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Project Gutenberg

Aufsätze

Walser, Robert

2011deGutenberg #37579Original source

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  Aufsätze
  von
  Robert Walser


  Leipzig
  Kurt Wolff Verlag
  1913


  Einband und Vignetten zeichnete
  Karl Walser. Gedruckt bei Oscar
  Brandstetter, Leipzig. 25 Exemplare
  wurden auf Bütten abgezogen
  und handschriftlich numeriert

  Copyright 1913 by Kurt Wolff Verlag, Leipzig




Inhalt


                                               Seite

  Brief von Simon Tanner                           9

  An die Heimat                                   16

  Brief eines Mannes an einen Mann                17

  Eine Theatervorstellung                         20

  In der Provinz                                  29

  Frau und Schauspieler                           39

  Entwurf zu einem Vorspiel                       46

  Zwei kleine Märchen                             49

  Vier Späße                                      52

  Tell in Prosa                                   57

  Berühmter Auftritt                              60

  Percy                                           63

  Gebirgshallen                                   67

  Auf Knien                                       70

  »Guten Abend, Jungfer!«                         73

  Porträtskizze                                   76

  Ein Genie                                       79

  Don Juan                                        82

  Kino                                            87

  Wanda                                           90

  Fanny                                           92

  Lebendes Bild                                   95

  Ovation                                        100

  Guten Tag, Riesin!                             103

  Aschinger                                      109

  Markt                                          114

  Dinerabend                                     118

  Friedrichstraße                                123

  Berlin W                                       128

  Ballonfahrt                                    132

  Tiergarten                                     137

  Die kleine Berlinerin                          142

  Brentano                                       157

  Aus Stendhal                                   165

  Kotzebue                                       168

  Büchners Flucht                                171

  Birch-Pfeiffer                                 173

  Lenz                                           176

  Germer                                         184

  Das Büebli                                     193

  Paganini                                       202

  Der Schriftsteller                             207

  Allerlei                                       215

  Der Wald                                       224

  Zwei sonderbare Geschichten vom Sterben        227

  Der fremde Geselle                             230

  Die Einsiedelei                                233

  Reigen                                         236




  Es kommt mich Lachen
  und Lächeln an.
  Was liegt daran!
  Das sind so Sachen ...




Brief von Simon Tanner


Das alles, was ich jetzt hier schreibe, ist für Sie, liebe Frau. Ich
sehe so viel Zeit vor mir, die ich zu nichts anderem als zu einer
künstlichen Spielerei verwenden kann, eine solche Menge, einen solchen
Haufen von Zeit, daß ich nur von Herzen froh sein kann, diesen
Zeitvertreib gefunden zu haben. Man will und kann mich nicht
beschäftigen, man braucht mich nicht, ich stehe völlig außerhalb jedes
Bedürfnisses, wohlan, so gebrauche ich mich eben selber, wähle mir
selber den Zweck und halte mich für gut genug, irgendein Werk, wäre es
auch das sonderbarste und nutzloseste, zu vollführen. Ich bin breit und
schwer und voll von Empfindungen. So kläglich auch meine jetzige Lage
sein mag in dieser Spiegelgasse, so seltsam frei und mutig komme ich mir
vor, so leicht und erfinderisch in wohltuenden Gedanken ist mein Herz.
Nur ab und zu, um es offen herauszusagen, bin ich traurig und
hoffnungslos, denke an meine Zukunft als wie an etwas Verlorenes und
Düsteres, aber das sind Augenblicke, weiter nichts.

Ich schreibe an Sie, weil Sie eine schöne und liebe Frau sind, weil ich
jemanden im Sinne tragen muß, um lebhaft und aufrichtig schreiben zu
können, weil ich auf Erden immer das Nächste liebgehabt habe, und weil
Sie mir die Nächste sind, Sie, von der ich nur durch eine dünne, dumme
Zimmerwand abgetrennt atme und lebe. 

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