ist und sich
als Klumpen (Schori) im Herde gesammelt hat. Man bricht nun den
unteren Teil des Ofens auf und der noch rotglühende »Schori« wird
mit Keilen in zwei Hälften von je 50-70 kg zerschlagen. Diese
zwei Hälften bringt man nun nochmals in einen Ofen, wo sie zur
Weißglühhitze gebracht und dann zu Stücken gehämmert werden.[185]
Anschließend an den Eisendistrikt von Alwar ist jener von Firospur
südlich von Dehli zu erwähnen. Hier wird in Gruben von 1,70 m Tiefe
der Hämatit, Bura genannt, gewonnen. Das Erz wird mit Steinen
in kleine Stückchen zerschlagen und dann in den Naudri oder
Schmelzofen gebracht. Dieser ist rund, kegelförmig, 2,5 m hoch,
oben spitz, unten weit. Er wird mit 13 Maunds Erz und 12 Maunds
Holzkohle in Wechsellagen beschickt. Jeder Ofen hat zwei Paar
Blasebälge, welche 18 Stunden lang kontinuierlich in Thätigkeit
sind. Dann wird der Prozeß eingestellt und am Boden des Ofens
finden sich drei Maunds unreines Eisen. Dieses wird nun wiederholt
erhitzt und gehämmert bis 1-1/2 Maund reines Eisen (_loha pakka_)
das Endresultat sind. Zum wiederholten Erhitzen braucht man noch
fünf Maunds Holzkohle.[186]
In Kamaon (Nordindien, am Fuße des Himalaya) benutzt man zur
Darstellung des Eisens einen niedrigen Herd von 56 cm Durchmesser
und lederne Schlauchblasebälge. SOWERBY, der diese Nachricht
giebt, meint, die Eisenindustrie sei hier unabhängig von Südindien
entstanden.[187]
[Illustration: Fig. 22. Eisengewinnung in den Khasiabergen. Nach
HOOKER.]
Wie die Gebirgsbewohner Assams sich noch durch Ursprünglichkeit
der Sitten und Gebräuche auszeichnen und bei ihnen noch
heute megalithische Male errichtet werden, so ist auch die
Eisendarstellung bei ihnen noch eine höchst primitive, wie aus
zwei vorliegenden Berichten hervorgeht.
HOOKER hat über die Eisenschmelzen im Nonkreemthale der Khasiaberge
berichtet.[188] Danach ist das von den dortigen Ureinwohnern
verhüttete Erz Eisensand, der durch Auswaschen aus einem
Granitsande gewonnen wird. Das Erz muß sehr reichlich vorhanden
sein, da das Land überall von Waschgräben durchzogen ist und einige
große Teiche nur für diesen Zweck aufgestaut sind. Das Schmelzen
wird in sehr primitiv angelegten Holzkohlenfeuern vollführt, die
ihren Wind aus kolossalen, doppelt wirkenden Bälgen erhalten.
Diese letzteren werden von je zwei Personen getreten, wie es Fig.
22 veranschaulicht. Weder Öfen noch Flußmittel werden bei der
Reduktion angewendet. Das Feuer wird an der einen Seite eines
aufrecht stehenden Steines (ähnlich einem Grabstein) angezündet.
Durch diesen geht unten ein halbrundes Loch, in welches die Düse
mündet, welche durch ein gegabeltes Bambusrohr den Wind der beiden
Bälge empfängt, die HOOKER leider nicht näher schildert. Das Erz
wird zu zweifaustgroßen Metallstücken mit runzliger Oberfläche
verblasen.
Dieselben Gebläse kommen bei einer zweiten abweichenden
Schmelzmethode zur Verwendung, die gleichfalls von den Khasias
angewendet, und von W. CRACROFT beschrieben wird.[189] »Man hat
große Rasenhütten gegen 7 m hoch und mit einem ringsum bis zur Erde
reichenden Strohdache. Das Innere von ovaler Form, 4,5 m und 6 m
den Durchmessern, ist in drei Abteilungen geteilt, deren mittlerer
der Schmelzraum ist. Zwei große Doppelbälge, deren Düsen abwärts
gehen, sind an der einen Seite dieser Abteilung aufgestellt; auf
denselben steht ein Mann, mit einem Fuß auf jedem, seinen Rücken
unterstützt durch zwei Bretter. In seiner linken Hand hält er einen
Stecken, welcher am Dach aufgehängt und mit zwei an den Bälgen
befestigten Stricken nach unten zu versehen ist. Die Bälge werden
sehr schnell durch eine schaukelnde Bewegung der Lenden und die
Gewalt des Beines bewegt. Die Düsen vereinigen sich zu einer Röhre,
welche unterhalb des Erdbodens von einer Art Windsammler zu dem
etwa 1 m davon angelegten Ofenherd läuft. Über dem Herde ist ein
mit Eisenbändern versehener Rauchfang von Pfeifenthon mit 56 cm
Durchmesser und etwa 1,70 m Höhe angebracht. Die untere Mündung
befindet sich an der von den Bälgen abliegenden Seite und die Esse
ist in entgegengesetzter Richtung geneigt, um die heiße Luft vom
Schmelzer ab und nach einer Öffnung im Dache zu führen. Rechts
von dem Gebläse und in gleicher Höhe mit dem obersten Teil des
Rauchfanges befindet sich ein Trog, welcher feuchte Holzkohle und
Eisensand enthält. Bei jeder Bewegung seines Körpers greift der
Arbeiter mit einem langen Löffel ein Stück Holzkohle und wirft es
samt dem anhängenden Eisensand durch die Esse des Ofens. Sobald
eine Masse geschmolzenen oder besser erweichten Eisens sich in dem
Herde gebildet hat, wird sie mit Zangen herausgeholt und mit einem
schweren hölzernen Schlägel auf einem großen als Amboß dienenden
Stein bearbeitet. Das Eisen wird dann in diesem Zustande in die
Ebenen hinabgesendet, teils zum Verkauf, teils zum Tausch.«
Dieses sind die wesentlichen primitiven Methoden der Eisenerzeugung
bei den Hindu, den Drawida und assamesischen Bergvölkern in
Vorderindien. Das Produkt ist für den Bedarf genügend und wohl
geeignet zu allen heimischen Geräten und Waffen. Ohne alle
mechanische Hilfsmittel, von den Bälgen abgesehen, wird es, nach
BLACKWELL, dem Mineral Viewer für Bombay, billiger dargestellt,
als es in Europa mit all seinen Maschinen der Fall ist. Freilich
besteht das indische Eisen nur aus kleinen Stäben.
~Eisendarstellung auf Ceylon.~ Eisenhaltige Erze sind auf Ceylon
vorhanden, nämlich rote und braune Eisensteine. Es wird jedoch
kein Bergbau darauf getrieben, sondern die Erze werden nach
Bedarf von der Oberfläche gesammelt und von Zeit zu Zeit auf sehr
einfache Weise ausgebracht. Doch hat diese einfache Eisenerzeugung
der Singalesen in der letzten Zeit sehr abgenommen, da das
englische eingeführte Eisen weit billiger zu stehen kommt, als das
einheimische. L. SCHMARDA hat die singalesische Eisengewinnung
in der Umgegend Radnapuras kennen gelernt und folgendermaßen
geschildert[190]: »Unter einem leichten Dache waren zwei Herde aus
Thon, ganz in der Form der hessischen Tiegel und auch nicht viel
größer. Durch eine Lehmwand waren sie von dem Gebläse, welches
höchst originell ist, getrennt. Ein hölzernes Gefäß ist mit einer
nassen Tierhaut, die in der Mitte ein Loch hat, zugebunden. Ein
dünner Baumstamm, ungefähr 5 cm dick, ist mit dem einen Ende an
einen Querbalken befestigt und hat an seinem freien Ende einen
Strick, welcher durch das Loch in die Haut geht und durch ein am
Ende befestigtes Stückchen Holz diese gespannt erhält. Für jeden
Herd sind zwei solcher Bälge nebeneinander, die nicht durch ein
Windrohr, sondern durch eine oben offene Rinne in den Grund des
Herdes münden. Die Blasebälge werden durch einen mit den Füßen
arbeitenden Mann in Bewegung gesetzt, indem er abwechselnd die
gespannte Haut niedertritt, wobei er mit seiner Fußsohle wie mit
einem Ventil die Öffnung des Balges schließt. Durch die allerdings
geringe Elastizität des dünnen Baumstammes, der aus der gebogenen
Lage in seine normale zurückzukehren strebt, wird die Haut wieder
in die gespannte Lage gebracht. Das Treten der Bälge geht rasch vor
sich und ist sehr anstrengend, daher sich die Arbeiter dabei alle
Viertelstunden ablösen. Die Zuschickung des Herdes war folgende:
Mit einer aus Palmblättern geflochtenen Schaufel werden glühende
Kohlen in den Grund des Herdes gebracht und mit einer Lage anderer
Kohlen bedeckt. Der übrige Raum wird durch eine Matte in zwei
Kammern geteilt; in die hintere werden Kohlen, in die vordere
die gerösteten Erze geschüttet; die Röstung derselben geschieht
im Freien durch Holzfeuer. Darauf wird nun angeblasen, indem der
Arbeiter bald den einen, bald den anderen Blasebalg niedertritt.
Die hintere Kammer wird mit kleinen Quantitäten Kohle fortwährend
gespeist und von Zeit zu Zeit mit einem Stück Holz durchstoßen,
um einen größeren Zug zu erzeugen. Am Ende der Feuerung, die 15
singalesische Stunden à 20 Minuten dauert, wird die Schlacke
entfernt und das Eisen bleibt als großer Klumpen im Grunde des
Herdes zurück. Die auf einmal in einen Herd gebrachte Erzmasse
enthält 20-25 kg, die gewonnene Eisenmasse 10-12 kg. Die Erze mögen
also 50-60prozentig sein. Das Eisen ist weich und gut und hat alle
Eigenschaften des Stabeisens, daher können die Schmiede es auch
unmittelbar verarbeiten.«
Der Prozeß, wie er hier geschildert wird, zeigt Ähnlichkeit mit
jenem in Orissa, namentlich ist die Art des Tretens der Blasebälge
und die Form der letzteren übereinstimmend mit dem durch BLANFORD
weiter oben beschriebenen.
~Priorität des Kupfers oder Eisens in Indien.~ Weder die heute
heimische Kupfer- und Eisengewinnung, noch die Funde aus den
vorgeschichtlichen Grabstätten in Vorderindien geben uns sichere
Antwort auf die Frage nach der Priorität des Kupfers oder des
Eisens in diesem Lande. Die Altersbestimmung der verschiedenartigen
Gräber, sowie ihre ethnographische Zuteilung in einem Lande,
das so viele Völkerstürme gesehen hat, lassen viel zu wünschen
übrig. Es bleibt somit noch die Sprache übrig, an welche die Frage
nach der Priorität und dem Alter des einen oder anderen Metalles
gerichtet werden kann. Soviel wir jetzt sagen können, ist sie noch
das relativ sicherste Auskunftsmittel, wiewohl es immer etwas
mißliches hat, daß ein einziges Wort und seine Geschichte uns für
die Aufhellung einer wichtigen kulturgeschichtlichen Thatsache
genügen sollen, für eine Thatsache, zu deren Beurteilung sonst
eine ganze Reihe von Wissenschaften herangezogen werden muß. Und
wie schwankend das Ergebnis gerade in dem hier interessierenden
Falle sein kann, darüber möge uns das nachstehende belehren: »Will
man sich,« sagt O. SCHRADER, »durch ein praktisches Beispiel davon
überzeugen, wie überaus unsicher die nur auf Etymologien beruhenden
Schlüsse über die Kultur der Indogermanen zu sein pflegen, so
stelle man sich die Urteile zusammen, welche die namhaftesten
Sprachforscher, Männer wie PICTET, SCHLEICHER, M. MÜLLER, L.
GEIGER, HEHN, BENFEY und andere, über die Bekanntschaft oder
Nichtbekanntschaft der Indogermanen mit den Metallen ausgesprochen
haben. Man wird dann finden, daß in dieser Frage nur eins sicher
ist, daß nämlich das Vorhandensein keines Metalles für die Urzeit
sicher, d. h. von allen oder den meisten Gelehrten gebilligt ist.
Alle Metalle werden, eins wie das andere, für die Urzeit behauptet
und geleugnet, obgleich doch die sprachlichen Thatsachen dieselben
sind und obgleich wir es hier nicht mit Dilettanten, sondern mit
bewährten Meistern der Sprachforschung zu thun haben.«[191]
MAX MÜLLER[192] ist dafür, daß in Indien das Kupfer resp. die
Bronze vor dem Eisen bekannt war. Im Sanskrit nämlich bedeutet
_ayas_, welches mit lateinisch _aes_ und gothisch _aiz_ dasselbe
Wort ist, ausschließlich Eisen. MÜLLER vermutet jedoch, daß auch
im Sanskrit _ayas_ ursprünglich Metall (= Kupfer) bedeutete und
daß diese Bedeutung von _ayas_ verändert und spezialisiert wurde,
als das Eisen an die Stelle des Kupfers trat. In Athara-Veda- und
Vajasaneyi-sanhita-Stellen wird ein Unterschied zwischen _syamam
ayas_, dunkelbraunem Metall, und _lohitam ayas_, glänzendem Metall,
gemacht, indem das erstere Kupfer, das letztere Eisen bedeutet.
Das Fleisch eines Tieres wird mit dem Kupfer, sein Blut mit dem
Eisen verglichen. »Dies zeigt, daß die ausschließliche Bedeutung
Eisen für _ayas_ erst später sich festsetzte und macht es mehr als
wahrscheinlich, daß die Hindu, wie die Römer und Deutschen, dem
Worte _ayas_ (_aes_ und _aiz_) ursprünglich die Bedeutung Metall
_par excellence_, d. i. Kupfer, beilegten.«[193]
So läßt sich also Eisen in Vorderindien gegen den Ausgang
der vedischen Periode mit Sicherheit nachweisen, dann aber
ist auch sein weitgehender Gebrauch durch die litterarischen
Quellen bestätigt. Es wird in den Vedas häufig und wie ein ganz
gewöhnlicher Gegenstand erwähnt und es scheint auch, daß die Inder
zuerst den Stahl darzustellen verstanden. Der Name des sehr frühe
bekannten Stahles Wutz (Wootz) ist aus dem Sanskrit _vadschra_,
Diamant und Donnerkeil, entstanden.[194] Bekannt ist, daß PORUS dem
ALEXANDER 15 kg Stahl, als das beste Geschenk, das er zu bieten
vermochte, übergab.[195] Wir lesen in den Vedas von Panzern aus
Eisenstahl, von glänzenden Lanzen und Helmen, von Schwertern und
Speeren, von Pfeilen mit Stahlspitzen, kurz wir sehen hier das
Eisen vor 3000 Jahren in verschiedenen Formen allgemein angewendet.
Neben der Erzeugung im eigenen Lande läßt sich auch in den ältesten
Zeiten Import und Export von Eisen in Indien nachweisen. Mit den
nördlichen Ländern stand Indien frühzeitig in regem Verkehr. Auf
dem Wege über Khotan erhielten die Inder aus dem oberen Gebiete
des Jaxartes und aus Baktrien Seide und seidene Zeuge, Gold,
Edelsteine, Pferde, Esel, Felle und Eisenwaren, trotzdem sie nicht
nur selbst vortreffliches Eisen besaßen, sondern frühe die Kunst,
es zu verarbeiten, ausgebildet hatten. Von Khotan berichten die
Chinesen, daß seine Bewohner es verstanden, das Eisen zu gießen;
ein Schreibzeug aus blauem Eisen wurde von einem Beherrscher des
Landes einem ihrer Kaiser zugesandt.[196] Auch im Mahabharata,
in dem aber Eisen selten erwähnt wird, ist die Rede von eisernen
Pfeilen (_naraka_), die aus den östlichen Ländern nach Indien
importiert wurden.[197] Vom Export vortrefflicher eiserner
Schwerter nach den westlichen Ländern hören wir beim Ktesias
(400 v. Chr.); in seiner bekannten Weise berichtet er, daß jene
Schwerter, in die Erde gepflanzt, Gewölk, Hagel und Blitzstrahlen
abwendeten und daß das Eisen dazu aus einem tiefen Brunnen
geschöpft werde, der sich jedes Jahr mit flüssigem Golde füllte etc.
~Eisenbenutzung auf den Andamanen.~ Im Anhange zu Indien möge
hier der Behandlungsweise des Eisens auf den Andamaneninseln im
bengalischen Busen gedacht werden. Irgendwelche metallurgische
Kenntnisse besitzen die Eingeborenen, die sogenannten Mincopies,
welche man mit den Negritos zusammengestellt hat, nicht. Noch
in der Mitte unseres Jahrhunderts verharrten sie völlig im
Steinzeitalter und bedienten sich zur Herstellung ihrer Messer und
sonstiger Geräte des Quarzes. Ihr Eisen haben sie zunächst durch
Schiffbrüche und dann mit Gründung der englischen Strafkolonie
(1784) erhalten, doch wurde es kaum benutzt und Quarzinstrumente
blieben bis auf unsere Tage im Gebrauch. Auch jetzt verstehen die
Eingeborenen noch nicht, es zu schmieden, sondern sie behandeln
dasselbe ganz wie den Stein, d. h. sie hämmern es mit Steinen zu
Pfeilspitzen und schleifen es zu Messern.[198]
Fußnoten:
[174] Revue d'Anthropologie. 1880. 299.
[175] Journ. Ethnol. Soc. New Series. I. 160 und 178 nach Transact.
Literary Soc. of Bombay. 1820. vol. III.
[176] A. a. O. I. 160.
[177] A. a. O. I. 170.
[178] Journ. Ethnolog. Soc. New Series. I. 198 (1869).
[179] »_The goose_,« sagt PEARSE, »_was sacred to the early
Buddhists of India; but it is not therefore necessary to be
inferred that this barrow was erected over Buddhists. The contra
argument is just as probable, viz. that when Buddhism arose in
India the goose was then venerated._«
[180] On the excavation of a large raised Stone Circle near
Wurreegaon. Journ. Ethnolog. Soc. New Series. I. 207-217.
[181] FORBES WATSON, A classified and descriptive catalogue of the
Indian Departement (London 1862) No. 16-123.
[182] Die Metallurgie. Deutsch von KNAPP und WEDDING. II. 490 ff.
[183] Bei PERCY a. a. O. II. 493.
[184] FORBES WATSON a. a. O. 5 unter No. 96.
[185] POWLETT, Gazetteer of Ulwur. London 1878. 81.
[186] POWELL, Economic Products of the Punjab. Roorkee 1868. I. 2.
[187] The Annals of Indian Administration. Serampore 1860. IV. 69.
[188] Himalayan Journals. London 1854. II. 310. Citiert bei PERCY
a. a. O. II. 501.
[189] Smelting of iron in the Kasya-Hills. Journal of the Asiatic
Soc. of Bengal. 1832. I. 150. Citiert bei PERCY a. a. O. II. 502.
[190] LUDWIG K. SCHMARDA's Reise um die Erde. Braunschweig 1861.
421 bis 424.
[191] O. SCHRADER, Sprachvergleichung und Urgeschichte. 208.
[192] Vorlesungen über die Wissenschaft der Sprache. Leipzig 1866.
I. 220.
[193] Vergl. auch O. SCHRADER, Sprachvergleichung und Urgeschichte.
266, nach welchem Kupfer, nach den sprachlichen Beweisen zu
schließen, bereits in der proethnischen Epoche der gesamten
europäisch-asiatischen Menschheit bekannt war.
[194] LASSEN, Indische Altertumskunde. I. 238.
[195] Stahlfabrikation wird in Indien auch jetzt noch vielfach
erwähnt, selbst auf Ceylon, bei Ballangodde in der Gegend von
Radnapura wird Gußstahl, in kurze Thonröhren gegossen, dargestellt
(SCHMARDA's Reise um die Erde. I. 424). Wie dieser und andere
Stahlsorten indessen genauer beschaffen sind, ist bei dem jetzt
nach seinen Grenzen hin flüssig gewordenen Begriffe des Stahl,
nicht näher zu sagen. Erwähnenswert ist noch folgendes Urteil
POWELL's (Economic products of the Punjab. Roorkee 1868. I. 1):
»_Nowhere within British Territory_ (Indiens) _is indigenous steel
procurable, at all events such steel as would be of any use in the
finer classes of manufacture. The cutlery of Nizambad and Gujrat is
exclusively manufactured with imported steel, while the interior
kinds are not steel at all, but merely polished iron._«
[196] LASSEN II. 566. 567. RITTER, Asien. V. 645. 737. 746.
[197] LASSEN II. 550.
[198] LANE FOX in Journ. Anthropol. Institut. VII. 443. -- A. DE
ROEPSTORFF in Zeitschrift d. Ges. f. Erdkunde zu Berlin. 1879. 11.
Die Zigeuner als Metallarbeiter.
Es ist als ob wir das Seitenstück zu den Schmieden Afrikas kennen
lernten, wenn wir die Beschreibungen der Schmiede Indiens lesen;
beide stehen auf derselben primitiven Stufe. SONNERAT schreibt:
»Der (indische) Schmied führt sein Werkzeug, seine Schmiede und
seine Esse stets mit sich und arbeitet überall, wo man ihn brauchen
will. Die Schmiede richtet er vor dem Hause desjenigen auf, der
ihn berufen hat. Aus zerriebener Erde führt er eine kleine Mauer
auf, vor der er seinen Herd anlegt: hinter dieser Mauer sind zwei
lederne Blasebälge angebracht, die sein Lehrbursche wechselweise
drückt und damit das Feuer anbläßt. Statt des Amboßes nimmt er
einen Stein und sein ganzes Werkzeug besteht in einer Zange, einem
Hammer, einem Schlägel und einer Feile.«[199]
Und so wie diese indischen Schmiede, so sind ihre Abkömmlinge,
wenn man so sagen darf, unsere Zigeuner noch heute; sie ragen mit
der Art und Weise ihres Schmiedebetriebes als ein Überlebsel in
unsere Zeit herein, merkwürdig konservativ, unverändert durch die
umgebende Kultur und unbeleckt davon. Überall in Europa betreibt
der Zigeunerschmied noch heute ~sitzend~ sein Gewerbe[200], das
Handwerkszeug ist bei allen das nämliche, höchst einfache, doch
sind oft schon an die Stelle der Lederschläuche zwei europäische
alternierend benutzte Handblasebälge getreten. »Unter allen
Nahrungsarten der Zigeuner,« sagt GRELLMANN, »ist Schlosser-
und Schmiedearbeit die gemeinste, so daß man ein ungarisches
Sprichwort hat: soviel Zigeuner, soviel Schmiede, und bereits in
einer Urkunde des ungarischen Königs Ladislaus vom Jahre 1496
werden Zigeunerschmiede erwähnt. Große, schwere Dinge schmieden sie
nicht, sondern nur Kleinigkeiten: Hufeisen, Ringe, Maultrommeln,
Nägel, Messer.« Nirgends schmelzen die Zigeuner das Eisen aus,
sondern sie verarbeiten nur altes, bereits vorhandenes. »Ihr Amboß
ist ein Stein und was sie weiter gebrauchen, besteht in ein Paar
Handbälgen, einer Zange, einem Hammer, Schraubstock und einer
Feile.« Kohlen brennen sie selbst in kleinen Meilern. »Er schmiedet
nicht stehend, sondern sitzt dabei mit übereinandergeschlagenen
Beinen auf der Erde; und das darum, weil sowohl die Einrichtung
seiner Werkstatt, als seine Gewohnheit diese Stellung erfordert.
Sein Weib sitzt ihm zur Seite und bewegt die Blasebälge.«[201]
Die Zigeuner außereuropäischer Länder sind gleichfalls Schmiede
in der angegebenen Weise; so z. B. die persischen (Kauli oder
Karatschi genannt), welche außer dem Schmiedehandwerk und
der Verfertigung schöner Ketten sich auf das Verzieren der
Gerätschaften verstehen.[202]
Auch Schmelzöfen verstehen die europäischen Zigeuner in höchst
ursprünglicher Weise herzustellen, wenigstens ist dieses von
SIMSON[203] für die schottischen Zigeuner in Tweeddale und
Clydesdale dargethan worden. Die Art, wie sie Eisen zu Pflugscharen
und Bügeleisen aus solchen Öfen gießen, ist höchst einfach.
Der Stamm wählt sich einen geschützten Ort, wo er aus Steinen,
Rasenstücken und Thon einen runden Ofen von 80 cm Höhe und 40 cm
Durchmesser herstellt, der auf der Außenseite bis oben hin
sorgfältig mit einem Mörtel aus Thon verkleidet wird. Am Boden wird
die Erde im Ofen etwas ausgehöhlt, um ihm größere Tiefe zu geben;
dann wird er mit Kohlen oder verkohltem Torfe gefüllt und das
Eisen, welches umgeschmolzen werden soll, in kleinen Stücken oben
aufgegeben. Unten ist eine Öffnung gelassen, groß genug, um einen
auf der Innenseite mit Thon ausgeschlagenen eisernen Schöpflöffel
einzuführen. Durch eine andere kleine, wenig über dem Boden
angelegte Öffnung wird die nötige Luft mit einem großen, von einem
Weibe bedienten Handblasebalg gegeben. Schmilzt das Eisen nieder,
so wird es unten in dem Schöpflöffel aufgefangen und in die bereit
gehaltenen Sandformen gegossen. SIMSON sagt ausdrücklich, daß mit
Eisen (_iron_) beschickt wird, doch ließe sich aus leichtflüssigen
Erzen gerade so gut auf solche Weise das Metall herstellen, wenn
auch nicht zum Gießen. Ob der Prozeß ein ursprünglicher bei diesen
Zigeunern oder nur ein abgelernter ist, kann nicht mehr entschieden
werden; wohl letzteres.
Eisenschmiede, Wahrsager und Musikanten sind die Zigeuner
überall; mit dem Kupfer befaßt sich aber nur eine bestimmte
Gruppe derselben in Südosteuropa, es sind dieses die (rumänisch)
Calderari genannten, also Keßler, welche von der Türkei und unteren
Donau durch Siebenbürgen und Ungarn bis zu den Karpaten und nach
Böhmen kommen. Auch das Verzinnen verstehen sie und die damit
Beschäftigten nennt man in Rumänien Spoïtori, ein Wort, dem wohl
das deutsche »Spiauter« zu Grunde liegt. Daß sie Goldwäscher (in
Siebenbürgen, der Walachei) und auch Goldschmiede sind, ist bekannt.
Von einer Gruppe kleinasiatischer Zigeuner, den Malkotsch, sagt
PASPATI[204], daß sie meistens Christen seien und sowohl in Eisen
als in Bronze zu arbeiten verständen. P. BATAILLARD, einer der
größten Kenner der Zigeuner, hat diese Notiz aufgegriffen und,
unterstützt von einigen Scheingründen, sie weiter dahin ausgebaut,
daß die Zigeuner dasjenige Volk waren, welches in Europa die Bronze
einführte. Indien allein habe Kupfer und Zinn gemeinsam, dort wäre
die Bronze entdeckt und von zigeunerischen _Commis voyageurs_ über
Europa verbreitet worden. Um diese Ansicht durchführen zu können,
läßt BATAILLARD die Zigeuner seit Urzeiten in Europa auftreten;
für ihn ist es keinem Zweifel unterworfen, daß sie die Sigynen des
Herodot sind etc.[205]
Andere Gründe -- als etwa noch die Kleinheit der Zigeunerhände
und die auf kleine Hände deutenden Griffe der Bronzeschwerter --
weiß BATAILLARD nicht beizubringen und er muß ebenso wie jene
auf Abwege geraten, welche die Bronze, wie die Metalltechnik
überhaupt, aus einer einzigen Quelle abzuleiten und mit Hilfe
von Wandervölkern über den Globus verbreiten wollen, statt einen
gesunden Polygenismus auch auf diesem Gebiete anzunehmen. Ob etwa
unsere Bronzen in ihrem Stil mit indischen übereinstimmen, an eine
so untergeordnete Frage hat der sonst hochverdiente Forscher nicht
gedacht und seine Hypothese dürfte wohl kaum zu erwähnen gewesen
sein, wenn nicht im Verfolge derselben die interessante Thatsache
zu Tage getreten wäre, daß es auch noch in Europa Zigeuner giebt,
die in Bronze arbeiten.
Wir verdanken diese Entdeckung dem verdienten polnischen
Anthropologen J. KOPERNICKI, welcher zigeunerische Gelbgießer im
südöstlichen Galizien an der Grenze der Bukowina auffand und ihre
Technik studierte.[206] Man nennt sie Zlotari (Plural von Zlotar,
vom slavischen _zloto_, Gold), Goldarbeiter, oder Dzvonkari (von
_dzvon_, Glocke), Glockengießer, weil sie Glocken von verschiedener
Größe für das Weidevieh gießen. Ferner stellen sie aus Bronze oder
Messing die Beile her, welche von den Ruthenen an ihren Stöcken
getragen werden, Buckeln für Gürtel, Agraffen, kleine Kreuze,
mit denen Bauermädchen am Halse sich schmücken, nadelförmige
Pfeifenräumer u. dgl. Waffen fabrizieren sie nicht, ja es fehlen in
ihrer Sprache die Namen dafür. Die Hauptsitze der zigeunerischen
Gelbgießer sind Hlinnitza am rechten Ufer des Pruth und Sadogora
bei Czernowitz. Im ersteren Orte hat KOPERNICKI sie besucht und sie
bei der Arbeit gesehen.
[Illustration: Fig. 23. Blasebalg der Zlotars. Nach KOPERNICKI.]
Zur Fabrikation benutzen sie, wie erwähnt, Bronze (_tscharkom_)
und Messing (_galbeni tscharkom_), sowie Packfong. Die Bronze
wird ausschließlich zu den Glocken verwendet. In ihrer Sprache
besitzen sie Ausdrücke für schmelzen (_te bilbel_ oder _te
bilarel_) und gießen (_te sorel_); benutzt wird altes Messing,
das sie umschmelzen und dem sie nach Bedarf Kupfer (_tscharkom_)
oder Zinn (_artschitsch_) zusetzen; Zink (_sperton_, Lehnwort)
wird wenig benutzt, dagegen ist Borax (_poroska_, also Lehnwort)
ihnen unentbehrlich. Alle diese Materialien kaufen sie in kleinen
Städten. Ihre Geräte und Werkzeuge bestehen in Graphittiegeln
(_kutschi_) und Blasebälgen (_pischod_), welche letztere nach der
Beschreibung und Abbildung (Fig. 23), die KOPERNICKI giebt, eine
durchaus altertümliche und mit der indischen übereinstimmende
Form haben. Dieser Blasebalg dient zugleich, wenn die Zlotari
ihr Gewerbe an einem anderen Orte ausüben wollen, als Reisesack.
»Dieser Sack,« berichtet KOPERNICKI, »besteht aus einem einzigen
Stücke: man zieht ein Kalb oder einen Hammel ab, indem man einen
Rundschnitt um den Körper gerade hinter den Achseln macht.[207]
Ohne die Haut zu verletzen, zieht man das Fell bis zu den Knieen
und soweit als möglich bis zum Schwanze ab. Nachdem dies Fell
so gut es angeht, gegerbt worden, um es geschmeidig zu machen,
verschließt man hermetisch die beiden Öffnungen am Eingange
der Beine, welche nun zwei seitliche Anhängsel (~cc~) bilden,
setzt eine Röhre an der Stelle des Schwanzes ein und bringt zwei
Stäbe (~bb~) am Eingange des Sackes an -- und der Blasebalg ist
fertig.« Die absolute Übereinstimmung dieses Blasebalges mit
verschiedenen in Afrika und Indien benutzten liegt auf der Hand;
er ist uraltes Besitztum dieser Zigeuner und, wie ich glaube, fast
das einzige bei dem Prozesse der Zlotari gebrauchte ursprüngliche
Stück. Was aber dann KOPERNICKI uns über das Formen und Gießen
berichtet, stimmt zugleich mit den in allen europäischen Gießereien
beobachteten Methoden überein; namentlich tragen die sogenannten
Gußkästen durchaus den Charakter wie in unseren Fabriken und
die dargestellten Glocken und Christusbilder etc. zeigen ganz
offenbar entlehnte Gestaltung. Hier ist nichts ursprünglich
zigeunerisches[208]; echt dagegen ist wieder, daß der Zlotar
sitzend arbeitet, wie dieses schon von den Zigeunerschmieden
hervorgehoben wurde.
Es ist wohl zu beachten, daß die (deutschen) Zigeuner die Metalle
vom Standpunkte des Eisens aus benennen. Eisen, _saster_, ist aus
dem Sanskrit _çastra_, einer späten Bezeichnung für dieses Metall,
entstanden; Kupfer ist ihnen _lolo saster_, rotes, und Messing
_dscheldo saster_, gelbes Eisen. Danach wäre ihnen das Eisen am
frühesten und ursprünglich bekannt gewesen. Kupfer und Messing
haben sie wohl erst in Europa kennen gelernt.
Fußnoten:
[199] SONNERAT, Reise nach Ostindien, citiert bei GRELLMANN, Die
Zigeuner. Göttingen 1787. 323.
[200] Siehe die Abbildungen bosnischer Zigeunerschmiede Tour du
Monde 1870. I. 284 und kaukasischer daselbst 1868. I. 189.
[201] GRELLMANN a. a. O. 80-84.
[202] POLAK, Persien. I. 33.
[203] History of the Gipsies. London 1865. 234.
[204] Les Tschinghianés de l'empire ottoman. 346.
[205] BATAILLARD, Sur les origines des Bohémiens und Les Tsiganes
de l'âge du bronze. Bullet. soc. d'Anthropol. 1875. 546 und 563.
[206] KOPERNICKI's ausführlicher Bericht ist mitgeteilt und mit
Bemerkungen versehen von BATAILLARD unter dem Titel Les Zlotars,
dits aussi Dzvonkars in Mém. soc. d'Anthropol. Deuxième serie. I.
499-566 und Tafel 17.
[207] Wie unser deutsches Wort »Balg« in Blasebalg bezeugt, sind
diese Instrumente bei uns auch ursprünglich nichts anderes gewesen
als die abgezogenen Tierhäute. Und so ist es auch im Russischen, wo
auch das Wort für Haut (_mjech_) dieses Gerät bezeichnet.
[208] KOPERNICKI führt die einfachen, wertvollen Thatsachen an. --
Die unhaltbare Hypothese von der Einführung der Bronze in Europa
durch die Zigeuner ist lediglich BATAILLARD's Eigentum.
Die Metallurgie der Malayen.
~Malayische Eisenbereitung.~ Die Malayen und ihnen nahe stehende
Völker sind seit sehr alter Zeit mit der Eisenschmelzung vertraut
gewesen, wie sie denn überhaupt vortreffliche Metallarbeiter sind.
Einheimischen, malayischen Ursprunges, sind die Bezeichnungen für
Gold, Eisen und Zinn in den verschiedenen Idiomen dieser Rasse, so
daß man annehmen kann, die Darstellung dieser Metalle entstamme
ursprünglich heimischer Kenntnis. Silber, Bronze und Kupfer dagegen
werden mit Sanskritnamen auf den ostasiatischen Inseln bezeichnet,
was auf Einführung dieser beiden Metalle aus Indien deutet. Doch
giebt es auf Sumatra eine heimische Bezeichnung für Kupfer, nicht
aber auf den übrigen Eilanden.[209] Die Einführung jener Metalle
aber darf in die Zeit gesetzt werden, als von Indien aus der
Brahmanismus nach Java vordrang und dort seine riesigen Tempel
errichtete, in deren Ruinen man wohl Götzenbilder, Opferschalen
etc. aus Bronze, aber keinerlei schneidende Werkzeuge und Geräte
aus dieser Legierung fand, weil letztere wohl bereits aus dem
heimischen Eisen von den Eingeborenen verfertigt worden waren.
Alles deutet darauf hin, daß Eisen früher als Bronze im malayischen
Archipel bekannt und gebraucht wurde.
Bei den verschiedenen malayischen Völkern, zumal den Javanen, gilt
das Handwerk eines Schmiedes als ein höchst ehrenvolles; in der
alten Geschichte werden die Schmiede als hoch im Ansehen stehend
und reich mit Ländereien belohnt erwähnt. So schon im elften
Jahrhundert, zur Zeit des Reiches Pajajaran, nach dessen Verfalle
800 Schmiedefamilien sich in das Reich Majapahit wandten. Nach
dessen Zerstörung im 15. Jahrhundert zerstreuten sich die Schmiede
über ganz Java, wo sie heute unter dem Namen _pandi_ bekannt sind.
Die charakteristischen malayischen Gebläse, welche wir gleich näher
schildern werden, waren in jener Zeit schon im Gebrauche, wie die
Steinskulpturen in den alten Ruinen von Suku beweisen, auf denen
die Gebläse dargestellt sind.[210] Für das hohe Ansehen, in welchem
die Schmiede standen, spricht das Wort _pandi_, welches zugleich
den kundigen und gelehrten Mann bedeutet, entstanden wohl durch
die Wertschätzung, welche man dem Eisen beilegte, als es noch neu
war. Diese Schätzung hat sich lange erhalten, da bis in unsere Tage
das Eisen vielfach Geld und Wertmesser in den malayischen Ländern
blieb. In Bruni (Borneo) liefen in der Mitte unseres Jahrhunderts
neben Shirtingstreifen noch zolllange Eisenstückchen (englischen
Ursprunges) um, die jetzt aber durch englische und chinesische
Kupfermünzen ersetzt sind.[211]
In der malayischen und javanischen Sprache stimmen die Wörter für
Eisen, Amboß, Hammer, Zange, Feile, Meißel, Messer, Dolch, Schwert
überein; dieselben sind auch bei den Dajaks von Borneo gebräuchlich
und vereinzelt bis zu den Philippinen mit der malayischen Invasion
vorgedrungen.[212] Alle Mythen und Traditionen der malayischen
Völker deuten auf die Halbinsel Malakka und die Insel Sumatra
als Ausgangspunkt ihrer Rasse und da nun Sumatra sehr reich an
Eisen ist und alte Eisenschmelzen dort wiederholt, so in der
Nähe des Merapi, gefunden worden sind, auch die Eisenindustrie
dort eine alt bodenständige ist, so kann man annehmen, daß von
hier aus dieselbe sich über die Inselwelt verbreitete und zwar
bis Neuguinea im Osten, bis zu den Philippinen im Norden und
Madagaskar im Westen.[213] Es giebt für den Zusammenhang und den
gemeinschaftlichen Ursprung der Eisenindustrie innerhalb des eben
bezeichneten Raumes ein untrügliches Kennzeichen, nämlich die Art
der eigentümlichen angewandten Gebläse, welche eine Doppelpumpe
mit Stempeln darstellen, die entweder aus zwei Bambusröhren oder
zwei ausgehöhlten Baumstämmen besteht und die wir überall in den
nachfolgenden Einzelschilderungen wiedertreffen werden.
Die Eingeborenen Sumatras bedienen sich bei ihren Schmiedearbeiten
des Holzkohlenfeuers. Die Gebläse schildert MARSDEN[214]
folgendermaßen: »Zwei Bambus, etwa 10 cm im Durchmesser und 1,5 m
lang, stehen senkrecht neben dem Feuer und sind oben offen, unten
aber verstopft. Ungefähr 3-5 cm vom Boden wird in jedes ein kleines
Stück Bambus eingesetzt, welches auf das Feuer zugeht und die
Stelle der Nase vertritt. Um einen Luftstrom zu bekommen, werden
Bündel von Federn oder anderen weichen Körpern an langen Stielen
in den senkrechten Röhren auf- und niedergestoßen, wie der Stempel
in einer Pumpe. Wenn sie niederwärts gestoßen werden, so treiben
sie die Luft durch die kleinen horizontalen Röhren und da jede
derselben wechselweise auf- und niedergestoßen wird, so wird ein
beständiger Wind erhalten. Es wird dies gemeiniglich von einem
Knaben verrichtet, welcher auf einem erhöhten Gestell steht.«
Völlig gleich diesen Gebläsen, oder nur in kleinen Einzelheiten
abweichend, sind jene, welche von den Dajaks, den Eingeborenen
Borneos, benutzt werden und deren auf die einfachste Weise
hergestelltes stahlartiges Eisen _is preferred to that of European
make_.[215] Während in Sawarak der Stamm der Kayan als der
erfahrenste im Eisenschmelzen gilt, haben diesen Ruf im Südosten
die Bewohner des Distrikts Dusun Ulu, welche nach SCHWANER's
Bericht Thoneisensteine der Braunkohlenformation verhütten. Die
cylindrischen Schmelzöfen werden über einem Holzkern in einer
Form aus Rinde von Thon gestampft; sie sind 90 cm hoch und rings
von Bambusstreifen zusammengehalten. Das Innere ist gleichmäßig
cylindrisch, der Herd aber rechteckig, 40 cm breit, 60 cm lang und
20 cm tief.
Jeder Ofen hat ein oder mehrere Öffnungen mit Thonformen für den
Wind und eine für den Schlackenabfluß. Der Wind wird vom Boden
des Cylinders durch Bambusröhren zu den Formen geführt. Die Art,
wie der Gebläsestempel in Bewegung gesetzt wird, ist aus der
Abbildung Fig. 24 ersichtlich. Das Erz wird vor dem Aufgeben mit
Holz geröstet, in kleine Stücken zerschlagen, mit der zehnfachen
Menge Holzkohlen gemischt und so in den bereits zu zwei Dritteln
mit Holzkohlen gefüllten Ofen gebracht. Das Gebläse wird dann mit
40 Hüben pro Minute angelassen. Die Schlacken sticht man von 20 zu
20 Minuten ab und unterbricht währenddem den Wind. Gegen Ende der
Operation steigert man den Wind. Es resultiert schließlich eine
Eisenluppe von 45 kg. Dieselbe wird am Boden des Ofen vermittels
hölzerner Zangen herausgeholt und mit hölzernen Schlägeln
bearbeitet. An einem solchen Stück arbeiten vier Mann einen Tag
lang. Sein Handelswert ist 3-1/2 Mark.[216]
[Illustration: Fig. 24. Eisenschmelze der Dajaks. Nach TEMMINCK.]
Daß auch auf den Philippinen, die von den Malayen besiedelt
wurden, durch dieses Volk die Eisenschmelzung eingeführt wurde --
während die eingeborenen Negritos nicht zur Metallindustrie sich
aufschwangen -- geht aus der Schilderung des alten DAMPIER[217]
hervor, dem sofort die eigentümlichen Gebläse auffielen. »_Their
bellows are much different from ours. They are made of a wooden
cylinder, the trunk of a tree, about three feet long, bored
hollow like a pump, and set upright on the ground, on which the
fire itself is made. Near the lower end there is a small hole,
in the side of the trunk next the fire, made to receive a pipe,
through which the wind is driven to the fire by a great bunch of
fine feathers, fastened to one end of the stick, which, closing
up the inside of the cylinder, drives the air out of the cylinder
through the pipe. Two of these trunks or cylinders are placed so
nigh together, that a man standing between them may work them
both alternately, one with each hand._« Als Amboß dient ihnen ein
harter Stein, das Feuer wird mit Holzkohlen genährt; mit ihren
einfachen Instrumenten arbeiten sie aber, wie DAMPIER sagt, »_to
admiration_«. Sägen waren unbekannt und Bretter wurden durch
Behauen mit der Axt hergestellt.
Eine sinnreiche Abänderung, um beide Stempel durch eine Person
bewegen zu können, findet sich an den Luftpumpen, die von den
Schmieden in Rangun (Pegu) benutzt werden, wie an einem von
Dr. RIEBECK (Nr. 3709 seiner Sammlung) mitgebrachten Exemplare
ersichtlich (Fig. 25). Die Stempelstangen _aa_ sind durch einen
als Doppelhebel wirkenden, mit einfacher Schnitzerei verzierten
Querbalken _bb_ verbunden, der durch ein bei _c_ in der Mitte
angebrachtes Querholz mit einer hinter dem Gebläse stehenden festen
Wand verbunden ist. Durch Auf- und Abziehen der Stange _d_ wird die
alternierende Bewegung der Stempel bewirkt.
[Illustration: Fig. 25. Malayisches Gebläse. Sammlung RIEBECK.]
Wenden wir uns noch weiter nach Norden, so treffen wir auf die
Igorroten im Innern der Insel Luzon, welche gleichfalls das Eisen
nach der allgemeinen malayischen Art darstellen, wie aus den
Schilderungen von Dr. HANS MEYER[218] hervorgeht.
»Im ganzen Distrikt hat Bugias einen Ruf wegen seiner
Eisenschmiede. Aber die Leute, die ihre Kunst als Geheimnis
bewahren, sind bisher noch von keinem Reisenden zu bewegen gewesen,
einen Einblick in ihr Schmiedehandwerk zu gestatten. Mir gelang es
nach vielem Zureden und Versprechen. Sie führten uns nach einem
Hügel abseits der Rancheria, wo unter einem Schilfdache Schmiede
bei der Arbeit waren. Nebeneinander in den Boden gerammt stehen
zwei etwa 1 m hohe ausgehöhlte Baumstämme, in die unten unmittelbar
über dem Erdboden je ein Loch gebohrt ist, groß genug, daß zwei
Bambusrohre hineingefügt werden können, die ihrerseits nach einem
ebenfalls auf der Erde liegenden Thonrohre konvergieren und durch
dieses das nötige Gebläse dem Kohlenfeuer zuführen, das vor der
anderen Öffnung des Thonrohres brennt. Das Gebläse wird durch zwei
Holzscheiben hervorgebracht, die, des dichteren Schlusses wegen,
mit Federn gefüttert in die beiden Baumstämme eingelassen sind und
an zwei Stäben als Handhaben von einem Igorroten abwechselnd auf
und ab bewegt werden, wie die Stempel zweier Dampfcylinder. Das
Gußeisen (soll wohl heißen das rohe Frischeisen?), das sie oben in
den Bergen angeblich durch denselben Mechanismus aus dem dortigen
Erz gewinnen, verwandeln sie hier durch nichts als aufeinander
folgendes Glühen, Schmieden und Kühlen in Schmiedeeisen, und dies
verarbeiten sie durch Schmieden auf Quarzsteinblöcken mit Hämmern
aus Basalt oder Quarz zu Waffen und Geräten. Die Schmiede sind
das erste mir bisher vorkommende Beispiel einer eigentlichen
Handwerkerklasse unter den Igorroten.«
Haben wir hier die malayische Art der Eisengewinnung und
Verarbeitung bis zu ihrer nördlichsten Grenze verfolgt, so finden
wir die östlichste Ausdehnung derselben in Neuguinea und zwar im
westlichsten Teile dieser großen Insel bei Doreh. Die Gebläse sind
dort identisch mit den schon geschilderten und von den Malayen
auf ihren Raubzügen nach dem westlichen Neuguinea eingeführt,
worauf auch die Sitte der Schmiede von Doreh deutet, daß sie kein
Schweinefleisch essen, was sie von den Mohamedanern annahmen. »Ihre
Schmiedekunst ist aber nicht groß und besteht hauptsächlich darin,
daß sie von eisernen Stangen Hackemesser arbeiten. Auch verstehen
sie das Eisen mit Stahl zu vermischen.«[219] Danach scheint es,
als ob sie bloß Schmiede sind, nicht aber das Metall aus den Erzen
ausbringen.
Von besonderem Interesse ist es, daß die Verbreitung der malayischen
Art der Eisengewinnung bis auf die Afrika vorgelagerte Insel
Madagaskar nachgewiesen werden kann. Sprache und Körperbeschaffenheit
der Bewohner Madagaskars deuten auf malayische Abkunft hin; aber
das Eisen heißt in der Howasprache _vi_, in den malayischen Idiomen
_besi_ -- dadurch würden wir also keine Aufklärung erhalten, wenn
nicht wieder die höchst eigentümlichen Gebläse uns durch ihre Form
belehrten, daß sie malayischen Ursprunges wären, während sie von den
afrikanischen Schlauchblasebälgen durchaus verschieden sind. Aus
diesem Vorkommen der Gebläsepumpe läßt sich aber schließen, daß die
Besiedelung Madagaskars erst stattfand, als schon das Eisengewerbe
auf den Sundainseln bekannt war. Die Gebläse sind uns hier ein
sicherer Führer als die Sprache.
Über die Einzelheiten belehrt uns ELLIS. Eisen von vorzüglicher
Beschaffenheit kommt in den Centralprovinzen rings um die
Hauptstadt vor, wo es nahe an der Oberfläche gefunden wird. Das
Ambohimiangavorgebirge ist so reich daran, daß es geradezu das
»Eisengebirge« heißt. Man hat dort selten mehr als 1/2 m tief zu
graben, um auf Eisen zu stoßen.
Die Schmelzöfen der Eingeborenen (Fig. 26), welche sehr roh und
primitiv gearbeitet sind, liegen stets in der Nähe eines Stromes.
Das gesammelte Erz wird in kleine Stückchen geschlagen und dann
durch Waschen von Erde gereinigt. Die Öfen werden 60-80 cm tief in
den Boden gegraben und die Seiten mit Steinen ausgelegt, die dann
mit Thon überschlagen werden. Auf den Boden wird alsdann Brennstoff
gelegt und darüber Erz mit Holzkohle in Wechselschichten. Das Ganze
wird oben mit einer dicken Thonlage geschlossen(?). Das Gebläse
wird mit zwei Paar Stempeln betrieben, die in hölzernen Cylindern
gehen, gewöhnlich sind letztere ausgehöhlte Baumstämme. Vom Boden
dieser Cylinder erstrecken sich Röhren aus Bambus oder aus alten
Flintenläufen in den Ofen hinein. Nachdem der Inhalt des letzteren
eine Zeitlang in Weißglut erhalten, wird er erkalten gelassen, und
aufgebrochen findet man das Eisen in Klumpen am Boden. So oder zu
Barren geschmiedet kommt es in den Handel. Der einheimische Schmied
errichtet seinen Feuerherd auf dem Flur des Hauses und benutzt dazu
die gleichen, nur kleineren Gebläse wie beim Hüttenprozeß. Der
eiserne Amboß, 14 cm im Geviert und 14 cm hoch, steckt in einem
dicken Holzblocke; Hämmer, Zangen etc. sind von Eisen.[220]
[Illustration: Fig. 26. Eisenschmelze auf Madagaskar. Nach ELLIS.]
Eine Schließung des Ofens, wie ELLIS sie anführt, ist einfach
unrichtig; seine Abbildung selbst zeigt ein kleines Rohr, durch
welches die Ofengase abziehen; von wo der »Ofen« beschickt wird,
ist weder aus der Abbildung, noch Beschreibung ersichtlich;
vermutlich handelt es sich nur um eine einmalige Füllung der Grube.
~Kupfer bei den Malayen.~ Kupfer ist teils gediegen, teils in
Erzen auf verschiedenen Inseln des Archipelagus vorhanden. Die
Kupferminen von Limun auf Sumatra sind seit sehr alter Zeit
betrieben worden, auch kommt es dort und auf Timor gediegen vor,
kann daher dort auch in den frühesten Zeiten kalt zu Geräten
verarbeitet worden sein. Mit Ausnahme von Sumatra, wo ein
einheimischer Name für Kupfer existiert, gilt im ganzen Archipel
das aus dem Sanskrit stammende _tambaga_ (_tamra_, _tamraka_
bedeutet dort das dunkle Metall, es ist ein späterer Sanskritname
des Kupfers) und hieraus kann man schließen, daß die Kunst, das
Kupfer zu schmelzen und zu gießen, eine aus Vorderindien zu den
malayischen Völkern gelangte sei.
Fast alle die gegossenen Hindugötzenbilder und andere in Java
gefundenen Gegenstände bestehen aus einer Kupfer-Eisenmischung;
Waffen und Geräte für den häuslichen Bedarf wurden aber nicht
unter den javanischen Altertümern aus Kupfer gefunden. Zinn und
Zink kommen in den Mischungen nicht vor, waren auch wohl den alten
Javanern unbekannt[221], was mit der Annahme von einem späteren
Bekanntwerden des Zinnes auf Malakka stimmen würde.
Eine ausgedehnte, höchst beachtenswerte Kupferindustrie treffen
wir bei einem der nördlichsten malayischen Völker, den auch
in der Eisenbereitung erfahrenen Igorroten im Innern der
Philippineninsel Luzon. Luzon hat gediegenes Kupfer und sehr
beträchtliche Lagerstätten von Kupfererzen bei Mancayan im
Distrikte Lepanto, sowie im Centralgebirge zwischen Cagayan und
Ilocos. Die europäischen Unternehmungen auf Kupfer sind hier
erfolglos geblieben, dagegen haben die wilden Igorroten, die jenes
Gebirge bewohnen, schon seit Jahrhunderten und in verhältnismäßig
großer Ausdehnung den Kupferbergbau und die Kupferverhüttung hier
betrieben, was um so bemerkenswerter ist, als das Metall in jenen
Gegenden fast nur in der Form von Kiesen vorkommt, die auch in
Europa nur durch umständliches Verfahren und nicht ohne Zuschlag
verwertet werden können.
Nach JAGOR, dem wir die Nachrichten über das Kupferhüttenwesen
der Igorroten verdanken[222], brachten dieselben in der letzten
Zeit jährlich 300 picos (à 63-1/4 kg) Kupfer, teils roh, teils
verarbeitet, in den Handel. Die Ausdehnung der unterirdischen
Erdarbeiten und die bedeutende Menge vorhandener Schlacken
weisen auf einen lange bestehenden beträchtlichen Betrieb. Die
Kupfergeräte der Igorroten waren jahrhundertelang bei den Spaniern
Manilas in Gebrauch, ohne daß diese über den Ursprung genau
unterrichtet waren[223]; höchst wahrscheinlich übten die Igorroten
schon vor der Ankunft der Spanier die Kunst, aus den Kiesen Kupfer
zu gewinnen. Man vermutet, daß Chinesen oder Japanesen ihre
Lehrmeister gewesen; jedenfalls aber ist die Thatsache, daß ein
wildes, isoliert im Gebirge wohnendes Volk in der Hüttenkunde so
weit vorgeschritten ist, von großem Interesse.
Nach den Mitteilungen des von JAGOR angeführten Oberingenieurs
SANTOS war das erzführende Gebiet von Mancayan bei den Igorroten
in größere oder kleinere Parzellen, je nach der Volkszahl der
anliegenden Dorfschaften, eingeteilt, deren Grenzen eifersüchtig
gehütet wurden. Das Besitztum eines jeden Dorfes war wiederum
unter bestimmte Familien verteilt, weshalb jene Bergdistrikte
noch heute den Anblick von Honigwaben darbieten. Zur Förderung
des Erzes bedienten sie sich des Feuersetzens, indem sie an
geeigneten Stellen Feuer anzündeten, um durch die Spannkraft des
in den Spalten enthaltenen erhitzten Wassers mit Zuhilfenahme
eiserner Werkzeuge den Fels zu zerkleinern. Die erste Scheidung
des Erzes wurde in dem Stollen selbst vorgenommen, das taube
Gestein blieb liegen und höhete den Boden auf, so daß bei späterem
Feuersetzen die Flamme der Holzstöße stets die Decke traf. Wegen
der Beschaffenheit des Gesteins und der Unvollkommenheiten des
Verfahrens fanden häufig sehr bedeutende Einstürze statt. Die Erze
wurden in reiche und quarzhaltige geschieden, jene ohne weiteres
verschmolzen, diese einer sehr starken und anhaltenden Röstung
unterworfen, wobei, nachdem sich ein Teil des Schwefels, Antimons
und Arsens verflüchtigt, eine Art Destillation von Schwefelkupfer
und Schwefeleisen stattfand, die sich als »Stein« oder in Kugeln
an der Oberfläche des Quarzes festsetzten und zum größten Teil
abgelöst werden konnten. Die Öfen oder Schmelzvorrichtungen
bestanden aus einer runden Vertiefung in thonigem Boden und hatten
30 cm Durchmesser bei 15 cm Tiefe. Eine damit in Verbindung
stehende 30° gegen die Vertiefung geneigte konische Röhre (Düse)
von feuerfestem Gestein nahm zwei Bambusrohre auf, die in die
unteren Enden zweier ausgehöhlter Fichtenstämme eingepaßt waren, in
denen sich zwei an ihrem Umfange mit trockenem Grase oder Federn
bekleidete Scheiben abwechselnd auf und ab bewegten und die für das
Schmelzen erforderliche Luft zuführten.
Wenn die Igorroten Schwarzkupfer oder gediegenes Kupfer erblasen
hatten, so beugten sie dem Verlust (durch Oxydation) vor, indem
sie einen Tiegel aus gutem feuerfestem Thon in Gestalt eines
Helmes aufsetzten, wodurch es ihnen leichter ward, das Metall
in Formen zu gießen, die aus demselben Thone bestanden. Nachdem
der Ofen hergerichtet, beschickten sie ihn mit 18-20 kg reichen
oder gerösteten Erzes und verfuhren dabei ganz wissenschaftlich,
indem sie das Erz stets an der Mündung der Düse, also dem Luftzuge
ausgesetzt, die Kohlen aber an den Wänden des Ofens aufgaben, die
aus losen, zur Höhe von 50 cm übereinander geschichteten Steinen
bestanden. Nachdem das Feuer angezündet und das beschriebene
Gebläse in Gang gesetzt war, entwickelten sich dichte gelbe, weiße
und orangengelbe, von der teilweisen Verflüchtigung des Schwefels,
Arsens und Antimons herrührende Rauchwolken, bis nach Verlauf einer
Stunde, sobald sich nur durchsichtige schweflige Säure bildete und
die Hitze den höchsten bei diesem Verfahren möglichen Grad erreicht
hatte, das Blasen eingestellt und das Produkt herausgenommen wurde.
Dies bestand aus einer Schlacke oder vielmehr aus den eingetragenen
Erzstücken selbst, die wegen des Kieselgehaltes des Ganggesteines
sich bei der Zersetzung des Schwefelmetalles in eine poröse
Masse verwandelten (und sich nicht verschlacken und kieselsaure
Verbindungen eingehen konnten, weil es sowohl an Basen, als an
der erforderlichen Hitze gebrach); ferner aus einem sehr unreinen
»Stein« von 4-5 kg Gewicht und etwa 50-60% Kupfergehalt.
Mehrere solcher »Steine« wurden zusammen 12-15 Stunden lang in
starkem Feuer niedergeschmolzen und dadurch abermals ein großer
Teil der genannten drei flüchtigen Körper entfernt. In denselben
Ofen stellten sie die schon geglühten »Steine« aufrecht, und
zwar ebenfalls so, daß sie sich im Kontakt mit der Luft, die
Kohlen dagegen an den Wänden des Ofens befanden, und erhielten,
nachdem sie eine ganze oder halbe Stunde geblasen, als Schlacken
ein Silikat von Eisen und Antimon und Spuren von Arsen, einen
»Stein« von 70-75% Kupfergehalt, den sie in sehr dünnen Scheiben
abhoben (Konzentrationsstein), indem sie die Abkühlungsflächen
benutzten. Im Boden der Vertiefung blieb, jenachdem die Masse
mehr oder weniger entschwefelt war, eine größere oder geringere
Menge (stets aber unreines) Schwarzkupfer zurück. Die durch diesen
zweiten Prozeß gewonnenen Konzentrationssteine wurden abermals
geglüht, indem man sie durch Holzschichten trennte, damit sie
nicht aneinander schmelzen konnten, bevor sie das Feuer von den
Unreinigkeiten befreit hatte. Das bei der zweiten Beschickung
erhaltene Schwarzkupfer und die bei eben dieser Operation
niedergeschmolzenen Steine wurden in demselben (durch Bruchsteine
verengten und mit einem Schmelztiegel versehenen) Ofen einer
dritten Operation unterworfen, die eine Schlacke von kieselsaurem
Eisen und ein Schwarzkupfer erzeugte, das in Thonformen ausgegossen
wurde und in dieser Gestalt in den Handel kam. Dieses Schwarzkupfer
enthielt 92-94% Kupfer und war verunreinigt mit einer, durch ihre
gelbe Farbe gekennzeichneten Kohlenstoffverbindung desselben
Metalls, und das durch langsame Abkühlung an der Oberfläche
entstandene Oxyd, das sich stets bildete, trotz der angewandten
Vorsichtsmaßregeln, die der Oxydation ausgesetzte Oberfläche mit
grünen Zweigen zu peitschen. Wenn das Kupfer zur Anfertigung von
Kesseln, Pfeifen und anderem häuslichen Gerät oder Schmuck dienen
sollte, die von den Igorroten mit so großer Geschicklichkeit
und Geduld ausgeführt werden, so wurde es dem Läuterungsprozeß
unterworfen, der sich nur dadurch von dem vorhergehenden
unterschied, daß man die Kohlenmenge verringerte und den Luftstrom
vermehrte, in dem Maße, als der Schmelzprozeß sich seinem Ende
näherte, was die Fortschaffung der Kohlenstoffverbindung durch
Oxydation zur Folge hatte.
~Zinn bei den Malayen.~ Bei allen Völkern des Archipelagus
wird Zinn mit dem malayischen Worte _timah_ benannt, was auf
eine gemeinsame Ursprungsquelle hindeutet. Als solche dürfte
die hinterindische Halbinsel mit den Inseln, die sich südlich
vorlagern, zu betrachten sein. Wie überall, wo Zinnerze gefunden
werden, haben dieselben auch hier eine beschränkte geographische
Verbreitung, sind aber dafür an dem Orte ihres Vorkommens ungemein
häufig.
In Hinterindien kommen die Zinnerze von 10° nördl. Br., also von
dem bekannten Isthmus von Krah an[224], bis 3° südl. Br., somit bis
zur Insel Billiton, in einem fortlaufenden Zuge vor, in welchem
die berühmten Zinnvorkommnisse von Malakka und Bangka liegen.
Gerade wie in Europa, in Cornwall, Devonshire, der Bretagne,
dem Erzgebirge und dem spanischen Galizien, sind auch auf der
hinterindischen Halbinsel die Zinnerze an den Granit gebunden.
Gold, sowie Zinn kommen dort ursprünglich in Quarzadern vor,
welche zwischen Granit auf der einen und Glimmerschiefer auf der
anderen Seite eingebettet sind. Aus diesen Originalstätten sind
sie herausgewaschen und in die Alluvionen übergegangen, die sich
zu beiden Seiten des Gebirges erstrecken, welches das Rückgrat der
malayischen Halbinsel ausmacht.[225]
Über das Alter der Ausbeutung sind wir im Unklaren. Wir haben
gesehen, daß Vorderindien im Altertum abendländisches Zinn bezog
(S. 60), daß also bis zum ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung,
in dem die Alexandriner dieses Metall nach Barygaza brachten,
es schwerlich schon in Hinterindien gewonnen wurde, daß es aber
keineswegs um jene Zeit Exportgegenstand dieses Landes war.
Aber trotzdem zwingt uns das Vorkommen hinterindischer, mit
Steingeräten vergesellschafteter Bronzen (siehe unten), ein
relativ hohes Alter für die dortige Zinnproduktion anzunehmen.
Zinn, das möge hervorgehoben werden, ist dasjenige Metall, welches
am allerleichtesten aus den Erzen reduziert werden kann. Daß
der Zufall hier der Lehrmeister gewesen sein könne, ist nicht
auszuschließen, wie wir an dem bestimmten Beispiel des Zinnes von
Bangka zeigen können. Im Beginn des vorigen Jahrhunderts herrschte
über Bangka der Sultan Badur U'din von Palembang (auf Sumatra),
unter dessen Regierung die Entdeckung stattfand, welche Kapitän
HAMILTON[226] folgendermaßen erzählt: »Im Jahre 1710 war ein Sohn
des Königs von Pullamban (Palembang) Herrscher (über Bangka), als
zufällig ein Feuer in einem Dorfe entstand; als das Feuer gelöscht
war, fand man viel geschmolzenes Metall unter dem Schutte und
dieses Metall war Zinn. Der Herrscher befahl seinem Volke, etwas in
den Boden zu graben, wo sie viel Erz fanden, das er nun mit gutem
Vorteil ausbeutete.«
So mögen die Anfänge der Zinngewinnung auch an anderen Orten
gewesen sein. Indessen fehlen mir alte Nachrichten über das
hinterindische Zinn gänzlich und erst im Mittelalter treten
bestimmte Zeugnisse über seine Verbreitung im Handel auf. So
erwähnt es der arabische Schriftsteller ABU ZEID[227] und ferner
der bekannte AL WARDI CASDIR. Im Beginne des 16. Jahrhunderts
sprechen dann LUDWIG BARTHEMA[228] und der abenteuerliche FERNAN
MENDEZ PINTO von Malakkas Zinnreichtum.
Die gegenwärtige Darstellung von Zinn ist überall da, wo Malayen
die Sache betreiben, noch eine höchst einfache, während anderwärts
durch Europäer und Chinesen hüttenmännische Verbesserungen
eingeführt wurden. Die berühmten Zinngruben von Malakka liegen bei
dem Dorfe Kassang und werden von tausenden von Chinesen bearbeitet.
Der Grund ist hier weit und breit aufgerissen, Schächte sind
nirgends getrieben. Die zinnführende Schicht (_wash dirt_) liegt
5,5-7 m unter der Oberfläche und soll 1,10 m mächtig sein. Ist eine
große Menge des _wash-dirt_ zusammengebracht, so wird derselbe
mit Schleußen (_by means of sluices_) ausgewaschen. Es erfolgt
das Ausschmelzen auf höchst primitive Weise. Öfen aus Thon werden
errichtet und vermittels Ruten zusammengebunden. Am Fuße jedes
Ofens befinden sich zwei, etwa 5 cm Durchmesser haltende Löcher,
durch deren eines das geschmolzene Metall abfließt, während das
andere die Zugluft -- ohne künstliche Windzuführung -- vermittelt.
Das Erz wird einfach mit Holzkohle geschichtet und dann Feuer
gegeben. Das durch die kleine Öffnung abtropfende Metall wird in
einer Erdhöhlung aufgefangen, dort ausgeschöpft und in Formen
gegossen, worauf man es nach Malakka sendet.[229]
Nach Kapitän BURN dagegen werden in den Zinnwerken von Tringanu,
Pattani, Dschohor, Lanwan, Lingie, Pahang und auch bei dem oben
erwähnten Kassang die bekannten cylinderförmigen malayischen
Gebläse angewendet, was auch annehmbar erscheint. Die Holzkohle
stammt vom Gompoßbaume, die Hochöfen sind 1,5 m hoch und aus Thon
geschlagen. Das reduzierte Metall fließt konstant in einen Trog vor
dem Ofen ab und wird dort ausgeschöpft und in Sandformen gegossen.
Das Ausbringen beträgt, je nach der Güte des Erzes, 45-60%
Zinn.[230]
Die Zinnproduktion von Bangka ist wesentlich in den Händen von
Chinesen, die unter europäischem Einflusse allerlei verbesserte
Aufbereitungs- und Verhüttungsmethoden eingeführt haben, die uns
hier nicht interessieren können.[231] Auf dem ebenso zinnreichen
Biliton begann die Ausbeute erst 1851, auch auf den Karimoninseln
bei Singapur ist sie neueren Datums.[232]
Neben dem chinesischen Betrieb der Zinngruben auf Bangka fand
früher noch ein sehr primitiver der Eingeborenen statt; sie teuften
enge cylindrische Schächte ab, gerade groß genug, um eine Person
einzulassen. Fanden sie das Zinnerzlager ergiebig, so verfolgten
sie mit Lebensgefahr dasselbe unter dem hangenden Alluvium. Da sie
die Wässer nicht zu bewältigen verstanden, legten sie ihre Schächte
nur an Abhängen an, wo keine Wasseransammlungen stattfinden
konnten. Das Ausbringen der gewaschenen Erze war so, wie es weiter
oben geschildert wurde.[233]
Fußnoten:
[209] CRAWFURD, Hist. Indian Archipelago. I. 182 und Transactions
Ethnolog. Soc. New Series. IV. 4 (1866).
[210] STAMFORD RAFFLES, History of Java. London 1830. I. 192.
[211] SPENSER ST. JOHN, Life in the far east. II. 277.
[212] CRAWFURD in Transact. Ethnolog. Soc. New Series. IV. 4.
[213] Es mag hier an einem Beispiel gezeigt werden, wie innerhalb
eines durchaus metallkundigen Volkes sich Oasen erhalten, welche
im alten Zustande vormetallischer Zeit beharren. Der metallreichen
Insel Sumatra ist westlich vorgelagert das Eiland Engano. Die
Eingeborenen lebten dort bis vor kurzem noch in der Steinperiode.
Die Schmiedekunst, sonst bei allen Malayen verbreitet, war ihnen
fremd. Seit ihnen Eisen zugeführt wird, verfertigen sie ihre
Lanzenspitzen auf kaltem Wege durch Klopfen und Schleifen aus
gewöhnlichen Messern. (V. ROSENBERG, Der malayische Archipel.
Leipzig 1878. 210.) Es zeigt dieses, wie bei demselben Volke in
unmittelbarer Nachbarschaft zwei sogenannte Kulturperioden in
derselben Zeit nebeneinander bestehen können, ein Wink, der für
die Bestimmung mancher prähistorischen Funde nicht aus den Augen
gelassen werden mag.
[214] Beschreibung der Insel Sumatra. Leipzig 1785. 190.
[215] H. EVERETT, Useful minerals of Sarawak in Journ. of the
Straits Branch of the R. As. Soc. I. 20 (1878).
[216] Nach Dr. SCHWANER's Reisen in Borneo bei PERCY a. a. O. I.
512. Die Abbildung nach TEMMINCK im Globus. XXX. 40.
[217] Voyages. London 1703. I. 331.
[218] Blätter aus meinem Reisetagebuche. Als Manuskript gedruckt.
Leipzig 1883. 275.
[219] G. WINDSOR EARL, Papuans. London 1853. 76. -- VAN HASSELT in
Zeitschrift f. Ethnologie. 1876. 171.
[220] W. ELLIS, Three visits to Madagascar. London 1858. 264.
[221] CRAWFURD, Malayan Archipelago. III. 491.
[222] F. JAGOR, Reisen in den Philippinen. Berlin 1873. 145-149.
[223] Ein von MEYEN mitgebrachter und dem Berliner Museum
übergebener, getriebener Kupferkessel der Igorroten ist bei JAGOR
a. a. O. 146 abgebildet.
[224] Nach MC CLELLAND im Journ. Asiat. Soc. of Bengal. 1842. XI.
25.
[225] DALY, The metalliferous formation of the Peninsula. Journ.
Straits Branch. Asiat. Soc. II. 194.
[226] New Account of the East Indies. II. 120. -- CRAWFURD, History
Malay. Archip. III. 451.
[227] RENAUDOT, Voyage des deux pélérins arabes. Paris 1838.
[228] RAMUSIO, Viaggi. 1613. I. 166a.
[229] J. CAMERON, Our tropical possessions in Malayan India. London
1865. 387.
[230] Kapt. BURN im Catalogue of the Indian Departement (The
international exhibition of 1862). 9 unter Nr. 162.
[231] Über die Zinnminen von Bangka vgl. CRAWFURD, Indian
Archipelago. III. 453-458. Tijdschr. vor Neêrl. Indie 1843. II.
392-419. Sehr ausführliche Schilderung, auch des chinesischen
Schmelzverfahrens in MOHNIKE, Banka und Palembang. Münster 1874.
24-49.
[232] Zeitschr. f. allgem. Erdkunde. I. 134 ff.
[233] CRAWFURD a. a. O. III. 458.
Die Metalle in Hinterindien.
~Prähistorisches.~ Für Hinterindien liegen uns angehende
Nachrichten besonders aus dem unter französischer Oberhoheit
stehenden Königreiche Kambodja vor. Hier sind die prähistorischen
Zeugen einer jüngeren Steinzeit zusammen mit Bronzefunden
nachgewiesen und von hier kennen wir auch die Darstellung des
Eisens bei den wilden und halbkultivierten Völkern im Innern.
Die ersten prähistorischen Funde in Kambodja, welche dort eine
neolithische und eine »Bronzezeit« darthaten, stammen aus dem
Jahre 1879. Sie wurden durch den Marinearzt Dr. CORRE in den
Muschelhaufen von Som-ron-Sen gemacht und sind seitdem von Dr.
MOURA und anderen weiter verfolgt worden.[234] Som-ron-Sen
liegt an den Ufern des Stung Chinit, eines Zuflusses des großen
Tonli-Sapsees, und die Muschelhaufen sind namentlich aus Paludina-,
Corbicula- und Unioarten gebildet. Die Steingeräte, Beile, Meißel,
Kelte, Ringe etc. aus einer Art Amphibol sind poliert und gleichen
den verwandten europäischen Instrumenten dieser Art. Mit und
zwischen diesen Steingeräten und in denselben Muschelhaufen sind
nun auch Bronzegeräte gefunden worden: große Ringe, eine Axt mit
Dille, Pfeilspitzen, Angelhaken, Scheiben, alles dieses von ganz
verwandtem Charakter wie die europäischen prähistorischen Bronzen.
Wie man aber in Europa auch beides, die Geräte aus Stein und
diejenigen aus Bronze, oft nebeneinander findet, so ist dieses
auch hier der Fall gewesen. Indo-China war bereits im Besitze des
Kupfers und der Bronze, als man noch fortfuhr, den Stein zu Geräten
zu gestalten und zu polieren.
Von wo die Bronzen kamen und ob sie älter als das Eisen hier
in Hinterindien sind, wird nicht gesagt. Doch läßt der bloße
Mangel des letzteren in den Muschelhaufen und das Vorhandensein
der ersteren noch keineswegs den Schluß zu, daß in Hinterindien
die Bronze älter als das Eisen sei. Wie die ganze Kultur der
hinterindischen Halbinsel unter dem Einflusse Chinas steht und
gestanden ist, so mag auch in früher Zeit aus diesem Lande die
Bronze nach Kambodja gekommen sein, wenn es überhaupt nötig ist,
einen Import aus der Fremde anzunehmen. Eisen wird seit »Urzeiten«
in Hinterindien dargestellt.
~Eisengewinnung in Kambodja.~ Über die Darstellung des Eisens bei
den wilden Völkern Hinterindiens besitzen wir gleichfalls einen
Bericht von J. MOURA, der sich auf Kambodja bezieht.[235] »In
den >Eisenbergen< der Provinz Compong-Soai,« sagt MOURA, »kommen
zwei Arten Eisenerz vor, welche die wilden Cuois als schweren
und leichten Stein bezeichnen. Die erste Sorte ist ergiebiger
an Eisen als die zweite, ist aber weniger geschätzt, da das
daraus erzielte Produkt unrein und zur Herstellung von Waffen
und Geräten wenig geeignet ist. Das leichte Erz ist dagegen von
besserer Beschaffenheit. Direkt mit Holzkohle in einem einfachen
Schmelzofen behandelt, giebt es eine Art von natürlichem Stahl
oder ein Gut, welches die Eigenschaften des Zementstahles besitzt.
Es wird von den Eingeborenen zur Herstellung von Beilen, Messern,
landwirtschaftlichen Geräten, Feuerstahl und sehr guten Sägen
benutzt.«
Dieses »leichte« Mineral ist ein sehr reiches Eisenoxydul mit
65-70% Metall. Die Gegend, wo die Schmelzen der Cuois stehen, ist
außerordentlich waldreich, so daß es an Brennstoff zur Fabrikation
nicht fehlt. Wenn sie eine gewisse Menge Erz gewonnen haben,
werfen sie dasselbe, um es zu rösten, in ein großes Holzfeuer und
zerklopfen es alsdann in nußgroße Stücke. Gleichzeitig brennen sie
Holzkohle (wie, wird nicht gesagt) und nun ist alles zum Schmelzen
bereit. Die Schilderung des Schmelzofens und seiner Zubehöre lassen
wir in der Originalsprache hier folgen:
»_L'appareil employé pour la fusion est des plus simples; il laisse
perdre une très grande partie de la chaleur développée et donne
comme rendement à peu près la moitié de ce qu'on obtient en Europe
avec les hauts-fourneaux perfectionnés. Cet appareil_ (Fig. 27) _se
compose d'un fourneau en terre glaise de forme parallélipipède,
ouvert par le haut. Il est percé au bas des grandes faces latérales
d'une série de trous situés sur la même ligne horizontale et dans
lesquels on passe des bouts de bambous creux disposés comme les
tuyaux de flûte de Pan. Ces tuyaux correspondent, un par un, avec
ceux d'une trompe ou machine soufflante placée de chaque côté des
grandes faces du fourneau et composée d'un cylindre creux en terre
glaise, coiffé d'un cône en cuir faisant office de piston ou de
soufflet, que trois hommes aplatissent en sautant dessus pour
refouler l'air, et qui se relève par l'effet de la détente d'un
levier en bois flexible relié an sommet du cône à l'aide d'une
corde. Ces trois hommes se tiennent debout sur une petite estrade
en bois élevée à côté du soufflet; ils sautent sur le cône ou
reviennent sur l'estrade, suivant qu'il s'agit de refouler l'air ou
de l'aspirer._«
[Illustration: Fig. 27. Eisenschmelze der Cuois. Nach MOURA.]
Nach dieser Schilderung des Gebläses hat dasselbe mit den
malayischen Gebläsen, die durch den auf und ab gehenden
Stempel charakterisiert werden, keine Ähnlichkeit, was bei
der geographischen Lage Kambodjas zu den Malayenländern wohl
zu beachten ist und darauf hindeutet, daß den Cuois die
Eisenfabrikation nicht aus dem malayischen Kulturkreise überkommen
sein kann. Ihre Gebläse sind eher nach dem Prinzipe der indischen
hergestellt, die bei Orissa beschrieben wurden; nur sind sie
größer. MOURA führt in seiner Schilderung fort:
»_Lorsque le piston descend, c'est-à-dire lorsque le cône est
aplati, l'air est refoulé par les trous du bas du cylindre et
passe dans les tuyères du fourneau. Ces tuyaux, ainsi que nous
venons de le dire, se correspondent, mais ne se touchent pas, ils
sont même distants les uns des autres de plusieurs centimètres. Le
fond du fourneau, situé en contre-bas de la ligne des trous, est
destiné à recevoir le fer en fusion. On remarque au bas de chacune
des petites faces du fourneau un trou que l'on bouche ou que l'on
dégage an moyen d'une longue tape en bois. C'est par ces trous, que
l'on débouche opportunément, que s'en va, disent les Khmers, le
>ach-dec< (ordure de fer), c'est à dire le mâchefer, la scorie._«
Auf jeder Seite des Ofens erheben sich, nach oben zu sich
ausdehnend, zwei große Schirme aus geflochtenen Bambuslatten,
welche nur dazu dienen, um die an den Gebläsen Arbeitenden vor der
Glut zu schützen. Der Ofen steht unter einem großen Schirmdach, in
welchem der »Fabrikdirektor« seine Wohnung hat. Auch steht unter
demselben ein kleiner Altar, auf welchem der Götze Visvacarma
thront, der göttliche Baumeister, und ein großer, fest in den Boden
gefügter Pfahl, dessen Spitze wie ein Feuerbüschel gestaltet ist.
Die Verehrung, die ihm gezollt wird, erinnert an den Feuerkultus,
dessen Spuren man durch ganz Indo-China findet.
Da wenige Cuois reich genug sind, um für sich allein eine solche
Eisenschmelze zu unterhalten, so vereinigt sich zu diesem Zwecke
ein ganzes Dorf oder mehrere Dörfer.
Die an den Breitseiten des Ofens angebrachten Löcher liegen hoch
genug über dem Boden des Ofens, um nicht durch die im Schmelzen
befindliche Masse verstopft zu werden; doch kommt es zuweilen
vor, daß man aus ihnen kleine Rundstücke von Eisen herauszieht,
welchen der Aberglaube der Eingeborenen ungewöhnliche Eigenschaften
zuschreibt. Die Cuois zerschneiden diese Barren und machen daraus
Amulette, die sie um den Hals oder am Handgelenk tragen, wodurch
sie sich gegen Verwundungen sicher glauben.
Die mit solchem Eisen in Saigon angestellten Versuche haben
ergeben, daß es sich gut schweißen und hämmern läßt. Der Bruch
ist feinkörnig und zackig. Es ist rein und liefert guten Stahl.
Phosphor und Arsenik kommen darin nicht vor.
~Die Eisenerzeugung in Birma~ ist von W. T. BLANFORD eingehend
beschrieben worden. Aus seinem Berichte[236] teilen wir das
Folgende auszugsweise mit. Der Beobachtungsort war Puppa (Paopa),
6-1/2 Miles östlich vom Irawadi, unter 19° 50´ nördl. Br. und
95° 20´ östl. L. v. Gr. Der Prozeß unterscheidet sich wesentlich
dadurch von den in Vorderindien angewendeten Methoden, daß
kein künstlicher Windstrom benutzt wird. Das Erz besteht aus
Brauneisensteinkonkretionen, die in den das Land bedeckenden Kiesen
gesammelt und zu haselnußgroßen Stücken zerschlagen werden. Als
Brennmaterial dient Holzkohle, besonders von dem schon wiederholt
erwähnten Salbaume. Das Holz wird in leidlich konstruierten, mit
Erde überdeckten Meilern von 4 m im Quadrat und 2 m Höhe, welche
20-30 Tage schwelen, zu Kohlen gebrannt. »Es ist auffallend,
ein so gutes Verkohlungssystem bei einer so rohen Methode der
Eisenerzeugung zu finden.«
[Illustration: Fig. 28. 29. Eisenschmelzofen aus Birma. Nach
BLANFORD.]
Ebensowenig wie ein Windstrom wird ein Zuschlag benutzt. Die
Beschreibung der Schmelzstätte ist folgende: Ein steiler Abhang
sandigen Thonbodens von 3 bis 3,5 m Höhe wird für den Ofen gewählt,
welcher, einfach aus einem Loche besonderer Form bestehend, in den
Boden 60-80 cm von der oberen Kante entfernt angelegt, während
die Böschung hier zu einer vertikalen Fläche verhauen ist. Oft
umgeben auch drei oder vier Öfen einen kleinen Schacht. Sie sind
etwa 3 m tief und von ungleichem trapezoidalem Querschnitt, da
die Breite der Vorderwand von 50 cm an der Gicht auf 1,20 m
auf dem Boden, die der Rückwand von 30 cm auf 1,50 m anwächst,
während die Tiefe zwischen Vorder- und Rückwand von 50 cm an der
Gicht auf etwa 55 cm in halber Höhe wächst und dann schnell bis
zu 30 cm am Boden abnimmt. Die Figg. 28 und 29 sind im Maßstabe
von 1:40 nach BLANFORD's Aufnahme angefertigt. Die Vorderwand
des Ofens wird durch kreuzweis angebrachte Holzstücke gehalten,
welche ihrerseits wieder durch zwei starke senkrechte Pfähle
gestützt werden. Der untere Teil der Vorderwand ist fortgenommen,
wie dieses die Durchschnitte zeigen. Die so gebildete Öffnung
mündet in den Ofen mit einer Höhe von etwa 30 cm und in der ganzen
Breite des inneren Raumes und dient zum Austragen der Schlacke
und des fertigen Eisens. Wenn der Ofen im Gange ist, so wird diese
Öffnung mit feuchtem Thon verschlossen, in welchem etwa 20 kleine
Thonröhren (Formen) eingelegt sind. Diese Röhren werden über
runden Holzstämmchen aus feuchtem Thon geformt, dann in Stücke
von etwa 10 cm Länge geschnitten und gebrannt. Ihre Durchmesser
betragen etwa 5 cm. Sie werden in einer Linie nebeneinander,
etwa in halber Höhe der erwähnten Öffnung, angebracht. Ist der
Ofen so geschlossen, so wird brennendes Holz hineingeworfen und
darauf zwei Schwingen Holzkohle von je 25 Viss (à 1-3/4 kg) oder
39-3/8 kg geschüttet, dann folgen drei kleine Schwingen von je 10
Viss oder 15-3/4 kg. Hierauf kommt wieder eine Schwinge Holzkohlen,
dann sechs kleine Schwingen Erz, noch eine Schwinge Holzkohlen,
abermals drei Schwingen Erz und schließlich eine fünfte Schwinge
Holzkohlen. Ist das Ganze gut durchgebrannt und der die untere
Öffnung füllende Thon ganz und gar getrocknet, was etwa acht oder
neun Stunden nach Anfang der Fall ist, so wird der den Herd des
Ofens bildende Sand fortgekratzt und ein Loch von etwa 10 cm Höhe
und in der Breite des Ofens gemacht, um die Schlacke zu entfernen.
Hierauf schließt man dieses Loch wieder und öffnet es alle halbe
Stunden und wenn nötig häufiger, bis keine Schlacke mehr erfolgt.
Nach 24 Stunden ist das Schmelzen vollendet. Jetzt wird der Thon
aus der unteren Ofenöffnung ganz fortgebrochen und die Eisenmasse
entfernt. Sie hat die Form des Herdes, 1,10-1,40 m Länge, aber
geringe Breite, wiegt durchschnittlich 25 Viss, also etwa 40 kg.
Das Eisen ist außerordentlich unrein, mit Schlacke, Stücken
unverbrannter Kohle, Sand und anderen Unreinigkeiten vermischt,
wird aber nichtsdestoweniger für etwa 14 Mark pr. 150 kg verkauft.
Zu Messern u. dgl. verarbeitet, zeigt dieses Eisen ausgezeichnete
Eigenschaften. Drei Arbeiter bedienen den Ofen. Dem Ende jeder
Charge folgt sogleich eine neue, so daß gewöhnlich alle Tage ein
Eisenstück gewonnen wird.
Fußnoten:
[234] Sur les instruments de l'âge de pierre au Cambodge, par M.
CORRE. Bullet. soc. d'Anthropol. 1880. 532. -- L'âge de la pierre
polie et du bronze au Cambodge par J. NAULET. Toulouse 1879 und
Revue d'Anthropologie 1882. 676. -- Le Cambodge préhistorique par
J. MOURA. Revue d'ethnographie 1882. 505.
[235] Fabrication du fer chez les Cuois du Compong-Soai. Revue
d'Ethnographie. I. 435 (1882).
[236] Bei PERCY a. a. O. II. 508.
Die Metalle in China und Japan.
~Alter der Bronze und des Eisens in China.~ So früh und
hochentwickelt uns auch bei den Chinesen die Kenntnis der Metalle
entgegentritt, hat dieses Volk doch keine Ausnahme gemacht und
gleich allen anderen Völkern eine Steinzeit gekannt, ja es scheint,
als ob in einigen Provinzen in verhältnismäßig neuer Zeit noch
Steingeräte im Gebrauche waren. Mit Bezug auf Nan-hiu-fu in der
Provinz Kwan-tung im südlichen China heißt es: »Sie finden in den
Bergen und Felsen der Umgebung einen schweren Stein, so hart, daß
sie Beile und schneidende Instrumente aus demselben machen.«[237]
Man muß sich erinnern, daß China nicht von einer homogenen Rasse
bewohnt wird, sondern daß namentlich im Süden und Südwesten noch
verschiedene kleinere und auf tieferer Kulturstufe stehende
Völker (wie z. B. die Miaotse) eingesprenkelt sind, welche dort
als Aboriginer gelten. Unter diesen können die Steingeräte am
längsten im Gebrauche gewesen sein. Außerdem sprechen chinesische
Traditionen von dem früheren Gebrauche der Steinwaffen und
Instrumente. Fuhi, so sagen sie, machte Waffen; diese waren von
Holz. Dann kam Schinnung, der solche aus Stein machte, und endlich
Tschi-yu, der metallene darstellte.[238]
[Illustration: Fig. 30. Chinesische Ting-Urne aus der
Shang-Dynastie. Nach V. RICHTHOFEN.]
Was die Bronze betrifft, so tritt dieselbe uns in ihren frühesten,
an sich uralten Formen bereits so hoch entwickelt entgegen, daß ihr
ein sehr hohes Alter zugeschrieben werden muß. Neben schriftlichen
Aufzeichnungen sind Bronzegeräte die kostbarsten Reliquien des
hohen Altertums und unter diesen besonders die Ting, Urnen mit
drei Füßen und zwei Henkeln. »Die alte Bronzeindustrie,« sagt V.
RICHTHOFEN[239], »blühte insbesondere während zweier Perioden,
nämlich in den ersten Jahrhunderten der Shang- und unter den ersten
Kaisern der Tschóu-Dynastie (1766-1496 und 1100-900 v. Chr.),
soweit man die auf vielen derselben befindlichen Inschriften zu
entziffern vermocht hat.« Die Gegenstände sind ausschließlich
Gefäße, niemals tierische oder menschliche Darstellungen für
sich allein. Doch sind phantastische Anklänge an menschliche
Gesichtsbildung und an Tiergestalten in der Ornamentik deutlich
zu erkennen, wenn auch ein großer Teil der letzteren aus
Linienkombinationen hervorgeht. Die erstere Art der Verzierung
herrscht neben der zweiten in den Shang-Vasen (Fig. 30), während
in denjenigen der Tschóu-Dynastie (Fig. 30a) die letztere Form
bedeutend vorwaltet. Die ergiebigste Fundstelle der alten Bronzen
ist der Löß des Wéithales, wo man sie bei Erdarbeiten findet. Sie
sind mit einer dicken Schicht von Grünspan durchdrungenem und
dadurch gehärtetem Löß umgeben und haben die Gestalt unförmlicher
Lehmklumpen. Der Wert richtet sich nach dem Alter, der Art der
Ornamentik, der Deutlichkeit und Länge der Inschrift. Zuweilen
findet man auch goldene Gefäße. Bis hinauf in die Zeit der
Shang-Dynastie hat man das Alter einer größeren Zahl von Gefäßen
mit Sicherheit feststellen können. Weiter zurück wagt man in der
Bestimmung nicht zu gehen, wiewohl bei einigen Gefäßen ein noch
höheres Alter vermutet wird.
[Illustration: Fig. 30a. Chinesisches Gefäß aus der
Tschóu-Dynastie. Nach V. RICHTHOFEN.]
Nicht nur nach der Seite der Ornamentik hin stand die
Bronzeindustrie zur Zeit jener alten Herrscher schon auf einer
sehr hohen Stufe, auch auf die Zusammensetzung derselben
wurde, je nach der verschiedenen Art des Gebrauches, große
Aufmerksamkeit verwendet. Zur Zeit der Tschóu-Dynastie gab es
sechs Mischungsverhältnisse für Bronze, welche in folgender Weise
verwendet wurden: 5 Teile Kupfer und 1 Teil Zinn für Glocken und
Kessel; 4 Kupfer und 1 Zinn für große und kleine Beile; 3 Kupfer
und 1 Zinn für Lanzen und Piken; 2 Kupfer und 1 Zinn für große
Messer und Säbel; 4 Kupfer und 1 Zinn (wahrscheinlich 3 Zinn) für
Messer zum Schreiben auf Bambus und Pfeilspitzen; 1 Kupfer und
1 Zinn für Metallspiegel.[240] Diese also um das Jahr 1000 v.
Chr. geltenden Verhältnisse der Bronzelegierung sind deshalb von
Interesse, weil sich unter ihnen kein einziges findet, welches
unserer eigentlichen Bronze (9 Kupfer und 1 Zinn) entspricht
und weil schon hieraus die Selbständigkeit des chinesischen
Bronzereiches erhellt, was sich auch dadurch schließen ließ, daß
die chinesische Kultur eine selbständig erwachsene, von außen her
in keiner Weise beeinflußte von Anfang an gewesen ist.
Für die Priorität der Bronze in China gegenüber dem Eisen hat sich
PFITZMAYER ausgesprochen. »In den ältesten chinesischen Werken,«
sagt er, »giebt es kein Wort für Bronze, da dieser Gegenstand durch
das allgemeine Wort _kin_, Metall, bezeichnet wird. _Thie_, Eisen,
kommt das erste Mal in dem Schu-king, Tribut des Yü (etwa 2200
v. Chr.) vor. Es findet sich unter den Gegenständen des Tributs
einer einzigen Gegend; man hält es für weiches Eisen, über dessen
Verwendung nichts angegeben wird, während von dem harten Eisen
gesagt wird, daß es zu Meißeln dient und nützlicher als Silber
ist. »Daß das Eisen,« fährt PFITZMAYER fort, »in ältester Zeit
zu Waffen oder Geräten verwendet wurde, ist mir nicht bekannt
geworden. Es scheint wie bei HOMER zu sein, wo Eisen zwar erwähnt
wird, aber fast alle in dem trojanischen Kriege gebrauchten Waffen
als kupferne (eherne) bezeichnet werden. Im Jahre 475 v. Chr.
schenkte Fu-tscha, König von U, seinem Minister U-tse-tsin ein
Schwert von Stahl und hieß ihn damit sich den Hals abschneiden.
Chinesische Nachrichten besagen: Im Altertum verfertigte man die
Waffen aus Kupfer. Zu den Zeiten des Thsin (drittes Jahrhundert v.
Chr.) ersetzte man das Kupfer durch Eisen. Alles zusammen genommen
kann ich für vollkommen gewiß halten, daß in China der Gebrauch
des Kupfers oder der Bronze demjenigen des Eisens vorangegangen
ist.«[241]
Jedenfalls wird in der älteren chinesischen Litteratur das Eisen,
neben Zinn und Kupfer, als durchaus bekanntes Metall erwähnt.
Was alte Eisenfunde betrifft, so ist mir darüber nichts bekannt
geworden. Doch möge hier der Bericht des englischen Konsuls
MARKHAM über einen alten chinesischen Eisenbau stehen, den wir mit
möglichst kritischen Augen zu lesen bitten.
MARKHAM, welcher von Tschifu aus die Provinz Shantung bereiste,
erzählt bei seinem Besuche der Stadt Tai-ngau-fu folgendes:
»_Outside the west gate of the city is a cast-iron pagoda in the
midst of the ruins of a temple. I was told this pagoda was erected
in honor of the empress Min, wife of the emperor Seang, 5th of
the Hea Dynasty B. C. 2146, by a succeeding emperor Shuo-kang
B. C. 2074. It is a curious old structure, 40 feet in height, and
apparently one solid piece._«[242]
Es ist diese 11 m hohe Pagode, wenn sie wirklich aus einem Stück
Gußeisen besteht, eine großartige Leistung der Technik, und würde
sich das hohe Alter, welches MARKHAM angegeben, bestätigen, so
repräsentierte dieser Bau mit der in der großen ägyptischen
Pyramide gefundenen Klinge das älteste bekannte Eisen! Mag auch
die Pagode vielleicht aus mehreren Teilen zusammengesetzt sein und
ihr Alter nicht so hoch hinaufreichen, wie dem englischen Konsul
angegeben wurde, so wird sie immerhin als ein uralter Zeuge der
chinesischen Metallindustrie dastehen. Wer die alten chinesischen
Metallarbeiten, wie sie zahlreich in unseren Museen sich befinden,
betrachtet, der erhält sofort den Eindruck, daß dieses Volk in
der Metallurgie uns bis zum vorigen Jahrhundert ebenbürtig oder
überlegen war. Sie trieben Bergbau auf Eisen, Gold, Silber, Kupfer,
Zinn, Blei und Zink. Letzteres wurde metallisch weit früher in
China als in Europa gewonnen und gegen Ende des 16. Jahrhunderts
von dort zu uns eingeführt.
~Chinesische Eisenindustrie.~ China hat noch gegenwärtig, wiewohl
ihm das Abendland vielfach Eisenwaren sendet, eine noch sehr
ausgebreitete und alte Eisenindustrie, die bei dem Reichtum an
Eisenerzen und Steinkohlen sich ganz naturgemäß entwickelt hat.
Sie ist eigentümlich durch und durch, wie fast alles chinesische,
und entbehrt bei der Herstellung des Rohmateriales der Öfen,
benutzt vielmehr dazu Schmelztiegel, wie aus den im nachstehenden
reproduzierten Beschreibungen V. RICHTHOFEN's hervorgeht, der
namentlich die Eisenwerke der Provinz Schansi studiert hat.
Schansi produziert ungefähr jährlich 1700000 Tonnen Steinkohlen,
die hier schon vor Jahrtausenden im großen Maßstabe gewonnen
wurden. Die mächtigen Kohlenfelder dieser Provinz erhalten einen
besonderen Wert durch die sie begleitenden ausgezeichneten
Eisenerze, welche man früh mit Steinkohlen verhüttete. Seit alter
Zeit ist der größere Teil von China von dieser Provinz aus mit
Roheisen und Schmiedeeisen versorgt worden und die Nachbarprovinzen
bezogen von ihr einen Teil ihres Bedarfes an Gußwaren. In den
Handel kommt das Eisen von Schansi unter dem Namen Pingeisen
und Lueisen. Die jährliche Produktion an Roh-, Schmiede- und
Gußeisen schätzt V. RICHTHOFEN auf ungefähr 160000 Tonnen im
Gesamtwert von 18 Millionen Mark. Diese Produktion ist auf einige
Plätze beschränkt, welche reiche Erze und gute Verkehrswege
besitzen, wo auch das Eisengewerbe von altersher festen Fuß faßte.
Gegenwärtig beschränkt sich diese Industrie in Schansi auf das
Verbreitungsgebiet des Anthracits, welcher für die chinesische
Schmelzmethode sich geeigneter erweist als Coaks.[243]
Bei dem volkreichen Städtchen Tai-yang ist die Oberfläche des
Dolomits voll von regellosen Aushöhlungen und in diesen finden
sich die Eisenerze angehäuft, ein Gemenge von Brauneisenstein,
Roteisenstein, Thoneisenstein und Spateisenstein. »Wohl hundert
Millionen Menschen mögen, ehe der europäische Import störend
eingriff, ihren Bedarf an Eisen aus dem Gebiet des Kreises
Föng-tai-hsiën (zu dem der Ort gehört) bezogen haben.« Dafür zeugen
denn auch die imponirenden, gigantischen Haufwerke zerschlagener,
verbrauchter Schmelztiegel.
Die Eisenerze werden meist in Tagbauen gewonnen und auch der
Anthracit ist leicht zugängig, so daß für die Gewinnung des
Lueisens sehr günstige Bedingungen vorliegen. »Die Schmelzung
geschieht in einer großen Zahl kleiner Werkstätten. Ein
ausgeebneter und ein wenig geneigter Platz von 2,25 m Länge und
1,40 m Breite ist wie eine Tenne ausgestampft. An den beiden
Langseiten wird er von Lehmmauern begrenzt. Die vordere Seite,
nach welcher die Fläche sich senkt, ist offen, während die
vierte durch die Lehmwand einer kleinen Hütte geschlossen ist,
in welcher sich der von zwei bis vier Mann getriebene Blasebalg
befindet. (Letzterer ist nicht näher geschildert.) Der Boden ist
mit faustgroßen Stücken von Anthracit belegt. Darauf stellt man
ungefähr 150 Schmelztiegel von feuerfestem Thon, welche 35 cm hoch
sind und oben 15 cm Durchmesser haben. Die Tiegel werden mit
einem Gemenge gefüllt, das in folgender Weise bereitet wird. Das
Erz wird mit der Hand klein geschlagen und das gröbere durch ein
Sieb abgeschieden. Das feine wird mit Grubenklein von Anthracit
und kleinen Stücken eisenreicher Schlacken vermengt. Dies wird nun
in den Tiegel geschüttet. Den Raum zwischen den Tiegeln füllt man
sorgfältig mit Anthracit aus und zuletzt breitet man eine Lage des
letzteren über die Tiegelschicht aus. Darauf stellt man dann eine
zweite Schicht von 150 angefüllten Tiegeln, die auch mit Kohle
bedeckt wird. Obenauf werden alte, unbrauchbare Tiegel gelegt und
ebenso wird vorn eine Wand von horizontal liegenden alten Tiegeln
aufgesetzt. Nun wird Feuer gemacht und Luft eingeblasen. Sobald
die Hitze groß genug ist, hört man auf zu blasen, da die frei
hindurchstreifende Luft hinreichend ist, die Glut zu erhalten. Die
weitere Behandlung richtet sich danach, ob das Metall zur Bereitung
von Gußware oder von Schmiedeeisen dienen soll. Für den ersteren
Zweck werden die Tiegel aus der Glut genommen und der flüssige
Inhalt auf eine ebene Fläche ausgegossen. Man erhält dadurch ein
weißes sprödes Eisen in dünnen Scheiben. Will man Schmiedeeisen
haben, so läßt man den Haufen durch vier Tage langsam abkühlen.
Die Tiegel werden dann zerschlagen; an ihrem Boden befindet sich
das Eisen in halbkugeligen Stücken. Der Preis des so dargestellten
Eisens von beiden Arten ist etwas über drei Mark pro 50 kg.
Ein anderer berühmter Ort Schansis für Eisenindustrie ist Nantsun,
wo Gießereien, Nagelschmiede, Frischfeuer, Drahtziehereien
bestehen. Um Gußwaren herzustellen, verfährt man gerade so
wie bei der Bereitung des Roheisens, die plattenförmigen
Stücken des letzteren werden zerschlagen und mit Anthracit und
Frischschlacken gemengt, in Tiegel gefüllt, die in zwei Reihen
von je 150 übereinander gestellt werden. Ist alles in Glut, so
faßt man die Tiegel mit eisernen Zangen und gießt ihren Inhalt
in Formen. Vorwaltend verfertigt man große eiserne Kessel von
0,50-1 m Durchmesser und 15-30 cm Tiefe, die sich durch Dünne
des Metalls und Haltbarkeit auszeichnen. Außerdem wird eine
große Anzahl anderer Gegenstände für Haushalt und Landwirtschaft
hergestellt. Man wendet für sie je nach den Anforderungen an die
Eigenschaften des Eisens verschiedene Mischungen und Methoden an.
Diese sind das lange vererbte Geheimnis der einzelnen Fabriken.
Die Darstellung des Schmiedeeisens konnte V. RICHTHOFEN nicht
sehen; es wird dazu nur das langsam gekühlte Roheisen verwendet.
Das Produkt ist so vorzüglich, daß die Chinesen es bei gleichem
Preise dem importierten europäischen vorziehen. Drahtzieherei
und Nagelschmieden ist Hausindustrie. Die Eisenindustrie von
Nantsun muß sehr alt sein, denn das Thal ist voll von sehr großen
Schlackenhalden, zwischen denen die Straße oft mehrere Li (à 556 m)
weit hindurchführt.
Ein dritter wichtiger Eisenindustrieplatz in Schansi ist
Shwo-fàng-tsun, wo alle Materialien billig zur Hand sind und das
Terrain sich in bester Weise für die Anlage der Eisenwerke eignet.
Das Erz, ein Gemenge von Brauneisenstein und Spateisenstein wird in
kleinen Gruben gewonnen; einige werden durch Tagebau betrieben, in
anderen erreicht man das Erz durch einen kurzen Stollen und nicht
selten sind Schachte 6-9 m tief gesenkt. Der Bauer gräbt das Erz
auf seinem eigenen Felde und verkauft es an eines der zahlreichen
Schmelzwerke. Die Hüttenwerke, nach Art der oben beschriebenen
eingerichtet, sind in Lösterrassen angelegt; nur stellt man die
Tiegel in 30 Reihen von je 11 Stück, die 60 cm hoch sind und
beinahe 15 cm Durchmesser haben. Die Beschickung und Schmelzmethode
sind wie oben angegeben.[244]
Bei Lang-tiën in der Provinz Honan wurde in früherer Zeit Eisen
geschmolzen, wie die Überreste der Schmelzwerke und die erstaunlich
großen Schlackenhalden beweisen. Sie sollen aus der Zeit der
Ming-Dynastie (14.-17. Jahrhundert) stammen. Jetzt verstehen die
Einwohner die Kunst des Schmelzens nicht mehr.[245]
~Prähistorisches aus Japan.~ Die prähistorischen Verhältnisse
Japans zeigen in vielen Beziehungen überraschende Ähnlichkeit mit
den unsrigen. Hat man auch noch keine Pfahlbauten entdeckt, so
sind doch Tumuli, Steingräber, Kjökkenmöddings, zugehauene und
polierte Steine, Bronzen und Thongefäße gefunden worden; auch
fehlen Knochen- und Horngeräte nicht. Die Funde werden meist in
den Küstenprovinzen, sowie auf den Inseln, selbst den Liukiu-
und Bonininseln, gemacht und zeigen auch in ihren Formen eine
überraschende Ähnlichkeit mit unseren europäischen Geräten und
Waffen. Besondere Aufmerksamkeit haben in der letzten Zeit die
Muschelhaufen von Omori an der Bucht von Jedo erregt, die vielfach
untersucht sind und über die wir schon eine eigene Litteratur
besitzen. Hier sind die rohesten, behauenen Formen der Steingeräte
vertreten und Metallbeigaben fehlen. Man schreibt diese Funde
der japanischen Urbevölkerung, den Ebisu, zu, Vorfahren der
heutigen Ainos, welche nach dem Norden zurückgedrängt wurden.
Dafür spricht die Ornamentierung der Thonscherben und Thongefäße
in den Muschelhaufen, welche nach MILNE _is very like that of the
modern Aino_. Eine zweite Gruppe von Funden zeigt nach HEINRICH
VON SIEBOLD weit höhere Formen. Das verwendete Gestein kommt in
Japan gar nicht oder nur spärlich vor, um so häufiger aber auf
den malayischen Inseln, in Korea und China. Die Stücke sind meist
poliert, oft auch verziert und werden in Gemeinschaft mit Bronze
angetroffen. Man nimmt an, daß sie von Djimo-tenno herrührten,
dessen Krieger Waffen aus Stein und Bronze führten und der die Aino
besiegte und nach Norden drängte.[246] Das alles erscheint wie
Ausläufer der chinesischen Kultur.
Bereits der ältere V. SIEBOLD hatte uns in seinem klassischen
Werke über Japan mit jenen alten Steingeräten bekannt gemacht
und auf deren Übereinstimmung mit den europäischen Pfeilspitzen
etc. hingewiesen. Nach den japanischen Traditionen fielen die
alten Steinwaffen vom Himmel, wenn ein wütendes Heer von Geistern
in Sturm und Hagel dahinbrauste. Nachdem der Himmel wieder klar
geworden, zogen die Leute aufs Feld und fanden dort die Waffen und
Geräte, welche schon vor Zeiten in Raritätenkabinetten aufbewahrt
wurden und als _Rai fu seki_, Donnerkeile, bekannt waren, wie die
gleichen Steinbeile in Europa und anderwärts, von denen derselbe
Aberglaube herrscht. In den Tempeln wurden die ausgegrabenen
Steinobjekte als Überbleibsel der _Kami_, der Geister, von denen
die Japanesen abzustammen glauben, aufbewahrt.[247] Was Symmetrie
und Politur betrifft, sind diese japanischen Steingeräte noch
vollkommener, als die schönsten neolithischen Exemplare Europas.
~Heutige Metallurgie der Japaner.~ Wie bekannt, sind Bergbau und
Hüttenwesen heute in Japan hochentwickelt und in einzelnen Zweigen
der Metalltechnik ist das merkwürdige Volk des Sonnenaufganglandes
uns Europäern entschieden voraus. Zur Vervollständigung unserer
Angaben möge hier noch ein kurzer Bericht über das japanische
Montanwesen Platz finden, nach den Mitteilungen, welche GÜMBEL
gelegentlich der Weltausstellung in Philadelphia gegeben hat.[248]
Danach war zu Ende des achten Jahrhunderts der ~Bergbau~ in Japan
schon lebhaft im Betriebe, wie dieses auch durch zahlreiche
auflässige alte Baue bewiesen wird. Man trieb Stollen, einen unter
dem anderen, so weit es Wetter und Wasserzudrang gestatteten; die
Wasserhebungsvorrichtungen waren aber stets unvollkommen. Die
Stollen sind oft von so geringer Höhe, daß sie nur von Jungen
befahren werden konnten, die das zu fördernde Material in Säcken
zu Tage brachten. Die Fahrten bestehen aus einfachen Baumstämmen
mit eingeschnittenen Stufen. In der Gesteinsarbeit bediente man
sich der einfachsten Gezähe: Keilhammer, Schaufel, Hammer und
Meißel; zur Wasserhaltung benutzte man kleine hölzerne Handpumpen
und Kübel. Die Ventilierung war eine vorgeschrittenere, indem man,
um die Luftcirkulation herzustellen, die in verschiedener Höhe
angelegten Stollen vertikal verband und auch Wetterlutten anlegte,
die, aus hölzernen Dielen hergestellt, durch die Stollen geführt
wurden. Späne oder Lampen mit Fischöl und Docht aus Binsen dienten
zur Beleuchtung.
Uns interessieren hier die alten einheimischen metallurgischen
Prozesse, welche neuerdings den europäischen Methoden weichen
müssen. Aufbereitung und Herstellung der Edelmetalle war sehr
einfach. Die Erze wurden zuerst von Weibern auf der Grube
zerschlagen, sortiert und die haltigen Stücke zur Hütte gebracht,
hier das Erz weiter mit Hämmern auf geneigten Steinplatten in
Pulverform verwandelt und geschlämmt, wohl auch durch Handmühlen
verfeinert und verwaschen. Die erhaltenen Goldteilchen schmilzt
man in kleinen Schmelztiegeln auf offenem Holzkohlenfeuer, dessen
Intensität durch Handblasebälge verstärkt wird. Beim Silber
bediente man sich bisher der Schmelz- und Abtreibemethode, wie in
anderen Ländern, während man zur Scheidung von Gold und Silber das
Zusammenschmelzen mit Schwefel in Anwendung brachte.
Zur Darstellung von Gußeisen und Stahl bediente man sich bis in
die neueste Zeit ausschließlich des Magneteisens in Form kompakter
Massen oder von Sand, wie dieses Mineral im Gneis, granathaltigem
Diorit und Hornblendegestein reichlich vorzukommen pflegt.
Besonders reich an solchen Erzen ist die Provinz Rikuckiu, wo zu
Heigori die erzführenden Lagerzüge sich meilenweit fortsetzen.
Ähnliche Lager finden sich auch im kalkigen Schiefer der Provinz
Iwaki. Der Gehalt der Erze beträgt durchschnittlich 62 bis 65%.
Eisenglanz und Brauneisensteine wurden nicht benutzt.
Diese Magneteisenerze werden nach der alten Methode in kleinen
Öfen von rektangulärem Querschnitt nach Art der Stücköfen von
3,5-4,5 m Höhe verschmolzen. Zum Ofenbau benutzt man feuerfesten
Thon, den man für die Herstellung des Herdes mit Holzkohlenpulver
vermengt. Als Gebläse dienen hölzerne, mit der Hand in Bewegung
gesetzte gewöhnliche Blasebälge oder auch ganz eigentümlich
konstruierte, aus zwei liegenden cylindrischen Sektoren bestehende
blasebalgähnliche Maschinen, in welchen durch eine oszillierende
Auf- und Niederbewegung zweier an einer Achse befestigter Bretter
ein Luftstrom erzeugt wird. Ventile regulieren das Aus- und
Einströmen der Luft, während die Bewegung durch das Herüber- und
Hinübertreten von zwei oder drei Menschen bewirkt wird.
Wendet man Magneteisen in Sandform an, so stellt man eine Grube von
3,5-4,5 m Weite und 3 m Tiefe im Boden her, füllt diese lagerweise
mit Holzkohlenstaub und feuerfestem Thon, den man durch Entzünden
der Kohle brennt und härtet, um auf diese Weise den Unterbau zu
gewinnen, auf dem man den eigentlichen Ofen an der Basis 2-3/4 m
auf 1-1/2 m breit und 1 m hoch mit einem keilförmigen Hohlraume
errichtet. Beim Beginne des Schmelzens wird der Ofen mit Holzkohle
gefüllt, das Gebläse angelassen und sobald die Füllung sich
setzt, nach etwa zwölf Stunden, Magneteisensand gegen 3750 kg und
gleichviel Kohle nachgefüllt. Der Schmelzprozeß dauert zwei Tage
und drei Nächte und man erzeugt gegen 45% Roheisen und 1% Stahl,
der, nachdem das Eisen abgelassen ist, als eine an den Wänden
hängenbleibende Luppe herausgenommen wird. Die ganze Manipulation,
vom Ofenbau bis zum Wegbringen des Produktes, nimmt acht Tage in
Anspruch.
Zinnerze kommen in Satsuma, Suwo und Bingo vor; die Zinnproduktion
ist aber nicht bedeutend. Das Kupfer, so heißt es bei GÜMBEL, sei
in Japan zuerst im Jahre 684 unserer Zeitrechnung entdeckt worden,
was jedenfalls zu spät angesetzt ist. Die Art seiner Darstellung
ist ähnlich wie in Europa. Bekannt sind die vielen schönen farbigen
Legierungen, zu denen man es benutzt.
Da die Bronzen, welche mit Steingeräten zusammen in Japan gefunden
werden, im strengsten Sinne prähistorisch sind, so muß das Kupfer
auch zu jener Zeit in Japan bekannt gewesen und nicht erst vor
1200 Jahren entdeckt worden sein. Zur Zeit, als unser Landsmann E.
KÄMPFER (1690) Japan bereiste[249], war Kupfer das gewöhnlichste
unter allen Metallen des Landes. Messing war aber selten und teurer
als Kupfer, da man das hierzu nötige Galmei aus Tonkin beziehen
mußte. Eisen aber war, was uns interessiert, mit Kupfer im gleichen
Preise und eiserne Werkzeuge waren teurer als solche aus Kupfer
oder Messing. Nägel, Klammern, Haken, welche anderwärts aus Eisen
hergestellt wurden, machte man zu KÄMPFER's Zeit aus Kupfer. Sehr
feines Zinn wurde damals in der Provinz Bongo gewonnen, aber wenig
gebraucht. Bronze wird von KÄMPFER nicht erwähnt, wiewohl man
sie vortrefflich zu bereiten wußte und daraus die herrlichsten
kunstgewerblichen Gegenstände herstellte. Mag man auch eine
»Kupferzeit« in Japan annehmen, eine »Bronzeperiode« in dem Sinne,
daß die Bronze das Material zur Herstellung der gewöhnlichen
Gebrauchsgegenstände war, hat es in Japan nicht gegeben.
China sowohl als Japan zeigen die Metalltechnik seit der ältesten
Zeit und unabhängig vom Abendlande. Sie bilden ein abgeschlossenes
Reich für sich, von dem aber, bei geographischem Zusammenhange ganz
naturgemäß, Ausstrahlungen nach Nordwest und Norden, zu türkischen,
finnischen und hyperboräischen Völkern stattfinden mußten.
Fußnoten:
[237] GROSIER, De la Chine. Paris 1818. I. 191.
[238] GOGUET, III. 331 citiert bei TYLOR, Early history of mankind.
208.
[239] China. I. 369 ff.
[240] V. RICHTHOFEN a. a. O. I. 373.
[241] Mitteil. der Anthropol. Ges. in Wien. IX. 218.
[242] J. MARKHAM, Notes on a journey through Shantung. Journ. R.
Geogr. Soc. vol. 40. 217 (1870).
[243] V. RICHTHOFEN, China. II. 477.
[244] V. RICHTHOFEN, China II. 411. 412. 436.
[245] A. a. O. II. 500.
[246] V. SIEBOLD in Verhandl. Berlin. Anthropol. Ges. 1878. 429.
-- MORSE, Traces of an early race in Japan. New-York 1879. -- J.
MILNE, The stone age in Japan. Journ. Anthropol. Inst. X. 389.
[247] PH. FR. V. SIEBOLD, Nippon, Archiv zur Beschreibung von
Japan. II. 45 ff. Taf. 11-13.
[248] Das Ausland. Nr. 37. 1877.
[249] Geschichte und Beschreibung von Japan. Lemgo 1777.
Die Metalle im Norden Asiens.
~Das Eisen bei den sibirischen Völkerschaften.~ Als die Russen
über den Ural gingen und im 17. Jahrhundert erobernd Sibirien
durchzogen, trafen sie neben den Gerätschaften und Waffen aus Stein
und Knochen bei den dortigen Stämmen wenige eiserne Werkzeuge, die
auf dem Handelswege dorthin gelangt waren, jedoch nur einzelne
Völker, welche mit der Darstellung und Bearbeitung des Eisens
vertraut waren.
Daß die Ostjaken bei der Ankunft der Russen Eisen schmolzen und
Schmiedearbeiten ausführten, erwähnt J. G. MÜLLER[250], doch
ist diese Kunst jetzt bei ihnen verloren gegangen, wie POLJAKOW
angiebt[251], wohl infolge der russischen Eiseneinfuhr. Die Tataren
am Tom wurden von den Russen bei ihrem Vordringen nach Sibirien
als Kusnezi (Schmiede) bezeichnet, »weil in ihrer Gegend viel
Eisenerz fällt, woraus sie Eisen schmelzen und dasselbe zum Haus-
und Jagdgebrauche verarbeiteten«.[252]
Auf das eisenkundigste sibirische Volk trafen die Russen aber erst,
als sie bis zur Lena vorgedrungen waren. Hier saßen die Jakuten,
türkischen Stammes, welche Waffen, wie Messer, Beile, Lanzen,
Pfeile, Streitäxte und Kurjaks, d. h. Lederpanzer mit kleinen
eisernen Platten benäht, Helme etc., verfertigten. Von den Jakuten
lernten ihre nächsten Nachbarn, die Tungusen und Lamuten, den
Gebrauch des Eisens kennen, denn bereits 1652 trafen die Russen
die Lamuten an der Ochota mit ganz gleichen Waffen wie die Jakuten
versehen.[253]
Trotzdem in Sibirien russische Eisenwaren den Markt behaupten,
bereiten die Jakuten noch jetzt in der primitivsten Weise ihr
Eisen selbst aus den Erzen. Das Eisenerz gewinnt man in zwei
jakutischen Bezirken, dem Chatschikat- und dem Schemkonbezirke. Im
erstgenannten, am Flusse Botama, werden in Darkylach, Schestakowsk
und Kürtägija jährlich über 25000 kg, im Schamkonbezirke, am Bache
Lütäga, über 3500 kg Eisen gewonnen (zu V. MIDDENDORFF's Zeit). Als
Blasebälge dienen beim Ausbringen zwei lederne Butterschläuche.
Ein solcher »Simirj« wird aus halbgegerbten, geräucherten Fellen
zusammengenäht und ist sackartig geformt. Die obere Öffnung »wird
durch zwei Stöcke geschlossen, gleich einem Portemonnaie«. Dieser
Verschluß ist so luftdicht, daß es genügt, eine Röhre (am unteren
Ende) einzufügen, zwei Säcke nebeneinander zu stellen und durch
abwechselndes Ausdrücken der Luft einen Blasebalg zu ersetzen. Beim
Emporziehen des Sackes wird momentan die Mundöffnung gelüftet.[254]
Es ist dieses also dieselbe Art von Blasebalg, wie wir sie bei
den Zigeunern, in Indien und teilweise in Afrika kennen gelernt
haben.[255] Näheres über die Eisendarstellung giebt unsere Quelle
nicht an, aber sie erwähnt, daß die aus dem gewonnenen Eisen
hergestellten jakutischen Schmiedearbeiten vorzüglich sind,
namentlich die Messer. Die Klinge ist ähnlich wie die Schneide
unserer Hobeleisen gebildet, indem die eine Fläche der Klinge
im spitzen, die andere im rechten Winkel zum Rücken derselben
gerichtet ist. Der Holzgriff ist mit eingelegten Messingstreifen
verziert, Umgüsse von Blei festigen die Klinge im Griffe. Diese
Klingen sind außerordentlich biegsam, so daß der Jakut sie im
Halbkreis biegen kann, um damit aus freier Hand zu drechseln.
Außerordentlich geschickt in der Metallbearbeitung, fertigen sie
noch Äxte, Bärenspieße, Sicheln, Scheren, alle verziert und oft
mit Silber tauschiert. Noch jetzt stehen die Eisenarbeiter bei den
Jakuten in hohem Ansehen, wie z. B. TEMIR JEGOR, der eiserne Jegor,
den F. MÜLLER[256] am Olenek unter 69° nördl. Br. traf und der dort
seine Kunstfertigkeit ausübte. Die Eisenbereitung bei den Jakuten
ist um deswillen von Interesse, weil sie einmal uns zeigt, wie
weit dieselbe nach Norden hin vorgedrungen ist und andererseits,
wie dieselbe mit dem Charakter eines nomadischen Volkes nicht
unverträglich ist; ursprünglich Schafzüchter, sind die Jakuten
zur Pferdezucht übergegangen und, allmählich ihre Weidegründe
erweiternd, bis zur Eismeerküste vorgerückt.
Die übrigen Völker Sibiriens befanden sich beim Einrücken der
Russen noch in der Steinzeit und stürzten sich, gerade so wie es
von den Südseeinsulanern bekannt ist, auf das neue Metall, das
neben Tabak und Branntwein ihnen der begehrteste Tauschartikel
wurde, so daß für ein gewöhnliches Messer ein Zobelfell gegeben
wurde.[257]
Ausgeschlossen ist nicht, daß bei den östlichen, Japan und China
zugewandten Völkern hin und wieder Eisen, aus ostasiatischer Quelle
stammend, vorkommt, doch war diese Einwirkung nur eine höchst
untergeordnete und keinen durchgreifenden Einfluß ausübende. Nach
STELLER[258] lernten die Kamtschadalen das Eisen erst durch die
Russen kennen; sie besaßen im Anfange des 18. Jahrhunderts fast nur
Gerätschaften aus Stein oder Knochen. Noch eingehender als unser
Landsmann behandelt die hier interessierenden Verhältnisse der
Russe KRASCHENINNIKOW. »Aus Knochen und Stein,« sagt er, »waren der
Kamtschadalen Äxte, Wurfpfeile, Nadeln, Spieße. Die Äxte bestanden
aus den Knochen der Walfische oder Rentiere, zuweilen aus Achat
und Kieselstein. Sie hatten die Gestalt eines Keiles und waren
an gekrümmte Handhaben befestigt. Damit höhlten sie ihre Kanoes,
Schalen und Tröge aus; allein mit so viel Mühe und Zeitaufwand,
daß ein Kahn drei Jahre und eine große Schale wohl ein Jahr Zeit
erforderte. Natürlich erhielten dadurch diese Gegenstände einen
hohen Wert. Auch sehr feine Arbeiten konnten die Kamtschadalen mit
ihren einfachen Werkzeugen ausführen. So sah KRASCHENINNIKOW eine
Kette aus Walroßzahn mit den feinsten Gliedern, wie gedrechselt.
Sie war 40 cm lang, aus einem Stück geschnitten und »ein Kunststück
des größten Meisters würdig«. Die Ansicht, daß die Kamtschadalen
vor Ankunft der Russen durch die Japanesen (via Kurilen) das Eisen
kennen gelernt, weist KRASCHENINNIKOW nicht zurück[259], doch fand
der Import jedenfalls nur im geringen Maße statt.
Die nördlichen Nachbarn der Kamtschadalen, die Koriäken, erhielten
dagegen das Eisen sicher erst durch die Russen, verstanden es aber
bald, dasselbe in meisterlicher Weise zu bewältigen, wenn sie
es auch nicht aus den Erzen darstellen lernten. »Messer, Beile,
Piken, Ringe für die Rentier- und Hundegespanne, Armspangen von
eigener Arbeit sieht man überall bei diesen Nomaden. Besonders
aber zeichnen sich Messer und Piken durch Zierlichkeit aus,
indem sie meist von ausgelegter Arbeit sind. Arabesken aller
Art werden tief in das Eisen eingraviert und in die Einschnitte
feine Kupferstreifen eingehämmert. Es ist oft erstaunlich,
wie diese Leute mit so sehr mangelhaften Instrumenten die
regelmäßigsten Formen den Messern und Piken geben und diese auf das
geschmackvollste verzieren können.«[260]
Noch weiter nördlich uns wendend, treffen wir auf die Tschuktschen,
bei denen nach KARL VON NEUMANN, der sie 1869 besuchte, die
Einführung des Eisens durch den Engländer BILLINGS am Ende des
vorigen Jahrhunderts erfolgte, ohne die geringste Änderung in
den Lebensgewohnheiten dieses Volkes hervorzubringen.[261] Sie
sind noch heute, wie wir durch NORDENSKIÖLD erfahren, ein Volk,
bei dem der Übergang vom Gebrauche des Steines und Knochens zum
Eisen sich studieren läßt, da mehr und mehr europäische und
amerikanische Eisenwaren bei ihnen zur Verwendung kommen, ohne
jedoch jene soziale und kulturelle Umwälzung hervorzurufen, die
wir gewöhnlich mit der Einführung des Eisens verknüpft wähnen.
Das Material wechselt, aber sonst bleibt alles beim alten. Zur
Ausrüstung der Schlitten gehört jetzt ein Stab mit Eisenbeschlag
und einer Menge Eisenringe. Ihre Pfeile sind noch teils mit
Holz- und Knochenspitzen, teils mit Eisenspitzen versehen, die
Angelhaken aus Knochen oder Eisen, die Löffel aus Knochen, Kupfer
oder (eingeführt) Eisenblech; die Hämmer zum Zermalmen der Knochen
aber -- echt prähistorischer Form! -- aus Stein. Neben dem alten
Drillbohrer zum Feuermachen benutzen die Tschuktschen schon Stahl,
Feuer und Zunder. »Der Feuerstahl besteht oft aus einer Pfeilspitze
oder einem anderen alten Stahlgerät oder auch aus extra für diesen
Zweck geschmiedeten Eisen- und Stahlstücken. Gewöhnlich verrät die
Form dieser Geräte einen europäischen oder russisch-sibirischen
Ursprung, doch erwarb ich mir auch plump gehämmerte Eisenstücke,
welche Proben einheimischer Schmiedegeschicklichkeit zu sein
schienen. Ein Tschuktsche zeigte mir einen großen Feuerstahl
letztgenannter Art, welcher mit einem kupfernen Griff für den
Finger versehen und durch lange Benutzung hübsch geglättet war.«
Das Eisen zu diesen Feuerstählen war nicht meteorisch, mußte daher
eingeführt und jedenfalls kalt geschmiedet sein.[262]
Was die vielbesprochenen Onkilon jener Gegend betrifft, so lieferte
die Untersuchung ihrer Gräber nur Gerätschaften von Knochen und
Stein, nichts von Metall.[263]
~Die alten Bergbaue der Tschuden.~ So sind die Beziehungen der
nordsibirischen Völker zu den Metallen in historischer Zeit und in
der Gegenwart. Nordasien hat aber auch seine Völkerverschiebungen
und Wanderungen gehabt und alte Funde in den erzführenden
Gebirgen, wie in den Ebenen deuten auf vergangene Stämme, welche
mit der Bearbeitung der Metalle wohl vertraut waren, ja hierin
relativ Hervorragendes leisteten. In Bergbauen und Gräbern haben
sich die Schätze jener prähistorischen Zeit erhalten, die zusammen
mit der Linguistik uns Aufschlüsse über die vorgeschichtlichen
Metallarbeiter geben.
Vom Ural bis zum Altai und wieder bis Transbaikalien werden die
alten Bergbaue und Gräber vom Volke den Tschuden oder Tschudaki
zugeschrieben. Daß es sich auf dieser weiten Ausdehnung um ein Volk
gehandelt habe, läßt sich nicht annehmen, wie denn auch die große
Verschiedenartigkeit der Grabfunde auf verschiedene Völker deutet
und ihre Beschaffenheit und ihr Stil verschiedene Zeitperioden
erkennen läßt. Die Wogulen, die jetzigen Bewohner des Ural, wußten,
als die Russen zu ihnen kamen, nicht mehr, von wem die alten Halden
und Schürfe herrührten, auch betrieben sie selbst keinen Bergbau,
sondern wiesen auf die Tschuden hin. Die alten Minen selbst, die
sich im Ural erhalten haben, schildert PALLAS folgendermaßen:
»Auf allen erzreichen Strecken am uralischen Gebirge finden sich
alte, von einer uns unbekannten Nation, welche den Bergbau sehr
fleißig getrieben haben muß, herrührende, oft ziemlich tief
getriebene Schachte, Stollen und Schürfe; ja die besten heutigen
Bergwerke im Orenburgischen haben ihre Entdeckung diesen alten
Spuren, welche unter dem Namen Starie- oder Tschudskie-Kopi
bekannt sind, zu danken. Sie sind um desto merkwürdiger, weil sie
gemeiniglich bloß in runden Kanälen und Gängen bestehen, welche
weder ausgezimmert, noch gestützt sind. Selbige sind zuweilen so
enge, daß die Arbeit darin höchst beschwerlich muß gewesen sein,
weil man in den getriebenen Örtern oft nicht einmal aufrecht
stehen kann. Bei der Saigatschi Rudnik (bei Orenburg) ist außer
vielen Schürfen ein außerordentlich geräumiger und mit vielen
Örtern ausgetriebener Stollen noch im besten Stande gefunden
worden, bei dessen Ausräumung man nicht nur geschmolzenes Kupfer in
runden Kuchen, sondern auch viele runde, aus weißem Thon gemachte
Töpfe, worin die Schmelzung verrichtet worden, ja auch Gebeine
von verschütteten Arbeitern beisammen gefunden, von Herden oder
Schmelzöfen aber nicht die geringste Spur bemerkt haben soll.«[264]
Als 1573 die Russen begannen, den Metallschätzen im Salairgebirge
und dem Kusnezkischen Alatau -- beides Ausläufer des Altai
-- Aufmerksamkeit zuzuwenden, waren die wichtigsten Gruben
bereits 10-15 m tief ausgebeutet und verschüttet und alte
Schlackenhaufen, aus denen man noch zwei Prozent Kupfer gewann,
enthielten Schmelztiegel und kupferne Waffen. Außerdem bewiesen
verschieden gestaltete Keile, Hacken und Hämmer mit Stiellöchern
aus geschliffenem Diorit, Trapp und Sandstein das hohe Alter dieser
Baue. Dagegen fehlten steinerne Geräte für die Bedürfnisse des
täglichen Lebens.[265]
Ganz besonders entwickelt sind die alten Bergbaue am Schlangenberge
im Altai, wo »die Tschuden« die reichen und milden ockerigen Erze
mit tiefen Schürfen und selbst Schächten von zehn und mehr Meter
förderten. In die festen Erze einzudringen, haben ihnen die Mittel
gefehlt, wiewohl man Spuren davon gefunden, daß sie in dieser
Richtung wenigstens Versuche gemacht haben. Über die Art, wie jene
Alten den Bergbau betrieben, lassen sich einige Andeutungen geben.
Ihre Keilhauen und andere Gezähe waren aus Kupfer gegossen, wie
die gemachten Funde beweisen; statt der Fäustel aber benutzten
sie länglichrunde, sehr harte Steine, um welche in der Mitte eine
Vertiefung ausgeschliffen ist, die zur Befestigung des Steines mit
einem Riemen diente. Die Erze förderten sie in Ledersäcken an die
Oberfläche, wie ein solcher mit reichem Ocker bei einem Skelett
aufgefundener Sack beweist. Dieser goldhaltige Ocker war das
Hauptziel des Bergbaues, wie auch die alten goldhaltigen Geschütte
an den Bachufern darthun, wo der Goldschlich ausgewaschen wurde.
Von Eisenwerkzeugen ist keine Spur gefunden worden.[266] Auch in
der Gegend von Nertschinsk entdeckten die Russen alte Schürfe und
Bingen, sowie alte verwachsene Schmelzherde und von Blei- und
Kupferarbeit zeugende Schlacken und Glätten[267], und auch diese
wurden den Tschuden zugeschrieben.
Wer waren nun jene Tschuden, durch die die alten Bergbaue im Ural
und Altai angelegt wurden, Bergbaue, die viel gemeinschaftliches
in der Art und Weise ihrer Anlage zeigen und an beiden, wiewohl
weit von einander entfernten Orten, durch das Vorhandensein von
Kupfergeräten, sowie die Abwesenheit von Eisen charakterisiert
werden?
Es sind viele Mutmaßungen darüber aufgestellt worden. Vor hundert
Jahren bereits identifizierte der Petersburger Akademiker BAYER
die Tschuden mit den Skythen, die ja einen großen Teil Rußlands
bewohnten. Dieser Ansicht hat sich später ED. V. EICHWALD
angeschlossen, indem er die Skythen für die Vorfahren der heutigen
finnischen Völker ansah.
Bekanntlich werden die Skythen noch als Vorfahren einer Reihe
anderer Völker in Beschlag genommen und wir wollen die Ansicht V.
EICHWALD's dahingestellt sein lassen; daß aber die Tschuden --
deren Namen unter den westlichen Finnen noch fortlebt -- Finnen
gewesen sein können, dafür sprechen noch andere Gründe. Die
älteste Schmiedekunst der Finnen, als sie noch ungeteilt am Ural
und in Sibirien beisammen saßen, muß nach AHLQVIST[268] auf das
Kupfer bezogen werden; die Sprache legt hierfür Zeugnis ab, daß
die Bekanntschaft der Finnen mit dem Kupfer eine sehr frühzeitige
war, die Namen für dieses Metall sind in den finnischen Sprachen
genuin. Bronze aber kannten sie wahrscheinlich nicht, da in ihrer
Sprache sich keine Benennung für dieses Mischmetall vorfindet und
da sie für das Zinn, welches zu einer solchen Bereitung nötig, den
Namen erst aus den germanischen Sprachen entlehnt, also erst nach
ihrer Ankunft an der Ostsee dieses Metall kennen gelernt.[269]
Dort auch erhielten die baltischen Finnen von indogermanischen
Völkern die Bezeichnung für Eisen, während die östlichen, den
Ursitzen näher gebliebenen Finnen (Wogulen, Ostjaken, Wotjaken,
Syrjänen, Tscheremissen) für dieses Metall einen gemeinsamen, nicht
entlehnten Namen haben, der folglich erst entstanden sein kann,
nachdem Ost- und Westfinnen sich getrennt hatten.[270]
Kupfer also ist das älteste Metall der Finnen und auf Kupfer
und mit Kupfergezähen wurden die alten Bergbaue betrieben; die
ursprünglichen Sitze der Finnen lagen gleichfalls am Ural und in
Westsibirien, wo ja noch ein Teil dieses Volkes wohnt; endlich
ist der Name der Tschuden, welcher den alten Bergleuten und
Metallschmelzern Sibiriens traditionell gegeben wird, ein noch
teilweise auf die heutigen Finnen angewandter. Auch A. ERMAN ist
nicht abgeneigt, in den Tschuden finnische Völker, Vorfahren
der jetzigen Ostjaken zu sehen, deren Name aus dem tartarischen
_Uschstjak_ entstanden ist.[271] Dieses alles scheint darauf zu
deuten, daß jene alten Metallurgen finnischen Stammes waren,
wiewohl die Gründe nicht stark genug sind, um diese Mutmaßung zur
Gewißheit zu erheben.
~Kurgane und Gräber in Sibirien.~ Abgesehen von den alten Bergbauen
finden sich im westlichen und südlichen Sibirien zahlreiche Gräber
sehr verschiedener Art und, nach den reichen Grabbeigaben zu
schließen, von sehr verschiedenen Völkern und aus verschiedenen
Perioden herrührend. Sie fesselten frühzeitig die Aufmerksamkeit
der Reisenden und auch der Schatzgräber, die, nach Gold wühlend,
manches kostbare Denkmal vorgeschichtlicher Zeit zerstörten.
STRAHLENBERG, PALLAS, GMELIN, EICHWALD, RADLOFF, POGOW, MEYNIER
und EICHTHAL, DESOR und andere haben sich mit diesen Gräbern und
ihrem Inhalte beschäftigt; es existiert darüber in russischen
Fachschriften eine reiche Litteratur, die ich zu meinem Bedauern
aus Unkenntnis der russischen Sprache nicht benutzen konnte. Es
mögen daher die nachfolgenden Mitteilungen unter dem Gesichtspunkte
der Unvollständigkeit beurteilt werden.
Das Centrum der Verbreitung dieser Gräber liegt am oberen Jenisei
und seinen Nebenflüssen im Kreise Minusinsk, da wo dieser große
Fluß aus der Mongolei nach Sibirien übertritt. Entlang dem
Jenisei haben die Metallerzeugnisse jenes alten Kulturvolkes oder
jener alten Kulturvölker sich gegen Norden hin verbreitet, denn
tatarische Hirten finden in den Steppen bei Krasnojarsk am Jenisei
beim Weiden hin und wieder Bronzegegenstände mit Tierbildern,
welche in ihrer Ausführung eine weit höhere Kultur voraussetzen,
als sie unter den dortigen, jetzt bekannten Eingeborenen besteht
oder bestanden hat und die gleichfalls mit den »Tschuden« in
Zusammenhang gebracht wird. Derartige Bronzemesser zeigen am Griffe
nach DESOR[272] sehr gut ausgeführte Steinböcke, Wölfe, Elentiere,
ja Tiger oder Löwinnen, aber mit einer Art von Elefantenrüssel.
Die Gegenstände, auf denen solche Ornamente vorkommen, sind Dolche,
Beile, Piken, Meißel, gewöhnlich mit brauner, seltener mit grüner
Patina überzogen. Die Formen werden von DESOR, dem die Bronzen von
dem Entdecker, dem russischen Ingenieur LAPATIN zugeschickt wurden,
für schön und elegant erklärt.[273]
Diese Funde, welche nach ihrer artistischen Ausgestaltung auf eine
höhere Kultur schließen lassen, können nicht von den Vorfahren der
heutigen Eingeborenen jener Gegenden herrühren und wohl auch kaum
in diesen Gegenden entstanden sein, die mit einer Wintertemperatur,
in der häufig das Thermometer bis auf -40° R. sinkt, dem Aufblühen
der Künste und Gewerbe wenig förderlich waren. Sie weisen nach
Süden, nach dem Grenzgebiete gegen die Mongolei hin, wo in der That
ein schöneres Klima herrscht und die zahlreichen Gräber als Quelle
jener Funde von Krasnojarsk zu erkennen sind.
Übersicht und System in die Gräber am oberen Jenisei hat W. RADLOFF
gebracht, der die zahlreichen, verschiedenartigen Grabstätten im
Kreise Minusinsk, an dem Ufer des Jenisei, in den Steppen des
Abakan und Jüs untersuchte, sowie an den Strömen, die östlich vom
Altai herabkommen. Tumuli und Steingräber liegen unregelmäßig
zerstreut in den Uferlandschaften und begleiten in ununterbrochener
Reihe die Gestade der Flüsse. Schon ihre große Anzahl zeugt von
einem langjährigen Aufenthalte eines zahlreichen Volkes in diesen
Gegenden.
Wohl auszuscheiden von den alten Gräbern dortiger Gegend, die
gleich näher charakterisiert werden sollen, sind die jüngeren,
nicht auf der Steppenfläche verteilten, sondern entfernt von den
Flüssen in den Vorgebirgen gelegenen Gräber, die oft zu 60 bis 80
an einer Stelle sich beisammen finden und von Kirgisen herrühren.
Sie enthalten neben Skeletten Eisengerät, Kessel, auch aus Kupfer,
Messer und Pfeile aus Metall und selbst aus Knochen, kurz, eine
Sammlung verschiedenartiger Kulturgegenstände, neben welchen auch
russische Münzen aus dem 17. Jahrhundert nicht fehlen.[274]
In den älteren, an den Flüssen gelegenen Grabstätten mit
Steinsetzungen fand aber RADLOFF fast durchweg nur Kupfergeräte und
er sieht in ihnen den Nachlaß der ältesten Bewohner jener Gegenden.
Es sind dieses die bereits von PALLAS erwähnten Erdhügel oder
Kurgane, teilweise mit Steinsetzungen, welche dieser gründliche
Beobachter bereits vor hundert Jahren folgendermaßen schildert:
»Man findet in solchen durchgängig ganz deutliches und oft
noch ziemlich unverbrochenes Zimmerwerk von sehr verwestem
Lerchenholz, aus dessen Lage man sieht, daß vor die Leiche aus
ziemlich dicken, übereinander liegenden Balken, fast nach Art
der russischen Bauernstuben, ein kleines, länglich viereckiges
Behältnis zusammengefügt und mit Erde überschüttet worden ist.
Gemeiniglich findet man über der von dicken Bohlen gezimmerten
Decke des Grabkellers entweder ausgebreitete Birkenrinden, welche,
wie bekannt, schwer verwesen, oder Steinfließen, welche die
morsche Decke eingedrückt haben. Der Boden des Behältnisses ist
gleichfalls mit Brettern gedielt. In solchen Behältnissen findet
man gemeiniglich die Knochen von zweien, auch wohl nur von einer
Leiche, und in einem Hügel oft mehrere, durch hölzerne Scheidewände
oder auch gänzlich durch Erdräume von einander abgesonderte
Behältnisse nebeneinander. Am Fußende findet man verschiedene mit
der Leiche beerdigte Kleinigkeiten, irdene oder auch kupferne
Kessel und Töpfchen, Überbleibsel hölzerner Geschirre und
Schöpfkellen, kupferne Werkzeuge von allerlei Art. In der Gegend
des Gürtels pflegen hirschförmige und andere Bleche des Beschlages,
die Dolche und Messer mit Spuren einer Scheide und andere kleine
Gegenstände zu liegen. Um den Kopf finden sich mit Gold überzogene
Knöpfe, Spangen und andere Spuren der beigelegten Kleidung. Man
soll sogar noch zuweilen sichtbare Stücke von golddurchwirkten
Seidenzeugen und übergebliebene Haare von Zobel- und anderen Pelzen
in den wohlerhaltensten Grabkellern angetroffen haben. Bei einigen
hat man eine Menge Hackenknochen von großen und kleinen Tieren,
die durchlöchert und abwechselnd nebeneinander gelegen, als ob
sie aneinander gereiht gewesen, oder auch viele kleine eckige
Pyramiden von verschiedener Gestalt aus Gußkupfer, die vielleicht
ein Brettspiel oder etwas ähnliches vorgestellt, gefunden. Die
Spuren der Lanzen oder auch der Ehrenstäbe, die bei männlichen
Leichen oft gefunden werden und mit Krücken von Gußkupfer
geziert zu sein pflegen, sind zuweilen mit schmalen Streifen von
geschlagenem Golde schlangenweise umschlungen. Noch finden sich
zuweilen echte Goldblättchen, die zur Zierat um den Hals oder die
Ärmel mögen gelegt gewesen sein oder womit auch die Griffe der
Dolche und die Zieratsbleche der Gürtel gleichsam nur umwickelt
scheinen. Zuweilen sind in einem Behältnisse bei ganzen Leichen
auch verbrannte beigesetzt, deren Knochen in einem Haufen beisammen
gemeiniglich nahe an den Wänden des hölzernen Grabes liegen;
auf solchen Aschenhaufen sind die Goldblättchen und andere mit
beigesetzte Kleinigkeiten zu oberst gelegt. -- Alles Kupfergerät
ist Gußwerk; von Eisen fehlen zwar in dergleichen Gräbern nicht
alle Spuren, aber es ist doch eine sehr große Seltenheit. Nur habe
ich von einem kleinen verrosteten Beile, die man sonst aus Kupfer
nicht so selten findet, und von einer Keilhaue gehört, welche
in Gestalt den jetzt bei unseren Bergleuten gebräuchlichen ganz
ähnlich gewesen seien. -- In großen Kurganen werden Pferdegerippe
mit Spuren von Sattel und Zeug über den Grabkellern in der bloßen
Erde gefunden.«[275]
Diese letzteren gehören aber offenbar in eine ganz andere Kategorie
von Gräbern, wie wir aus den Forschungen RADLOFF's erkennen. In
den Gräbern mit Kupfer- und Bronzegegenständen fand dieser nämlich
niemals Pferdeknochen in größerer Anzahl, während in den späteren
Steingräbern mit Eisen sich Pferdeskelette in Menge zeigten. Die
Steingräber mit Eisenwerkzeugen zeigten in der Form der letzteren
deutliche Nachbildungen alter kupferner Werkzeuge und Waffen.
Diese Gräber stellt RADLOFF an die »Grenze zwischen Bronze-
und Eisenperiode«. Es sind solche Gräber, wie sie PALLAS[276]
gleichfalls erwähnt, als Bestattungsplätze Vornehmer mit
zierlichem Silbergeschirre, Gold in Blechen, Knöpfen und anderen
Zieraten, mit Steigbügeln und anderem Pferdegeschirre von Eisen
mit Silber und Gold eingelegt oder überzogen und nur mit wenig
Kupfergerät. RADLOFF nimmt an, daß diese Gräber mit Eisen, mit den
seidenüberzogenen Pelzgewändern, wie er eines von 28 m Durchmesser
an der Katanda öffnete, von einem eingerückten Reitervolke
türkischen Stammes herrühren, von einem Volke, welches die älteren
Kupfer- und Bronzearbeiter vertrieb.[277]
Hierhin gehören auch die von STRAHLENBERG[278] aufgefundenen
kleinen gegossenen Götzenbilderchen von Erz, Kupfer, Messing,
Zinn, Silber und Gold, die zu tausenden in den »alten tatarischen
Gräbern oder _tumulis sepulchralibus_« zu seiner Zeit enthalten
waren und von denen er Abbildungen giebt; dahin gehören die
Pferdezaumbuckeln, Glöckchen, die »Degen, Pfeile, Dolche und mehr
dergleichen Dinge, welche die Russen ausgegraben und die nicht
geschmiedet, sondern von Kupfer gegossen sind«. Jüngerer Zeit
gehören dann wieder jene Gräber an, aus denen Medaillen von Gold
und Silber, ganze Schachspiele von Gold und große goldene Bleche,
worauf der Tote gelegen, polierte Metallspiegel etc. ans Licht
gefördert wurden. Auf den südlichen mohamedanischen Kulturkreis
weisen ornamentierte Schalen mit kufischen Inschriften, schön
ziselierte Bronzegefäße mit darauf dargestellten Falkenjagden
hin, andere zeigen chinesischen Charakter, jedenfalls importierte
Gegenstände, während die älteren Gräber höchst wahrscheinlich
heimisches Metallgerät zeigen. MEYNIER und V. EICHTHAL, welche
die Kurgane von Gonba bei Barnaul öffneten, die gleichfalls
vom Volke den Tschuden zugeschrieben werden, sprechen sich aus
anthropologischen Gründen, zumal auf die brachykephalen Schädel der
Skelette jener Gräber sich stützend, dahin aus, daß jene Kurgane
von einem türktatarischen Volke stammen. Sie fanden Eisen und
Stoffe, wie PALLAS und RADLOFF, während Bronze vollständig fehlte
und die Zieraten aus gegossenem Kupfer bestanden.[279]
Denn das alte Volk, von dem die zahlreichen Gräber stammen,
muß massenhaft hier gesessen und seine Metallsachen an Ort und
Stelle gefertigt haben, wofür noch andere Anzeichen sprechen. Der
Mineralreichtum des dortigen Gebirges, die alten, weithin sich
ziehenden Schürfe und Baue, die Schlacken und Glätten sprechen
dafür, daß am Jenisei ein metallkundiges Volk wohnte. Doch ist der
Bergbau nur oberflächlich betrieben worden und die Gruben hören
gewöhnlich da auf, wo hartes Gestein anfängt. POPOW hat gezeigt,
daß das alte Kulturvolk am Jenisei das Schmelzen der Metalle in
kleinen Öfen ausführte, daß es das Legieren der Metalle (z. B. von
Kupfer und Silber) verstand, mit der Abscheidung des Silbers aus
dem Kupfer aber unbekannt war.[280]
Die Vermutung RADLOFF's, daß die Türken oder ein Volk türkischen
Stammes das Eisen im Altai schmolz und in Sibirien diese Kunst
verbreitete, erhält mehrfache Bestätigung. Die alten chinesischen
Geschichtswerke erzählen, daß das Eisenschmelzen im Kinschan
(Altai) durch die Türken eingeführt wurde[281], und die Sprache
zeigt uns gleichfalls die uralte Bekanntschaft der Türken mit
dem Eisen, wiewohl auch andere Metalle ihnen frühzeitig bekannt
waren. Vergleichen wir die turkotatarischen Idiome, so finden wir
bei allen gleichlautend und gleichbedeutend _temir_ für Eisen,
ein Wort, das somit einem vordialektischen Zeitalter entsprungen
und seit den ältesten Zeiten bekannt gewesen sein muß. Es geht
ohne Zweifel auf die Stammsilbe _tim, tem_, fest, dicht, stark
zurück. Aber ganz ähnlich verhält es sich mit dem Kupfer, _bakir_,
_pakir_, dem die Stammsilbe _bak_, _pak_ zu Grunde liegt,
welche gleichfalls fest, hart bedeutet. Bei solcher Sachlage
läßt sich auf sprachlichem Wege die Frage, welches das erste,
dem turkotatarischen Urmenschen bekannte Metall gewesen, nicht
entscheiden.
Können wir danach Eisen und Kupfer als gleichalterig vermuten,
so läßt sich für die Bronze nachweisen, daß sie im frühesten
Kulturstadium der Türken unbekannt war und ihnen erst von
benachbarten Völkern zugeführt wurde. Das tschagataische _[vz]es_,
altaische _jes_, stammt vom mongolischen _dzes_, wobei jedoch
hervorgehoben werden muß, daß, während mit diesem tschagataischen
Worte heute Bronze bezeichnet wird, dasselbe im Altaischen und
Mongolischen entschieden Messing und Kupfer bedeutet. Diese
schwankende Definition des fraglichen Begriffes ist an und für sich
hinreichend, um das Fremdartige dieses Metalles bei den Türken
außer Zweifel zu stellen. Ein solches Schwanken ist nicht der
Fall, wo die Wortbildung auf heimischem, festem Boden sich bewegt.
Es ist, so rekapituliert VAMBÉRY, unmöglich, bei den primitiven
Turkotataren sprachlich ein Stein-, Bronze- und Eisenalter
nachzuweisen.[282]
Fußnoten:
[250] Sammlung Russischer Geschichte. St. Petersburg 1763. VIII.
101. 188.
[251] Archiv f. Anthropol. XI. 323.
[252] J. G. MÜLLER a. a. O. VI. 540.
[253] POPOW in Zeitschr. für Ethnologie 1878. 461.
[254] V. MIDDENDORFF, Sibirische Reise. IV. 1557.
[255] Dieser Blasebalg erscheint auch bei den Völkern im
europäischen Rußland, so bei den nomadisierenden Kalmüken am
Uralflusse, die kleine Eisenarbeiten und Waffen -- trotz ihrer
nomadisierenden Lebensweise -- zu verfertigen verstehen. »Ihr
Blasebalg besteht bloß in einem ledernen Sack mit einer Röhre in
einer zwischen zwei glatten Hölzlein gefaßten Öffnung, welche sie
mit der Hand ergreifen und, indem der Sack aufgehoben wird, öffnen,
darauf schließen und den Sack zugleich niederdrücken.« (PALLAS,
Reise durch verschiedene Provinzen des russischen Reiches. St.
Petersburg 1771. I. 324.)
[256] Unter Tungusen und Jakuten. Leipzig 1882. 143.
[257] »Vor Alters war alle Gerätschaft von Eisen und anderem
Metall in Sibirien sehr kostbar. Wenn man (die Russen) zu einem
neubezwungenen Volke kam, welches entweder gar nicht oder noch
nicht zu Genüge damit versehen war, so bekam man für einen eisernen
oder kupfernen Kessel so viel Zobel und schwarze Füchse, als sich
dahinein packen ließen.« MÜLLER, Sammlung Russ. Geschichte. St.
Petersburg 1758. III. 485.
[258] Kamtschatka. 247. 320.
[259] KRASCHENINNIKOW, Kamtschatka. Lemgo 1766. 223. 225. -- ERMAN
(Reise um die Erde. III. 454) fand einen Obsidiannucleus, von
dem Spähne abgeschlagen waren, zu Maschura in Kamtschatka. Die
Bestimmung desselben war den Eingeborenen unbekannt. Er schloß
daraus, daß infolge des Verkehrs mit den metallreichen Japanern
»das sogenannte steinerne Zeitalter für Kamtschatka schon sehr
früh seine Endschaft erreicht hätte. Namentlich aber weit vor der
Ankunft der Russen«. Das steht aber im direkten Widerspruch zu
STELLER's Angabe.
[260] V. DITMAR, Über die Koriäken. Melanges russes. Tome III.
1./13. Juni 1855.
[261] Globus XXVI. 347 (1874).
[262] NORDENSKIÖLD, Umsegelung Asiens und Europas auf der Vega. II.
93. 106. 108. 110. 111. 117.
[263] NORDENSKIÖLD. I. 405.
[264] PALLAS, Reise durch verschiedene Provinzen des russischen
Reiches. St. Petersburg 1771. I. 246.
[265] BUTENEW im Archiv f. Wissenschaftl. Kunde von Rußland. XXIV.
509.
[266] PALLAS a. a. O. II. 608.
[267] PALLAS, Neue nordische Beyträge. St. Petersburg und Leipzig
1783. IV. 207.
[268] Die Kulturwörter in den westfinnischen Sprachen. 63.
[269] AHLQVIST a. a. O. 66.
[270] AHLQVIST a. a. O. 67. 70.
[271] Reise um die Erde. Berlin 1838. II. 38.
[272] Journ. Anthropol. Instit. III. 175.
[273] Bull. soc. d'Anthropologie 1873. 441 ff.
[274] RADLOFF in Verhandl. Berl. Anthropol. Ges. 1871. 83 ff.
[275] PALLAS, Reise durch verschiedene Provinzen des russischen
Reiches. III. 386 und Tafel VII. Der hier abgebildete »Ehrenstab«
und die Glocken sind mit ziemlich gut ausgeführten Steinböcken
versehen -- alle Gußwaren zeigen eine vorgeschrittene Technik.
Diese Steinböcke (wohl Argali) sind charakteristisch für die
gegossenen Kupferobjekte der Gräber am Jenisei. Man braucht
sie aber nicht in eine wohlfeile Parallele mit Ziegen- und
Antilopenbildern auf altgriechischen Vasen und Schwertbeschlägen
der la Tène-Periode zu bringen, um ein Hauptargument dafür zu
gewinnen, daß jene Tschuden die Lehrmeister der Urindogermanen in
der Metalltechnik waren, wie dieses Prof. UNGER thut (Mitteil.
aus dem Göttinger Anthropol. Verein. 1874. I. 25). Eine solche
Analogie hat keine Beweiskraft, ebensowenig wie die hier angezogene
Spirale, da beides sich von selbst ergebende Darstellungen bei den
verschiedensten Völkern des Erdballes sind.
[276] A. a. O. II. 360-362. 384.
[277] Verhandl. Berl. Anthropol. Ges. 1882. 430 ff. -- Vergl.
den Bericht von HAWELKA über die Ausgrabungen der k. archäolog.
Kommission in Sibirien. Mitteil. Wiener Anthropol. Ges. VII. 221 ff.
[278] PH. J. VON STRAHLENBERG, Das Nord- und östliche Teil von
Europa und Asia. Stockholm 1730. 313. 317. 356. 359. 399 und Taf.
III. IV und XX.
[279] MEYNIER et L. D'EICHTHAL, Les Tumuli des anciens habitants de
la Sibérie, Revue d'Anthropol. 1874. 270. 274.
[280] Mitteil. der sibirischen Abteilung der russ. geogr. Ges. II.
Heft 4 u. 5. 1872. -- Arch. f. Anthropologie. XI. 318.
[281] SCHOTT in Verhandl. Berl. Anthropol. Ges. 1883. 242.
[282] H. VAMBÉRY, Die primitive Kultur des turko-tatarischen
Volkes. Leipzig 1879. 174-177.
Das Bekanntwerden der Amerikaner mit dem Eisen.
~Eisen im vorkolumbischen Amerika unbekannt.~ Sir JOHN LUBBOCK
erzählt, daß bei der Entdeckung Amerikas am La Plata eine
Völkerschaft gewohnt habe, welche mit Eisen beschlagene Pfeile
besaß; die Beschläge wurden, wie man glaubt, aus Klumpen
gediegenen Eisens gewonnen.[283] LUBBOCK führt keine Quelle für
diese Angabe an; bestätigt sich dieselbe, so kann es sich nur um
Meteoreisen handeln, das von jenen Indianern etwa ähnlich wie
von den Eskimos verwendet wurde. Dahin gehört wohl auch, was
ACOSTA von eisernen Keilen (_cuños de hierro_) berichtet, die in
Paraguay als Münze umliefen.[284] Es läßt sich sonst keine Spur von
Eisenverwendung im vorkolumbischen Amerika nachweisen. Die Mounds
des Mississippithales enthalten nach SQUIER Silber-, Kupfer-,
Stein- und Knochengeräte, aber kein Eisen ist -- von einem einzigen
Meteoreisenfunde abgesehen -- gefunden worden.[285] Nirgends
weist die Sprache der alten Kulturvölker Amerikas auf das Eisen
hin, und wo Spanier, Portugiesen, Engländer mit den Eingeborenen
in Berührung kamen, bestätigen sie überall die Unbekanntschaft
derselben mit dem Eisen. Von den Cariben schrieb 1494 KOLUMBUS, daß
sie, weil sie kein Eisen besäßen, ihre Pfeilspitzen aus Schildpatt
oder Fischstacheln herstellten.[286] Der Eindruck, welchen die
Unbekanntschaft der Eingeborenen der neuen Welt mit dem Eisen auf
die ersten Entdecker hervorbrachte, war ein tiefer, und zwei Jahre
nach der Auffindung Amerikas durch KOLUMBUS schrieb Dr. CHANCA
an das Domkapitel zu Sevilla: »_Tienen muchas ferramientas, ansi
como hachas e azuelas hechas de piedra tan gentiles é tan labradas
que es maravilla como sin fierro se pueden hacer._« Mit ihren
trostlosen Werkzeugen aus Stein und Muschelschalen verfertigten
sie Skulpturen aus Holz, Götzenbilder, kunstreich geschnitzte
Sessel und Zieraten für die Schnäbel der Schiffe. Am besten geriet
diese Industrie den kunstsinnigen Bewohnern der Insel Guanaba im
Westen von Haiti. Gold wurde als Schmuck geschätzt und in der Nase
getragen; auf Haiti verarbeitete man es zu Stangen und mancherlei
anderen Dingen, namentlich zu Marken, die mit guten Steinen besetzt
waren; auch von goldenen Kronen der Kaziken ist die Rede; doch
verstanden sie -- worauf in kulturhistorischer Beziehung viel
ankommt -- es nicht zu schmelzen, sondern nur zu hämmern.[287] Wie
findig aber die Eingeborenen Kubas sich dem neuen Metall gegenüber
zeigten, erkennen wir daraus, daß sie, wie OVIEDO (lib. VII. cap.
8) bezeugt, es verstanden, sich der eisernen Fesseln in spanischen
Gefängnissen zu entledigen, indem sie Schnüre aus den Fasern des
Henequenhanfes mit feinem Sande bestreuten und die Ketten so
durchfeilten[288] -- ein Fingerzeig dafür, wie auch manche Steine
bearbeitet wurden.
~Verwendung von Meteoreisen bei den Eskimos.~ Meteorisches Eisen
war bei den Amerikanern früh im Gebrauche und es wird namentlich
bei den Grönländern und Eskimos von verschiedenen Reisenden
erwähnt. In bezug auf den Kulturfortschritt, das Eisen aus den
Erzen geschmolzen zu haben, ist dieses Vorkommen des gediegenen
Metalles bei jenen Nordländern aber ohne alle Bedeutung. Sie
haben heute noch nicht, wiewohl sie mit dem europäischen Eisen
nun lange bekannt sind, die Darstellung desselben erlernt und es
liegt hierzu bei ihnen auch keine Veranlassung vor, abgesehen
davon, daß die Rohmaterialien, Eisenerz und Kohlen, meist fehlen.
Das Meteoreisen aber, welches die Eskimos zu Messern, Pfeilspitzen
etc. verwerteten, wird von ihnen wie der Stein gehandhabt und
verarbeitet durch einfaches Zuschleifen und Fassen in Holz oder
Knochen, gerade so wie das gediegene Kupfer bei südlicher wohnenden
Indianerstämmen.
Als 1823 CLAVERING und SABINE den nördlichsten Teil Ostgrönlands
entdeckten, trafen sie dort unter 75° nördl. Br. noch einige,
seitdem ausgestorbene Eskimos, die zum erstenmale weiße Menschen
sahen und die auch mit den Grönländern der Westküste in keinerlei
Beziehungen standen. Dieser abgeschiedene Posten besaß Harpunen und
Speere mit Knochenspitzen, doch waren einige Spitzen von Eisen,
welches allem Anscheine nach meteorischen Ursprunges war.[289]
[Illustration: Fig. 31. Eskimomesser mit Meteoreisen. Nach SABINE.]
Von der Westküste Grönlands kennen wir durch denselben SABINE
auch verarbeitetes Meteoreisen. Als er 1818 mit JOHN ROSS den
kleinen Eskimostamm am Kap York (am Eingange des Smithsundes)
entdeckte, fielen ihm sogleich die Messer dieser Polarmenschen
auf. Er berichtet[290]: »Jeder der uns am 10. August besuchenden
Eskimos, und ich glaube jeder der uns später besuchenden, besaß
ein roh gearbeitetes Instrument, welches die Stelle eines Messers
vertrat. Der Griff war aus Knochen von 23-28 cm lang und dem
Handgriffe eines Einschlagemessers ähnlich gearbeitet; in einem
auf der Kante entlang laufenden Einschnitte sind dann eine Anzahl
plattgeschlagener Eisenstückchen, von drei bis zu sieben Stück
bei einzelnen Messern und gewöhnlich bis zur halben Länge des
Messers, eingefügt. Keines dieser Stücke war an dem Handgriffe
besonders befestigt, mit Ausnahme des die Spitze bildenden,
welches in der Regel zweischneidig und roh vernietet war (Fig.
31). In der ersten Antwort auf unsere Frage, woher sie das Eisen
erhalten hätten, wurde uns zu verstehen gegeben, sie hätten es
am Meeresufer gefunden, und wir vermuteten, es stamme von den
Beschlägen gelegentlich an die Küste getriebener Tonnen. Nur
wunderten wir uns über die Leichtigkeit, mit welcher sie ihre
Messer hergaben; sie erhielten allerdings unendlich viel bessere
Messer im Austausche gegen die ihrigen, es schien uns aber doch,
als ob sie das so zufällig erhaltene Eisen nicht so hoch schätzten,
als wir erwarten konnten. Das veranlaßte eine Diskussion unter
uns, bei welcher einige der bei der Befragung der Eskimos in der
Kajüte zugegen gewesene Offiziere bezweifelten, daß der Dolmetscher
ZACHEUS richtig verstanden worden sei; er wurde also wieder
herbeigeholt und ihm gesagt, man wünsche zu wissen, was über das
Eisen an den Messern, von denen eins auf dem Tische lag, gesagt
worden sei, worauf man ihm das, was er anzugeben hatte, ohne ihn
zu unterbrechen oder ihm einzuhelfen, sagen ließ. Er erklärte, es
sei kein englisches oder dänisches, sondern Eskimoeisen; es komme
von zwei großen Steinen auf einem Hügel, nahe an einer Gegend der
Küste, an der wir kürzlich vorbeigefahren und die jetzt noch in
Sicht sei. Die Steine seien sehr hart; kleine Stücke würden davon
ab- und zwischen anderen Steinen plattgeschlagen. Diesen Bericht
wiederholte er gleichmäßig mehrere Mal, so daß der Sinn desselben
nicht zweifelhaft bleiben konnte. Ferner brachten wir von ihm
heraus, daß er von dem Vorkommen solcher Steine in Südgrönland
nie gehört habe, daß die Eskimos ausgesagt hätten, sie wüßten von
keinen anderen Steinen außer diesen beiden und endlich, daß das
Eisen, so wie es von dem Steine losgebrochen werde, unverändert
vor uns liege und im kalten Zustande platt gehämmert worden sei.
Unsere späteren Besucher bestätigten obigen Bericht mit dem
Hinzufügen eines merkwürdigen Umstandes, nämlich, daß die beiden
Steine nicht gleichartig seien. Der eine nämlich bestehe ganz
und gar aus Eisen und sei so hart und schwierig zu zerschlagen,
daß sie das nötige Metall lediglich aus dem anderen, in der
Hauptsache aus einer harten, dunklen Gesteinsart bestehenden Blocke
entnähmen.[291] Aus den abgeschlagenen Bruchstücken gewännen sie
dann kleine Eisenstückchen, welche sie so flach schlügen, wie wir
sie vor uns sähen. Der Hügel, wo das Meteoreisen vorkommt, wird
von den Eingeborenen _Sowilie_ (_Sauwilie_) genannt, abgeleitet
von _Sowie_ (_Sauwie_), dem bei den Grönländern gebräuchlichen
Namen für Eisen. ZACHEUS sagte mir, das Wort bedeute eigentlich
einen »harten, schwarzen Stein«, aus dem die Eskimos Eisen zu ihren
Messern gewannen, ehe die Dänen Eisen bei ihnen einführten, und daß
nun das Eisen, als zu gleichem Zwecke dienend, auch denselben Namen
bekommen habe. Ich meine nun, daß die nördlichen Eskimos den Namen
in ähnlicher Weise für das so zufällig von ihnen gefundene Eisen
benutzten. Der Bericht über Kapitän COOK's dritte Reise belehrt
uns, daß die Bewohner des in unmittelbarer Nachbarschaft der
Beringstraße belegenen Nortonsundes ihr von den Russen bezogenes
Eisen _Shawie_ nannten, was offenbar dasselbe Wort ist. Die
eigentümliche Farbe dieser Eisenstücke, ihre Weichheit und Freiheit
von Rost ließen es als sehr wahrscheinlich erscheinen, daß sie aus
Meteoreisen beständen, wie auch seitdem die Analyse nachgewiesen
hat.«
Soweit der interessante Bericht SABINE's, der uns die nördlichen,
1818 entdeckten Eskimos im Besitze von Meteoreisenmessern zeigt,
über deren Herstellung wir genau unterrichtet werden. Würden
wir noch Zweifel hegen an der meteorischen Natur des Eisens der
Eskimomesser, so würden dieselben zerstört durch die 1870 erfolgten
riesigen Meteoreisenfunde im nördlichen Westgrönland durch
NORDENSKIÖLD, sowie das anderweitig konstatierte Vorkommen von
Meteoreisenmessern bei Eskimos.
Es scheint in diese Kategorie auch das Eisen zu gehören, welches
S. HEARNE 1772 in einem Eskimolager am Kupferminenflusse fand,
bei einem Stamme, der sonst gediegenes Kupfer zu Waffen und
Geräten benutzte. Es waren zwei kleine Stückchen, »eins 3,5 cm
lang und 90 mm breit, welches ein Weibermesser vorstellte, das
andere war nur 2,5 cm lang und 60 mm breit. Dieses letztere war
in ein Stück Elfenbein (Walroßzahn) befestigt, so daß es ein
Mannsmesser ausmachte, dergleichen in der Hudsonsbai unter dem
Namen _Mokeatoggen_ bekannt und das einzige Werkzeug sind, dessen
sie sich zur Verfertigung ihrer Holzarbeiten bedienen.«[292]
Daß die sogenannten Moundbuilder im Bereiche der Vereinigten
Staaten neben den verschiedenen oben erwähnten Metallen auch
selten das Meteoreisen benutzten, dieses zu konstatieren ist
erst in der allerneuesten Zeit dem verdienstvollen Direktor des
Peabody-Museums, PUTNAM, gelungen. Er fand in einem Mound am Little
Miami (Distrikt Anderson, Ohio) eine Kupferscheibe mit Eisen
überzogen, dessen Nickelgehalt und Hämmerbarkeit den meteorischen
Ursprung bezeugten.[293]
Unser Eisen wurde in Grönland erst durch die Dänen verbreitet,
wenn auch in geringerem Maße solches den Eingeborenen schon durch
die alten normannischen Besiedler des Landes zugegangen sein kann.
Es ist dabei aber nicht zu übersehen, daß erst von der Mitte des
14. Jahrhunderts an die Eskimos von der Westküste der Davisstraße
via Smithsund nach Grönland vorrückten und mit den Normännern in
feindliche Berührung (als Skrälingar) gerieten, deren dunkle Farbe,
breite Backenknochen, Pelzkleider, Lederbote, Gerätschaften aus
Stein oder Zahn und Unbekanntschaft mit dem Eisen in den Quellen
geschildert werden.[294] Gelegentlicher Tauschverkehr brachte
im 17. Jahrhundert -- lange nach dem Eingehen der normannischen
Kolonien -- den Grönländern einiges Eisen, dessen Wert man bald
erkannte, wie denn die durch DANELL 1654 nach Dänemark gebrachten
Grönländer, welche OLEARIUS in Flensburg kennen lernte, stets
begierig nach Eisen und Messern griffen, Geld aber und andere
Dinge, wenn ihnen die Wahl gestattet war, liegen ließen.[295]
Noch zu EGEDE's Zeit (1721) waren die Pfeil- und Lanzenspitzen der
Grönländer teilweise aus Knochen und Stein und nur teilweise aus
Eisen.[296]
~Nordwestamerika erhielt das Eisen von Asien.~ Den westlichen
Eskimos an der Beringstraße und den ihnen benachbarten Indianern
kam die Kunde des Eisens von Asien her und zwar vereinzelt schon
vor der Ankunft der Russen am östlichen Ende der alten Welt.
Die Berührungen zwischen der alten und neuen Welt sind, da wo beide
sich am meisten nähern, immer sehr mannigfaltiger Art gewesen.
Der Tauschverkehr zwischen den zu beiden Seiten der schmalen
Beringstraße angesessenen Völkern ist ein lebhafter; Lebensart und
Sitten zeigen bei den Tschuktschen der alten Welt und den Eskimos
der neuen ungemein viel Übereinstimmendes bis in die geringsten
Kleinigkeiten. »Die Amerikaner, welche wir bei Schumachins Insel
auf Amerika gesehen, sind den hiesigen Völkern (Kamtschadalen etc.)
so gleich, als ein Ei dem anderen«, schreibt der alte STELLER[297],
und der Verständigung der Asiaten und Amerikaner untereinander
steht in diesem Erdwinkel nichts entgegen. Aber auch die weiter
südlich gelegenen Küsten Nordamerikas, bis nach Kalifornien hin,
haben nachweisbar asiatische Einflüsse, wenn auch in einem weit
geringeren und keineswegs nachhaltigen Maße, erhalten. Wir meinen
die mit dem Kuro Siwo oder schwarzen Strome von Japan nach Amerika
hinübergetriebenen schiffbrüchigen Dschonken. Es sind aus dem
vorigen und diesem Jahrhundert eine große Anzahl festgestellter
Fälle dieser Art bekannt; japanische Dschonken scheiterten an den
Alëuten, ja auf den Sandwichinseln, und mit ihnen wurde stets
Eisen nach der neuen Welt gebracht. So ist es ohne Zweifel auch
in der Zeit gewesen, als Europäer noch nicht nach Nordwestamerika
gelangt waren. Hieraus erklärt sich vielleicht teilweise die
Bekanntschaft der Bewohner Kaliforniens, Oregons und der weiter
nördlich wohnenden Völker mit dem Eisen, als ihre Küsten im vorigen
Jahrhundert zuerst von europäischen Schiffen besucht wurden.
Anderseits aber, und wohl vorwiegend, kam ihnen dasselbe von Norden
her, von den Russen, welche im vorigen Jahrhundert die Länder an
der Beringsee in Besitz nahmen. Eine merkwürdige Thatsache bleibt
es auch, daß die Konjagen, eines der dort wohnenden Völker, zu
jener Zeit durch die Russen den Tabak kennen lernten[298], welcher
somit auf einem Gange rund um den Globus zu ihnen, den Amerikanern,
gelangte. Es ist aber der Tabak ein Genußmittel, das noch schneller
als das Eisen sich verbreitete, hier aber gleichzeitig mit diesem
seinen Einzug hielt. In dieser Thatsache sehen wir aber auch eine
Bestätigung dafür, daß nicht von Osten oder Süden her das Eisen
nach dem Nordwesten Amerikas gelangt sein kann; denn die Völker in
den Vereinigten Staaten, wie die Tolteken-Azteken im Süden waren
große Raucher und durch Angelsachsen wie Spanier mit dem Eisen
schon vertraut, als der Nordwesten letzteres noch nicht kannte.
Wäre das Eisen von Osten oder Süden gekommen, sicher wäre dabei
auch dem Tabakrauchen die Bahn gebrochen worden.
Die Expedition BERING's, auf welcher Amerika von Kamtschatka
aus entdeckt wurde, fällt in das Jahr 1741 und sehr bald darauf
begannen die Züge der russischen Pelzjäger nach den Alëuten und
dem amerikanischen Festlande. Aber nur langsam verbreiteten sich
Eisengeräte. BILLINGS fand 1790 auf Unalaschka noch Nähnadeln
aus den Flügelknochen der Möve gearbeitet und Speere mit
Knochenspitzen; ebenso auf Kadjak. Im Prinz Williamssund, wo er
ankerte, bezeugten die Eingeborenen eine starke Neigung, alles,
was von Eisen war, zu stehlen.[299] Trotzdem war hier, wie wir
erwähnten, das Eisen schon vor der Ankunft der Weißen bekannt,
wiewohl die alten Steinwerkzeuge noch vorherrschten und die
Modelle für die neuen eisernen abgaben, zu denen der Stoff von den
Bestandteilen verunglückter Schiffe entnommen wurde.[300]
Alle Stämme an der Westküste Nordamerikas zwischen 40° und 60°
nördl. Br. waren in der Mitte des vorigen Jahrhunderts mit dem
Eisen wenigstens vertraut, so fand es COOK 1778 am Nutkasund
im Gebrauche, da die Haidas es von Norden oder von japanischen
Schiffbrüchigen erhalten hatten. _It was certainly used in
British Columbia for various purposes before the coming of the
whites._[301] VANCOUVER, dessen Reise etwas später fällt, sah
bei den Indianern am Discoveryhafen der Juan de Fuca Einfahrt
Speere, Pfeile und Fischhaken von Achat oder Knochen, »doch hatten
auch einige Pfeile eine Spitze von dünnem glatten Eisen«. An der
Johnstonestraße zwischen der Vancouverinsel und dem Festlande,
fand er bei den Indianern »viele Speere mit eisernen Spitzen«,
und auch am Nutkasunde traf er 5-6 m lange Speere, die »oben eine
lange polierte eiserne Spitze« hatten; anderseits aber traf er
in derselben Region noch Lanzen mit Schieferspitzen.[302] Diesen
Übergangszustand charakterisiert auch MAURELLE, der Steuermann
BODEGA's, welcher 1775 nach Kap Mendocino an der nordkalifornischen
Küste kam. Die Waffen der Indianer »waren hauptsächlich Pfeile mit
Spitzen von Feuerstein, auch Kupfer und Eisen, welches sie, soviel
wir verstanden, von Norden her bekommen und worauf wir, an einem
Pfeil, das Zeichen G bemerkten. Den größten Wert setzten sie auf
Eisen, besonders Messerklingen und alte Faßringe«.[303]
~Eisen in Kalifornien.~ Bis hierher reicht der russische Einfluß.
Südkalifornien dagegen erhielt sein erstes Eisen aus dem spanischen
Kulturkreise, worauf noch jetzt die Funde von Eisen in alten
Gräbern deuten. CABRILLO hatte 1542 im Auftrage des Vicekönigs
von Mexiko die kalifornischen Küsten aufgesucht und damit treten
spanische Metallwaren und Waffen bei den Eingeborenen auf. Die
südkalifornischen Indianergräber bergen dieselben in Menge neben
silbernen Löffeln, Porzellantassen und Pistolenläufen, so daß über
die Herkunft kein Zweifel entstehen kann. Es ist aber aus den
Grabfunden, namentlich jenen des Isthmus von Santa Catalina, die
hohe Wertschätzung zu ersehen, welche die kalifornischen Indianer
dem neuen Metall zu Teil werden ließen. Selbst kleine Stückchen
Eisen schliff man zu in der Form wie die alten Feuersteingeräte und
befestigte sie in hölzerne Hefte, ganz nach Art dieser (Fig. 32),
wie ein Fund von Santa Cruz Island beweist; andere Eisenstücke, die
als Grabbeigaben gefunden wurden, sind höchst sorgfältig in Stoffe
oder pelzbesetzte Scheiden eingewickelt worden, deren Spuren bei
den Funden der Gräber von La Patera sich noch deutlich erhalten
haben.[304]
[Illustration: Fig. 32. Europäisches Eisen von Indianern nach Art
der Feuersteinspitzen in Holz gefaßt. Nach U. S. Geogr. Surveys,
west of 100th meridian.]
Auch anderwärts dieselbe Wertschätzung der ersten zugeführten
Eisenstückchen und deren Mitgabe in Gräber! In den alten
Indianergräbern von Kantunile in Yukatan fand man neben Perlen,
geschnitzten Muschelschalen, auch thönerne Vasen bis zum Rande
gefüllt mit Pfeilspitzen aus Obsidian und dazwischen ein
Federmesser mit Hornschale in höchst zerfressenem Zustande. _At
the time of the conquest it was doubtless considered precious,
worthy of being buried with the heirlooms of its owner, and of
accompanying him to the world of spirits._[305]
So geht naturgemäß die Ausbreitung der Kenntnis des Eisens bei
den amerikanischen Eingeborenen mit der Entdeckungsgeschichte
Hand in Hand, sie läßt sich mit Hilfe derselben leicht weiter
verfolgen. Es erscheint hierbei aber als eine Thatsache, daß
die Eingeborenen, wiewohl sie das neue Metall kennen lernten,
nur in den seltensten Fällen selbst zur Darstellung desselben
schritten. Europa führte es ihnen in genügender Menge und billig
zu im Austausche gegen die leicht zu erhaltenden heimischen
Naturprodukte, deren schnelle und einfache Gewinnung den Antrieb
zur Selbstbereitung des Eisen hinfällig machen mußte. Es erscheint
daher auffallend und als Ausnahme, wenn MUSTERS berichtet, daß
die Patagonier es gelernt hätten, Eisenerz zu reduzieren und das
gewonnene Eisen zu Bolaskugeln zu schmieden. Diese Südamerikaner
sind nach ihm geschickte Eisenarbeiter; sie verfertigen aus jedem
Stückchen Metall, das sie durch Diebstahl, Handel oder Wraks
von der Küste bekommen, ein Messer oder Beil. Aber auf kaltem
Wege, denn sie benutzen dazu onomatopoetisch _Kikerki_ genannte
Feilen, die sie auf dem Handelswege erhalten.[306] Die Indianer
der Vereinigten Staaten haben sich nirgends -- es sei denn da,
wo sie ansässig in den Reservationen wurden -- zum Schmieden,
geschweige denn zur Herstellung des Eisens bequemt. Die _Wihinkpi_
oder Pfeile der Dakota sind jetzt mit eisernen Spitzen statt
solcher von Feuerstein versehen. Aber dieses Eisen ist europäisches
(oder nordamerikanisches) Bandeisen, einfach kalt auf Steinen
zugeschliffen.[307]
Nach ~Traditionen~ und ~Sagen~ in bezug auf das Eisen bei den
Amerikanern zu forschen, erscheint bei der Sachlage nicht am
Platze, es sei denn, daß man die Frage erweiterte und nach der
Herkunft der Metalle frage. Es fehlt nicht an Andeutungen, daß
die Metallarbeiter in ähnlicher Weise hoch geschätzt wurden, wie
in anderen Ländern. Einer alten Tradition zufolge soll bei den
Thlinkithen in Nordwestamerika ein Weib die Kunst, zu schmieden,
erfunden haben, weshalb ihr auch eine fast göttliche Verehrung zu
teil wurde. Noch zu HOLMBERG's Zeit wurde diese Kunst als Geheimnis
bewahrt und lebte als Erbteil in gewissen Familien fort.[308]
Als KITTLITZ in Sitcha war, stand eine Frau an der Chathamstreet
im besonderen Rufe als Waffenschmiedin.[309] Zwei schiffbrüchige
Seeleute wurden noch in diesem Jahrhundert von den Klatsopindianern
an der Mündung des Columbia als Sklaven gehalten _until it was
found, that one was a worker in iron, of which the Indians began to
see the value, when they made him a chief_.[310]
Ich will hier, wo ich die Darstellung der Einführung des Eisens
bei den Indianern verlasse, noch auf eine Tradition hinweisen, die
ich bei Abbé PETITOT[311] finde und die auf die Entdeckung und
Ausarbeitung des Eisens aus _fer oligiste_ durch die Tinnéindianer
hinweist. Ich kann mich indessen einiger Zweifel über diese
Darstellung nicht erwehren und glaube, daß hier »Kupfer« statt
Eisen zu lesen ist, worauf die _substance dure et rouge_ hinweist.
Die Tinné erzählen also: Einer der ihrigen gelangte an den
Lé-kota-la-délin, einen Zufluß des Mackenzie. _Il apperçut une
substance dure et rouge, semblable à la fiente de l'ours noir
frugivore; c'est pourquoi il l'appela sa-tsonne (fumées d'ours).
C'était du fer oligiste. Jusqu'alors les Dènè s'étaient servis
d'armes et d'outils de pierre; toutefois ils devaient connaître
le métal, car leur tradition dit que jusqu'à la trouvaille du
vieillard, ils n'en avaient point vu sur le nouveau continent. De
ce fer ils se fabriquèrent des aiguillettes ou alènes de la longeur
du petit doigt, qu'ils vendaient pour dix peaux d'orignal aux
Esba-t'a-ottiné de la rivière des Liards._
~Sprachliche Bezeichnungen für Eisen bei den Amerikanern.~ Die
Völker Amerikas, welche durch die Spanier das Eisen kennen
lernten, nahmen mit der fremden Sache keineswegs den fremden
Namen an, sondern bildeten aus dem heimischen Wortvorrat mit
Anlehnung an die eigenen Bezeichnungen für Metall und Kupfer eine
neue zusammengesetzte Bezeichnung. In MOLINA's _Vocabulario de
la lengua Mexicana_, Mexico 1571, ist _hierro metal_ mit _tlitic
tepuztli_ wiedergegeben. _Tlitic_ wird als _cosa negra_ erklärt
und _tepuztli_ als _cobre o hierro_; wir hätten danach bei den
Mexikanern ein »schwarzes Kupfer« für Eisen.
Die Völker des südlichen Kulturkreises verfuhren in ähnlicher
Weise; hier erscheint das Wort _qquillay_, _cquellay_, _quellaya_
für Eisen. Im ältesten Wörterbuche der Quichuasprache[312] ist aber
_quillay_ zugleich mit _hierro_ und _metal_ erklärt, so daß wir
auch in der Quichuasprache eine Übertragung des Begriffes Metall
auf Eisen annehmen dürfen. Freilich giebt HOLGUIN[313] _qquillay_
einfach als _hierro_ und hat für _metal o cobre_ das Wort _anta_
und _puca anta_ (rotes _anta_); daß aber in dem Worte _qquillay_
nur die Bedeutung Metall zu suchen ist, beweist uns das Aymara,
denn hier heißt[314] _hierro_ = _yauri_ und _quellaya yauri_.
_Yauri_ aber wird als _cobre_ erklärt und _quellaya_ als _hierro de
Castilla_. So ist es auch im Araukanischen[315], wo _hierro_ und
_metal_ = _pañilhue_ heißen und Kupfer speziell als _cum-pañilhue_
(rotes _pañilhue_) erklärt wird, und im _Moxa_[316], wo es heißt
_hierro_ = _tumore_; _tumore_ aber wird durch _todo genero de
metal_ erläutert.
Die Arowaken in Guiana nennen das Eisen _siparalli_ und den Stein
_siba_, woraus sich leicht das erstere ableiten läßt; wenn nun
die benachbarten Galibi für Eisen dasselbe Wort wie die Arowaken,
nämlich _siparali_ und _sibarari_ gebrauchen, für Stein aber
_topu_ haben, so erklärt sich dieses sicher dadurch, daß sie
durch die Arowaken das fremde Metall kennen lernten und dabei den
arowakischen Namen annahmen.[317]
Noch ein paar Beispiele. Der Indianer Costaricas bezeichnet
Eisen und alles, was daraus bereitet ist, mit dem Worte für
Messer, _tabé_. Danach ist ein eiserner Topf _tabé-ung_, wörtlich
Messerthongefäß.[318]
Einfacher noch behelfen sich die Tsimsian, ein Stamm der
Thlinkithen im Washington Territory, welche das Eisen mit ihrem
Worte für schwarz, _tuts_, benannten.[319]
Fußnoten:
[283] LUBBOCK, Die vorgeschichtliche Zeit. Jena 1874. I. 244.
[284] ACOSTA, Historia natural y moral de las Indias. Sevilla 1590.
199.
[285] Transact. Americ. Ethnolog. Soc. II. 164. New-York 1848.
[286] BASTIAN, Kulturländer des alten Amerika. II. 677.
[287] NAVARRETE, Coleccion de los viages etc. Madrid 1825. I. 98.
115. 118. -- WAITZ, Anthropologie. IV. 325.
[288] PESCHEL, Zeitalter der Entdeckungen. 179. 182.
[289] PETERMANN's Mitteilungen. 1870. 326.
[290] Quarterly Journal of Science. 1819. vol. VII. 79.
[291] Hier handelt es sich also wohl um Meteoreisen und
Meteorstein, letzterer mit eingesprengten Eisenpartikeln, die von
den Eskimos benutzt wurden.
[292] HEARNE's Reisen nach dem nördlichen Weltmeer. Halle 1797. 118.
[293] Bullet. soc. d'Anthrop. 1883. 438.
[294] KONRAD MAURER in Zweite deutsche Nordpolfahrt. Leipzig 1873.
I. 234.
[295] ADAMI OLEARII, Persianische Reisebeschreibung. Hamburg 1696.
88.
[296] HANS EGEDE's Beschreibung von Grönland. Berlin 1763. 124. 125.
[297] STELLER, Kamtschatka. 251.
[298] HOLMBERG, Völker des russ. Amerika. I. 132.
[299] SAUER, BILLINGS' Reise nach dem russ. Asien und Amerika.
Weimar 1803. 161. 179. 190.
[300] HOLMBERG a. a. O. I. 101.
[301] BANCROFT, Native Races of the Pacific States. I. 164.
[302] VANCOUVER's Reise. Berlin 1799. I. 181. II. 233. 251. 283.
[303] PALLAS, Neue nordische Beyträge. St. Petersburg und Leipzig
1782. III. 223.
[304] Report upon U. S. Geograph. Survey west of the 100th
Meridian. vol. VII. Archaeology. Wash. 1879. 273. Plate XV. und
Plate IV. Fig. 8.
[305] STEPHENS, Incidents of travel in Yucatan. II. 344.
[306] MUSTERS, Unter den Patagoniern. Jena 1873. 177. 183.
[307] Nach Exemplaren im Leipziger Museum für Völkerkunde.
[308] HOLMBERG a. a. O. I. 28.
[309] Denkwürdigkeiten einer Reise etc. I. 214.
[310] GIBBS in Contribut. to North Americ. Ethnology. Wash. 1877.
I. 237.
[311] Dictionnaire de la langue Dènè-Dindjiè. Paris 1876. XXVIII.
[312] THOMAS, Grammatica de la lengua del Peru. Valladolid (1560).
[313] Vocabulario de lengua Quichua. Lima 1608.
[314] BERTONIO, Arte y grammatica de la lengva Aymara. Roma 1603.
[315] FEBRES, Arte de la lengua general del regno de Chile. Lima
1765.
[316] MARBAN, Arte de la lengua Moxa (Lima 1701).
[317] MARTIUS, Glossaria linguarum brasiliensium. Erlangen 1863.
308. 309. 342. 350.
[318] GABB, Indian tribes of Costarica. In Americ. Philosoph. Soc.
vol. XIV. 556. 565. Philadelphia 1875.
[319] Contributions to North Americ. Ethnology. I. 148.
Das Kupfer bei den Nordamerikanern.
Ebenso wie die Eskimos das meteorische Eisen im kalten Zustande
verarbeiteten, hämmerten und meißelten, ohne daß sie es verstanden,
es zu schmieden oder gar zu gießen, so benutzten sie auch das
Kupfer; es war ihnen gleichsam ein weicher, formbarer Stein, ein
Gegenstand, der nach unserer Anschauung etwa das Übergangsstadium
von der Stein- zur Metallbenutzung fixiert. Die Eskimopfeile,
die HEARNE 1772 an der Mündung des Kupferminenflusses bei den
Eingeborenen fand, waren mit Spitzen aus Stein oder Kupfer
versehen. »Ihre Beile,« schreibt er, »verfertigen sie aus einem
dicken 10-15 cm langen und 2-7 cm breiten Klumpen Kupfer. Sie
sind an ein 30-35 cm langes Stück Holz mit Schnüren festgebunden
und werden wie ein Meißel gebraucht, indem man mit einer schweren
Keule darauf schlägt, sind aber zu leicht und stumpf, um wie
ein Beil gebraucht zu werden.« Auch »Bajonette« in Spatenform
und in Hirschhorn gefaßt, sowie Weibermesser aus Kupfer erwähnt
HEARNE.[320] Dasselbe berichtet RAE von den weiter östlich an der
Repulsebai wohnenden Eskimos. »Fast alle Geräte und Waffen dieses
Volkes waren aus heimischem Kupfer geformt, welches sie hübsch
in Messer, Dolche, Speere, Lanzen- und Pfeilspitzen gehämmert
hatten.«[321] Wahrscheinlich stammte dieses Kupfer auch vom
Kupferminenfluß, von wo es auf dem Handelswege an die Repulsebai
gelangte.
Ehe die Hudsonsbaicompagnie ihre Faktorei am Churchillflusse
anlegte (ungefähr 1720), gebrauchten die nördlichen Indianer kein
anderes Metall als das Kupfer, einzelnes Eisenwerk ausgenommen,
welches etwa am Fort York (seit 1713) von ihnen eingetauscht
wurde. Alljährlich zogen sie in großer Anzahl an die Mündung
des Kupferminenflusses, um das dort gediegen vorkommende Metall
zu suchen, aus dem sie Beile, Eishacken, Lanzenspitzen, Messer,
Pfriemen, Pfeilspitzen verfertigten. »Die vielen auf diesen Reisen
ausgetretenen Fußsteige, welche an manchen Orten auf den trockenen
Steinklippen und Bergen sichtbar sind, erregen wirklich ihrer
Anzahl wegen Erstaunen.« Noch zu HEARNE's Zeit (1772) zogen diese
nördlichen (Tinné-) Indianer das Kupfer »beinahe für jedes Werkzeug
dem Eisen vor, Beile etwa oder Eishacken und Pfriemen ausgenommen.
Zu diesen drei notwendigen Stücken aber läßt sich das Kupfer nicht
gut benutzen.« Im Tauschhandel gaben sie gleichgroße Stücken Kupfer
für Eisen.[322]
Eine zweite wichtige Kupferquelle für die Indianer war der
Kupferfluß oder Athna, der sich unter 60° nördl. Br. in den Stillen
Ozean ergießt und eine Menge gediegenes Kupfer auswirft, das
wegen seiner Geschmeidigkeit bei allen Stämmen der Nordwestküste
im hohen Ansehen stand. Die Anwohner desselben hämmerten es;
überall an der Nordwestküste trafen die Entdecker kupferne Lanzen-
und Pfeilspitzen bei den Indianern, und wenn HOLMBERG sagt, daß
die Thlinklithen dieses Kupfer zu »schmieden« verstanden, so
ist darunter doch wohl nur ein kaltes Hämmern zu verstehen, da
die Bearbeitung der Metalle im Feuer bei allen hier in Betracht
kommenden Völkern unbekannt war.[323]
Die dritte und bedeutendste Quelle des gediegenen Kupfers, das von
den Indianern Nordamerikas verarbeitet wurde, zugleich das reichste
Kupfervorkommen der Erde, ist der Native-Copperdistrikt am Oberen
See auf einem Teile der oberen Halbinsel Michigan, doch gehört hier
die Verarbeitung bereits der vorkolumbischen Zeit an.[324]
Die Auffindung der alten Kupferbergwerke am Oberen See erfolgte
1847 durch den Ingenieur S. O. KNAPP. Einer der Schachte, welchen
er untersuchte, war 8,5 m tief und mit Erde und vegetabilischer
Masse erfüllt. 5 m von der Oberfläche stieß er auf einen 2,80 m
langen Kupferklumpen, der 85 cm hoch und 60 cm dick war und über 6
Tonnen wog. Derselbe ruhte auf einem Pfahlwerk von Holzbalken, das
indessen ganz vermorscht war. Kolossale Steinschlägel, bis 18 kg
schwer, und kleine Hämmer aus Grünstein und Porphyr, die Geräte
der ehemaligen Bergleute, lagen dabei. Auch eine roh gearbeitete
Leiter aus Eichenholz und einen auf kaltem Wege hergestellten 10 kg
schweren Schlägel aus Kupfer fand KNAPP, desgleichen Holzschalen,
die bei der Entwässerung des Schachtes gedient hatten. Alle
Anzeichen, namentlich die großartigen auf den Halden wachsenden
Bäume deuteten an, daß dieses Werk schon seit langem verlassen sein
mußte. Ähnliche, bis 14 m tiefe Schachte wurden auf Isle Royal im
Oberen See entdeckt, und in der Ontonagongegend kann man auf 30
englische Meilen Entfernung die Spuren der alten Kupferbergleute
verfolgen.[325]
Wenn es auch auf den ersten Blick scheinen mag, als ob ein anderes
Volk als die Vorfahren der heutigen Indianer die Kupferbergwerke
am Oberen See betrieb und diese Ansicht in Amerika selbst die
herrschende ist[326] -- wo man ein besonderes, verschwundenes Volk
der Moundbuilders konstruiert hat --, so scheinen mir doch die von
Dr. E. SCHMIDT, der sich eingehend mit dieser Frage beschäftigte,
angeführten Gründe durchschlagend, daß es die Vorfahren der
jetzigen Indianer waren, welche die Kupfergruben am Lake superior
bearbeiteten, und daß der Kupferbergbau erst nach dem Erscheinen
der Weißen (infolge auftretender Seuchen etc.) rasch einging.[327]
Dieser Verfall ist äußerst schnell eingetreten und bei den
Chippewäs der Gegenwart, die am Oberen See wohnen, ist außer
dem Wort für Kupfer (_pewabic_) nichts von dem Bergbau ihrer
Vorfahren übrig geblieben. Schon im 17. Jahrhundert, als die alten
Jesuitenväter in die Region der Seen vordrangen, betrachteten die
Indianer das Kupfer als eine Art von heiligem Stoff. »_Instead of
viewing copper as an object of every day use, they regarded it as
a sacred Manitou and carefully preserved pieces of it wrapped up
in skin in their lodges for many years and this custom has been
continued to modern times._«[328] Sehr anschaulich hat dieses
der Jesuit ALLOUEZ in seiner Relation geschildert: »_L'on trouve
souvent au fond de l'eau des pièces de cuivre tout formé, de la
pesanteur de dix et vingt livres; i'en ay veu plusieurs fois entre
les mains des sauvages et comme ils sont superstitieux, ils les
gardent comme autant de divinités, ou comme des presents que les
dieux qui sont au fond de l'eau leur on faits pour estre la cause
de leur bonheur; c'est pour cela, qu'ils conservent ces morceaux de
cuivre envelopés parmi leurs meubles les plus pretieux; il y en a
qui les gardent depuis plus de cinquante ans; d'autres les ont dans
leurs familles du temps immemorial, et les cherissent comme des
dieux domestiques._«[329]
KARL RAU hat in seiner wertvollen Abhandlung über die
Tauschverhältnisse der Eingeborenen Nordamerikas[330] auch das
Kupfer behandelt und wir ersehen daraus, daß das ästige oder
zackige gediegene Metall vom Oberen See niemals von den Indianern
geschmolzen, sondern nur gehämmert wurde; auch verstanden sie es
nicht, dasselbe mit Zinn zu legieren und so Bronze herzustellen,
einen Fortschritt, welchen die alten Peruaner und Mexikaner
kannten. Trotzdem hatten sie in der Bearbeitung des Kupfers, wie
die daraus dargestellten und erhaltenen Gegenstände bezeugen, eine
nicht geringe Geschicklichkeit erlangt (Figg. 33-44). Bereits
die ersten Reisenden, welche Nordamerika besuchten, fanden
Kupferzieraten bei den Indianern, z. B. kupferne Ohrringe. So 1524
VERAZZANO; auf DE SOTO's Zuge sah man kupferne Äxte (1539 bis 1543)
und HENRY HUDSON fand, als er 1609 den nach ihm benannten Strom
entdeckte, daß die Indianer Pfeifen aus rotem Kupfer hatten. Als
Quelle dieser Kupfersachen wurde aber stets die Gegend im Inneren
bezeichnet, von wo aus das Metall auf dem Handelswege gekommen war.
In den Mounds sind altindianische Kunsterzeugnisse aus Kupfer
gefunden worden, welches seiner eigentümlichen Beschaffenheit nach
-- es enthält kleine Partien gediegenen Silbers -- vom Oberen See
stammen muß. Namentlich SQUIER und DAVIS[331] haben dieselben
beschrieben und abgebildet. Es sind keltartige Äxte, Meißel,
spitze Grabstichel, Armringe, Schmucksachen. Während die ersteren
alle gehämmert sind, befinden sich unter den letzteren 3-5 cm im
Durchmesser haltende runde Scheiben, sowie kleine Metallknöpfe, die
geprägt sind. Dr. RAU führt an, daß die aus Kupfer gearbeiteten
Gegenstände in den Vereinigten Staaten übrigens ziemlich selten
sind und daß auf tausende von indianischen Steingeräten kaum einige
Kupfererzeugnisse kommen. »Ihr Vorkommen erstreckt sich von den
Großen Seen bis zu den Golfstaaten und von der atlantischen Küste
bis an den Mississippi und vielleicht noch über denselben hinaus.
Nimmt man, wozu man vollständig berechtigt ist, den nördlichen
Teil von Michigan als den Punkt an, von wo aus das Metall über
diesen Flächenraum verbreitet wurde, so stellt sich die Ausdehnung
des Kupferhandels als ziemlich bedeutend dar. Die Schwierigkeiten,
welche mit der Gewinnung des Kupfers verknüpft waren, machten
dasselbe zu einem wertvollen Gegenstande, der vielleicht in
ähnlicher Weise geschätzt wurde, wie in Europa die Bronze in der
ersten Periode ihrer Anwendung.«[332]
[Illustration: Figg. 33-43. Nordamerikanische gehämmerte
Kupfergeräte. Nach SHORTT.]
Dr. E. SCHMIDT, welcher sich am eingehendsten mit den
prähistorischen Kupfergeräten Nordamerikas beschäftigt hat[333],
zeigt, daß die Verbreitung derselben eine ungleiche ist: je näher
der großen Seenregion, desto häufiger werden sie gefunden, je
ferner, also nach den Küsten des Atlantischen Meeres und des
Mexikanischen Golfes zu, desto seltener werden sie. Im Innern des
Landes findet man vorzugsweise Beile, Lanzen- und Pfeilspitzen,
Messer und Pfriemen, nach der Peripherie hin überwiegen
Schmuckgegenstände, Platten, Perlen etc. Den Erhaltungszustand
schildert Dr. SCHMIDT als einen meist guten, da das Kupfer
zerstörenden äußeren Einflüssen leicht widersteht und die rotbraune
Oxydul- oder schwarze Oxydschicht es vor weiterer Zerstörung
schützen. Die Geräte bestehen aus fast chemisch reinem Kupfer,
dem nur Silber und zwar mechanisch in Schuppen- oder Körnerform
beigemischt ist. »Die Verbindung beider Metalle ist so fest, daß
es gelingt, beide zusammen zu silberplattierten Kupferplatten
auszurecken.« Daß die Geräte stets nur gehämmert und niemals
gegossen sind, wurde schon hervorgehoben, und ebensowenig war
den alten amerikanischen Kupferschmieden das Löten bekannt. Die
Versuche, welche Dr. SCHMIDT mit den alten Kupfermessern, Lanzen
und Beilen in bezug auf ihre Brauchbarkeit anstellte, ergaben sehr
günstige Resultate. Mit einem 10 mm dicken Kupferbeile bearbeitete
er Buchen- und Tannenholz, aber nach viertelstündigem Gebrauche war
nicht die geringste Scharte daran wahrzunehmen. »Als ich dasselbe
Beil dagegen an ganz weichem Stein (pariser Grobkalk) versuchte,
machte jeder Hieb starke, rauhe Scharten.«[334]
»Prähistorisch« sind diese Kupfergeräte aber nur mit Einschränkung
zu nennen. Sie sind in ihrer ganzen Art zu sehr mit jenen verwandt,
welche wir bei den weiter nördlicher wohnenden Indianern oben
kennen lernten, als daß wir auf ein weit rückwärts entlegenes Volk
schließen sollten, von dem sie stammen dürften.
Wir sehen also die Kupfergeräte und Waffen der nordamerikanischen
Indianer wesentlich aus drei verschiedenen Quellen stammen und jede
dieser Quellen beherrschte einen geographisch abgegrenzten Bezirk.
1. Vom Kupferminenflusse bezogen die Eskimos und die nördlichen
Indianer ihr Kupfer; 2. vom Athna- oder Kupferflusse die Anwohner
der pazifischen Küste von der Beringstraße bis Kalifornien; 3. vom
Oberen See die Bewohner der heutigen Vereinigten Staaten bis zum
Atlantischen Ozean und Mexikanischen Golf. Nach Westen zu scheinen
aber die Kupfergegenstände aus dieser Quelle nicht allzuweit
vorgedrungen zu sein. In der »Archäology« der _U. S. Geographical
Surveys west of the 100th Meridian_ ist nirgends von aufgefundenen
alten Kupfergeräten oder Waffen die Rede.
Soviel vom Gebrauche des Kupfers bei den nordamerikanischen
Völkern. Aber benutzten sie auch das Kupfer, so waren sie darum
doch noch nicht in die Metallzeit eingetreten, denn das Material
wurde von ihnen wie Stein behandelt. Der große Kulturfortschritt
der Behandlung der Erze mit Feuer und die Reduktion derselben durch
Kohlen, das Gießen, Schmieden, Löten war den Indianern Nordamerikas
unbekannt. Diesen finden wir aber bei den südlicher wohnenden
ackerbauenden Völkern, welche bei Ankunft der Europäer in der
»Bronzezeit« standen.
Fußnoten:
[320] S. HEARNE's Reise nach dem nördlichen Weltmeer. Halle 1797.
117.
[321] RAE in Transact. Ethnolog. Soc. New Series. IV. 148 (1866).
[322] HEARNE a. a. O. 122. 123.
[323] BANCROFT, Native Races of the Pacific States. I. 135. --
HOLMBERG, Völker d. russ. Amerika. I. 27.
[324] Die geologischen Verhältnisse des Kupferdistrikts sind
geschildert im Geological Survey of Michigan. Upper Peninsula
1869-73. Part. II. Copper bearing rocks, by R. PUMPELLY. Danach der
Auszug von Dr. E. SCHMIDT im Archiv f. Anthropologie. XI. 91.
[325] CH. WHITTLESEY, Ancient mining on the shores of Lake
superior. Smithson. Contr. to Knowledge, vol. XIII. 1863.
[326] _The idea that the Indians formerly worked these mines
was abandoned shortly after their discovery. They possess no
tradition of copper mines, nor did their ancestors visited by the
Jesuit fathers in the early part of the 17th century obtain any
intelligence of mines._ SHORT, The North Americans of Antiquity.
New York 1880. 91.
[327] E. SCHMIDT, Die prähistorischen Kupfergeräte Nordamerikas.
Arch. f. Anthropologie. XI. 105.
[328] WHITTLESEY a. a. O. 2.
[329] Relations des Jésuits. Année 1667. Tome III. 8. Quebecker
Wiederabdruck von 1858.
[330] Archiv für Anthropologie. V. 1 (1872).
[331] Ancient Monuments of the Mississippi Valley. Washington 1848.
196 bis 207.
[332] RAU a. a. O. 7. Neuere Funde lassen die Geräte indessen nicht
mehr selten erscheinen.
[333] Archiv für Anthropologie. XI. 65 ff.
[334] A. a. O. 75.
Kupfer und Bronze in Mexiko.
In der geographischen Verbreitung der zu Geräten und Waffen von den
Amerikanern benutzten Stoffe lassen sich ganz bestimmte und genau
geschiedene Bezirke unterscheiden, bei denen die Kulturstufe und
das verwendete Material (je nach Ausbildung und Zeit) sich einander
decken. Im Norden, also im Gebiete der heutigen Vereinigten Staaten
und im britischen Nordamerika, herrschten in der vorkolumbischen
Zeit und darüber hinaus die Geräte und Waffen aus Stein und
Knochen. Von Metallen verwendete man daneben, aber stets ohne
Anwendung von Feuer, Kupfer und meteorisches Eisen. Diese beiden
wurden, wie zuerst DANA bemerkte, wesentlich wie weiche Steine
angesehen. Von einer Feuerbearbeitung der Metalle, von einem
Vorkommen von Bronze, geschweige denn von der Herstellung von
Legierungen und künstlerischer Bearbeitung des Metalles ist keine
Rede.
Südlich von diesem eben abgegrenzten Gebiete, dessen Bewohner
unkultivierte Jäger- und Fischernomaden waren, dehnt sich das
Gebiet der Bronze aus, welches mit dem Territorium der Kulturvölker
Amerikas zusammenfällt. Die Bronze herrschte, wenn auch keineswegs
ausschließlich und im Parallelgebrauch mit anderen Materialien,
südlich von 30° nördl. Br. durch das heutige Mexiko, teilweise
Centralamerika und dann auf der Südhälfte des Kontinentes in dessen
andinischem Westen bis abermals zum 30° südl. Br. Es umfaßte
dieses Gebiet die alten Kulturstaaten Mexikos, Kolumbiens und
Perus. Was östlich und südlich von diesen lag, nahm wiederum eine
ähnliche Stellung in bezug auf die zu Waffen und Geräten verwandten
Materialien ein wie der Norden, ja stand noch tiefer als derselbe.
Die Jägernomaden des westlichen Südamerika erhoben sich niemals
über den Gebrauch der Steine und Knochen. Anfänge des Ackerbaues
waren allerdings hier (wie in Nordamerika) vorhanden[335], was sie
aber etwa an Metallen besaßen, war wenig und ihnen vom Westen auf
dem Wege entlang der großen Flüsse zugeführt. ORELLANA fand auf
seiner Fahrt den Amazonas abwärts bei den Omaguas eine kupferne
Axt, wie sie in Peru gebräuchlich war; die Guarani aus der Gegend
vom heutigen Assuncion am Paraguay führten an der Stirn einen
glänzenden Metallschmuck, als sich 1540 ALVAR NUNEZ CABEÇA DE
VACA mit einer Expedition zur Aufsuchung einer Verbindung mit dem
Hochlande der Anden in ihrem Lande befand[336], und auch dieser
Metallschmuck ist zweifelsohne aus dem Westen bezogen worden.
Auch ohne das Eisen zu kennen, waren die mexikanischen und
peruanischen Kulturvölker zu einer vergleichsweise hohen Stufe
emporgestiegen. Das Kupfer, welches sie zu härten verstanden
und die Bronze, welche sie darstellten, lieferten ihnen Ersatz
und genügten ihnen, um jene Kunstwerke zu schaffen, welche das
Erstaunen aller Konquistadoren waren. CORTEZ, in einem seiner
Berichte an Kaiser Karl V., ruft aus: »Was kann großartiger sein,
als daß ein Barbarenfürst (Montezuma) wie dieser, Nachbildungen
in Gold, Silber, Edelsteinen und Federn besaß, von allen Dingen,
die unter dem Himmel seines Gebietes zu finden sind; und zwar so
natürlich in Gold und Silber, daß es keinen Goldschmied in der Welt
giebt, der sie besser machen könnte, und die in Edelsteinen von der
Art, daß die Vernunft nicht ausreicht, zu begreifen, mit welchen
Instrumenten eine so vollkommene Arbeit gemacht sei.«[337] Im
alten Mexiko wurde der Ackerbau mit Hilfe von Bewässerungsanlagen
betrieben, alle Künste und Gewerbe blühten, Weberei, Färberei,
Malerei, Bilderschrift zeigten einen verhältnismäßigen Grad
von Vollendung; die Ruinen der alten Bauten beweisen uns, daß
Meister in der Architektur hier hausten, die Verwaltung war eine
geregelte, das Hofzeremoniell ein fein durchgebildetes, und wer
an der Civilisation des alten Mexiko zweifeln wollte, den werden
die von CORTEZ mit Auffallen bemerkten Bettlergilden eines anderen
belehren, denn Bettelei kann nur da existieren, wo eine hohe
Kultur sich entwickelt hat. Die Bronzeindustrie, wie sie in Mexiko
uns entgegentritt, erscheint uns mit ihren schönen Formen, mit
ihrer guten Technik erst als ein Ausfluß der hohen Gesamtkultur
dieses Volkes. Nicht die geringste Spur und Ursache liegt aber
vor, anzunehmen, daß den Mexikanern, wie den amerikanischen
Kulturvölkern überhaupt, die Kenntnis der Bronze und ihrer
Darstellung von außen her geworden sei. Es ist ganz haltlos, wenn
WORSAAE[338] die Äußerung thut, daß bei Mexikanern und Peruanern
die gegossenen Metallgeräte »durch fremden Einfluß entstanden sein
mögen«. Es paßt ihm das Vorkommen der Bronzen in Amerika nicht
in seine unbegründete Hypothese von dem Ursprunge der Bronze in
Indien, von wo aus ihre Kenntnis in alle Welt gewandert sein soll.
Die Schilderung der Darstellung und Verwendung der Bronze bei den
Mexikanern fällt außerhalb der Grenzen, die wir uns für diese
Abhandlung gezogen haben, da wir wesentlich die sogenannten
Naturvölker beachten, und es müssen hier einige kurze Andeutungen
genügen, die zur Charakteristik der amerikanischen Metalltechnik
noch von nöten sind. Die Metalle, welche zur Zeit der Entdeckung
im alten Mexiko benutzt wurden, finden wir aufgeführt bei BERNAL
DIAZ[339]; es sind dieses Gold, Silber, Kupfer und Blei, die teils
in rohem Zustande, teils zu Schmuck geformt, unter den Marktwaren
feilgehalten wurden. Zur Herstellung von Waffen wurden aber die
Metalle nicht häufig benutzt, wiewohl solche aus Kupfer und Bronze
vorhanden sind, auch giebt es knöcherne. Die Hauptrolle spielte
hier der Obsidian, _iztli_, aus dem Schwerter, Sägen, Lanzen- und
Dolchspitzen verfertigt wurden[340], so daß hier »Steinzeit« und
»Metallzeit« zusammenfielen.
[Illustration: Fig. 44. Kupfergerät von Zocho-Xocotlan. Nach
DUPAIX.]
Was das Kupfer betrifft, so erwähnen verschiedene spanische
Geschichtsschreiber, daß dasselbe von den Mexikanern sowohl zu
Zieraten, als zu Werkzeugen verwendet wurde und als Bezugsquelle
werden die Gebirge von Zacotollan angegeben.[341] Es war nicht
nötig, dies Metall aus dem Norden, von den großen Vorkommnissen
gediegenen Kupfers am Lake superior zu beziehen, wiewohl wir
durch CH. RAU wissen, daß es von dort aus auf dem Handelswege
sehr weit verbreitet wurde. Die Mexikaner verstanden es, ihr
Kupfer derart zu härten, daß sie mit den daraus dargestellten
Beilen Bäume fällten[342], ja, man benutzte solche Beile nach
HERRERA zu Bergwerksarbeiten _en lugar del hierro, porque corta
como acero_.[343] Der Mexikaner J. SANCHEZ hat neuerdings eine
ganze Reihe altmexikanischer Kupfergeräte zusammengestellt.[344]
Die Coatl, heute _coa_ genannt, mit welcher man die Erde umgrub,
bestand aus Kupfer und hatte (nach CLAVIGERO) einen Holzstiel.
Ein kupferner Discus von 28 cm Durchmesser wurde zu Zapotlan
(Jalisco) entdeckt. _Es una pieza trabajada á martillo y cincel._
Mit letzterem war wohl die menschliche Figur in der Mitte, ein
Götzenbild mit Strahlenkrone, eingraviert. Aufsehen hat der Fund
des Kapitän DUPAIX im Anfange unseres Jahrhunderts zu Zocho
Xocotlan (Oajaca) gemacht; er entdeckte zwei große irdene Gefäße,
die 276 Stück Tförmige Kupfergeräte von 11 cm Länge und 15 cm
Breite enthielten (Fig. 44). _Este instrumenta antiguo de cobre
rojo y muy fino es de fundicion y no de martillo._ Sind es die
von TORQUEMADA erwähnten Tförmigen Münzen? Letzterer schreibt:
_En otras (partes) usaban mucho de unas monedas de cobre casi
de hechura de Tau._[345] Andere halten diese Objekte für kleine
Beile. Wie Sanchez anführt, besitzt das Museum in Mexiko auch
einige kupferne Nadeln aus alten Gräbern, kupferne Ringe und aus
einem Tumulus in Huasteca Schildkröten aus Kupfer, _formadas de
varias piezas_. Von den von verschiedenen alten spanischen Autoren
erwähnten kupfernen Lanzenspitzen der Mexikaner findet sich im
Museum aber kein einziges Exemplar.[346]
[Illustration: Fig. 45. Kupferaxt von Venis Meicis. Nach PUTNAM.]
[Illustration: Fig. 46. Kupferaxt von Tlacolula. Nach PUTNAM.]
Die im Peabody-Museum befindlichen gegossenen Kupferbeile aus
Mexiko sind von J. W. PUTNAM beschrieben worden.[347] Das älteste
Stück ist eine etwa centimeterdicke Axt, 7,4 cm lang und 4 cm
breit, welche aus einem Tumulus von Venis Meicis im Staate S. Luis
Potosi stammt (Fig. 45). Diese Axt ist in einer Form gegossen und
durch Hämmerung vollendet. Mit ihr zusammen wurden Figürchen aus
Thon, zahlreiche Spinnwirtel, drei Vasen, Obsidiansplitter und ein
Steinmörser gefunden.
Einen zweiten Typus vertreten die 1881 zu Tlacolula im Staate
Oajaca gefundenen, aus sehr reinem Kupfer bestehenden Äxte, von
denen sechs Stück in das Peabody-Museum gelangten, die größte mißt
15 cm in der Länge und 6 cm in der Breite. Die Stärke übersteigt
nicht 8 mm, wechselt jedoch sehr, namentlich nach der durch
Hämmerung verdünnten Schneide zu, während die Axt sonst gegossen
ist (Fig. 46).
[Illustration: Fig. 47. Kupfergerät von Teotitlan del Valle. Nach
PUTNAM.]
Die dritte Form, welche mit den Tförmigen Äxten von DUPAIX,
die oben erwähnt wurden, übereinstimmt, wurde zu Teotitlan
del Valle zwischen Oajaca und Mitla gefunden (Fig. 47). Es
erscheint dieser Typus als Ackerbauinstrument.[348] Die konvexe
Schneide ist 14, die Länge (mit dem Stiel aus Kupfer) 16 cm --
immerhin für eine Schaufel etwas klein und eher den Schabemessern
der Gerber entsprechend. Vier, nicht näher beschriebene, von
CHARNAY mitgebrachte Kupferäxte aus Mexiko, sind im Pariser
ethnographischen Museum.[349] Letzteres besitzt auch aus der
Kollection PINART sehr hübsche mexikanische Schellen aus
Kupfer.[350] Die Kleinheit aller bisher gefundenen mexikanischen
Kupfer- und Bronzegeräte weist darauf hin, daß diese Metalle bei
den Mexikanern immerhin noch verhältnismäßig wenig häufig waren,
was auch mit der relativen Seltenheit der Funde im Zusammenhang
steht.
Als CORTEZ im Jahre 1524 dazu schritt, sich in Mexiko selbst
Geschütze zu gießen, fand er zu diesem Zwecke wohl Kupfer vor,
»aber kein Zinn, ohne welches die Stückgießerei unmöglich ist«. Nur
schwierig trieb er zu diesem Zwecke (europäische) Zinnteller und
sonstige Gefäße zusammen, aber dieser Vorrat war bald erschöpft.
Doch bald fand er unter den Eingeborenen der Provinz Tachco
(Tasco) Stückchen davon »nach Art sehr dünner Münzen«, die dort
als Geld cirkulierten und daselbst gewonnen wurden. Kurz darauf
hatte CORTEZ die Zinngruben entdeckt, die er nun von Spaniern mit
eisernen Werkzeugen bearbeiten ließ.[351] So waren also die Stoffe
zur Bronzebereitung vorhanden. Die mexikanischen Bronzen enthalten
im Durchschnitte 9-10% Zinn und sind wohl geeignet, die härtesten
Stoffe zu bearbeiten, doch sind sie nur selten, auch wurde
Bronze wenig zu Waffen benutzt. Sehr schöne, in der Stadt Mexiko
ausgegrabene Bronzebeile (neben Glöckchen und Nadeln aus dieser
Legierung) besitzt die Christy Collection.[352] Ein 98 mm langer,
oben cylindrischer, nach unten zu prismatischer, an der Schneide
schräg abgeschnittener Bronzemeißel liegt im Nationalmuseum zu
Mexiko. Die Legierung besteht aus 97,9% Kupfer, etwas über 2% Zinn
und geringen Mengen Gold und Zink. Die Anwesenheit des letzteren
Metalls läßt das Alter des Instrumentes zweifelhaft erscheinen.[353]
Als KOLUMBUS auf seiner vierten Reise 1502 bei der Insel Guanaja
(Isla de Pinos) landete, traf er auf eine yukatekische, 2 m
breite und aus einem Baumstamme hergestellte Galeere, deren
Ladung aus verschiedenen Produkten heimischer Industrie bestand,
darunter wieder eherne Glöckchen und Äxte, Tiegel mit Deckeln zum
Schmelzen des Kupfers und daneben hölzerne Schwerter mit Zähnen
von Feuerstein (Obsidian) besetzt.[354] Stein- und Metallzeit
waren hier also gleichsam an Bord vereinigt und die ausdrücklich
erwähnten Schmelztiegel für Kupfer lassen uns wenigstens einiges
von den metallurgischen Prozessen der Mexikaner ahnen.
Wohl erzählen die alten Autoren, daß die Mexikaner die Metalle
mit Feuer bearbeiteten und die erhaltenen Werke bestätigen dieses
durch den Augenschein; über die Methode und die dabei angewendeten
Geräte bleiben wir aber im Unklaren, doch dürfen wir etwa annehmen,
daß das Ausschmelzen des Kupfers in derselben primitiven Weise
erfolgte, wie sie etwa heute bei den Negern ausgeübt wird.
Die alten Mexikaner verstanden es zu schmelzen, zu gießen, zu
treiben; gelötete Metallsachen sind mir nicht bekannt geworden.
Einige Andeutungen über die Art, wie die Indianer die Metalle
behandelten, giebt uns AUGUSTIN DE ZEVALLOS, der 1614 aus Granada
in Nicaragua einen Brief an König Philipp III. sandte, welcher sich
mit dem damaligen Zustande des heutigen Costarica befaßte, wo die
Eingeborenen noch in ziemlich ungebrochenem Zustande lebten. Sie
gaben im Tausch die Produkte ihres Landes, unter denen ZEVALLOS
erwähnt »Stücke Goldes in Form von Adlern, Schlangen, Kröten,
Spinnen, Medaillen, Schaumünzen und andere Machwerke, die sie in
den verschiedensten Formen anfertigen, indem sie das in Thonpfannen
geschmolzene Gold in Formen gießen«. Das Gold wurde, wie ZEVALLOS
hervorhebt, mit Kupfer legiert und die Schaumünzen (_patenas_)
wurden durch Hämmern erzeugt.[355]
Daß wir so dürftig über die Metalltechnik dieses alten
amerikanischen Kulturvolkes unterrichtet sind, liegt auch
wesentlich mit darin, daß nach der Ankunft der Spanier und nach
der Einführung des Eisens eine schnelle Vernichtung der heimischen
Metallindustrie eintrat. CORTEZ hebt selbst in seinen Berichten an
KARL V. hervor, daß nach der Konquista die Künste und bewunderten
Kunstprodukte der Eingeborenen schnell verschwanden. Diesem bald
vollständigen Verfall haben wir es auch zuzuschreiben, daß der
verspäteten Aufmerksamkeit der Beobachter vieles und wichtiges auf
dem uns interessierenden Felde entgehen mußte.
Die zuerst nach Mexiko gelangten Spanier, welche die dortigen
Gußwerke sahen, waren erstaunt darüber, und die europäischen
Goldschmiede konnten nicht genug die Arbeiten ihrer mexikanischen
Genossen bewundern, welche CORTEZ an KARL V. gesandt hatte. Die
Nachbildungen nach der Natur galten als außerordentlich treu;
gegossen waren ein Fisch, dessen Schuppen abwechselnd aus Gold
und Silber bestanden, ein Papagei mit beweglichem Kopfe und
beweglichen Flügeln; ein Affe, dessen Kopf und Füße beweglich
waren. Diese Kunst, deren Erfindung man dem Gotte Quetzalcoatl
zuschrieb, ist den späteren Indianern verloren gegangen. Auch das
Treiben mit dem Hammer verstand man, wenn auch in dieser Beziehung
die Arbeiten mit den gleichartigen europäischen keinen Vergleich
aushielten; das Kupfer wurde mit Steinen gehämmert. Gießer und
Goldschmiede bildeten in Mexiko eine angesehene Korporation, deren
Schutzgott Xipe war. Zu seinen Ehren wird im zweiten Monat ein Fest
abgehalten, bei dem man Menschenopfer darbrachte.[356]
Wenig ist, was wir vom Bergbau wissen. In Michoacan soll derselbe
sehr primitiv gewesen sein. Weiter war man im eigentlichen Mexiko,
wo die Azteken es verstanden, Stollen mit Galerien zu schlagen
und Schachte zur Kommunikation wie zur Lüftung anzulegen. Das
zerkleinerte Erz wurde, wie SAHAGUN erzählt, mit drei verschiedenen
Arten von Kräutern gemischt(!) und dann in Öfen geschmolzen.[357]
Als im Jahre 1873 SANCHEZ Nachforschungen nach der _veta de Cobre_
(Kupferader) im Cerro del Aguila im Staate Guerrero anstellte,
durchstieß ein Peon mit seiner Stange den Boden dergestalt, daß
sie völlig verschwand. Man entdeckte infolge dessen eine alte 3 m
breite und 1,50 m tiefe Aushöhlung, auf deren Boden eine reiche
Kupferader verlief. Es zeigte sich, daß man es mit einem alten
Bergbau zu thun hatte; am Hangenden entdeckte man Spuren von der
Wirkung des Feuers und 142 Schlägel aus Stein von verschiedener
Form und aus einem der Grube fremden Gesteine zeigten, womit das
Erz abgebaut worden war.[358]
In den südlichen und östlichen Nachbarländern Mexikos scheint das
Kupfer keine große Rolle gespielt zu haben. In Yukatan werden keine
Metalle gefunden und wenn dort bei den Mayas neben Pfeilspitzen
aus Feuerstein und Fischgräten solche aus Kupfer vorkamen, so muß
hierbei an den Import von Mexiko gedacht werden.[359]
Dagegen ist Nicaragua reich an Kupfer und die Insel Ometepec im
Nicaraguasee ist als der Fundort kleiner, gutgearbeiteter Goldidole
und von Figürchen aus Terracotta bekannt geworden. Auch hat man
einzelne Kupfergeräte dort gefunden; SQUIER erhielt eine Maske aus
Kupfer, welche einen Tigerkopf darstellt.[360] Aber der Ursprung
dieser Maske erscheint _extremely problematical_[361], da sie als
einziges Kunstwerk ihrer Art in dem kupferreichen Lande auftritt
und nichts anderes ihr nach Stil und Stoff verwandtes dort gefunden
worden ist.
Fußnoten:
[335] »Es ist ein in Europa weitverbreiteter Irrtum, alle
nicht bekehrten Indianer als Nomaden und Jäger anzusehen. Der
Ackerbau ist lange vor der Ankunft der Europäer in der neuen Welt
betrieben worden und ist noch zu finden zwischen dem Orinoko und
Amazonas unter den Waldschlägern, bis zu denen die Missionare
nun vorgedrungen sind.« HUMBOLDT et BONPLAND, Voyage. Relation
historique. Paris 1814. I. 460.
[336] CABEÇA DE VACA, Commentaires Cap. 44. In TERNAUX-COMPANS,
Voyages etc. pour servir à l'histoire de l'Amérique. 140. _Les
naturels -- portaient de nombreuses plaques de cuivre, qui, lorsque
de soleil frappait dessus, réfléchissaient une si vive lumière, que
cela produisait un coup d'oeil merveilleux._
[337] Drei Berichte des F. CORTEZ etc. Deutsch. Berlin 1834. 112.
[338] Die Vorgeschichte des Nordens. Hamburg 1878. 49.
[339] Hist. de los sucesos de la conquista etc. Madrid 1852. 89.
[340] CLAVIGERO, History of Mexico. Translated by CULLEN. London
1787. II. 368.
[341] CLAVIGERO a. a. O.
[342] PETR. MARTYR, Dec. V. Lib. X.
[343] BASTIAN, Kulturländer des alten Amerika. II. 663.
[344] El congresso internacional de Americanistas y el cobre entre
los Aztecas. Anales del Museo nacional de México. I. 387 (1879).
[345] Monarquia Indiana. II. 560.
[346] SANCHEZ a. a. O. 394.
[347] Notes on copper implements from Mexico. Proceedings of the
Americ. Antiqu. Soc. October 1882.
[348] Nur der spätere CLAVIGERO erwähnt das oben schon
beschriebene, _coatl_ genannte Ackerinstrument aus Kupfer mit
Holzstiel. STEFFEN (Die Landwirtschaft bei den altamerikanischen
Kulturvölkern. Leipzig 1883. 22) hebt hervor, daß die alten Quellen
hiervon nichts sagen, sondern nur von Holzschaufeln sprechen. Bis
jetzt seien noch keine Funde von anderen Ackerbauinstrumenten
gemacht worden.
[349] Revue d'Ethnographie. II. 367.
[350] Daselbst. II. 441 nebst Abbildung.
[351] Drei Berichte von F. CORTEZ an Karl V. Berlin 1834. 471.
[352] TYLOR, Anahuac. 138.
[353] G. MENDOZA, Un cincel de bronce de los antiguos Aztecas.
Anales del Museo nacional de Méjico. I. 117.
[354] PESCHEL, Zeitalter der Entdeckungen. 369.
[355] POLAKOWSKY, Bericht des Franziskanermönchs A. DE CEBALLOS
über die Provinz Costarica. Jahresbericht d. Ver. f. Erdkunde zu
Dresden. 1883. 123.
[356] CLAVIGERO, History of Mexico. Translated by CULLEN. London
1787. I. 413.
[357] WAITZ, Anthropologie der Naturvölker. IV. 104.
[358] J. SANCHEZ a. a. O.
[359] BANCROFT a. a. O. II. 742. 743.
[360] SQUIER, Nicaragua. New York 1852. II. 87. 89.
[361] BANCROFT a. a. O. IV. 67.
Die Metalle bei den Chibchas.
Jener Teil der Kordillere, dessen westlichen Fuß der Rio Magdalena
bespült und der, in nordöstlicher Richtung streichend, die
Hochebenen von Bogotá und Tunja bildet, südlicher aber in den
einsam stillen Regionen des _Paramo de la suma Paz_ gipfelt, wurde
zur Zeit der spanischen Konquista von dem Chibchavolke bewohnt,
welches die Spanier irrtümlich Muyscas genannt haben. Die Kultur,
welche die Konquistadoren bei ihnen antrafen, war selbständig
entstanden, nicht in Abhängigkeit von jener Mexikos. Gold, Silber,
Kupfer und Bronze waren in beiden Hälften Amerikas unabhängig von
einander dargestellt worden. Die mexikanische Metallurgie läßt sich
vielleicht bis Nicaragua oder zum Isthmus von Panama verfolgen --
hier aber hören aztekische Einflüsse auf und ein neues Kulturreich
beginnt. So war es zur Zeit der Eroberung, doch würde es wohl nur
noch kurzer Zeit bedurft haben und die nördlichen und südlichen
Kulturvölker wären in Austausch getreten, wenn nicht die Hand
der Konquistadoren sich vernichtend und eine fremde Kultur an die
Stelle setzend, schwer auf sie gelegt hätte. Von einer Verbindung
der Chibchas und Peruaner mit den Mexikanern ist uns nichts bekannt
geworden. Die Metalle sind, das Eisen ausgenommen, hier wie da
selbständig dargestellt worden und hier wie da mehr ausnahmsweise
und neben dem die Hauptgeräte und Hauptwaffen bildenden Steine im
Gebrauche gewesen.
Zur Zeit der Konquista lebten die Chibchas in einer relativ
vorgeschrittenen Kultur, die indessen nicht auf die Höhe der
mexikanischen oder peruanischen Gesittung hinaufreichte. Ihre
Kulturstufe lag zwischen jener des polierten Steines und der ihnen
bekannten Bronze. In einem an Metallen reichen Lande wohnend, wo
das Gold sich ihnen im gediegenen Zustande leicht offenbarte,
haben die Chibchas frühzeitig die Bearbeitung der Metalle gelernt,
wie die noch erhaltenen Gegenstände beweisen. Eigentümlich im
Stile sind namentlich die häufigen Goldfigürchen, während die
Bronzen weit seltener sind. Eine solche (Fig. 48), eine rohe
menschliche Figur, in dem bekannten Stile jenes Landes ausgeführt,
12,50 cm lang, mit über der Brust gekreuzten Armen und männlichem
Geschlechtsteile, befindet sich als die einzige ihrer Art neben 13
ähnlichen Goldfiguren im Leidener Museum.[362]
LEEMANNS sagt, diese Bronzefigur sei von gleich roher Arbeit, wie
die von ihm geschilderten Goldfigürchen, und die Abbildung deutet
auf gleiche Technik. Nach LEEMANNS sind die Figuren teils mit dem
Hammer und dem Lötrohr hergestellt, teils in Formen gegossen. Die
ersteren bestehen aus einer Platte, der man die allgemeinen Formen
gegeben hat und auf welche man dann die einzelnen Körperteile und
Details aus Metallfäden aufgelötet hat.
[Illustration: Fig. 48. Bronzefigur der Chibchas. Nach LEEMANNS.]
Von den den Chibchas verwandten und auf einer ähnlichen
Gesittungsstufe stehenden Eingeborenen des heutigen kolumbischen
Staates Antioquia wissen wir, daß sie zur Zeit der Entdeckung sehr
verschiedene Geräte und Waffen aus Stein besaßen, daß daneben aber
auch die Metallindustrie es zu einer nicht unerheblichen Ausdehnung
gebracht hatte. Man hat die gravierten Steinformen gefunden,
in denen Goldblättchen geschlagen wurden, und Meißel aus einer
Goldkupferlegierung, die hart genug zur Bearbeitung des Steines
waren. In dem goldreichen Staate sind zahlreiche Gegenstände und
charakteristische Figürchen aus Gold gefunden worden, und die
heutigen Bewohner erzählen sich, die alten Indianer hätten es
verstanden, mittels Kräutern das Gold zu erweichen und dann wie
Wachs mit der Hand zu formen. In der That verstanden sie es, das
Gold im Feuer zu bearbeiten, nicht bloß zu hämmern und zu treiben,
wie die Guß- und Lötstellen an den Figürchen deutlich zeigen; auch
wissen wir, daß VADILLO in Buritica bei den Indianern kleine Öfen,
Formen und andere Werkzeuge, um das Gold zu verarbeiten, antraf.
Bei Santa Marta hat man eine ganze Bevölkerung von Goldschmieden
getroffen, welche als _tairona_, d. h. die Schmiede, bezeichnet
wurde. Die Indianer konnten also das Gold schmelzen und gießen,
ziselieren und löten; die Geräte, welche sie hierzu benutzten,
bestanden teils aus einer Goldkupferlegierung, teils aus Stein.
Das Gold, dessen sie sich zu ihren Werken bedienten, war 12-
oder 14karätig. Die dargestellten Gegenstände sind meistens
Schmucksachen, Ohrringe und Nasenanhängsel von sehr verschiedenen
Formen und teilweise aus Filigran, sehr biegsame Gürtel,
Brustplatten, Vasen, Kelche, Haken und namentlich Figuren von
Menschen und Tieren, zumal Kröten, Eidechsen, Vögel und Fische,
niemals aber Früchte oder Blumen.[363]
Fußnoten:
[362] LEEMANNS, Congrès des Americanistes. Luxembourg 1877. II.
286. Fig. 14.
[363] Dr. POSADA ARANGO in Mém. d. l. soc. d'Anthropol. 2. série.
I. 211.
Kupfer und Bronze in Peru.
»_No tenian herramientas de hierro ni azero_«, berichtet ONDEGARDO
von den Inkaperuanern, wiewohl ihr Boden ungemein reich an Eisen
ist. Dagegen waren sie in der Kunst, andere Metalle darzustellen,
zu schmieden, zu gießen, ja selbst zu löten, weit vorgeschritten.
Gold, Silber, Kupfer, Blei und Zinn waren im metallischen Zustande
bekannt.
Da für uns hier dieselben Gesichtspunkte bei der Beurteilung der
Metallkenntnisse dieses altamerikanischen Kulturvolkes maßgebend
sind, wie bei den Mexikanern, so vermögen wir auch hier nur einen
kurzen Überblick zu geben. Bergbau, wie derselbe heute noch auf den
peruanischen Kordilleren in der Nähe von Yauri, 4000 m über dem
Meere, viele tausende von Indianern beschäftigt, und zwar nach den
von ihren Voreltern vererbten Methoden, war die Hauptbeschäftigung
eines großen Teiles der Eingeborenen. Sie förderten das Erz aus
Schachten, die noch erhalten sind und bauten Öfen (_guairas_)
aus Thon, um es mit Holz und Holzkohlen zu schmelzen. Diese Öfen
hatten einfache Luftzüge, denn Blasebälge waren den Inkaperuanern
unbekannt und wurden erst durch die Spanier eingeführt.[364] Die
peruanischen Goldschmiede arbeiteten ebenso kunstvoll wie die
mexikanischen. Ihre Gußmodelle waren aus Wachs und die getriebenen
Arbeiten zeichnen sich durch große Sauberkeit und Kunstfertigkeit
aus. Die Gräber der Inkas, ebenso deren Schatzkammern, lieferten
zahlreiche Beweise künstlerischer Thätigkeit in der feineren
Bearbeitung edler Metalle, wie Halsschmucke, Armspangen, Vasen aus
reinem Gold, Spiegel aus poliertem Silber, sehr empfindliche Wagen
aus Silber, zierliche Glocken aus Silber und Bronze, gewöhnlichere
Geräte aus Kupfer und Bronze -- sie alle geben Zeugnis von der
erlangten Fertigkeit der alten Peruaner in der Metalltechnik.
[Illustration: Fig. 49. Gegossener Kupferhammer aus Chile. Nach
EWBANK.]
Wie das Kupfer dargestellt wurde, wissen wir nicht, und im
gediegenen Zustande kommt es im Lande nicht vor. Möglicherweise
reduzierten sie dasselbe in einem der oben angeführten Öfen oder
sie importierten dasselbe aus Chile.[365] Bis vor nicht langer
Zeit waren überhaupt nur wenige, im Museum zu Lima befindliche
Gegenstände aus Kupfer in Peru gefunden worden, einige Idole,
Stäbe von Meterlänge und Schlangen[366]; seitdem sind aber weit
mehr Kupferobjekte entdeckt worden, wie deren denn die MACEDO'sche
Sammlung, jetzt im Berliner ethnographischen Museum befindlich,
allein 48 aufweist, darunter Beile, Morgensterne, Idole,
Tierfiguren, Scheiben, Halbmonde etc.[367]
Mit ihren Eroberungen trugen die Inkaperuaner ihre Kultur auch
weiter nach Süden und auf sie dürfen auch die alten Kupfergeräte
zurückgeführt werden, welche in Chile gefunden wurden. Ein 1,60 kg
schwerer gegossener Kupferhammer (Fig. 49) stammt aus einer
Quebrada der Provinz Atacama, gelegen unter 26° 42´ südl. Br.,
nicht fern vom Camino de los Incas. Er ist viel gebraucht und, wie
Schlagmarken beweisen, durch Hämmern wieder geschärft, nachdem
die Schneide abgenutzt war.[368] Da die Peruaner das Zinn und
seine Legierung mit Kupfer, sowie die daraus für das letztere sich
ergebende Härtung kannten, so ist anzunehmen, daß die Kupfergeräte
älter als jene aus Bronze sind. Nachdem jener Fortschritt einmal
erkannt war, mußte die Herstellung von Kupferbeilen etc. von selbst
fortfallen.
In der That ist die Bronze weit häufiger verbreitet unter den
alten Funden in Peru als Kupfer und man verstand sie von so
vortrefflicher Härte darzustellen, daß sie zur Anfertigung der
schwierigen unter den Inkas ausgeführten Bauten genügte. Ein in
den alten, zur Inkazeit bearbeiteten Silbergruben in der Nähe
Cuzcos gefundener Bronzemeißel, welchen HUMBOLDT nach Europa
brachte, enthielt nach VAUQUELIN's Analyse 96 Teile Kupfer und 4
Teile Zinn.[369] Etwas anderer Art ist die Zusammensetzung des
»Morgensterns« beschaffen, den DAVID FORBES analysieren ließ und
der bei Sorata gefunden wurde. Er enthielt 88% Kupfer und 11,4%
Zinn, sowie Eisen und Silber in geringer Menge.[370] Peruanische,
aber in Chile am Flusse Maypa gefundene Bronzen enthielten
dagegen wieder, ähnlich wie der Bronzemeißel HUMBOLDT's, 6% und
5% Zinn.[371] Ein von BOUSSIGNAULT analysierter Bronzemeißel aus
Steinbrüchen, welche zum Teil das Plattenmaterial der langen
Straße von Quito nach Cuzco lieferten, bestand aus 95% Kupfer und
4,5% Zinn, sowie etwas Blei, Eisen und Spuren von Silber.[372]
Eine konstante Mischung von Zinn und Kupfer, wie wir sie als
maßgebend für Bronze ansehen (9 Kupfer, 1 Zinn), ist daher in Peru
nicht vorhanden gewesen. Die mexikanischen Bronzen zeigen eine
andere Zusammensetzung als die peruanischen, was wieder für die
Unabhängigkeit beider Bronzereiche spricht.
Eine der Hauptfundstätten für peruanische Bronzen ist Chimu
an der Küste bei Truxillo gewesen, wo Waffen und Geräte so
massenhaft vorkamen, daß sie zentnerweise verkauft wurden. Viele
derselben gleichen in der Form europäischen Bronzekelten und
wurden wohl ähnlich wie diese benutzt. Die Abbildung Fig. 50 ist
ein Durchschnittstypus dieser Art und 22 cm lang; ganz gleiche
Ackerwerkzeuge werden heute noch in Nicaragua gebraucht, nur ist
Eisen an die Stelle der Bronze getreten; man benutzt sie zum
Umgraben des Bodens. Doch der Peruaner hatte Ackerwerkzeuge, welche
unserem Spaten in der Form näher kamen, wie Figg. 51 und 52 zeigen.
Der glatte Spaten ist 25 cm lang und 10 cm breit, der ornamentierte
30 cm lang und 10 cm breit. Auch ein Ackerwerkzeug mit gekrümmter
Schaufel (Fig. 53) ist in Chimu gefunden worden. Es ist 25 cm lang.
In großer Anzahl sind in Peru eigentümlich gestaltete Geräte
gefunden worden, welche in der Form sich stets gleich bleiben,
in der Größe aber von wenigen Centimetern bis zu einer Länge von
fast 60 cm wechseln und scheinbar aus einer dünnen, aber festen
Bronzeplatte geschlagen sind. Das untere, halbmondförmige Ende
ist stets zugeschärft, das obere, gerade abgeschnittene aber
nur gelegentlich. SQUIER hält dieses Instrument (Fig. 54) für
eine Kelle, welche bei der Anwendung des Thones beim Bau oder
in der Töpferei Verwendung fand. Als Messer der Peruaner werden
eigentümlich halbmondförmige und mit einem zuweilen ornamentierten
Stiele versehene Geräte aus Bronze bezeichnet, welche die Gestalt
von Figg. 55 und 56 zeigen.
Die häufigsten Bronzegeräte der Peruaner sind Lanzenspitzen
verschiedener Form, breit und schwer oder zierlich schlank und
leicht. Sie sind bis 50 cm lang gefunden worden, während die
Bronzepfeilspitzen 5-10 cm lang waren. Auch Morgensterne oder
Cassetêtes von der Form wie Fig. 57 haben die Peruaner aus Bronze
hergestellt.[373] Daß die Peruaner ihre Bronzekultur nach Süden
ausbreiteten, wurde bereits erwähnt. Doch sind die Bronzefunde
aus Chile, dessen Eroberung in der Mitte des 15. Jahrhunderts
durch den Inka Yupanki erfolgte, nicht häufig. Ihr Typus ist rein
peruanisch.[374]
[Illustration: Fig. 50-53. Peruanische Ackergeräte aus Bronze. Nach
SQUIER.]
[Illustration: Fig. 54. Peruanische Maurerkelle. Nach demselben.]
[Illustration: Fig. 55. Peruanisches Bronzemesser. Nach demselben.]
[Illustration: Fig. 56. Peruanisches Bronzemesser. Nach demselben.]
[Illustration: Fig. 57. Peruanischer Morgenstern. Nach demselben.]
Auf dem berühmten peruanischen Friedhofe von Ancon bei Lima wurden
im Jahre 1877 von dem Reisenden LEON DE CESSAC fünf Metallbänder
gefunden, die um die Schädel dort Begrabener gewickelt waren. Zum
Teil bestanden sie aus einem Gemisch von Kupfer und Gold, oder
Kupfer, Gold und Silber; eins derselben aber bestand aus Messing,
denn es enthielt 62,90% Kupfer und 32,04% Zink. Zink fehlt aber
in Peru; das Messing kann also nur durch die Spanier in das Land
gekommen sein.[375]
Fußnoten:
[364] WAITZ, Anthropologie der Naturvölker. IV. 444.
[365] RIVERO and TSCHUDI, Peruvian Antiquities. New York 1853. 215.
[366] RIVERO and TSCHUDI a. a. O. 222.
[367] Catalogue d'objets archéologiques du Perou. Paris 1881.
[368] THOMAS EWBANK in U. S. Naval astronomical expedition.
Washington 1855. II. 112 und Taf. VIII.
[369] Vue des Cordillères. 117.
[370] Journ. Ethnolog. Soc. New Series. II. 261 (1870).
[371] EWBANK a. a. O. II. 114.
[372] Acad. des sciences de Paris. Séance du 26. Fevr. 1883.
[373] G. SQUIER, Peru. London 1877. 174 ff.
[374] MEDINA, Los Aboríjenes de Chile. Santiago 1882. 333-413.
[375] Revue d'Ethnographie. I. 74 (1882). Das große und kostbare
Werk von REISS und STÜBEL über das Todtenfeld von Ancon vermochte
ich mir nicht zu verschaffen.
Die Verbreitung des Eisens über die Südseeinseln.
DAS BEKANNTWERDEN MIT DEM EISEN. Auf den Südseeinseln verbreiteten
zunächst die Spanier das Eisen. Das tahitische Wort für dieses
Metall, welches die Eingeborenen bei COOK's Anwesenheit
gebrauchten, nämlich _yuri_, ist aus _hierro_ entstanden. Als
OLIVIER VAN NOORT im Jahre 1600 nach der Insel Guaham (Ladronen)
kam, verlangten die Eingeborenen für ihre Landesprodukte von
ihm _hierro_. Als ROGGEWEEN 1727 auf dem flachen Eilande O-Anna
eins seiner Schiffe verlor, erhielten die Südseeinsulaner
neue Eisenvorräte. So gelang es ihnen auch, die Anker, welche
BOUGAINVILLE im Hafen O-Hiddia (Tahiti) zurückgelassen, vom Grunde
des Meeres aufzufischen, und der König von Tahiti schickte ein
Stück derselben dem Könige Opuni von Borabora, als eine Seltenheit,
zum Geschenke. Die englischen Entdecker brachten große Massen Eisen
auf die Südseeinseln. Selbst die kleinsten Stückchen des wertvollen
Metalles wurden von den Insulanern mit der größten Sorgfalt
aufgehoben. Als J. R. FORSTER nach Tongatabu kam, verkaufte man ihm
einen ganz kleinen, sorgfältig in ein Heft gefaßten Nagel, der ohne
Zweifel von TASMAN (1643) stammte und sich 130 Jahre lang erhalten
hatte. FORSTER übergab ihn dem britischen Museum.[376]
Auf Neuseeland wurde das Eisen durch COOK eingeführt. Schon bei
seinem zweiten Besuche 1773 machten sich die Maori am Charlottesund
nichts mehr aus Korallen, Bändern, Papier und ähnlichen Dingen, da
sie den Wert des Eisens erkannt hatten; sie wollten Nägel und Beile
haben, die sie nun durch die Erfahrung hatten schätzen lernen.
Bei der ersten Anwesenheit COOK's dagegen hatten sie sich gegen
Eisen ganz gleichgültig gezeigt, da sie von dessen Nutzen damals
noch keinen Begriff hatten. Ebenso war es an der Duskybai, wo die
Eingeborenen Beile und Nägel, die man ihnen gab, nicht wieder aus
den Händen ließen, während sie sich aus anderen Dingen nichts
machten. Der Mann, dem COOK damals 9 oder 10 Beile und 40 große
Nägel schenkte, war »der reichste in ganz Neuseeland«.[377] Überall
stand bald das schwarze Metall in hohem Werte und auf Huaheine
erhielt COOK für wenig Eisen ganz ungeheuere Vorräte von Schweinen,
Hunden und Hühnern.[378]
Daß einzelne Stückchen Eisen auf Handelswegen sich weit über den
ozeanischen Archipel vor der Ankunft der Europäer verbreitet
hatten, wird mehrfach bestätigt. Als 1783 das Schiff »Antilope«,
Kapitän WILSON, auf den Palauinseln strandete, stahlen die
Eingeborenen, die hier zuerst mit Europäern in direkte Berührung
kamen, sofort das Eisen und setzten es an die Stelle ihrer
Muschelschneiden an den Äxten; doch ein Zeichen, daß sie den Wert
dieses Metalles schon zu würdigen wußten. Das Eisen war in der That
schon früher, wiewohl als große Seltenheit und auf unbekannten
Wegen nach den Inseln gebracht worden, denn der Fürst von Korror
trug auf der Schulter ein Beil mit eiserner Schneide, »worüber sich
unsere Leute sehr wunderten, da man hierzulande gewöhnlich Stücken
von Muscheln dazu braucht«.[379]
Für die übrigen Karolinen lassen sich die ersten Decennien
unseres Jahrhunderts als die Periode der Ausbreitung des Eisens
bezeichnen. »Eiserne Beile galten zu unserer Zeit (1827) bei allen
Karolinenbewohnern als das Wünschenswerteste, was sie bei uns
erhalten konnten,« schreibt V. KITTLITZ, der mit LÜTKE dort war.
Auf Ualan fand derselbe Gewährsmann Muschelbeile noch allgemein im
Gebrauche, doch waren einzelne eiserne Werkzeuge bereits vorhanden,
die wahrscheinlich von dem französischen Schiffe Coquille stammten,
dem Augenschein nach Hobeleisen, die man der passenden Form
wegen gleich zu Beilen verwendete.[380] Der russische Reisende
MIKLUCHO-MACLAY erfuhr auf Yap von einem 50jährigen Eingeborenen,
daß zu dessen Jugendzeit schon vorwiegend eiserne Werkzeuge im
Gebrauche gewesen seien -- also in den dreißiger Jahren, während
zur Jugendzeit des Vaters des Erzählers Steinbeile allgemein
benutzt wurden.[381]
Die Schiffahrt erwies sich in Polynesien der Ausbreitung des Eisens
ungemein günstig und war die Ursache, daß das nützliche Metall
bald auf allen Inselgruppen bekannt war. Wir finden dagegen, daß
in Ländern, wo unter den Bewohnern kein erleichterter Verkehr
stattfand, der eine Teil derselben lange mit dem Eisen vertraut
sein konnte, während der andere noch absolut im Steinzeitalter
verharrte. Ein solches Land ist Neuguinea.
Seit altersher sind die Malayen mit der Darstellung des Eisens
vertraut und durch ihre Handelszüge gelangte die Kunst, es
zu gewinnen, zu den Papuas an der Westspitze von Neuguinea.
Die Schmiede bilden dort eine bestimmte Zunft, die sich des
Schweinefleisches enthält[382], ein Zeichen, daß mohamedanischer
Einfluß bei ihnen wirksam war. Ein fernerer Beweis dafür, daß sie
von den Malayen die Kunst, das Eisen zu verarbeiten, lernten, ist
die Art ihrer Windpumpen, welche ganz die charakteristische Form
haben, die von Madagaskar bis Neuguinea reicht. Während nun hier
im Westen der Insel schon lange die Eisenindustrie sich entwickelt
hatte, blieb das Metall im Osten derselben bis auf unsere Tage
vollkommen unbekannt. Dr. COMRIE, welcher 1874 auf dem »Basilisk«
das Ostkap Neuguineas besuchte, wo bis dahin die Eingeborenen noch
keinerlei Verkehr mit den Europäern gehabt hatten, fand jene noch
vollständig im Steinzeitalter. »_Iron up to our arrival being
unknown._« Sie erkannten aber bald den Vorzug der europäischen
Geräte und waren sehr begierig auf Eisen.[383] Eine Bestätigung
erhalten wir durch den Italiener BECCARI, der 1876 die Humboldtbai
im Norden der Insel besuchte, die allerdings schon früher durch
europäische Schiffe angelaufen war. Eiserne Geräte waren in den
Augen der dortigen Papuas von höherem Werte, als in den unserigen
Gold. »Ein einziges Stückchen Eisen, in eine rohe, doch für sie
furchtbare Waffe geformt, genügte, um das Ansehen eines ganzen
Stammes zu erhöhen.«[384]
In Neuguinea ist das letzte größere Land unserer Erde zu sehen,
welches mit dem Eisen bekannt wurde, und mit dem in unsere Zeit
fallenden Vertrautwerden seiner Eingeborenen mit dem wertvollen
Metalle ~findet die Verbreitung des Eisens über den Globus seinen
Abschluß~. Im tiefen vorgeschichtlichen Dunkel ruhen die Anfänge
-- den Abschluß können wir aber mit dem achten Jahrzehnt unseres
Jahrhunderts genau bezeichnen. Wie Neuguinea, so verhalten sich
auch die vorgelagerten, erst jetzt näher bekannt werdenden Inseln
Neubritannien und Neuirland. WILFRED POWELL[385], der an der
Spaciousbai auf Neubritannien Tauschhandel trieb, fand, daß dort
die Eingeborenen die auf Neuguinea jetzt so geschätzten eisernen
Hacken nicht kannten; sie kümmerten sich nicht um die ihnen
gezeigten eisernen Beile, da sie selbst steinerne noch benutzten;
nur nach Perlen und rotem Zeug stand ihr Verlangen.
~Archaistische Formung der neuen Eisengeräte.~ Mit einer
Übereinstimmung, die ein psychisches Gesetz offenbart, verfuhren
überall die Südseeinsulaner mit dem ihnen neuen Metall in der
ganz gleichen Weise. Sie behandelten dasselbe nämlich völlig nach
Art ihrer alten Stein- und Muschelgeräte und formten es diesen
gleich. Auf den Fidschiinseln bedient man sich jetzt zum Bearbeiten
des Holzes ganz allgemein unserer europäischen Beile, die jedoch
noch immer in der alten Weise, wie ehemals die Steinäxte, an den
Stiel befestigt werden, nämlich die Schneide nicht, wie bei uns,
parallel, sondern quer zum Griff.[386] MIKLUCHO-MACLAY sagt von
den Yapern: »Charakteristisch ist, daß sie die neuen Eisenbeile,
zu denen man Stahlmeißel benutzt, ganz so wie die alten Beile
aus Stein oder Muscheln am Stiele befestigten«[387], und an der
Ostspitze Neuguineas nahmen die Papuas das erste Eisen, welches sie
erhielten, z. B. Stücke von Schaufeln, schärften es und _hafted it
in the same way as their stone tools_.[388]
Dieses Verfahren läßt sich übrigens auch bei anderen Naturvölkern
nachweisen, die zum erstenmale mit dem Eisen vertraut wurden.
Die eisernen Pfeilspitzen auf den Andamanen werden jetzt genau
so in der Form aus Eisen geschliffen, wie die alten aus Knochen
und Schweinszähnen hergestellten, die man in den Küchenabfällen
findet.[389] HANS STADEN aus Homberg in Hessen schildert uns den
Übergang der brasilianischen Tupis aus der Stein- in die Eisenzeit;
er berichtet, wie sie vordem überall und zu seiner Zeit teilweise
noch da, wo keine europäischen Schiffe hinkommen, Steingeräte
hatten und zwar »ein Art schwarzblauer Stein, machen ihnen wie ein
Keil und den breitesten Ort (des Steines) machen sie stumpf scharf,
ist wohl einer Spannen lang, zweier Finger dick, einer Hand breit,
etliche sein größer, etliche kleiner. Danach nehmen sie ein schmal
reidelin (eine Gerte) und beugen es oben drum her, bindens mit Bast
zusammen. Dieselbige Figur haben nun auch die eisern Keil, so ihnen
die Christen geben auf etlichen Orten«.[390] Die eisernen Beile der
Patagonier sind jetzt ganz nach Art der alten Steinäxte gestaltet
und an die Handhabe befestigt.[391] Die eisernen Beile, welche die
Konjagen in Nordwestamerika machten, wurden ganz nach dem Modelle
der alten Steinwerkzeuge hergestellt.[392] Die gewöhnliche Axt der
Grönländer besteht aus einem breiten Meißel in einer hölzernen
Handhabe _apparently in the same way as the stone chisels from the
prehistoric age have been fitted for use_.[393] Und so zeigten auch
die Hallstätter prähistorischen Eisenwaffen die für Bronzewaffen
charakteristischen Formen.[394] Wir haben selbst direkte Beweise
dafür, daß in vorgeschichtlicher Zeit in der gleichen Weise beim
Übergange vom Stein zum Metall verfahren wurde. Graf G. WURMBRAND
hat bei den Funden in den Pfahlbauten des Attersees nachgewiesen,
daß Lehmformen über Steinbeilen angefertigt und darin Metallbeile
gegossen wurden.[395] Nach dem gleichen Gesetze haben sich bis zum
heutigen Tage im Taunus Äxte, Meißel, Beile, Schlüssel bei der
ländlichen Bevölkerung im Gebrauche erhalten, welche durch ihre
Formen beweisen, daß sie nach römischen Mustern gearbeitet sind, da
die Originale in den Funden des römischen Kastells Saalburg sich
nachweisen lassen.[396]
~Sprachliche Anpassung.~ Die Südseeinsulaner hatten sich zunächst
auch sprachlich mit dem neuen Metalle auseinander zu setzen und es
ist lehrreich, zu beachten, wie sie dabei verfuhren. In fast allen
den zahlreichen melanesischen Sprachen finden wir heute Wörter
für Eisen[397], in denen wir aber weder einen Anklang an _iron_,
_hierro_, noch an das malayische _besi_ entdecken können und die
auf anderweitigen, einheimischen und übertragenen Begriffen zu
beruhen scheinen. Es läßt sich dieses wenigstens aus dem auf den
Admiralitätsinseln für Eisen gebrauchten Worte _laban_ schließen,
das nicht etwa die Verstümmelung eines europäischen Wortes ist,
welches den Eingeborenen bei dem Bekanntwerden mit dem Metalle
übermittelt wurde, sondern das einheimische für Manganerz übliche,
denn mit diesem pflegen sie ihren Körper zu schwärzen. Sie hatten
für Eisen keine ähnliche Substanz und übertrugen daher diesen Namen
auf dasselbe.[398]
Im westlichen Polynesien und östlichen Melanesien finden wir
für Eisen ein Wort im Gebrauch, welches in den Wörterbüchern
übereinstimmend als gleichwertig mit »Metall« gegeben wird, wie
wohl Metalle den Südseeinsulanern unbekannt waren. Es lautet
_ukamea_ auf Tonga, _kaukamea_ auf Fidschi, _hackoumea_ auf der zu
den Salomonen gehörigen Kokosinsel. Auf Samoa ist die Bezeichnung
_uamea_ und hier giebt das Lexikon[399] den Schlüssel, denn
mit _uamea_ bezeichnet man dort »alles, was gut ist«. In dem
neuseeländischen _rino_ und dem auf Fidschi auch gebräuchlichen
_aironi_ ist unschwer das englische _iron_ zu erkennen, wie das
_aúri_ der Markesasinsulaner auf _hierro_ zurückzuführen sein
dürfte. Dann würde dieses Wort bis zum Jahre 1595 zurückreichen und
entstanden sein, als damals ALVARO MENDANA die Inseln entdeckte.
~Wirkungen des Eisens auf die Ozeanier.~ Die Wirkungen, welche
die Einführung des neuen Metalles auf die Eingeborenen der Südsee
hervorbrachte, sind keineswegs als günstige aufzufassen. Wie das
Gold, wenn es einer Bevölkerung zuströmt, auch Laster im Gefolge
hat, so das Eisen bei den Polynesiern. Für einen eisernen Nagel
war den Maori Neuseelands die Keuschheit einer Frau feil und für
eisernes Geräte boten die Männer ihre Töchter und Schwestern
ohne Unterschied an. Wie die offen stehenden, riegellosen Häuser
zeigten, kannten die Tahitier vor der Ankunft der Europäer den
Diebstahl nicht: aber der verführerische Reiz des Eisens brachte
sie dazu, daß sie dasselbe von den europäischen Schiffen
stahlen.[400] Als die Südseeinsulaner noch in der Steinperiode
standen, mußten sie mit ihren geringen Geräten verhältnismäßig
hart arbeiten, um sich ihre Bedürfnisse zu erringen. Es verlangte
Ausdauer und Zeit, um einen Baum mit einem Muschelbeil zu fällen,
ein Kanoe mit einem Steine zu zimmern. Mit den Waffen und Beilen
aus Stein und Fischknochen haben wir Europäer ihnen das einzige
Mittel genommen, sich des schädlichen Einflusses ihrer natürlichen
Faulheit zu erwehren: das Bewußtsein, leicht etwas erreichen zu
können, er tötet nicht bloß bei Wilden die Begierde nach dem
Besitz. »Das Eisen des Europäers folgte zu rasch auf den Stein des
Wilden; so mußte notwendig das, was für sie angeblich ein Segen
werden sollte, sie krank machen und hinsiechen lassen an Leib und
Seele.«[401] Es ist das plötzliche Hereinbrechen der neuen Kultur,
das Unvermittelte derselben, welches, mit dem Eisen eine gänzliche
Umwälzung der Lebensgewohnheiten bringend, so gefährlich für die
Südseeinsulaner wurde und nicht wenig dazu beitrug, daß sie in der
bekannten Weise sich verminderten.
Fußnoten:
[376] J. R. FORSTER's Bemerk. auf seiner Reise um die Welt. Berlin
1783. 321.
[377] GEORG FORSTER, Sämmtliche Schriften. I. 178. 147. 154.
[378] Das. I. 313.
[379] KEATE, Nachrichten von den Pelewinseln. Deutsch. Hamburg
1789. 46. 412. 74.
[380] V. KITTLITZ, Denkwürdigkeiten einer Reise etc. Gotha 1858.
II. 2. I. 376.
[381] Archiv für Anthropologie. XI. 337.
[382] VAN HASSELT in Zeitschrift für Ethnologie. 1876. 171.
[383] Journ. Anthropol. Instit. VI. 111 (1871).
[384] Geograph. Magazine. 1876. 213.
[385] Wanderings in a wild country. London 1883. 111.
[386] M. BUCHNER, Reise durch den Stillen Ozean. Breslau 1878. 237.
[387] Archiv f. Anthropol. XI. 337.
[388] Journ. Anthropol. Instit. VI. 111.
[389] A. DE ROEPSTORFF in Zeitschr. d. Ges. für Erdkunde zu Berlin.
1879. 11. -- MAN im Journ. Anthropol. Inst XII. 379 giebt an, daß
sie das Eisen zu diesem Zwecke kalt mit Steinen hämmern.
[390] HANS STADEN, Wahrhaftige Beschreibung etc. Kap. X der zweiten
Abteilung. Marburg 1557.
[391] MUSTERS, Unter den Patagoniern. 180. Fig. 6.
[392] HOLMBERG, Völker des russischen Amerika. Helsingfors 1855.
I. 101. Und so auch die benachbarten Thlinkithen. KRAUSE in
Verhandlungen der Berl. Anthropol. Ges. 1883. 207.
[393] H. RINK, Danish Greenland. London 1877. 271.
[394] UNDSET, Eisen in Nordeuropa. 14. 333.
[395] Mitteil. Wiener Anthropol. Ges. V. 131.
[396] Korrespondenzblatt der deutschen anthropol. Ges. 1882. 225.
[397] G. V. D. GABELENTZ und A. B. MEYER, Beiträge zur Kenntnis der
melanesischen Sprachen. Leipzig 1882. No. 98.
[398] MOSELEY im Journ. Anthropol. Instit. VI. 395 (1877).
[399] VIOLETTE, Dictionnaire samoa-français. Paris 1880. s. v.
[400] G. FORSTER, Sämmtliche Schriften. I. 182. 183. 282.
[401] SEMPER, Die Palauinseln. Leipzig 1873. 355.
Verlag von VEIT & COMP. in Leipzig.
=du Bois-Reymond, Emil=, =Dr. Carl Sachs' Untersuchungen am
Zitteraal= -- Gymnotus electricus. -- Nach seinem Tode bearbeitet.
Mit zwei Abhandlungen von ~Gustav Fritsch~. Mit 49 Abbildungen
im Text und 7 Tafeln. Roy.-8. 1881. geh. M 26.--
=Fürst, Livius=, =Die Maass- und Neigungverhältnisse des Beckens=.
Nach Profil-Durchschnitten gefrorener Leichen. Mit 7 lithographirten
Tafeln. 4. 1875. cart. M 10.--
=Groddeck, Albrecht von=, =Die Lehre von den Lagerstätten der Erze=.
Ein Zweig der Geologie. Mit 119 Abbildungen in Holzschnitt. gr. 8.
1879. geh. M 8.--
=Hartmann, Robert=, =Der Gorilla=. Zoologisch-zootomische
Untersuchungen. Mit XIII in den Text gedruckten Holzschnitten und
XXI Tafeln. 4. 1880. geh. M 30.--
=Hoernes, R.=, =Elemente der Palaeontologie=. Mit gegen 700 in den
Text eingedruckten Holzschnitten, gr. 8. 1884. geh. ca. M 14.--
=Magnus, Hugo=, =Die Anatomie des Auges= bei den Griechen und Römern,
gr. 8. 1878. geh. M 2.40
---- =Die geschichtliche Entwickelung des Farbensinnes.=
gr. 8. 1877. geh. M 1.40
---- =Geschichte des grauen Staares.= Mit 1 lithographirten
Tafel. gr. 8. 1876. geh. M 8.--
=Ploss, H. H.=, =Ueber die Lage und Stellung der Frau während der
Geburt bei verschiedenen Völkern=. Eine anthropologische Studie. Mit
6 Holzschnitten, gr. 8. 1872. geh. M 1.50
---- =Zur Geschichte, Verbreitung und Methodik der
Fruchtabtreibung.= Culturgesch.-mediz. Skizze. gr. 8.
1883. geh. M 1.40
=Ribot, Th.=, =Die Erblichkeit=. Eine psychologische Untersuchung
ihrer Erscheinungen, Gesetze, Ursachen und Folgen. Deutsch von Dr.
med. ~Otto Hotzen~, gr. 8. 1876. geh. M 7.--
Eine umfassende Darstellung und Verarbeitung der
wichtigsten über die Vererbung bekannten Thatsachen.
Die körperliche Vererbung wird als Grundlage des
ganzen Gebietes in der Einleitung behandelt, des
Werk selbst ist dagegen hauptsächlich den hierher
gehörigen psychologischen Erscheinungen gewidmet. Der
erste Abschnitt enthält eine Zusammenstellung des
Thatsächlichen, der zweite die Gesetze der Vererbung, der
dritte deren Ursachen und der vierte deren Folgen.
=Stannius, H.=, =Handbuch der Anatomie der Wirbelthiere=. Zweite Aufl.
Erstes Heft: ~Zootomie der Fische~, gr. 8. 1854. geh. M 6.--
Zweites Heft: ~Zootomie der Amphibien~, gr. 8. 1856. geh. M 6.--
=Hahn, F. G.=, =Insel-Studien=. Versuch einer auf orographische und
geologische Verhältnisse gegründeten Eintheilung der Inseln. Mit
einer Karte in Farbendruck, gr. 8. 1883. geh. M 7.20
=Kohl, J. G.=, =Die geographische Lage der Hauptstädte Europa's=.
gr. 8. 1874. geh. M 10.--
Der Verfasser schildert die Ursachen der Lage und
Weltstellung der namhaften Hauptstädte Europa's. Er
behandelt die Richtung der auf sie zielenden Flussläufe
und Thalbecken oder der bei ihnen zusammentreffenden
Küstenlinien und entwickelt daraus, wie der lebendige
Verkehr das Emporblühen der einzelnen Plätze herbeigeführt
hat.
=Der Periplus des Erythräischen Meeres= von einem Unbekannten.
Griechisch und deutsch mit kritischen und erklärenden Anmerkungen
nebst vollständigem Wörterverzeichniss von =B. Fabricius=. gr. 8.
1883. geh. M 6.--
Ein ägyptischer Kaufmann schildert im Periplus seine
im letzten Drittel des ersten Jahrhunderts unserer
Zeitrechnung unternommenen Fahrten an der Westseite des
rothen Meeres mit der sich anschliessenden Ostküste
Afrika's und an der Ostküste des rothen Meeres hin bis
nach Indien, um Vorderindien herum, an Ceylon vorüber bis
an die Mündung des Ganges. Zum ersten Male werden diese
für die Culturgeschichte so wichtigen Aufzeichnungen
in deutscher Uebersetzung mit ausführlichem Commentar
veröffentlicht.
=Petermann, J. H.=, =Reisen im Orient=. Mit Titelbild und
Uebersichtskarte der Reisen 1852-1855. Zweite Ausgabe. Zwei Bände
in einem Band. gr. 8. 1865. geh. M 9.--
=Richthofen, Ferd.= Freiherr von, =Aufgaben und Methoden der heutigen
Geographie=. Akademische Antrittsrede gehalten in der Aula der
Universität Leipzig am 27. April 1883. gr. 8. geh. M 1.80
=Sachs, Carl=, =Aus den Llanos=. Schilderung einer
naturwissenschaftlichen Reise nach Venezuela. Mit Abbildungen im
Text und einem Titelbilde. gr. 8. 1879. geh. M 9.--
Das Werk des in den Tiroler Alpen verunglückten
hoffnungsvollen jungen Gelehrten ist eine der
besten Erscheinungen auf dem Gebiete der neueren
Reisebeschreibung. Es schildert in lebendiger und
anziehender Weise die Erlebnisse und Eindrücke des
Verfassers auf einer im Auftrage der Berliner Akademie
der Wissenschaften auf Kosten der Humboldtstiftung in den
Jahren 1876-1877 ausgeführten Reise nach Venezuela.
=Schultze, Victor=, =Die Katakomben=. Die altchristlichen Grabstätten.
Ihre Geschichte und Monumente. Mit 52 Abbildungen im Text und einem
Titelbilde. Roy.-8. 1882. geh. M 10.--
Wohl selten verlässt ein Reisender Rom, ohne in die
Katakomben hinabgestiegen zu sein und die grosse
unterirdische Todtenstadt besichtigt zu haben. Die Anlage,
die Inschriften und Embleme, die Wand- und Deckenmalereien
sind für die Erkenntniss christlicher Anschauung, für
die Gefühle und Ausdrucksweise der ersten christlichen
Jahrhunderte von grösster Wichtigkeit, und das Interesse
dafür tritt in immer weiteren Kreisen hervor. Zum ersten
Male in deutscher Sprache werden im Schultze'schen Werke
die Resultate der ~gesammten~ Katakombenforschung auf
Grund selbständiger Forschung dargestellt. Nicht nur die
Katakomben zu Rom, sondern auch diejenigen in Sicilien,
Griechenland u. s. w. finden eingehende Berücksichtigung.
=Supan, A.=, =Grundzüge der physischen Erdkunde=. Mit 139 Abbildungen
im Text u. 20 Karten in Farbendruck, gr. 8. 1884. geh. M 10.--
Anmerkungen zur Transkription 2:
Im Original _kursiv_ gesetzter Text wurde mit _ markiert.
Im Original ~gesperrt~ gesetzter Text wurde mit ~ markiert.
Im Original =fett= gesetzter Text wurde mit = markiert.
Im Original +griechisch+ gesetzter Text wurde mit + markiert.
Überschriften wurden im Schriftbild vereinheitlicht.
Bildunterschriften wurden weitesgehend vereinheitlicht.
Abbildungen wurden innerhalb des Textes an den Beginn oder das
Ende von Absätzen verschoben und entsprechend ihrer Nummerierung
reorganisiert.
Brüche werden folgendermaßen dargestellt: 1 Viertel = 1/4, 1 Achtel =
1/8 u. s. w., die volle Zahl wird durch - vom Bruch separiert, d. h.
eineinhalb = 1-1/2.
Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen;
lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Bis
auf offensichtliche Druckfehler wurde vom Haupttext abweichende
Schreibweise innerhalb der Zitate beibehalten. Die Punktuation in
Referenzen, Inhaltsverzeichnis, Tabellen und Abbildungen wurde
weitestgehend egalisiert. Die Angaben im Inhalsverzeichnis wurde zu einer
chronologischen Darstellung korrigiert und Formatierungen egalisiert.
Fehlende Seitenzahlen im Inhalsverzeichnis auf Seite XII wurden eingefügt.
Referenzen zu Abbildungen werden im Text normalerweise wie folgt
dargestellt: (Fig. xyz).
Übernommen wurden:
Binué statt Binuë (Inhaltsverzeichnis, Seiten 27 und 48)
Bruce Foot, wahrscheinlich ist Robert Bruce Foote (22 September
1834 - 29 Dezember 1912) gemeint, ein britischer Geologe und
Archäologe, der oft als Gründer der prähistorischen Studien
von Indien bezeichnet wird (Encyclopedia Britannica:
www.Britannica.com). (Seite 58)
Bugias statt Buguias (Seite 89)
Camba Humbo statt Camba Huambo (Seite 19)
Fernao do Po statt Ferñao do Pó (Seite 7)
Fluß Botama statt Fluß Buotama (Seite 115)
Futa Djallon statt Fouta Djallon (Inhaltsverzeichnis,
Abbildungsverzeichnis, Seite 29 und Abbildung 12)
Hlinnitza statt Hlinitza (Seite 82)
Hofrat e Nahhas statt Hofrat En Nahas (Inhaltsverzeichnis,
Seiten 45, 46, 55 und 56)
Insel Ometepec im Nicaraguasee statt Insel Ometepe im
Nicaraguasee (Seite 153)
König Mtesa statt König Mutesa (Seite 16)
König Rumanika von Karagwé statt König Rumanyika von Karagwé
(Seiten 16 und 54)
Lake superior statt Lake Superior (Seiten 141 und 148, sowie
Fußnote 325)
Maypa statt Maipo River (Seite 157)
Madlicot statt Henry Benedict Medlicott, ein irischer Geologe,
der oft als Coautor in Texten über die Geologie in Indien
zitiert wird (Seite 66)
Michoacan statt Michoacán (Seite 152)
pariser Grobkalk statt Pariser Grobkalk (Seite 144)
Pharao Thutmes III, welcher wahrscheinlich Pharao Thutmosis
(Seite 5)/Thutmose III (Seite 4) war.
Roggeween statt Roggeveen (Seite 160)
Schildkrot (Seite 5 Tausch Elfenbein, Schildkrot und
Rhinozeroshorn gegeben wurden.), möglicherweise meinte man
Schildkröte. Der Text wurde im Original beibehalten.
Shwo-fàng-tsun statt evt. Shwo-fang-tsun (Seite 110)
Sorapur (Seite 66) und Sorapoor (Seite 62), wahrscheinlich ist
die indische Stadt Shorapur/Surapura im Yadgir Distrikt gemeint.
Teotitlan del Valle statt Teotitlán del Valle
(Abbildungsverzeichnis, Abbildung 47 und Seite 149)
Tonli-Sapsees statt Tonle-Sapsees (Seite 98)
Tongatabu statt Tongatapu (Seite 160)
Visvacarma statt Vishwakarma (Seite 101)
Wraks statt Wracks (Seite 136)
Einige Ausdrücke wurden in beiden Schreibweisen übernommen:
Amboss, Ambosse und Amboß, Amboße (verschiedene Textstellen)
Äthiopiern (Seite 5) und Athiopier (Seite 5)
Ausgepresster (Abbildung 21) und Ausgepreßter
(Abbildungsverzeichnis)
Ghurras (Seite 67) und Ghurrahs (Seite 63)
mehreremal (Seite 58) und mehrere Mal (Seite 131)
Njassasee, Nyasa-See, Malawi See und Abwandlungen (verschiedene
Textstellen)
Oker (Seite 72) und Ocker (Seiten 54 und 120)
Sambesi und Wortkombinationen (Seiten 19, 34, 35 und 49),
Zambesi (Seiten 20, 40 und 50) und Zambezi (Fußnoten 60 und 63)
Schachte (Seiten 19, 63, 110, 119, 140, 141 und 152) und
Schächte (Seiten 47, 63, 96 und 97)
Schamkonbezirke und Schemkonbezirke (beide Seite 115)
schmiedbare (Seite 69), schmiedbaren (Seite 69), schmiedbares
(Seite 44) und schmiedebares (Seite 8)
Serracoletts (Seite 29) und Serracolletts (Seite 40)
speziell (Seite 138) und speciell (Seite 72)
Tai-ngan-fu (Inhaltsverzeichnis) und Tai-ngau-fu (Seite 107)
ungeheuren (Seite 11) und ungeheueren (Seite 67)
wie wohl (Seite IV) und wiewohl (ca. 28 Textstellen)
zum ersten Male (Seite 46 und 2x Werbeseiten am Ende) und zum
erstenmale (Seiten 129 und 163)
Folgende offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert:
geändert wurde "auf eine selbständige und ursprüngliche Darstellnng
desselben, ohne erkennbare fremde Einflüsse."
in "auf eine selbständige und ursprüngliche Darstellung
desselben, ohne erkennbare fremde Einflüsse."
(Seite VI)
geändert wurde "gesellt mit Bronzen; welche letztere man auch"
in "gesellt mit Bronzen, welche letztere man auch"
(Seite VII)
geändert wurde "in Mexiko, in Cundinamarca und in Peru, stets aber
selbstständig und unabhängig von einander."
in "in Mexiko, in Cundinamarca und in Peru, stets aber
selbständig und unabhängig von einander."
(Seite VIII)
geändert wurde "Chinesisches Gefäß aus der Tschou-Dynastie."
in "Chinesisches Gefäß aus der Tschóu-Dynastie."
(Seite XV Abbildungsverzeichnis)
geändert wurde "Peruanische Mauerkelle. Nach demselben"
in "Peruanische Maurerkelle. Nach demselben"
(Seite XVI Abbildungsverzeichnis)
geändert wurde "Wie wir aus dem Periplus des Erythräischen Meeres
ersehen[14], wurden im ersten"
in "Wie wir aus dem Periplus des Erythräischen Meeres
ersehen[15], wurden im ersten"
(Seite 4 Fußnotenanker vom [14] auf [15] geändert)
geändert wurde "in Kriegsgefahren die Athioper grosser Bogen, aber
kurzer Pfeile;"
in "in Kriegsgefahren die Athioper großer Bogen, aber
kurzer Pfeile;"
(Seite 5)
geändert wurde "spitz und in tötliches Gift getaucht."
in "spitz und in tödliches Gift getaucht."
(Seite 5)
geändert wurde "dennoch aber den Schwarzen unentbehrlieh."
in "dennoch aber den Schwarzen unentbehrlich."
(Seite 9)
geändert wurde "die Eisenindustrie im Bar el Ghasalgebiete an den"
in "die Eisenindustrie im Bahr-el-Ghasalgebiete an den"
(Seite 10)
geändert wurde "haben wir die Nachrichten SERPA PINTOS, welche uns"
in "haben wir die Nachrichten SERPA PINTOs, welche uns"
(Seite 19)
geändert wurde "Beinringe sind in betracht der einfachen Werkzeuge,"
in "Beinringe sind in Betracht der einfachen Werkzeuge,"
(Seite 25)
geändert wurde "Oft finden sich darin kleinere oder größere Partieen,
in denen das Erz,"
in "Oft finden sich darin kleinere oder größere Partien,
in denen das Erz,"
(Seite 29)
geändert wurde "selbst auf die Eisenreduction zu verfallen,"
in "selbst auf die Eisenreduktion zu verfallen,"
(Seite 36)
geändert wurde "Rolle zu spielen wie die obenerwähnten Sandhäufchen
der Zulu."
in "Rolle zu spielen wie die oben erwähnten Sandhäufchen
der Zulu."
(Seite 53)
geändert wurde "Eisenerzeugung bei den Hindu, den Drawida nnd
assamesischen Bergvölkern in Vorderindien."
in "Eisenerzeugung bei den Hindu, den Drawida und
assamesischen Bergvölkern in Vorderindien."
(Seite 75)
geändert wurde "Hufeisen, Ringe, Maultrommeden, Nägel, Messer."
in "Hufeisen, Ringe, Maultrommeln, Nägel, Messer."
(Seite 80)
geändert wurde "welche von der Türkei und untern Donau durch"
in "welche von der Türkei und unteren Donau durch"
(Seite 81)
geändert wurde "may work them both alternetely, one with each hand."
in "may work them both alternately, one with each hand."
(Seite 88)
geändert wurde "Das Ambohimiangavogebirge ist so reich daran,"
in "Das Ambohimiangavorgebirge ist so reich daran,"
(Seite 90)
geändert wurde "Kupfererzen bei Mancayan im Districte Lepanto,
sowie im"
in "Kupfererzen bei Mancayan im Distrikte Lepanto,
sowie im"
(Seite 92)
geändert wurde "eines das geschmolzene Metall abfließt. während das
andere"
in "eines das geschmolzene Metall abfließt, während das
andere"
(Seite 96)
geändert wurde "Som-ron-sen liegt an den Ufern des Sung Chinit,
eines Zuflusses des"
in "Som-Ron-Sen liegt an den Ufern des Stung Chinit,
eines Zuflusses des"
(Seite 98)
geändert wurde "_by a succeding emperor Shuo-kang_"
in "_by a succeeding emperor Shuo-kang_"
(Seite 107)
geändert wurde "sehr alt sein, Denn das Thal ist voll von sehr"
in "sehr alt sein, denn das Thal ist voll von sehr"
(Seite 110)
geändert wurde "allerneuesten Zeit dem verdienstvollen Direktor
des Peabodymuseums,"
in "allerneuesten Zeit dem verdienstvollen Direktor des
Peabody-Museums,"
(Seite 132)
geändert wurde "mit Pfeilspitzen aus Obsidien und dazwischen
ein Federmesser"
in "mit Pfeilspitzen aus Obsidian und dazwischen
ein Federmesser"
(Seite 136)
geändert wurde "_toutefois ils devaient connaitre le métal, car leur
tradition dit que jusqu'a la trouvaille du vieillard,_"
in "_toutefois ils devaient connaître le métal, car leur
tradition dit que jusqu'à la trouvaille du vieillard,_"
(Seite 137)
geändert wurde "doch gehört hier die Verarbeitung bereit der
vorkolumbischen Zeit an."
in "doch gehört hier die Verarbeitung bereits der
vorkolumbischen Zeit an."
(Seite 140)
geändert wurde "und Gewerbe blüten, Weberei, Färberei, Malerei,
Bilderschrift zeigten"
in "und Gewerbe blühten, Weberei, Färberei, Malerei,
Bilderschrift zeigten"
(Seite 147)
geändert wurde "welche aus einem Tumulus von Venis Meicis im Staate
S. Luiz Potosi stammt (Fig. 45)."
in "welche aus einem Tumulus von Venis Meicis im Staate
S. Luis Potosi stammt (Fig. 45)."
(Seite 149)
geändert wurde "das letztere sich erergebende Härtung kannten,"
in "das letztere sich ergebende Härtung kannten,"
(Seite 157)
geändert wurde "GOGUET, III. 331 citiert bei TYLOR, Eearly history
of mankind. 208."
in "GOGUET, III. 331 citiert bei TYLOR, Early history
of mankind. 208."
(Fußnote 238)
geändert wurde "VANCOUVER's Reise. Berlin 1799. I. 181. II. 233.
251. 233."
in "VANCOUVER's Reise. Berlin 1799. I. 181. II. 233.
251. 283."
(Fußnote 302)
geändert wurde "Report upon U. S. Geograph. Survey west of the 100th
Meridian. vol. VII. Archäology. Wash. 1879. 273.
Plate XV. und Plate IV. Fig. 8."
in "Report upon U. S. Geograph. Survey west of the 100th
Meridian. vol. VII. Archaeology. Wash. 1879. 273.
Plate XV. und Plate IV. Fig. 8."
(Fußnote 304)
geändert wurde "Notes on copper implements from Mexico. Proceedings
of the Americ. Antiqu. Soc. Octobre 1882."
in "Notes on copper implements from Mexico. Proceedings
of the Americ. Antiqu. Soc. October 1882."
(Fußnote 347)Project Gutenberg
Die Metalle bei den Naturvölkern : $b Mit Berücksichtigung prähistorischer Verhältnisse
Andree, Richard